Sind wir zu kuschelig?

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Igel77

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23.12.2014
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Ich habe in den letzten Monaten so die Beobachtung gemacht, dass, bei aller Ablehnung, die ich für Fremdenfeindlichkeit im besonderen und die AfD im allgemeinen habe, populistische und radikale Töne das einzige sind, das die Minister und die Parlamentarier überhaupt in Bewegung bringt. Da werden aus Furcht vor der AfD und dem Pöbel in Dresden und im Netz plötzlich Länder wie Afghanistan zu sicheren Herkunftsgebieten erklärt und Asylgesetze verschärft.

Und Pflege?

Es gibt allenfalls kuschelige, medial weitestgehend unbeachtete Protestveranstaltungen, Streiks mit Notdienstvereinbarungen (bei denen sich die Personalstärke nicht sonderlich von Nicht-Streikzeiten unterscheidet) und kosmetische Refömchenansätze wie die Zusammenlegung der Pflegeausbildungen.

Dabei wäre dieses Jahr richtig günstig für eine harte, multimediale, virale Kampagne. Offensiv, nicht jammernd.

Nicht im Tenor von: Bitte, Bitte habt ein Herz für Pflegekräfte. Ach, was ist das alles schlimm. Wir arme Puckelchen. Buäh, Buäh Buäh.

Hört heutzutage keiner mehr drauf. Allenfalls gibt es geheuchelte Beistandsbekundungen a la "Boah deinen Job könnte ich nicht machen." oder leere Wahlversprechen.

Sondern:
"Wenn Du CDU/AfD/FDP wählst, wünscht Du Deiner Oma im Heim auch einen Dekubitus." Am besten mit Bild.
"Die AOK stellt sich einen Prachtbau nach dem anderen hin, während Pflegekräfte für einen Hungerlohn arbeiten."
"Chefarzt XY soll YZ getan haben - wann greift die Politik endlich ein?"
"Der bpa - ein Schattenkartell von Abzockern?"
"(Beliebiger Gesundheitspolitiker) ist ein Verräter der Pflege!"
"in 10 Jahren fehlen X00.000 Pflegekräfte in Deutschland!"
"Abschaffung der Sonderrechte für Kirchen!" (Leider ist die Story mit dem Limburger Bischof T.v,E. schon vorbei - dass hätte man grandios dafür ausschlachten können.)
"(Beliebiger Misstand) - Dafür zahlt ihr 15% Eures Gehaltes!".
"XY kriegt den Hals nicht voll!"
"Müsst Ihr Euch beim Pflegen quälen, denkt, das kommt vom Merkel/Gröhe/Petry wählen."

usw. usf.

Das kann und wird wahrscheinlich nur eine Graswurzelbewegung schaffen. In den DBfK oder etwaige Pflegekammern habe ich da wenig Vertrauen.

Meinungen? Ideen?
 
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Wir können unsere Situation nur selbst lösen.
Wir können sie nur gemeinsam als große Vereinigung lösen.
Dies passiert aber erst dann, wenn Weihnachten und Ostern auf den gleichen Tag fallen.
Vorher wird einfach weitergejammert und den anderen die Schuld zugeschoben.
Geiz ist halt auch im Gesundheitssektor geil und die Gesellschaft ist bereit die Nachteile zu ertragen.

PS: Meine Quellen zu meiner Meinung? Sind in den 3 mir bekannten und genutzten Foren nachzulesen!
 
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Igel77

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23.12.2014
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@ resigniert: Ich gebe Dir recht. Allerdings ist seitens der Berufsvertretung, so denn überhaupt eine wirkliche existiert, nie laut ein Feindbild oder eine Idee propagiert worden, hinter der sich die Leute sammeln konnten. Vielleicht fehlt das einfach?
 
