Sofortige Hilfe: Ausbildung zum Altenpfleger / Berufsbegleitender Student ratlos

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RatloserStudent

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06.09.2017
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(Vorweg: Der Text beinhaltet grammatikalische Fehler, da ich derzeit unterwegs bin)


Sehr geehrte Pflegefachkräfte,

an erster Stelle möchte ich einen Lob für Eure tägliche "Aufopferung" gegenüber den Pflegebedürftigen aussprechen.

Mein Name ist Marvin, bin 27 und lebhaft in Nordrhein-Westfalen.
Aktuell besuche ich das 4. Semester eines Aufbaustudiums an der Hochschule für Ökonomie und Management, dass sich erschwert auf die Themenfelder Marketing & Vertrieb konzentriert. (Studium: berufsbegleitend) Leider habe ich im Jahr 2012 aufgrund persönlicher "Verhaltensdefizite" gegenüber meiner Bildungsmöglichkeiten das Abitur fahrlässig versämmelt. (Zu wenige Punkte erreicht). Anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, die ich erfolgreich um ein halbes Jahr verkürzte.

Frühzeitig erkannte ich meine Fehlentscheidung im Bezug auf meiner Berufsausbildung und erhoffte mir mit meinen BWL-Studium eine neue Richtung einzuschlagen. (Zumindest in einem Großunternehmen - abseits der Logistik)
Desto länger ich jedoch studiere und in mehreren Unternehmen der Logistik sowie Industrie tätig bin,
umso unwohler fühle ich mich in der zukünftigen Rolle als gewinnbringender "Finanzheini", der für dubiose Produkte in Aktion tritt.
Bislang war ich zwar nur als Verkäufer und Fachkraft tätig, dennoch spüre ich eine Veränderung in meinen Berufswerten und den Werten meiner Person. Ich nehme mich also intensiver selbst wahr.
Ich erkenne in den Abteilungen einer gängigen Organisation daher keine Stelle, die mich privat erfüllen wird.
Die Unterforderung, das Desinteresse und die Monotonie gegenüber meiner aktuellen Aufgabenbereiche als Fachkraft, bewirken in mir Unkonzentriertheit und Schlechtleistungen, die mich bereits 2 Stellen in Zeitarbeitsfirmen kosteten.

Dazu muss ich sagen, dass ich nie in der Mathematik sondern in Deutsch, Englisch, Biologie und Sport meine stärkeren Seiten verzeichne.

Auf 1,85m Körpergröße trage ich ein Gewicht von 96Kg mit mir, da ich seit Jahren Kraftsport betreibe und
mich aus gesundheitlichen Gründen mit der Physiologie / Anatomie und Ernährungsformen auseinandersetze.
Ich wirke zwar etwas stämmig, dennoch besitze ich ein Herz, um Leidenszustände aus der Welt zu schaffen und dazu möchte ich meine Arbeitskraft ebenfalls einsetzen. Ich suche keine Dankeschön von Patienten, sondern möchte ich in meiner Berufswelt erkennen das ich gebraucht werde.

In der letzten Woche durfte ich innerhalb eines Pflegedienstes gerade einmal 2 Tage in der Frühschicht ein wenig mithelfen, um mir erste Eindrücke in dem Beruf als Altenpfleger einzuholen.

(Nach meiner positiven Haltung, bieten diese mir ebenfalls einen Ausbildungsplatz an, da der Fachkräftemangel natürlich allgegenwertig ist.)

Mir wurde bewusst, dass der psychische Stress mit den Überstunden und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern schon eine Herausforderung sind,
dennoch sehe ich gegenüber meinem Beruf eine deutliche Verbesserung. Die theoretische Beanspruchung entspricht zwar nicht dem Alltag in der Praxis, dennoch wächst man an der Verantwortung und diese suche ich enorm im Gesundheitsbereich.


Ich setze ich mich seit langem mit meiner beruflichen Neuplanung auseinander und dem nötigen Fixpunkt, der mein endgültiges Ziel beschreibt. Mein Ziel ist es letztendlich eine Führungsposition im Krankenhaus, Rehaklinik, Altenheim zu übernehmen, in dem ich medizinisches und kaufmännisches Wissen benötige um den Patientenumgang und die Abteilungsorganisation im Einklang zu halten.
Ich sehe mich also nicht als reiner Kaufmann an, sondern jemand der fachliche Praxis hat, medizinisch "mitreden" kann, doch vorwiegend im Hintergrund organisiert.
Wohl möglich Unternehmer der jedoch fachlich im Gesundheitssektor beruflich zuhause ist.
Der ein "vollwertiger" Fachmann ist.

Nach der Ausbildung als Altenpfleger eventuell "Gesundheitsmanagement" weiter zu studieren, wodurch ich meine Kredit-Points ebenfalls anrechnen lassen könnte, käme mir da in den Sinn. (Verkürzte Studienzeit / Kosten)


Wie seht Ihr meine Gedankegänge, die ich jetzt grob schilderte? Meint Ihr ich sollte mich dieser Richtung hingeben? Ohne weiteres Praktikum könnte ich diese Entscheidung natürlich bereuen, aber in Angesicht meines Berufs+Studium, sehe ich darin einen Befreiungsschlag, der mich auch wieder ins "normale" Leben rufen kann.

Ich wäre sehr erfreut, wenn Ihr mir Eure Einschätzungen mitteilen würdet.

