Selbst entlassen?

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chip84

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Guten Morgen,

Ich habe folgendes Problem.

Meine Freundin (18 Jahre alt) wurde wegen Suizidversuch (nich vollendet) vor ein paar tagen in eine Psychatrie eingewiesen. Das war eine kurzschlussreaktion.

Aufjedenfall kam sie in die geschlossene und wollte sich nach einen Tag selbst entlassen, weil sie selbst einsah das es eine kurzschlussreaktion gewesen ist und sich da total unwohl fühlt.
Die Ärzte haben den aber nich zugestimmt.
Ist das rechtens?

Desweiteren soll sie in 1-2 Wochen in die "offene" verlegt werden.
Wie sieht es da aus mit dem selbst entlassen?
Dürfen die Ärzte ihr das dann immer noch verbieten?
 
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pegean

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AW: Selbst entlassen?

Nicht immer wollen Menschen die einen Suizidversuch machen wirklich sterben.Sehr oft ist es ein Hilfeschrei weil sie mit einem oder mehreren Problemen nicht klar kommen.
Aber es gibt auch jene die nach einem mißglückten Versuch erst einmal so tun daß sie es einsehen daß man mit einem Suizid keine Probleme löst.
Kaum sind sie aus der Klinik versuchen sie es wieder .
In der Klinik wird sie jetzt beobachtet und es wird ihr Hilfe angeboten wie z.Bsp. Therapien .Erfahrungsgemäss sehen oft die Betroffenen anfangs nicht ein daß sie Hilfe brauchen.Auch schämen sich viele für das was sie getan haben und wollen so schnell wie möglich alles vergessen aber damit wird kein Problem gelöst.

Mein persönlicher Rat : sprich mit ihr und mach ihr klar daß sie Hilfe braucht .Auch wenn sie es selbst erstmal ablehnt .Wie ist das Verhältnis zur Familie ?Können Eltern u.Geschwister mit eingebunden werden ?
Mach Du ihr klar daß Du zu ihr stehst und sie unterstützt .Aber sie soll sich behandeln lassen !!!
Und auch Du kannst versuchen mit dem Personal vor Ort zu sprechen .

LG
 
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chip84

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AW: Selbst entlassen?

Danke für deine Antwort.

Naja uns geht es dadrum das sie da rauskommt und sich selbst nen psychologen sucht.

Ich habe gelesen das der Arzt sie nur 1-2 Tage da festhalten darf und wenn länger dann nur mit Beschluss vom Gericht,
stimmt es?

Es gab nie einen beschluss vom Gericht.
 
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Kessia

Kessia

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AW: Selbst entlassen?

Diese Thematik ist wieder einmal nicht eindeutig darzulegen, vielmehr trifft auch hier der viel zitierte Spruch "zwei Juristen, drei Meinungen" zu. Insofern ist hier wieder Vorsicht angebracht, wenn von "herrschenden Meinungen unter Juristen" gesprochen wird.
 
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Schwester Christa

Schwester Christa

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AW: Selbst entlassen?

Je nachdem, wo man das Problem sieht, ist das absolut eindeutig darzulegen!

Wenn Chip sich für den rein formalen Ablauf interessiert, sieht es auf Grund der etwas spärlichen Informationen ja so aus, dass seine Freundin wegen akuter Selbstgefährdungsgefahr in die Psychiatrie eingewiesen wurde.
Irgendwann hat sie festgestellt, dass es ihr da nicht gefällt und sie will wieder gehen.

Jetzt ist der Arzt gefragt! Wenn er der Ansicht ist, dass weiterhin die Gefahr der Selbst- oder Fremdgefährdung besteht, kann er ab dem Zeitpunkt, da die Freundin den Entlasswunsch äussert, die Frau für 72 Stunden fürsorglich zurückhalten. Danach muss er sie gehen lassen, wenn sie will, oder er lässt bei begründeten Zweifeln einen Richter kommen, der die Freundin dann evtl. bis zu 12 Wochen nach UBG bzw. PsychKG unterbringt.

Ob sie sich dabei auf einer offenen oder geschlossenen Station befindet, ist übrigens zweitrangig. Eine geschlossene Station erleichtert lediglich die Überwachung.

Das eigentliche Problem liegt aber doch wohl woanders.
Im Eingangspost gibt es wenige Informationen über die Hintergründe. Ich gehe aber davon aus, dass die Freundin nicht aus Jux und Dollerei in die Psychiatrie eingewiesen wurde. CHIP spricht von einem nicht vollendeten SV; was ist das? Ein Suizidversuch ist immer unvollendet, sonst wäre es ein Suizid! (kleiner Klugscheißer am Rande)
Also was hat sie getan: sich geritzt, Pillen geschluckt, sich auf´s Dach gestellt oder "nur" verbal gedroht, sich umzubringen? So oder so, war ihre Handlung das Ergebnis einer vorhergehenden Entwicklung.
Möglicherweise eine Entwicklung, die so akut belastend ist, dass eine sofortige Behandlung notwendig ist.
Natürlich ist es eine gute Idee, sich selbst Hilfe bei einem Psychologen oder Psychiater zu suchen. Die Behandler vor Ort in der Klinik müssen aber zunächst entscheiden, ob die Patientin tatsächlich schon soweit in der Lage und einsichtig ist, genau das auch wirklich zu tun.

chip sollte sich kooperativ zeigen und vielleicht ein gemeinsames Gespräch mit der Freundin und den behandelnden Ärzten suchen um die Problematik zu klären. Nur auf Kontra zu gehen ist nicht sinnvoll.
 