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Christian Kröhl

Christian Kröhl

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25.06.2000
"Wenn Du CDU/AfD/FDP wählst, wünscht Du Deiner Oma im Heim auch einen Dekubitus." Am besten mit Bild.
"Die AOK stellt sich einen Prachtbau nach dem anderen hin, während Pflegekräfte für einen Hungerlohn arbeiten."
"Chefarzt XY soll YZ getan haben - wann greift die Politik endlich ein?"
"Der bpa - ein Schattenkartell von Abzockern?"
"(Beliebiger Gesundheitspolitiker) ist ein Verräter der Pflege!"
"in 10 Jahren fehlen X00.000 Pflegekräfte in Deutschland!"
"Abschaffung der Sonderrechte für Kirchen!" (Leider ist die Story mit dem Limburger Bischof T.v,E. schon vorbei - dass hätte man grandios dafür ausschlachten können.)
"(Beliebiger Misstand) - Dafür zahlt ihr 15% Eures Gehaltes!".
"XY kriegt den Hals nicht voll!"
"Müsst Ihr Euch beim Pflegen quälen, denkt, das kommt vom Merkel/Gröhe/Petry wählen."
Auf der einen Seite lehnst Du Populismus, der auf jedes Pferd springt, ab - sobald es aber eigenen Interessen dienlich sein und man einen Populismus instrumentalisieren könnte, ist es dann nicht mehr so verwerflich und gar verlockend? Wie kommt man auf solche "Einfälle", mit denen man sich selbst korrumpiert und zum Opportunisten macht?
 
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@ resigniert: Ich gebe Dir recht. Allerdings ist seitens der Berufsvertretung, so denn überhaupt eine wirkliche existiert, nie laut ein Feindbild oder eine Idee propagiert worden, hinter der sich die Leute sammeln konnten. Vielleicht fehlt das einfach?
Ich benötige kein Feindbild. Ich habe keinen Feind (außer meine jammernden Kollegen). Ich benötige Mitkämpfer/Freunde um meiner Berufsgruppe helfen zu können - vereint sind/wären wir auch stark und hätten eine mächtige, laute Stimme.
Aber das ist meinen Kollegen zu anstrengend. Ich werde früher in Rente gehen, als die die Situation sich ändern wird
 
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Auf der einen Seite lehnst Du Populismus, der auf jedes Pferd springt, ab - sobald es aber eigenen Interessen dienlich sein und man einen Populismus instrumentalisieren könnte, ist es dann nicht mehr so verwerflich und gar verlockend? Wie kommt man auf solche "Einfälle", mit denen man sich selbst korrumpiert und zum Opportunisten macht?
Ich lehne Extremismus jedweder Couleur ab. Populismus war aber auch immer Teil der politischen Willensbildung, ebenso, wie Opportunismus (als Kehrseite des Pragmatismus) immer auch Teil der eigentlichen Machtpolitik war. Den "Gegnern" der Pflege, d.h. Organisationen, die sich aus dem selben Topf bedienen wie wir, fehlt es nicht an Opportunismus, und bei einigen ist auch ein hoher Grad an Korruption zu erkennen. Weder die Ärzteschaft, noch die Pharmalobby, noch die Klinik- und Pflegekonzerne, noch die Kirchen, noch die gesetzlichen Krankenkassen haben Skrupel und Hemmnisse, ihre Ansprüche durchzusetzen, mit welchen Methoden auch immer. Auf Kosten der "einfachen" Pflegekräfte in den Häusern, Heimen und Diensten. Du liegst selbst mit welchen im Rechtsstreit, wenn ich mich nicht irre.

Meine Prognose: Die Bundestags- und Landtagswahlen werden über Themen wie Innere Sicherheit und Flüchtlinge, sowie ein Aufrollen der Hartz-Reformen entschieden. Sofern kein Wunder geschieht, wird der weitergehende gesellschaftliche Verfall unseres Berufsstandes in den nächsten vier Jahren keine Rolle spielen. Das Getöse ist einfach zu laut geworden, und man hört unser "Mimimi" einfach nicht mehr. Es interessiert keine Sau - wenn man über mitleidige Beileidsbekundungen und Kopftätscheln mal hinweg sieht.

Das ist KEIN Angriff auf das Engagement der Leute, die es trotzdem versuchen. Nur, solange dies vereinzelte regionale Events bleiben, vielleicht mal eine Reportage auf den Ö-R-Sendern oder von Wallraff, können sich ja alle anderen entspannt zurücklehnen.Nach einer Woche ist alles wieder beim alten. Es sind die Methoden (Hallo? Internet? Kampagnen in Sozialen Netzwerken? Schon mal was von gehört?) und die klagende Opferhaltung, die ich kritisiere. NICHT das Engagement der wenigen, die sich tatsächlich mobilisieren lassen.