Gruß


Marvin
 
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Fachkraft für Lagerlogistik
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MickeyBo

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01.11.2012
Bochum
Hi Marvin.
Hmm, du schreibst eine Menge über dich und deine Wünsche, hast aber nur ein einziges Mal eine Aussage über die Menschen mit denen zu tun haben wirst gemacht "und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern".
Du und die Pflege, das wird imho nichts. Der Umgang mit Menschen, die Freude daran (trotz des Stresses) und vor allem Empathie sind Grundvoraussetzungen. Davon sehe ich nichts in deinem Text, du wirst vermutlich gar nicht klar kommen in der Altenpflege.
Das ist nicht mal nur schön mit den Senioren am Tisch sitzen und quatschen, du wirst die Leute aus dem Bett holen müssen, oft eingenässt und eingestuhlt, das Bett beziehen die Menschen beim Waschen unterstützen, dabei Gesprächspartner und Ansprechpartner für alles in deren Leben sein. Du wirst mit Dementen umgehen die in ihrer vollkommen eigenen Welt leben und du wirst diese Welt akzeptieren müssen, wenn du gestresst wirkst machen diese Leute garantiert nicht was du möchtest. Die morgendliche Versorgung kann durchaus mal bis fast zum Mittagessen dauern, zwischendurch sorgst du dafür das die Bewohner Frühstücken, machst du Behandlungspflegen (Verbandswechsel, Blutzucker messen, Insulin spritzen ...) bringst andere erneut zur Toilette, läufst zum klingelnden Bewohner und wechselst das Inkontinenzmaterial, telefonierst mit Ärzten, Angehörigen, Betreuern etc.
Dann irgendwann ist Mittag und während und nach dem Essen geht das ganze Spiel weiter, zwischenzeitlich stellst du die Medikamente, guckst nach Frau X weil sie über Herzschmerzen klagst, misst die Vitalzeichen. Vielleicht hast du dann nicht mehr daran gedacht das Frau K. wieder aus dem Krankenhaus zurück kommt und dann stehen noch die Angehörigen eines Bewohners vor dir weil die Beine wieder nicht mit 5% Area Bodylotion eingecremt wurden.
Das wird als Schüler in 3 Jahren nur bedingt auf dich einströmen, aber das ist Arbeitsalltag und damit muss man klar kommen.
Leitung wird man auch nicht von heute auf Morgen, da muss man aber auch extrem viel Einsatz zeigen und der Arbeitstag ist dann auch nicht von 8-16 Uhr. Es wird vermutlich immer einen recht hohen Krankenstand geben, der muss ausgeglichen werden. Die Zahlen müssen stimmen trotz des hohen Krankenstandes, dazu kommen dann auch in diesem Bereich oft zusätzliche Arbeitszeiten durch Veranstaltungen für das ganze Haus oder auf den Wohnbereichen, Angehörige die erst nach der eigenen Arbeitszeit das Haus besichtigen können und vor allem die o.g. Belastung wird auf die Führungskräfte reflektiert.
Ich selber arbeite als Altenpfleger im Krankenhaus, dort ist z.b. die Ausstattung mit Arbeitsmaterial besser, dafür ist die Ballung an geriatrischen Patienten die einen hohen Aufwand an Pflege benötigen oft größer als in den Heimen. Es gibt in der Pflege von alten Menschen keine "entspannten" Arbeitsplätze.

Meiner Meinung nach solltest du nicht in die Pflegebranche gehen, von deinem Text ausgehend fehlt dir fast alles, was in diesem Bereich wichtig ist. Du wirst in diesem Bereich nicht glücklich werden. Erkennen das du gebrauchst wirst, das funktioniert zu einem Teil über den zufriedenen Patienten (eben der Dank). Ich mag mich täuschen, aber du siehst dich selbst im Vordergrund und der Patient bzw. Bewohner interessiert dich so gut wie gar nicht, er ist nur Mittel zum Zweck.

Es gibt so viele Möglichkeiten, die Logistik finde ich gar nicht so verkehrt wenn ich deinen Beitrag lese. Dort gehts es darum eine möglichst optimale Leistung für alle Kunden zu erbringen. Just in time, Optimierung von Arbeits/Transportprozessen. Einflussnahme von der Transportmeldung bis zur Auslieferung ... ich denke das du in diesem Bereich oder ähnlichen glücklich werden kannst. In der Pflege sehe ich das weder als Pflegekraft noch als Leitung für dich.

Viele Grüße Micha
 
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exam. Altenpfleger
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Gerontopsychiatrie/Neurologie
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Foxylady

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21.03.2011
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Ach was, Marvin sagte doch bereits, dass ihn die Existenz als "gewinnbringender Finanzheini" unwohl fühlt und dass sich seine Werte verändert haben.

Weiterhin:
Ich wirke zwar etwas stämmig, dennoch besitze ich ein Herz, um Leidenszustände aus der Welt zu schaffen und dazu möchte ich meine Arbeitskraft ebenfalls einsetzen. Ich suche keine Dankeschön von Patienten, sondern möchte ich in meiner Berufswelt erkennen das ich gebraucht werde.------
Mir wurde bewusst, dass der psychische Stress mit den Überstunden und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern schon eine Herausforderung sind,dennoch sehe ich gegenüber meinem Beruf eine deutliche Verbesserung. Die theoretische Beanspruchung entspricht zwar nicht dem Alltag in der Praxis, dennoch wächst man an der Verantwortung und diese suche ich enorm im Gesundheitsbereich.
Was ist dagegen zu sagen, wenn jemand mehr "Erfüllung" sucht und sich gleichzeitig Gedanken macht, sich dann noch Richtung Führungsposition weiterzubilden, denn er hat auch kaufmännische Kenntnisse?

Außerdem gibt es durchaus recelativ entspannte Arbeitsplätze, zum Beispiel in WGs , da gibts dann 8-10 Patienten, 2 Pfleger in der Früh, 2 in der Spätschicht, 1 in der Nachtschicht - das ist recht easy.
 
Qualifikation
Altenpflegerin und Autorin
Fachgebiet
freiberuflioch
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MickeyBo

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01.11.2012
Bochum
Das mag so sein, jedoch sollte der Kunde im Mittelpunkt stehen und ich finde in dem Beitrag keine Empathie gegenüber den Bewohnern/Patienten und mich stört sehr die Aussage "und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern". Mit dieser Grundeinstellung wird der alte Mensch dann sehr schnell zum lästigen Übel und der Pfleger zum Bestimmer.
 
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exam. Altenpfleger
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Gerontopsychiatrie/Neurologie
Weiße Rose

Weiße Rose

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28.04.2006
Stuttgart
Hallo Marvin,

warum dachtest du, hier eine Antwort zu finden?

Ich musste spontan an einen einen professionellen Coach denken.
Live.
Nix Internet oder so ;)!