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Fripi

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AW: Selbst entlassen?

Das was Schwester Christa sagt ist soweit schon sehr richtig, wobei die 72 Stunden Bundeslandabhängig sind, es gibt auch welche die nur 24 haben.

Trotzdem habe ich auch ein Problem damit das man in Psychatrien oft Grundrechte mit Füßen tritt. Deswegen, im Zweifel erklären das man nicht mehr will, sollte sich der Arzt weigern sie zu entlassen darf man notfalls auch auf die Staatsgewalt vertruen, zunächst einfordern das in dem Fall eine Meldung ans Betreuungsgericht erfolgt, bzw. wenn sie das am Vortag bereits geäußert hat nachfragen und nachweisen lassen das die Meldung korrekt erfolgt ist.
Sollte etwas nicht korrekt abgelaufen sein würde ich nochmals kurz darlegen das eine nicht korrekte Handlung die zum Entzug eines Grundrechts führt den Arzt vor erheblich problematische Konsequenzen stellt und nochmals die "freilassung" fordern, sollte dann keine Reaktion erfolgen - Polizei rufen, Anzeige erstatten. Anders bekommt man leider diesen larifari Umgang mit Grundrechten(!!!) nicht in den Griff.

lg, nIls
 
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chip84

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AW: Selbst entlassen?

Danke für eure Antworten :)

Einen Richterlichen Beschluss gibt es nicht, das wüsste sie.
Dann wäre ja auch nen Richter dagewesen.

Was mir nur sorgen macht.

Sie fragte ja Donnerstags bereits ob sie gehen dürfte (war eine vertretungs ärztin), da wurde ihr gesagt wenn sie weiterhin gehen will dann holen sie einen Richter und entmündigen sie...

Ist das Rechtens?

Wir haben heute nochmal nen Arzt gefragt, ich war mit.
Und haben die Krankenschwester dazugeholt die jeden Tag da ist.

Die Ärztin meinte das sie angeblich donnerstag doch gesagt hat das sie die freiwillige behandlung will obwohl das gar nich stimmt.
Das war ne andere Ärztin.

Die Krankenschwester stand voll auf unserer Seite und meinte das meine freundin jeden tag sehr gut drauf ist und fröhlich,
so das ein weiterer aufenthalt nich nötig ist. Aber sie kann das ja nich entscheiden.

Wir sollen morgen mit dem behandelnen Arzt reden.
Bin mal gespannt was da raus kommt.
 
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Baldr

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AW: Selbst entlassen?

Na ja, gängige Taktig ist es, wenn ein Patient geht ihm mit dem Richter und entmündigung zu drohen (Entmündigung gibt es aber gar nicht mehr), und so quasi den Patienten erpressen das er nicht weiter auf seine Entlassung besteht. Faktisch bleibt er dann ja "Freiwillig". Siehst du das Spielchen? Also entweder spielt man es mit oder versucht die Konfrontation über den Rechtsweg. Da riskiert man dann allerdings das man unterliegt und einen Unterbringunsbeschluss bekommt. Nun spielen dabei aber viele Faktoren eine Rolle, die mangels Deteils der gelieferten Info hier nicht alle dargestellt werden können.
 
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Schwester Christa

Schwester Christa

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AW: Selbst entlassen?

Anders bekommt man leider diesen larifari Umgang mit Grundrechten(!!!) nicht in den Griff.
Ich glaube, dass man sich gerade in den Psychiatrien sehr wohl über den Umgang mit Grundrechten bewusst ist. Natürlich gibt es wie überall schwarze Schafe, aber generell von einem Larifari-Umgang zu sprechen, halte ich doch für sehr weit hergeholt.
Zumal ich auch ein gewisses Verständnis für die Vorsicht mancher Ärzte habe. Wie siehts denn im schlimmsten Fall aus? Fette Schlagzeile in einer Boulevard- oder Lokalzeitung: JUNGES MÄDCHEN IN DER BLÜTE SEINER JUGEND WIRFT SICH VOR ZUG! Daneben das Bild eines Arztes mit Pornobalken über den Augen: DIESER ARZT HAT SIE STUNDEN ZUVOR ALS GESUND ENTLASSEN!