Der gegenwärtige Politikstil, den Pflege fährt, ist nicht mehr zeitgemäß, und hat uns in großen Teilen auch dorthin gebracht, wo wir heute stehen.

Deine Kritik greift daher für mich zu kurz, und scheint mir in Teilen naiv-idealistisch und damit gefährlich zu sein.

Ich benötige kein Feindbild. Ich habe keinen Feind (außer meine jammernden Kollegen). Ich benötige Mitkämpfer/Freunde um meiner Berufsgruppe helfen zu können - vereint sind/wären wir auch stark und hätten eine mächtige, laute Stimme.
Aber das ist meinen Kollegen zu anstrengend. Ich werde früher in Rente gehen, als die die Situation sich ändern wird
Ich wette, es ist weniger die Anstrengung als die Angst um den Job. Und wenn Du deine Kollegen, die noch ein Bewusstsein für die Situation haben, also, noch die richtige grundlegende Erkenntnis, als Feinde betrachtest .... huih. Dann haben die ja erst recht gewonnen. (Ist das jetzt schlimmer, als der Opportunismus oder die Korruption, die man sich aneignet, wenn man die Gegner der Pflege, bzw. die Nutznießer unseres Elends auch als solche benennt?)

Man könnte statt eines "dagegen" auch ein "für etwas" formulieren:
- 7 Patienten pro Pflegekraft statt 13
- 20 Euro Mindestlohn/Stunde
- Automatische, unangekündigte Prüfungen von Heimen, Diensten und Häusern durch das Gewerbeaufsichtsamt

etc.pp.
aber ohne die Angst vor Macht- oder Prestigeverlust wird man wohl niemanden an den Verhandlungstisch bekommen.
 
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Joan Doe

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OT:
sowie ein Aufrollen der Hartz-Reformen entschieden
Werden sie nicht!
Sie werden etwas das Alg I kosmetisieren - weiter nichts ... am Alg II wird sich nichts ändern, soweit ich das mitbekommen hab (wie immer).
 
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23.12.2014
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OT:

Werden sie nicht!
Sie werden etwas das Alg I kosmetisieren - weiter nichts ... am Alg II wird sich nichts ändern, soweit ich das mitbekommen hab (wie immer).
Käme auf die genaue Machtkonstellation nach der Wahl an, aber ja, prinzipiell gebe ich Dir Recht; Wahlkapfthema ist es aber schon.
Dabei wäre das durchaus was, das uns zumindest indirekt helfen könnte.
 
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Gesundheits - und Krankenpfleger
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Igel77

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Christian Kröhl

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25.06.2000
Den "Gegnern" der Pflege, d.h. Organisationen, die sich aus dem selben Topf bedienen wie wir, fehlt es nicht an Opportunismus, und bei einigen ist auch ein hoher Grad an Korruption zu erkennen.
Ich weiß nicht, wie Du das schaffst - aber ich schüttel über Deine m.E. etwas verworrene Ansichten momentan nur noch mit dem Kopf. "Gegner der Pflege" - mehr vereinfachtes Schubladen-Denken ist wohl gerade nicht drin. Gut, vielleicht brauchst Du ja einfach nur klassische Feindbilder - aber dann so etwas loszulassen, wie den pauschalisierten hohen "Grad an Korruption", da geht dann doch das Verständnis flöten. Das ist Scheinargumentation und ein Generalvorwurf, der sicherlich einer gewissen Grundlage bedürfte um irgendein Gewicht zu bekommen. Und an der mangelt es in Gänze.

Weder die Ärzteschaft, noch die Pharmalobby, noch die Klinik- und Pflegekonzerne, noch die Kirchen, noch die gesetzlichen Krankenkassen haben Skrupel und Hemmnisse, ihre Ansprüche durchzusetzen, mit welchen Methoden auch immer.
Ich bin nun sicherlich nicht der Fürsprecher der o.g. - aber Ansprüche durchzusetzen ist per se nichts verwerfliches, solange die Methoden nicht illegal sind. Ob man das als ethisch oder moralisch vertretbar hält, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und gegen zumindest ersteres kann man sich durchaus zur Wehr setzen.