Kreative Lebensplanung wünscht dir
die weisse rose
 
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Ambulante Pflege
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Foxylady

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21.03.2011
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Das mag so sein, jedoch sollte der Kunde im Mittelpunkt stehen und ich finde in dem Beitrag keine Empathie gegenüber den Bewohnern/Patienten und mich stört sehr die Aussage "und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern". Mit dieser Grundeinstellung wird der alte Mensch dann sehr schnell zum lästigen Übel und der Pfleger zum Bestimmer.
Er kann ja noch mal erklären, was er da erlebt hat, schließlich gibt es unerträgliche, agressive Meckerfritzen unter den Bewohnern, die auch nicht unbedingt dement sein müssen ;-) - - Ansonsten empfehle ich ein Praktikum und - wie schon angemerkt - einen Coach.
 
Qualifikation
Altenpflegerin und Autorin
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freiberuflioch
Deichkind88

Deichkind88

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Hallo Marvin,

ich habe Deinen Text gelesen und mich ein wenig selbst erkannt. Ich habe ein abgeschlossenes Health-Care-Management Studium mt großem Anteil Medizin abgeschlossen, eine Ausbildung als GuK und arbeite als Gesundheits- und Fitnesstrainerin mit diversen Zusatzausbildungen, u.a. auch in Ernährung und Rehabilitativer Fitness.
Ich hatte den gleichen Wunsch wie Du, das ausschließlich kaufmännische war mir zu trocken und ich habe eine Leitungsfunktion im Klinikum angestrebt. Letztlich war das nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Aber ich würde Dir empfehlen, gehe diesen Weg. Entscheide Dich aber eher für eine Ausbildung als GuK, dort hast Du eine größere Bandbreite an Möglichkeiten, mit denen Du arbeiten kannst. Letztlich ist der Anspruch auch ein anderer, als in der Altenpflege. Du bist flexibler, was Deine spätere Berufswahl angeht.
Ich finde es sehr schade, dass es hier Kollegen gibt, die Dir sofort davon abraten. Wir sollten froh sein, dass sich auch junge Leute mit Interesse und einem gewissen Intellekt für diese Ausbildungen interessieren...Empathie ist nicht die einzige Vorraussetzung und vor allem nicht das Wichtigste in unserem Beruf. Nicht mehr. Ich kenne aber diese Vorwürfe "Wofür brauchen wir studierte Pflegekräfte" oder "Was soll die hier arbeiten, sie wird doch eh irgendwann gehen"...Mach' Dir nichts daraus, geh' Deinen Weg und es braucht weit mehr, als nur Empathie, um eine gute Pflegekraft zu sein. Ganz abgesehen davon, dass sich Empathie nicht aus Texten herauslesen lassen, sondern letztlich nur aus Handlungen. Ich mache diesen Job schon lange (glücklicherweise nur noch Teilzeit) und sehe Professionalität (schließt Empathie keinesfalls aus) und Fachkompetenz als viel wichtiger an, als "Ich mache das, um Menschen zu helfen..."
Mache zur Abwechslung mal ein Praktikum, mindestens zwei Wochen, im Krankenhaus und schaue Dir das einmal an! Bring' aber vorher, sofern möglich, Dein Studium zu Ende!
Viel Erfolg
 
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Deichkind88

Deichkind88

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@MickeyBo
[QUOTE="MickeyBo, post: 341966, member]
Es wird vermutlich immer einen recht hohen Krankenstand geben, der muss ausgeglichen werden.
....
Ich mag mich täuschen, aber du siehst dich selbst im Vordergrund und der Patient bzw. Bewohner interessiert dich so gut wie gar nicht, er ist nur Mittel zum Zweck.[/QUOTE]

Ein wenig aus dem Kontext gegriffen, Du beschreibst den Ablauf auch sehr gut, aber - ich muss mich als Pflegekraft an erster Stelle sehen - denn wenn ich das nicht tue, dann opfere ich mich auf, stelle meine Bedürfnisse hinter die, des Patienten. Was ist das Resultat des ganzen? Ich brenne aus, werde schneller und häufiger krank und wer leidet dann? Die Bewohner oder die Patienten. Es hat nichts mit mangelnder Empathie zu tun, wenn ich mich vor den Patienten stelle.
Er muss mich auch nicht interessieren. Ich muss ihn nur gut pflegen.
 
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Eule123

Eule123

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Bayreuth
Ic[/QUOTE]
Er muss mich auch nicht interessieren. Ich muss ihn nur gut pflegen.[/QUOTE]

WOW!!! Es passiert nicht sehr oft, dass mir der Mund offen stehen bleibt, aber dieser Satz von Deichkind88 macht mich schlicht und ergreifend fassungslos. Ist denn Pflege, gute Pflege auf rein körperliche Bedürfnisse des pflegebedürftigen Menschen beschränkt? Dann könnte ich genauso gut als Mezgereifachverkäuferin arbeiten und einen sorgfältigen Umgang mit einem Stück Fleisch pflegen.
Vor mir im Bett liegt aber keine Portion Fleisch sondern ein Mensch mit all seinen Ängsten, Hoffnungen, Bedürfnissen. Wie sollte ich ihm gerecht werden, seinen Heilungsprozess unterstützen, wenn ich keine Empathie empfinden kann oder will?
Es wird schon lange über Roboter in der Pflege diskutiert, dann kann man sie gleich einführen!
Nix für ungut, so eine Einstellung macht mir wirklich Angst!
 
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Deichkind88

Deichkind88

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@Eule123

Ich habe nicht behauptet, dass Professionalität Empathie ausschließt. Ich arbeite durchaus "mit" den Patienten, seine Hoffnungen, Ängste etc. lasse ich nicht unbeachtet. Aber ich muss nicht in völliger Empathie und überbordendem Interesse für alle die Patienten (und das sind täglich 36 plus/minus bis zu 15 Neuaufnahmen) aufgehen. Da muss man irgendwann Grenzen ziehen, nicht nur aus Eigenschutz und Professionalität, sondern auch, weil ich der Meinung bin, dass dieses ständige "Empathie" und "Nächstenliebe" ist das Wichtigste in unserem Beruf mir gehörig gegen den Strich geht. Frag' einmal einen Mediziner danach. Der macht seinen Job auch nicht aus lauter Nächstenliebe und Empathie...
 
