"Selbstpflege" von Angehörigen

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weissbrk

weissbrk

Unterstützer/in
Basis-Konto
07.03.2006
Münster
Hallo!
Ich bin durch die Umfrage von phantasie1 darauf gekommen, dass diese "Selbstpflege" bei Anghörigen sicher auch oft schwierig ist.
Wenn ich aus der Situation im Krankenhaus oder Pflegeheim komme, líegt meist mein Alltag vor mir, also Familie, Beruf, Haushalt.
Und ich habe in den letzten Monaten sehr oft Müdigkeit bis zum Umfallen erfahren, mehr psychisch als physisch. Wenn alle Probleme wieder auf uns eingestürzt sind, keine Besserung in Sicht war...
Und pflegt man tatsächlich selbst zu Hause, ist man 24 Stunden am Tag in der Pflegesituation.
Wie geht Ihr damit um? Wo tankt Ihr neue Kraft? Würde mich über einen Austausch sehr freuen!
 
Qualifikation
Verwaltung
Fachgebiet
privat
M

Monika Bartz

Mitglied
Basis-Konto
02.02.2006
4020
Hallo weissbrk!
Als ich meine Nichte für ein Jahr lang zu Hause betreute, sie hatte Knochenkrebs und im ganzen Körper Metatasen, war ich oft nahe am Rand meiner Leistungsfähigkeit. Ich ging auch arbeiten und hatte ja auch meine eigene Familie. Aber in dieser Situation bin ich trotzdem immer wieder über mich hinausgewachsen und ich weiß heute nicht mehr, wie das alles auszuhalten war. Es ist ja das schlimmste, dabei zu sein und nur beschränkt aktiv was tun zu können. Die Hilflosigkeit, mit der man als Angehöriger danebensteht, war für mich der größte Stress und ich ging oft von meiner Nichte weg, mit dem Gefühl, das alles nicht mehr ertragen zu können.
Als erstes hab ich dann einmal ganz intensiv meinen Tränen freien Lauf geglassen, dann hab ich mich zu meinem Mann gekuschelt und ihm meinen Schmerz mitgeteilt und sein MICH-HALTEN hat mich oftmals ruhiger gemacht.
Ich hab mit ihm stundenlang geredet und auch in der Nacht, wenn, ich nicht schlafen konnte vor Seelenschmerz, hat er mir zugehört und versucht zu trösten.
In der Arbeit konnte ich auch immer reden und die Anteilnahme der Kollegen hat sich sehr positiv ausgewirkt.
Ganz wichtig war für mich, mir die nötige Auszeit zu nehmen, auch einmal wegzufahren für einige Tage. Ich hab mir dann zugestanden, dass ich auch ein Recht auf ein eigenes Leben habe und so richtig Kraft getankt: in der Natur, beim Fernsehen, beim Weintrinken auch mit den Eltern von Conny haben wir hin und wieder ein Fest neben ihr gefeiert und sie hatte immer großen Spass dabei.
Und trotzdem bin ich auch an den Tagen, wo ich meinte, es geht nicht mehr, zu Conny gegangen, denn das bei ihr sein und wenigsten zu zeigen, dass ich da bin, war auch mir wichtig und hilfreich!
VIEL KRAFT, weissbrk!
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
D

DieRatsuchende

Mitglied
Basis-Konto
30.07.2006
9400
Hallo !
Während es meinem Lebensgefährten am schlimmsten ging, war ich sozusagen 24 Stunden im Pflegeeinsatz.
Rausgekommen bin ich zu dieser Zeit 3x die Woche für max. 4 Stunden. Da hab ich mir 2x die Woche für eine Stunde eine Psychologin gegönnt. Ich muss sagen, es tat sehr gut, obwohl da ja auch meist nur von den Problemen die Rede war. Es gab aber auch Lösungen - und das befreit ungemein. So hat sie mir z.B. gute Tips gegeben, wie ich zukünftig mehr Chancen habe, für unsere unerfüllten Wünsche und Bedürfisse Gehör zu finden. Dabei bin ich sogar mal ausgerastet ;-), aber sie hatte Recht. Ihre Strategie hat ja doch manchmal geklappt.
Allerdings ist besonders hervorzuheben, dass mir mein zu pflegender Liebling sehr bei der Selbstpflege geholfen hat.
Der hat jede Minute, in der es ihm nicht ganz so schlecht ging, ausgekostet, und er hat sich in schlechten Momenten immer selbst überwunden. Seine Mitarbeit dürfte etwas sehr seltenes sein, und die Liebe spielte da eine große Rolle (Lebensgefährte).
Sehr hilfreich ist es auf alle Fälle, wenn man es schafft,
sich ausschließlich mit dem Jetzt zu beschäftigen - wenns mal besser geht - und mit der Hoffnung auf morgen- wenns mal nicht so gut geht. Dabei halfen mir immer wieder die guten Tage, die auf schlechtere gefolgt waren.
Sowohl aus der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit das Positive rausziehen.
Wenn morgens der Pflegedienst kam, konnte ich weinen - ist auch sehr befreiend für mich persönlich.
Nicht zu vergessen für mich ist das Gebet; auch das hilft mir sehr.
Liebe Grüße - Irmgard
 
Qualifikation
Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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