Du liegst selbst mit welchen im Rechtsstreit, wenn ich mich nicht irre.
Wenn Du das vom Pflegezentrum Cakir angestrengte Verfahren meinst, nicht mehr. Das Landgericht Düsseldorf hat deren Klage kurzerhand abgewiesen.

Es sind die Methoden (Hallo? Internet? Kampagnen in Sozialen Netzwerken? Schon mal was von gehört?) und die klagende Opferhaltung, die ich kritisiere.
Durchaus. Aber hast Du schon mal was von alternativen Fakten, Postfaktischem oder unwahren Tatsachenbehauptungen gehört? Betrachten wir uns doch mal einfach Deine Vorschläge :

"Wenn Du CDU/AfD/FDP wählst, wünscht Du Deiner Oma im Heim auch einen Dekubitus." Am besten mit Bild.
"Die AOK stellt sich einen Prachtbau nach dem anderen hin, während Pflegekräfte für einen Hungerlohn arbeiten."
"Chefarzt XY soll YZ getan haben - wann greift die Politik endlich ein?"
"Der bpa - ein Schattenkartell von Abzockern?"
"(Beliebiger Gesundheitspolitiker) ist ein Verräter der Pflege!"
"in 10 Jahren fehlen X00.000 Pflegekräfte in Deutschland!"
"Abschaffung der Sonderrechte für Kirchen!" (Leider ist die Story mit dem Limburger Bischof T.v,E. schon vorbei - dass hätte man grandios dafür ausschlachten können.)
"(Beliebiger Misstand) - Dafür zahlt ihr 15% Eures Gehaltes!".
"XY kriegt den Hals nicht voll!"
"Müsst Ihr Euch beim Pflegen quälen, denkt, das kommt vom Merkel/Gröhe/Petry wählen."

usw. usf.
Das schöne ist, dass man da nicht nach suchen muss. Unwahre Tatsachenbehauptung, üble Nachrede, Verleumdung - und das in jeder einzelnen Aussage. So mag die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben arbeiten und sich Pegida oder AfD in "Reichweitenvergrößerung" versuchen. Seriös und vertretbar sind dafür sicherlich nicht die Worte der Wahl. Persönlich halte ich das für ausgemachten und gefährlichen Unfug - und der gehört schlicht in den nächsten Schredder.

Deine Kritik greift daher für mich zu kurz, und scheint mir in Teilen naiv-idealistisch und damit gefährlich zu sein.
Vielleicht frage nicht nur ich mich, wie Du meine naiv-idealistische Grundhaltung in meinem vorherigen Beitrag entdeckt haben willst. Aber Du erkennst auch ausdrücklich nennenswerte Korruption bei Organisationen der "Gegner der Pflege". Unter Umständen hängt das ja zusammen.
 
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Hm.... Zugegeben ich habe einiges überflogen,
(denn wie wir alle in der Pflege wissen: in der Kürze liegt die Würze!)
aber auch hier lese ich keine handfeste Lösung, nur Wünsche und "es sollte...."
Was also muss sich genau ändern?
 
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Hm.... Zugegeben ich habe einiges überflogen,
(denn wie wir alle in der Pflege wissen: in der Kürze liegt die Würze!)
aber auch hier lese ich keine handfeste Lösung, nur Wünsche und "es sollte...."
Was also muss sich genau ändern?
Zunächst mal, der Politikstil der Pflege.

Dann, durch einen höheren politischen Druck, die Rahmenbedingungen, in denen Pflege existiert.

Repräsentative Demokratie funktioniert nun mal auch über die Angst der Vertreter, nicht (wieder-)gewählt zu werden, und bedient sich auch des Populismus (ich erinnere an die Rote-Socken-Kampagne und die Einführung der Hartz -VI-Reformen). Oder halt umgekehrt: Über den Wunsch, gewählt zu werden, Anerkennung und Macht durch den Bürger zu erhalten.

Zugegeben, der Eingangsbeitrag war überspitzt formuliert, aber zeigt eben auch, dass nur so Aufmerksamkeit erzeugt werden kann.
 