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@Eule123,
wir sind/ich bin professionell Pflegende und keine Ersatzangehörige. Zur Profession gehört zuwendende Distanz. Dies schließt nicht Empathie und professionellen Umgang mit Ängsten, Hoffnungen und Bedürftigen aus.
Ich bin auch nicht auf die Liebe des Patienten angewiesen, muss nicht dessen Liebling sein - meine Arbeit muss (nur) professionell gut sein
 
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31.01.2007
Bayreuth
@deichkind 88
ich habe lange überlegt, wie ich auf diesen post antworte. Die Aggressivität, mit der du Jemandem, der Empathie für wichtig hält, die Professionalität aberkennst, gibt mir zu denken. Kann es sein, dass du dich selbst abschottest, weil du sonst den Anforderungen dieses Berufs nicht mehr gewachsen bist? "täglich 36 plus/minus bis zu 15 Neuaufnahmen" sind eher ein Indikator dafür, dass in der Pflege seit langem etwas gewaltig schief läuft, aber kaum eine Rechtfertigung dafür, dass wir Pflegenden meinen, mit immer mehr Standards Qualität in die Pflege zu bringen. Gute Pflege erfordert mehr als nur "professionelle" Standards, sie berücksichtigt auch den ganzheitlichen Menschen.
"weil ich der Meinung bin, dass dieses ständige "Empathie" und "Nächstenliebe" ist das Wichtigste in unserem Beruf mir gehörig gegen den Strich geht. Frag' einmal einen Mediziner danach. Der macht seinen Job auch nicht aus lauter Nächstenliebe und Empathie..."
Warum machst du denn dann deinen "Job"? Der Verdienst kann es nicht sein, denn der ist lausig, gerechnet an der Verantwortung und an den Arbeitsbedingungen.

@resigniert
auch ich bin "professionell" Pflegende seit über 40 Jahren. Ich bin 63 Jahre alt und Krankenschwester mit der Fachweiterbildung in Anästhesie und Intensivmedizin. Wenn ich nicht gelernt hätte, die Balance zu halten zwischen Zuwendung und erforderlicher therapeutischer Distanz, wäre ich wohl kaum mehr in meinem Beruf tätig.
"Ich bin auch nicht auf die Liebe des Patienten angewiesen, muss nicht dessen Liebling sein - meine Arbeit muss (nur) professionell gut sein"
Bis zu diesem Satz kann ich deine Formulierung nachvollziehen. Aber dieser Satz impliziert, dass du eigentlich ganz gerne der Liebling des Patienten wärst, es jedoch nicht im Arbeitsalltag umsetzen kannst. Dein Trostpflasterchen für dich ist es, "professionell gute Arbeit " zu machen, wobei du aber wohl nur dein eigenes Gewissen beschwichtigen willst.

Langfristig in der Pflege arbeiten kann meines Erachtens nur der, der sich darüber im Klaren ist, dass dieser Beruf einer der schwierigsten überhaupt ist und enorme Anforderungen an Psyche und Physis des Pflegenden stellt. Gute Pflege kann nur dann geleistet werden, wenn man bereit ist, sich auch darüber im Klaren zu sein, dass wir eben nicht mit toten Gegenständen, sondern mit Menschen arbeiten.
Die widrigen Umstände, unter denen wir alle pflegerisch tätig sind, gehören immer und immer wieder angeprangert, in die Öffentlichkeit gezerrt. Aber wir dürfen auf keinen Fall resignieren und unsere Menschlichkeit dabei verlieren.
 
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Ambulanter Intensivpflegedienst
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resigniert

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03.01.2013
Münster

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[USER=37231]@resigniert


"Ich bin auch nicht auf die Liebe des Patienten angewiesen, muss nicht dessen Liebling sein - meine Arbeit muss (nur) professionell gut sein"
Bis zu diesem Satz kann ich deine Formulierung nachvollziehen. Aber dieser Satz impliziert, dass du eigentlich ganz gerne der Liebling des Patienten wärst, es jedoch nicht im Arbeitsalltag umsetzen kannst.[/USER]

Du interpretierst dies so, kennst aber weder mich, noch meine Kollegen. :)
Ich kann auch antworten ohne nur mich zu beschreiben. Ich benutze hier auch gerne die Ergebnisse von Gesprächen mit meinen Kollegen und deren Haltung zum Beruf. Ja, ich kenne diese. Ich habe einen guten (für Heutzutage) AG, meiner Station wurde eine Supervision angeboten und sie wurde angenommen.">

Du interpretierst dies so, kennst aber weder mich, noch meine Kollegen. :)
Ich kann auch antworten ohne nur mich zu beschreiben. Ich benutze hier auch gerne die Ergebnisse von Gesprächen mit meinen Kollegen und deren Haltung zum Beruf. Ja, ich kenne diese. Ich habe einen guten (für Heutzutage) AG, meiner Station wurde eine Supervision angeboten und sie wurde angenommen.
 
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Deichkind88

Deichkind88

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Liebe Eule123,

noch einmal zum besseren Verständnis. Ich habe nicht behauptet, dass Professionalität Empathie ausschließt. Für mich stehen beide Aspekte nach wie vor in einer engen Verbindung und sind Grundvoraussetzungen für absolut JEDEN Beruf, in welchem man auch nur weitestgehend mit Menschen arbeitet.
Wir Pflegende sollten aufhören, unser Tun und Handeln oder im besonderen unser Berufsbild zu glorifizieren und als etwas "Besonderes" darzustellen, da ausschließlich oder fast ausschließlich die Empathie und Nächstenliebe die Grundlage unseres Berufes sei und auch, augenscheinlich, die Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Davon möchte ich mich nämlich ganz deutlich distanzieren. Oder warum hast Du, wenn ich fragen darf, die Bezeichnung "Job" in Anführunsstriche gesetzt? Weil es für Dich kein "Job" wie jeder andere ist? Weil es eine Berufung für Dich ist? Wenn dem so sei, dann freut es mich, dass Du in Deinem Beruf eine Berufung gefunden hast.
Für mich ist die Gesundheits- und Krankenpflege keine "Berufung". War es auch nie und wird es auch niemals sein. Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil ich mich bereits seit frühester Kindheit für Medizin und Pflege interessiert habe, weil es mir leicht fällt und Spaß macht, mit Menschen zu arbeiten und weil ich erkannt habe, dass man mit gesunder Lebensweise, Ernährung und Bewegung vieles ändern oder aufhalten kann. Ich habe mich nicht zu diesem Beruf entschlossen, weil es meine Berufung ist, Menschen zu helfen oder weil ich als Heilsbringer tätig werden wollte. Und nach wie vor übe ich diesen Beruf gerne aus, die widrigen Umstände, die wir alle ertragen müssen (an denen wir jedoch etwas ändern könnten, wenn wir nur wollten...) seien einmal außen vor.