Bei mir stellen sich viele mit der Aufnahmediagnose auf Station vor, nur weil sie wissen, dass sie dann schneller reinkommen. Bei anderen wird genauso verfahren, wie oben beschrieben. Sie sind eindeutig selbstgefährdend und wollen wieder gehen. Es liegt am Arzt, den Grad der Suizidalität einzuschätzen. Und im Zweifelsfall wird er fürsorglich zurückhalten und den Pat. und seine Stimmungslage noch eine Weile beobachten.

Leider liegen mir für den Fall von CHIP nicht genug Hintergrundinformationen vor um mich da weiters auszulassen.

Wie kam die Freundin den in´s KH? Privat, mit Polizei und/ oder Notarzt? Daraus könnte man schon einen Teil der Schwere ableiten.
Wie sah der SV aus? Ist sie sonst auch eher depressiv? Gab es einen konkreten Auslöser? Fragen über Fragen....

Die Sache mit der Freiwilligkeit ist in der Psychiatrie so eine Sache. Natürlich kann eine freiwillige Behandlung jederzeit beendet werden. Bei Eigen- und Fremdgefährdung kommt dann aber noch die Frage der medizinischen Einschätzung dazu. Wenn die negativ ausfällt, läuft die oben genannte Kaskade.
Allerdings muss die Klinik hier tatsächlich in die Pötte kommen. So ein Galama mit freiwillig/ nicht freiwillig geht nicht! Wenn der Arzt sagt, die Patientin darf nicht auf eigene Verantwortung gehen, dann läuft ab diesem Moment die fürsorgliche Zurückhaltung. An deren Ende MUSS die Patientin dann entlassen werden, wenn sie will, oder es muss ein richterlicher Beschluss vorliegen, der die weitere Unterbringung für die nächsten, maximal 12 Wochen regelt.
So eine Unterbringung nach UBG/ PsychKG kann übrigens bei guten Verlauf von den beh. Ärzten auch vorzeitig und einseitig wieder aufgehoben werden.
 
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Noddie

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AW: Selbst entlassen?

Chip,
dir ist klar das gerade Depressive die besten Schauspieler sind. Leider haben dieses einige schon selber erlebt. Patienten die kurz vorher noch mit einem gescherzt hatten, haben sich kurze Zeit später versucht umzubringen oder es sogar geschafft. Somit kann ich die Ärzte gut verstehen die Äußerungen erstmal ernst zu nehmen.
Ansonsten unterstreiche ich das was Schwester Christa schreibt.
 
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Marion FKS

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AW: Selbst entlassen?

Andererseits ist eine Behandlung mit gemeinsam zu treffenden Behandlungsabsprachen und Behandlungszielen mit einem Patienten, der partout nicht will, schon schwierig. Eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen mit einem Erreichbarkeitsangebot zu jeder Tag- und Nachtzeit für Krisensituationen kann Betroffene auch dazu bringen, die Klinik später mit einer höheren Bereitschaft, sich helfen zu lassen, wieder aufzusuchen. Und Patienten, die gegen ihren Willen festgehalten werden, können sich auch auf Station gut verstellen und im Anschluss an die dann meist erfolglose Behandlung sich in ihrer Meinung bestätigt sehen, dass ja eh nichts besser wird mit den entsprechenden Konsequenzen.
Eine Zwangsunterbringung macht doch eigentlich nur Sinn, wenn der Betroffene so neben sich steht, dass er vorübergehend keine Verantwortung für sich übernehmen kann und das muss auch glaubhaft in einem Unterbringungsverfahren begründet werden können.
Psychiatrische stationäre (und auch ambulante) Behandlung kann immer nur ein Angebot sein, annehmen muss der Betroffenen sie selbst.

Noch was anderes: Ein niedergelassener Psychologe / Psychiater findet sich, zumindest bei uns, leider nicht so schnell, Wartezeiten von ca. 1/2 Jahr sind da normal. Und fröhlich zu sein und tun als wäre nichts gewesen weist ja auch auf eine Tendenz zur Verdrängung hin - und alles, was verdrängt wird, wurde nicht bearbeitet und kann wiederkommen - mal etwas laienhaft ausgedrückt.
 
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FKS Psych., Studentin Pflege- u. Gesundheitswissenschaften, Dozentin KPS
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chip84

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AW: Selbst entlassen?

Hallo alle zusammen,

wir haben am Montag mit dem behandelnen Arzt nen ordentliches Gespräch geführt und meine Freundin wurde dadrauf entlassen, wenn auch gegen Ärztlichen Rat. Aber immerhin ist sie draußen. Nun kann sie sich hier nen Psychologen/Psychater suchen.

Hätte nich gedacht das es klappt,
nachdem sie Donnerstag schonma vergeblich drum gebeten hat gehen zu dürfen. Da war auch ne andere Ärztin die Donnerstag meinte wenn sie weiter jammert das sie gehen will dann holt sie nen Richter der sie entmündigt. Das ist schon ne Frechheit.

Naja nun ist alles geregelt und ich habe meine Freundin zuhause :)

Lg
chip
 
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