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Gesundheits - und Krankenpfleger
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Psychiatrie
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Ich weiß nicht, wie Du das schaffst - aber ich schüttel über Deine m.E. etwas verworrene Ansichten momentan nur noch mit dem Kopf. "Gegner der Pflege" - mehr vereinfachtes Schubladen-Denken ist wohl gerade nicht drin. Gut, vielleicht brauchst Du ja einfach nur klassische Feindbilder - aber dann so etwas loszulassen, wie den pauschalisierten hohen "Grad an Korruption", da geht dann doch das Verständnis flöten. Das ist Scheinargumentation und ein Generalvorwurf, der sicherlich einer gewissen Grundlage bedürfte um irgendein Gewicht zu bekommen. Und an der mangelt es in Gänze.
Nun ja, die Grundlage, Dich dazu zu bringen, Stellung zu nehmen, Dich in die Diskussion zu holen, war offensichtlich vorhanden ;)

Ich bin nun sicherlich nicht der Fürsprecher der o.g. - aber Ansprüche durchzusetzen ist per se nichts verwerfliches, solange die Methoden nicht illegal sind. Ob man das als ethisch oder moralisch vertretbar hält, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und gegen zumindest ersteres kann man sich durchaus zur Wehr setzen.
Das heißt, Du bist dagegen, sich gegen ethische und moralisch bedenkliche Zustände offen zu äußern und diese zu benennen?

Wenn Du das vom Pflegezentrum Cakir angestrengte Verfahren meinst, nicht mehr. Das Landgericht Düsseldorf hat deren Klage kurzerhand abgewiesen.
Meine ehrlich gemeinte Gratulation.

Durchaus. Aber hast Du schon mal was von alternativen Fakten, Postfaktischem oder unwahren Tatsachenbehauptungen gehört? Betrachten wir uns doch mal einfach Deine Vorschläge :
...
Das schöne ist, dass man da nicht nach suchen muss. Unwahre Tatsachenbehauptung, üble Nachrede, Verleumdung - und das in jeder einzelnen Aussage. So mag die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben arbeiten und sich Pegida oder AfD in "Reichweitenvergrößerung" versuchen. Seriös und vertretbar sind dafür sicherlich nicht die Worte der Wahl. Persönlich halte ich das für ausgemachten und gefährlichen Unfug - und der gehört schlicht in den nächsten Schredder.
Die Aussagen waren auch für den Schredder gedacht. So funktioniert Stimmungsmache nun mal. Und produktive Diskussionen; eine Position wird aufgebaut, die Gegenposition wird vertreten, in der Mitte trifft man sich und arbeitet einen Konsens aus.

Ich bin durchaus auch in anderen, nicht-Pflege-Foren unterwegs. Was mir auffällt, es gibt relativ wenig Diskussion an sich hier.

Vielleicht frage nicht nur ich mich, wie Du meine naiv-idealistische Grundhaltung in meinem vorherigen Beitrag entdeckt haben willst.
The more, the merrier.

Das ist ja das Grundproblem, dass Pflege an sich apolitisch ist.
 
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Zunächst mal, der Politikstil der Pflege.

Dann, durch einen höheren politischen Druck, die Rahmenbedingungen, in denen Pflege existiert.
Ja, das hatte ich so verstanden, doch was denkst du detaillierter, muß getan werden um es zu erreichen.

Also...Wie kommen wir da hin? Und wie bekommen wir die MA mit ins Boot?
 
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Was mir auffällt, es gibt relativ wenig Diskussion an sich hier.
Ja, da stimme ich Dir voll und ganz zu. Nur wenige, vor allem aus der Basis sind da sehr diskussionsfreudig! Aber, ich Überspitze auch mal, jammern können sie.... und das treibt mich zur Weißglut!
 
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Ja, das hatte ich so verstanden, doch was denkst du detaillierter, muß getan werden um es zu erreichen.