Kann es sein, dass du dich selbst abschottest, weil du sonst den Anforderungen dieses Berufs nicht mehr gewachsen bist? "täglich 36 plus/minus bis zu 15 Neuaufnahmen" sind eher ein Indikator dafür, dass in der Pflege seit langem etwas gewaltig schief läuft, aber kaum eine Rechtfertigung dafür, dass wir Pflegenden meinen, mit immer mehr Standards Qualität in die Pflege zu bringen. Gute Pflege erfordert mehr als nur "professionelle" Standards, sie berücksichtigt auch den ganzheitlichen Menschen.
Woran machst Du denn fest, dass ich mich "abschotte"? Nur, weil ich mich von meinen Kollegen distanziere, die sich täglich für das Wohl des Patienten (und des Arbeitgebers) aufopfern mit der Begründung, es sei eine Berufung und wir dürfen doch den Patienten nicht vergessen? Vielleicht sollten wir Pflegenden einmal beginnen, uns ausschließlich für uns und unseren Berufsstand aufzuopfern und uns nicht als "Berufung" vor lauter Nächstenliebe und Empathie definieren? Denn wenn wir das ständig tun, dann werden sich unsere Arbeitsbedingungen niemals ändern. Pflege ist ein professioneller Beruf, wie jeder andere auch. Welcher Standards, Qualitätssicherung, Evidenz und eine den aktuellen Anforderungen entsprechende Ausbildung bedarf.
Jemand, der im Verkauf tätig ist, Flugbegleiter, letztlich alle Menschen, die beruflich mit anderen Menschen arbeiten, benötigen Empathie. Die Pflege ist kein besonderer Beruf,den man ausschließlich mit Empathie und Nächstenliebe bestreiten kann. Sondern ein "Job". Und so sehe ich ihn auch. Ich pflege gut, berücksichtige alle Standards, bilde mich weiter, gehe mit Interesse und Neugierde an meine täglichen Aufgaben, aber ich ergieße mich nicht in lauter Empathie und Nächstenliebe. Und wenn wir Pflegenden endlich ernst und wahrgenommen werden wollen, dann müssen wir aufhören mit diesen Klassikern á la "Den Beruf kann nicht jeder ausüben", "Pflege ist mehr als nur Standards" und "Das ist kein Job, sondern eine Berufung".
 
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Medizin-Ökonomin/Krankenpflege
Fachgebiet
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K

Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Ich habe Respekt vor Deiner Auseinandersetzung mit Dir selbst und im Weiteren der Ideen zu Deiner beruflichen Planung inklusive den Werten, die Du in Deinem Beruf erfüllt haben möchtest.
Um eine Führungsposition im Gesundheitssektor oder dortigen Einrichtungen einzunehmen musst Du nicht zwangsläufig eine Ausbildung im medizinischen/pflegerischen Bereich absolviert haben. Meines Wissens bietet gerade ein BWL-Studium dabei auch entsprechende Schwerpunkte an, die ausgewählt werden können. BTW wirst Du als Führungsperson kaum im Hintergrund agieren.
Meiner Meinung nach würde eine pflegerische Ausbildung demnach deinem Streben nach einer Führungsposition Deinen Weg eher verzögern und letzten Endes keinen Vorteil bringen.
Vielleicht solltest Du Dir nochmal Gedanken machen in welchem Bereich des Gesundheitswesens Du führen möchtest und dann überlegen welche Vorbereitung/Studium es dafür braucht.
Ein Praktikum an der Basis zu machen bringt meiner Meinung nach nichts, wenn Du dort nicht arbeiten möchtest.
Ein Fachmann, egal wofür, ist immer vollwertig, sprich Experte in seinem Gebiet. Selten, dass er daneben noch viele andere Gebiete gleichwertig gut beherrscht.
Mit BWL hast Du mMn schon mal eine Grundvorausetzung und bist gut vorbereitet. Darauf kannst Du alles mögliche aufbauen, auch im Gesunheitssektor, wenn Du Dir die entsprechenden Stellen suchst und(oder den entsprechenden Master machst.
Das sind meine Gedanken zu Deiner Schilderung.
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
M

marinadiezweite

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10.09.2014
Uelzen
Hallo Leutchen, ich verfolge schon eine Weile gespannt diese Diskussion. Denke, letztlich kann man noch so viel theoretisch denken und sagen. Wird aber praktisch vielleicht eine ganz andere Erfahrung machen. Je nachdem, wie man bereit ist sich einzubringen. Wie man akzeptiert wird, und auch wie die Grundeinstellung zu Pflege ist. Ob mit oder ohne Empathie, das wird sich erst zeigen. Wenn hier einer eine Aussage interpretiert, dann finde ich es gut, diese Interpretation entspannt aufzunehmen. Man weiß ja nicht, ob der jenige das wirklich so meint. Aber anders als im wahren Leben kann nicht gleich rückgefragt werden: Wie meinst du das genau? Ob ich dann nachher nach einer Ausbildung oder während einer Ausbildung meine Arbeit mit ohne ohne viel Empathie gut mache. Was wichtig ist und was man zurückstellen sollte, das glaub ich ergibt sich nur in der Praxis. Heißt, so ohne weiteres kann ich keinem Fragenden einen Tipp bezüglich seiner Berufswahl geben. Ein Praktikum wiederum ist nur ein kurzer Einblick.
Das Pflegeheim, in dem ich arbeite, hat oft Praktikanten. Diese sind ganz unterschiedlich. Ich glaube, eine gewisse Lebenserfahrung, die manche bereits mit 18, andere mit 25 noch nicht haben, ist nicht verkehrt. Was man aber tatsächlich braucht, entdecken die jungen Leute meist erst, wenn sie in der Ausbildung sind. Und da sind glaub ich genauso viele Abbrecher oder noch mehr Abbrecher als in anderen Berufen. Weil es sich auch die Waage halten sollte zwischen Professionalität und Engagement.
''Schwierige Bewohner''. Ja, die gibt es wohl überall. So wie wir meinen, wir pflegen ja ''nur''. So meinen manche Bewohner, ein Pflegeheim ist ein Hotel mit Zimmerservice auf Abruf. Denn schließlich bezahlen sie ja auch dafür.
Das sind zum Glück nicht die Massen, die meisten Bewohner sind schon eher dankbar bis ruhig. Eine gewisse Empathie finde ich persönlich dennoch von absolutem Vorteil. Meint für mich nicht, Mitleid oder gemeinsam mit Bewohnern über die schlechte Situation im Pflegeheim zu jammern. Für mich persönlich heißt das eher, mal nachfragen, wo die Bedürfnisse liegen. Und schauen, ob ich sie erfüllen kann innerhalb des Pflegeheims. Ich glaub , da ist ein Stück Souveränität auch nicht verkehrt. Denn ich kann nie alle Wünsche erfüllen.
 
