selbstbestimmung

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mitsie

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hallo, ich beschäftige mich mit dem thema selbstbestimmung in der (dementen)pflege und frage mich, ob in den pflegerischen lerninhalten
irgendwo eine definition des begriffes vorkommt bzw. wie seine umsetzung in der praxis behandelt wird (nicht nur bezogen auf die typischen konfliktfälle, sondern auch auf alltagssituationen)? wie lernen pflegekräfte, wie sie die selbstbestimmung der zu pflegenden wahren, achten, wiederherstellen oder befördern? was bedeutet selbstbestimmung im pflegerischen kontext überhaupt? kann mir da jemand weiterhelfen? würde mich sehr freuen....danke schon einmal im voraus! mitsie
 
Qualifikation
Soziologin
Fachgebiet
Uni
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Mutti

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hey mitsie,

es gibt Demenz-Sevice Zentren, die dir da mit Sicherheit weiterhelfen können. Für mich ist selbstbestimmung ganz groß geschrieben, solange der Mensch mit Demenz sich nicht selbst oder fremd gefährdet. Validation ist vielleicht auch ein Thema.

Viele Grüsse Mutti
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
ambulante Pflege
Weiterbildungen
Netzwerk Demenz
Herr von Boedefeld

Herr von Boedefeld

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ich glaube, man kann es nicht lernen oder definieren; wieviel Selbstbestimmung zugelassen wird und was als Selbstbestimmung angesehen wird, hängt sehr davon ab, welche Vorstellungen, Werte und welche Ängste oder welche Sicherhitsbedürfnis die jeweilige Pflegekraft hat; wir haben in ambulant betreuten Wohngemeinschaften diese Erfahrungen gemacht; für einige Mitarbeiter ist es großartig, wenn sich die Bewohner noch selbst kleiden, auch wenn sie verschiedene Strümpfe oder mehrere Sachen übereinander anziehen, andere können das nicht tolerieren, da "so rumzulaufen" ihrem Bild nicht entpricht, nur als ein Beispiel
 
Qualifikation
Referent GF
Fachgebiet
Pflegenetzwerk
Sahawe

Sahawe

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Hallo mitsie,
was bedeutet selbstbestimmung im pflegerischen kontext überhaupt?
Das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen ist im Grundgesetz unter den persönlichen Persönlichkeitsrechten verankert.

Im pflegerischen Kontext bedeutet dies, die Kontrolle über das eigene Leben haben. Das bedeutet Mitspracherecht in Therapie und Behandlung. Und nicht nur Mitspracherecht sondern auch Entscheidungsrecht in Bezug auf pflegerische Handlungen und das Recht auf die Wahl der Alternative. Dies beinhaltet beispielsweise Information und die Aufklärung über Nutzen - und Risiken oder aber auch die Wahrheit über die Prognose. In der Pflege muss die persönliche Entwicklung des Patienten beachtet werden indem er in seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten unterstützt wird, dass er selbständig handlungsfähig bleibt und damit Entscheidungen über sein Leben selbst treffen kann (soweit das natürlich geht). Auch Autonomie bei der Gestaltung des Alltags und die Unterstützung am Leben teilhaben zu können gehören dazu. Im Falle der fortgeschrittenen Demenz, bedeutet der Grad der Selbstbestimmung eine detaillierte Betrachtung von Mimik und Gestik und die ständige Überprüfung ob das Verhalten der Patienten mit Wohlbefinden übereinstimmt und damit ob die Bedürfnissen der Patienten individuell beachtet werden.
Unterstützt wird dies mit Biographiearbeit, bei der Wertehaltungen, Befindlichkeiten und Fähigkeiten rekonstruiert werden. Hierzu gibt es verschiedene Konzepte. Ein Beispiel ist die Validation nach Naomi Feil (es gibt aber noch viele andere).
http://www.demenzservice-cofone.de/pdf/validation.pdf
http://www.sw.fh-jena.de/people/rainer.hirt/aufsaetze/Biographiearbeit_zwischen_Erinnerung_und%20_Therapie.pdf
VG Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
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mitsie

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vielen dank an alle (wenn auch mit etwas verzögerung) für eure antworten!! liebe grüße, mitsie
 
Qualifikation
Soziologin
Fachgebiet
Uni
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