Also...Wie kommen wir da hin? Und wie bekommen wir die MA mit ins Boot?
Zunächst mal, rein hypothetisch: Die Grundlagen schaffen.
Erstens, um eine Kampagne fahren zu wollen, müsste es eine Gruppe von Gleichgesinnten geben, die dieses Vorhaben unterstützen.
Zweitens, diese müsste sich auf ein konkretes, zu erreichendes Ziel einigen, und sei es, eine bestimmte Botschaft zu verbreiten.
Eine solche Kampagne benötigte Geld, um ihrerseits Firmen beauftragen zu können, die der zu vermittelnden Botschaft den gewünschten Spin gibt. Das können Rankings bei Google und Social Bots bei Facebook und Twitter sein.(Wer dies für unmoralisch und verwerflich hält: Selbst mittelgroße Krankenhäuser zahlen für Internet-Kosmetik oder nutzen den eigenen Stab dafür.)

Und dann versuchen, Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung zu gewinnen.

Auf die Art der Botschaft käme es an. "Pflege ist am Boden" holt keinen Hund hinter dem Ofen vor, wie wir leider feststellen müssen. (Wenn Pflegekräfte schon kaum zu entsprechenden Protestveranstaltungen gehen, kann man es dann einem normalen Bürger verdenken, dass es ihm ziemlich egal ist, wie es uns geht?)

Und daher glaube ich, dass ein offensiverer Ansatz uns gut tun würde. Grade in diesem Wahljahr.
 
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11.08.2008
56412
Naja, als erstes braucht es mal eine richtige Organisation und ich lasse da jedem gerne seine eigene Meinung, aber meine steht fest: Ver.di ist es nicht.
Letztes Beispiel: Vor 2 Jahren Verhandlung begonnen, mindestens 150 € gefordert, nach 10 Monaten Entschädigungszahlung von 2x 300 € Vereinbart und Verhandlung auf das nächste Jahr vertagt (10 Monate x 150€ = 1500 € gegen 600€ Yay!), endlich abgeschlossen 4% mehr. Ab 3800 € Brutto hast du dann 150 €. Kleiner Hinweis, es gab nicht einen Streik, nicht einmal eine Androhung. :-D Ich liebe es. :-D
Standardargument: Nur mit Mitgliedern kann man etwas bewirken
Gegenargument: Wenn ich morgen einen Kegelclub gründe und nur einmal im Jahr kegeln gehe, dann wird der Club nicht lange bestehen und auch nicht wachsen.
Mitglieder gewinnt man durch Leistung.
Was wurde aus "Mein Frei gehört mir", "Der Deckel muss weg!" und und und, alles im Sand verlaufen.

Einen Umbruch kann man nur erreichen, wenn es denn endlich mal eine Organisation gibt, die auch mal ihren Hintern aus dem Sessel schwingt und dauerhaft für Veränderungen eintritt, der Anfang wird schwer und den muss man durchhalten und wenn man dann endlich mal etwas bewegt gewinnt man dann auch Mitglieder.
Meine Auffassung bleibt, wenn ich Mitglieder will muss ich Leistung bringen und nicht nur Sprüche wie 4% sind zu wenig, aber 1% Beitrag zu viel.
Ich kann nur sagen: Ja, ist es, wenn mit ein wenig Anstrengung sehr viel mehr drin gewesen wäre.
Dazu kommt noch, dass ich kaum Forderungen und Bemühungen sehe um die personelle Situation zu verändern.

Wie soll man also zusammen kommen?
 
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23.12.2014
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Verstoss gegen das Urheberrecht, Bild entfernt
@ JackDaniels: Sehe ich ähnlich. Ohne Ver.Di währe es vermutlich aber noch schlimmer, sieh Dir die Unternehmen mal an, in denen die kein Bein an den Boden bekommen.Gewerkschaften sind auch nur begrenzt in der Lage, etwas zu ändern.

Das wird erst der Fall sein, wenn die Mehrheit der gewählten Volksvertreter hektische Flecken, psychosomatische Beschwerden und in der Folge plötzlich gute Ideen bekommt, wenn er das Wort "Pflegenotstand" auch nur hört. Für den Anfang, nur so als Gedankenspiel:

[Bild entfernt: Verstoss gegen das Urheberrecht]

In diesem Falle: Politische Unterstützung des aussichtsreichsten, demokratisch und verfassungstreu aufgestellten Gegenkandidaten im Wahlkreis Neuss I durch die Pflege androhen oder gleich organisieren. Und, wie ich den Wiki-Eintrag gerade deute, bietet er auch weitere Angriffspunkte, wie der Umgang mit der Pille danach und Unterstützung von Medikamentenversuchen an Dementen.