Qualifikation
Altenpflegeassistentin
Fachgebiet
stationäre Altenpflege
Weiterbildungen
Einjährige Ausbildung Pflegeassistentin Alten- und Krankenpflege mit Ausbildung als Alltagsbegleiterin §87b, jetzt 53c
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25.09.2017
Deutschland/Belgien
(Vorweg: Der Text beinhaltet grammatikalische Fehler, da ich derzeit unterwegs bin)
Ich habe keine entdeckt. Im Gegenteil habe ich einen sehr sprachbegabten, reflexionsfähigen, selberdenkenden Menschen kennengelernt beim Lesen und erlaube mir daher eine ausführliche Antwort. Ich hab grad die Zeit. Danke vorab - ehrlich - für Deine Gedanken. Es passiert nicht oft, daß man Gedanken lesen kann- wer hört sie schon noch in der Pflege bei all dem Streß. Wer ist sich schon seiner selbst (gänzlich) bewußt.


Sehr geehrte Pflegefachkräfte,
Danke, daß Du die Pflegefachkräfte ehrst! Ich schließ mich da von Herzen an.
an erster Stelle möchte ich einen Lob für Eure tägliche "Aufopferung" gegenüber den Pflegebedürftigen aussprechen.
Also: vorab: ich bin ein so von Dir geehrter Mensch. Solltest Du bemerken, daß ich mich für Pflegebedürftige, meinen Beruf, irgendjemanden aufopfere - dann erschieß mich lieber gleich, denn dann habe ich im Pflegeberuf nichts verloren. Der ist dazu gemacht, daß man ihn länger macht. Denn nur so erlernt man den Beruf, man erlernt ihn lebenslang. Die dreijährige Ausbildung ist nur ein Startschuß, man bekommt einen Kleks, um den herum sich dann ein Bild aus Berufserfahrung rankend entwickelt. Die Ranken sind die Patienten - aber auch die Kollegen (m/w), mitunter.

Mein Name ist Marvin, bin 27 und lebhaft in Nordrhein-Westfalen.
Ich les es an Deiner Sprache, daß Du Nordrhein-Westfale bist. Ein Tiegelländer. ;-)

Aktuell besuche ich das 4. Semester eines Aufbaustudiums an der Hochschule für Ökonomie und Management, dass sich erschwert auf die Themenfelder Marketing & Vertrieb konzentriert. (Studium: berufsbegleitend) Leider habe ich im Jahr 2012 aufgrund persönlicher "Verhaltensdefizite" gegenüber meiner Bildungsmöglichkeiten das Abitur fahrlässig versämmelt. (Zu wenige Punkte erreicht). Anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, die ich erfolgreich um ein halbes Jahr verkürzte.

Frühzeitig erkannte ich meine Fehlentscheidung im Bezug auf meiner Berufsausbildung und erhoffte mir mit meinen BWL-Studium eine neue Richtung einzuschlagen. (Zumindest in einem Großunternehmen - abseits der Logistik)
Ein interessanter Weg.

Desto länger ich jedoch studiere und in mehreren Unternehmen der Logistik sowie Industrie tätig bin,
umso unwohler fühle ich mich in der zukünftigen Rolle als gewinnbringender "Finanzheini", der für dubiose Produkte in Aktion tritt.
Der Vorteil, den Du ja aber dann in Zukunft hast ist der, daß Du die Bedingungen des Produktionsgewerbes ebenso kennen wirst wie die Bedingungen des Dienstleistungsgewerbes. Interessant wäre es, hier noch einmal die Idee der Sozialen Marktwirtschaft entgegen zu stellen sowie der Verzicht auf Unternehmergewinn durch eine gemeinnützige Unternehmensform.

Klar geworden? (Wenn nicht: Nachfragen, nochmal drauf eingehen.)

Bislang war ich zwar nur als Verkäufer und Fachkraft tätig, dennoch spüre ich eine Veränderung in meinen Berufswerten und den Werten meiner Person. Ich nehme mich also intensiver selbst wahr.
Ich erkenne in den Abteilungen einer gängigen Organisation daher keine Stelle, die mich privat erfüllen wird.
Stop. Hier würde ich mal im Denken innehalten und den letzten Satz nochmal lesen, den Du geschrieben hast. "(...) die mich privat erfüllen wird."

Es ist ja die Frage, ob man Erfüllung überhaupt im beruflichen Bereich suchen will. Viel Geld verdienen reicht den Meisten. Im sozialen Gewerbe, das weißt Du, verdient man deutlich weniger. Die Frage ist, ob Du z.B. als Heimleiter mit einem Bruttoverdienst von 5500€ Dich dann nicht doch ärgern wirst, daß Du nicht in der Wirtschaft arbeitest. Sondern im sozialen Gewerbe.

Meine Meinung dazu: eine Ausgewogenheit suchen zwischen Herz und Verstand. Nur nach dem Herzen handeln ist dumm, auch wenn's romantisch klingt.

Die Unterforderung, das Desinteresse und die Monotonie gegenüber meiner aktuellen Aufgabenbereiche als Fachkraft, bewirken in mir Unkonzentriertheit und Schlechtleistungen, die mich bereits 2 Stellen in Zeitarbeitsfirmen kosteten.
Ja, das ist halt so, wenn man das Falsche macht. Auf der anderen Seite denke ich mir: wenn ich ein Produkt hätte, das ich selber toll finde, dann würde ich das auch verkaufen gehen, wenn ich dafür das Dreifache Gehalt einer Pflegefachkraft beim Autofahren bekomme. (Um mal ein Vorurteil zu bedienen, Du weißt was ich meine. Es gibt überall Interessantes und Uninteressantes, die Frage ist, ob man es gerade findet. Sucht man überhaupt? Siehst Du.)

Dazu muss ich sagen, dass ich nie in der Mathematik sondern in Deutsch, Englisch, Biologie und Sport meine stärkeren Seiten verzeichne.
Hm, aber wenn Du kein Mathefuzzi bist, dann weiß ich nicht wirklich, warum Du BWL studierst. Oder verstehst Du das alles (wie ich) eher als MIttel zum Zweck? Also BWL als Methode, um dann "Höheres" zu erreichen, oder so.

Auf 1,85m Körpergröße trage ich ein Gewicht von 96Kg mit mir, da ich seit Jahren Kraftsport betreibe und
mich aus gesundheitlichen Gründen mit der Physiologie / Anatomie und Ernährungsformen auseinandersetze.
Ich wirke zwar etwas stämmig, dennoch besitze ich ein Herz, um Leidenszustände aus der Welt zu schaffen und dazu möchte ich meine Arbeitskraft ebenfalls einsetzen. Ich suche keine Dankeschön von Patienten, sondern möchte ich in meiner Berufswelt erkennen das ich gebraucht werde.

In der letzten Woche durfte ich innerhalb eines Pflegedienstes gerade einmal 2 Tage in der Frühschicht ein wenig mithelfen, um mir erste Eindrücke in dem Beruf als Altenpfleger einzuholen.

(Nach meiner positiven Haltung, bieten diese mir ebenfalls einen Ausbildungsplatz an, da der Fachkräftemangel natürlich allgegenwertig ist.)

Mir wurde bewusst, dass der psychische Stress mit den Überstunden und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern schon eine Herausforderung sind,
Hier hake ich kurz ein für eine Bemerkung: ich wundere mich darüber, daß Du oftmals abwertende Gesprächshaltungen der Patienten gegenüber den Pflegern erlebt hast. Um ehrlich zu sein meine ich, wo Du von Altenpflege berichtest, daß es gerade dort eigentlich in einem guten Altenheim gänzlich anders ist!

dennoch sehe ich gegenüber meinem Beruf eine deutliche Verbesserung. Die theoretische Beanspruchung entspricht zwar nicht dem Alltag in der Praxis, dennoch wächst man an der Verantwortung und diese suche ich enorm im Gesundheitsbereich.
Wo Du oben auch von psychischem Stress berichtest, den Du bei den Kollegen dort wahrgenommen hast - und wo du den Eindruck hast, daß es bei Pflege wohl auf Theorie und Wissensanwendung nicht so ankomme: mach doch auch nochmal woanders ein Praktikum. :)

Ich setze ich mich seit langem mit meiner beruflichen Neuplanung auseinander und dem nötigen Fixpunkt, der mein endgültiges Ziel beschreibt. Mein Ziel ist es letztendlich eine Führungsposition im Krankenhaus, Rehaklinik, Altenheim zu übernehmen, in dem ich medizinisches und kaufmännisches Wissen benötige um den Patientenumgang und die Abteilungsorganisation im Einklang zu halten.
Ich sehe mich also nicht als reiner Kaufmann an, sondern jemand der fachliche Praxis hat, medizinisch "mitreden" kann, doch vorwiegend im Hintergrund organisiert.
Wohl möglich Unternehmer der jedoch fachlich im Gesundheitssektor beruflich zuhause ist.
Der ein "vollwertiger" Fachmann ist.
Ich würd grad mal den Ofen aufmachen wollen und erkennen, daß da gerade ganz kleine Brötchen liegen: ein Neuanfang. Und zwar ein Neuanfang in einem Beruf, von dem man in Deutschland der Meinung ist, daß man ihn mit Hauptschulabschluß erlernen kann (woanders braucht man Abitur um Fachkraft zu werden, fast überall um uns herum). Du bist klug und kannst Denken. Das ist ein Problem in der Pflege im Allgemeinen (verglichen mit anderen Berufen natürlich nur und nicht beim Einzelnen), Mobbing ist ein Riesenthema (in diesem Frauenberuf), Intelligenz geht eigentlich bis zur obersten Führungsetage nur eingeschränkt, was die Anwendung betrifft. Und "Gestaltung" im unternehmerischen Sinne: vergiß es. Pflegewirtschaft ist Planwirtschaft, nicht Marktwirtschaft.

Weißt Du was? Pflege ist hochinteressant. Man kann sich massig darin bilden, immer weiter und weiter. Fang mal erst das Erste an. Einige Tips dazu weiter unten.

Nach der Ausbildung als Altenpfleger eventuell "Gesundheitsmanagement" weiter zu studieren, wodurch ich meine Kredit-Points ebenfalls anrechnen lassen könnte, käme mir da in den Sinn. (Verkürzte Studienzeit / Kosten)

Wie seht Ihr meine Gedankegänge, die ich jetzt grob schilderte? Meint Ihr ich sollte mich dieser Richtung hingeben? Ohne weiteres Praktikum könnte ich diese Entscheidung natürlich bereuen, aber in Angesicht meines Berufs+Studium, sehe ich darin einen Befreiungsschlag, der mich auch wieder ins "normale" Leben rufen kann.

Ich wäre sehr erfreut, wenn Ihr mir Eure Einschätzungen mitteilen würdet.

Gruß
Marvin
Gut, meine Gedanken dazu habe ich Dir mitgeteilt - ungefiltert, weil es mir gerade eine Freude war zu wissen, daß ich auf Jemandes Füße trat.