Geht natürlich auch für Politiker anderer Parteien. Ich bin da nicht wählerisch.
 
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traveler

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09.12.2005
Kaufbeuren
@jackdaniels: nein verdi KANN es derzeit nicht sein - bei dem Organisationsgrad - wie denn auch?
Die meisten die auch hier verdi kritisieren vergessen dabei, verdi ist keine Organisation mit geborener Macht
sondern
die Macht kommt aus und von den Mitgliedern.
Verdi ist nicht irgendwas - Verdi sind WIR, und WIR sind kaum organisiert, auch nicht in verdi oder sonstwo.
Verdi bringt nix zustande?
Ja wie denn auch - verdi kann nur Druck machen, wenn sie Mitglieder haben und diese auch bereit sind bei einem Streik auf die Strasse zu gehen.
Kein Streik - ja bei dieser unpolitischen und trägen Berufsgruppe - schau dir mal nur die Warnstreiks an, selbst da kommen nur wenige.
Was glaubst du wie es beim einem Streik aussieht?
Da wäre Verdi schlecht beraten einen Streik auszurufen.
Stell dir vor wir haben Streik und keiner geht hin!!!!!!!!!!!!!1
Verdi sind WIR und WIR sind nicht bereit für unsere Belange zu kämpfen, ja sich nicht mal zu organisieren und das muss nicht unbedingt bei verdi sein.

wenn es denn endlich mal eine Organisation gibt, die auch mal ihren Hintern aus dem Sessel schwingt und dauerhaft für Veränderungen eintritt
Nein nicht die Organisation sondern die Mitglieder und auch unorganisierte der Berufsgruppe gleichermaßen.

Wie soll es denn so eine Organisation geben, wenn kaum einer bereit ist sich zu organisieren???

Das wird erst der Fall sein, wenn die Mehrheit der gewählten Volksvertreter hektische Flecken, psychosomatische Beschwerden und in der Folge plötzlich gute Ideen bekommt, wenn er das Wort "Pflegenotstand" auch nur hört.
Warum sollten sie?
Läuft doch.
Die Teilnahme bei Demos hält sich in Grenzen und der Organisationsgrad ist gering.
Druck wird doch von unserer Berufsgruppe keiner aufgebaut.
Wir bringen der Allerwertesten nicht hoch um für unsere Belange zu kämpfen, aber die Politik solls dann richten und für uns die Kuh vom Eis holen?
Na ja ...
 
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23.12.2014
Oldenburg
@traveler:
Die gesamte Subkultur Pflege ist, so wie sie jetzt ist, nicht nur unpolitisch, sondern auch undemokratisch. Um es ganz hart zu sagen, sie ist eine Keimzelle autoritärer Herrschaftsideen und an sich grundrechtsfern. Menschenwürde und freie Meinungsäußerung werden tagtäglich mit Füssen getreten.

Wer anders ist, zu schnell oder zu langsam arbeitet, sich fortbilden will oder nicht will, wird zur Zielscheibe des internen Gehackes auf dem Hühnerhof, wenn er nicht gleich von seinen Vorgesetzten einen Kopf kürzer gemacht wird. Es bleiben nur die über, die entweder Gefallen an diesem System finden und es aktiv weiterbetreiben, oder sich anpassen und den Kopf unten halten können. Alle anderen werden aussortiert, gehen freiwillig oder kommen gar nicht erst.

Eine Parallelwelt, ein anderes Land. Das dauerhaft und flächendeckend zu ändern dauert Jahrzehnte. Ein einzelner Mitarbeiter, der etwas zu ändern versucht, wird ausgegrenzt, gebrandmarkt und entsorgt. Berufliche Organisation wird durch die Führungskräfte bereits in den Ansätzen ausgemerzt. Ich glaube nicht, dass das System von innen heraus verändert werden kann, weil es an sich zu siechend und krank ist.

Ich glaube, die Krankheit ist zu weit fortgeschritten. Der Patient Pflege hat keine Abwehrkräfte mehr, und benötigt daher dringend ärztliche Hilfe von außen.

Krebs wird schließlich auch effektiver durch Skalpell und Chemo als durch Gebete und Rosenwasser behandelt.
 
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