Aber noch Tipps zum Beginnen einer Ausbildung:
1. Schule suchen. Dazu die Schüler in der Pause aufsuchen und heimlich fragen wie die Qualität der theoretischen Ausbildung ist. Oder im Betrieb fragen, in welchen Schulen die Kollegen waren und wie sie es beurteilen.
2. In der Schule sagen daß man klug ist und eine theoriegeleitet arbeitende Ausbildungsstätte braucht. Eine gute Schule vermittelt Dich dann.
3. Einen Ausbildungsträger suchen: neben den von der Schule vorgeschlagenen Einrichtungen selber suchen: Praktika machen (2 Tage vielleicht?) und beobachten, ob Streß ist (meiden) oder schon Qualität und Wahrnehmung Deiner Person und der Personen der Bewohner. (und nicht nur ihres Verhaltens).
Alles Weitere ergibt sich dann vermutlich von alleine. Die Qualitätsunterschiede in der Ausbildung sind bei den einzelnen Einrichtungen gewaltig. Informiere Dich also, wie Deine Ausbildung verlaufen wird bezüglich des Theorie-Praxis-Transfers, beim Ausbildungsträger.

lg

P.s.: Oder schalt' das Denken ab und fang einfach an. Aber Du bist schon 27 - das wird dir nicht mehr gelingen, nehme ich an.

edit: meine Ausführungen bezogen sich v.a. auf die Laufbahn eines Altenpflegers bei den momentan gelegten Weichenstellungen für die Ausbildung und die berufliche Entwicklungsmöglichkeit. Ich will Dir jetzt nicht davon abraten, die Altenpflegeausbildung zu machen und stattdessen eine Krankenpflegeausbildung in Erwägung zu ziehen, aber ------ Überlegstest halt nochmal gut, gell? Gesundheits- und Krankenpflege - hm, da kannst Du vielleicht glücklich werden. Wer weiß, vielleicht machst Du eine Anaesthesie-Weiterbildung und eröffnetst einen Pflegedienst für Heimbeatmung. Da klappt dann auch das Geldverdienen etwas besser. Und die Patienten reden auch nicht abwertend über die Pfleger. ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Qualifikation
Dozent
Fachgebiet
Pflege
Klartext

Klartext

Mitglied
Basis-Konto
25.09.2017
Deutschland/Belgien
Das mag so sein, jedoch sollte der Kunde im Mittelpunkt stehen und ich finde in dem Beitrag keine Empathie gegenüber den Bewohnern/Patienten und mich stört sehr die Aussage "und der oftmals abwertenden Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern". Mit dieser Grundeinstellung wird der alte Mensch dann sehr schnell zum lästigen Übel und der Pfleger zum Bestimmer.
Entschuldige, wenn ich auf Deinen Beitrag eingehe, aber ich möchte Dir wenigstens meine Erheiterung mitteilen. Dein Beitrag zeigt, daß gerade Du über Empathie -wenigstens gegenüber dem Threaderöffner- nicht verfügst, hm? ;)
So, und jetzt darfst Du gerne noch schreiben, daß das aber Deine Meinung so ist. Find ich gut. :thumbsup:
 
Qualifikation
Dozent
Fachgebiet
Pflege
M

marinadiezweite

Mitglied
Basis-Konto
10.09.2014
Uelzen
Hallo, ich finde, diese Bemerkung sowieso etwas ''seltsam''. die oftmals abwertende Gesprächshaltung der Patienten gegenüber den Pflegern''. Im Pflegeheim sind es die Bewohner, im Krankenhaus in der Tat die Patienten. Abwertende Gesprächshaltung klingt aber ganz schön hochgestochen und so. Da hätte ich gern mal ein Beispiel. Im Pflegeheim sind ja nun mal auch Bewohner, die nicht mehr rundherum fit sind. Manche sind aufgrund einer Demenzerkrankung verändert. Andere haben einfach keine Lust, immer zu warten. Und tendieren in der Tat dazu, Pfleger und Zeitmangel der Pflege heftig zu kritisieren. Durchaus auch unqualifiziert. Ist aber auch eine Frage, wie ich damit umgehen. Ob ich mich da persönlich angegriffen fühle. Ob ich entsprechend antworte. Wie ich antworte.
Wer dann nicht mehr in die Pflege gehen mag, das ist ja okay. Ich würde aber mal behaupten, dass es überall Leute gibt, die einem teilweise nicht immer nett und freundlich antworten. Oder einen abwerten. Vom Chef bis zum Untergebenen, alles ist möglich. Selbst manche Raumpflegerin bekommt unqualifizierte Bemerkungen an den Kopf geworfen. Und zwar auch vom Pflegepersonal.
Da ist es gut, zu schauen, ob ich denjenigen ''zurechtrücken'' kann. Aber entscheidend für die Berufswahl wäre das bei mir nicht. Man lernt halt aus solchen kniffeligen Situationen.
 
Qualifikation
Altenpflegeassistentin
Fachgebiet
stationäre Altenpflege
Weiterbildungen
Einjährige Ausbildung Pflegeassistentin Alten- und Krankenpflege mit Ausbildung als Alltagsbegleiterin §87b, jetzt 53c
K

Kalimera

Unterstützer/in
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17.01.2001
Hamburg
Abwertende Gesprächshaltung klingt aber ganz schön hochgestochen und so.
Wieso hochgestochen, das trifft es in so manchen Fällen haargenau. Wie ich damit umgehe steht auf einem ganz anderen Blatt und ist von vielen Faktoren abhängig. Das Gros der Patienten im Krankenhaus ist durchaus im Vollbesitz der geistigen Kräfte und in der Lage diese zu benutzen. Ein gesundheitliche Einschränkung ist per se kein Freibrief mir respektlos oder abwertend ggü. zu treten. So manch einem Pat. habe ich schon auf die eine oder andere Weise mitgeteilt, dass ein "bitte" und "danke" die minimalsten Höflichkeiten im Umgang mit anderen sind.
Der Threadersteller hat abwertende Gesprächshaltungen bemerkt und auch erkannt, dass sie eine Herausforderung darstellen. Was gibt es denn daran zu kritisieren, und wie kann man da fehlende Empathie reindeuten? Das Ganze dann gleich noch zu einer Grundeinstellung des TE zu erklären, was schnell dazu führen kann, den alten Mensch als "lästiges Übel" zu sehen ist eine äußerst gewagte Theorie über den TE.
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
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