Sechs Stunden am Tag sind genug

Pressespiegel

Pressespiegel

Moderation
Teammitglied
22.07.2016
tageszeitung
Sechs Stunden am Tag sind genug
Schweden verkürzt im Gesundheits- und Sozialsektor den Arbeitstag bei gleichem Lohn. Qualität und Produktivität steigen, der Krankenstand sinkt.

Die deutschen „Wirtschaftsweisen“ halten ihn für „veraltet“, bei den Sondierungsgesprächen für „Jamaika“ wird er debattiert: der traditionelle Arbeitstag, acht Stunden lang. Für alle könnte ein Blick nach Schweden nicht schaden. Hier gilt der Achtstundentag schon länger nicht mehr als der Weisheit letzter Schluss. Man hält auch nichts von einer „Flexibilisierung“, die die tägliche Arbeitszeit faktisch nur ausweiten würde. Allerdings haben die Skandinavier gute Erfahrungen mit dem Sechsstundentag bei gleichem Lohn gemacht.
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
25.06.2000
"Schon immer sagten alle 'Das geht nicht!' - bis einer kam, der das nicht wußte und es einfach machte."

Wie so oft - die Schweden machen es uns vor.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
  • Gefällt mir
Reaktionen: supetrosu
D

Darky5232

Neues Mitglied
Basis-Konto
Es würde wirklich funktionieren, nur würde das bedeuten das mehr Personal eingestellt werden müsste und das wiederum wird ja seit Jahren eingespart! Ich selbst habe die Erfahrung auch gemacht in zwei unterschiedlichen Betrieben und muss sagen das es mir gesundheitlich besser ging mir 6 Stunden.
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflegeheim
  • Gefällt mir
Reaktionen: Christian Kröhl
Benzodiazepin

Benzodiazepin

Mitglied
Basis-Konto
Würde dann auch ein 4-Schicht System nach sich ziehen. Schichtübergabe in der Nacht, ne lass mal...
 
Qualifikation
Altenpfleger, Wundexperte ICW, Pflegemanager B.A.
Fachgebiet
QMB
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
25.06.2000
Schichtübergabe in der Nacht, ne lass mal...
An eine Mitternachts-Übergabe würde man sich genauso schnell gewöhnen, wie an eine morgens um 6. Gewichtiger find ich dabei, dass das bei vollem Lohnbezug im Grunde einer Lohnerhöhung um ca. 17-20% gleich käme. Wie der Stern das richtig wieder gibt, explodieren damit natürlich die Personalkosten und machen das für die Länder (Landesbetriebe) und Shareholder der privaten Kliniken entsprechend unattraktiv. Nicht, dass uns das als Lohn nicht tatsächlich zustehen würde - aber ad hoc sehe ich keinen Weg, wie man das in Deutschland umsetzen können sollte, wenn der seit 30 jahren bestehende Pflegenotstand erst im letzten Wahlkampf von den Parteien entdeckt wurde.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
  • Gefällt mir
Reaktionen: johannes2017
J

johannes2017

Mitglied
Basis-Konto
Nicht nur die drastische Lohnerhöhung steht dem gegenüber. Wie der Sternartikel zeigt, stiegen nach anfänglichem Rückgang die Krankheitszeiten deutlich an. Das sollte zu denken geben.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
stationär
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
25.06.2000
Nicht nur die drastische Lohnerhöhung steht dem gegenüber. Wie der Sternartikel zeigt, stiegen nach anfänglichem Rückgang die Krankheitszeiten deutlich an. Das sollte zu denken geben.
Sollte man fast meinen, nicht? Schaut man aber genauer hin ist es nicht zu übersehen, dass es in den teilnehmenden Betrieben nur einen einzigen gab, in dem die Krankenrate tatasächlich stieg. Einer Altenpflegeeinrichtung, in der ein Norovirus das Personal dezimierte. Das ist in Schweden bereits seit Januar 2017 bekannt, als die Einrichtung das 6-Stunden-Projekt beendete. In allen anderen Unternehmen hingegen, darunter Großbetriebe wie bspw. Toyota Schweden, ist nicht nur der Krankenstand signifikant zurück gegangen, sondern gleichsam wurden Produktivität und Umsatz erhöht und ca. 1/5tel neue und zusätzliche Stellen geschaffen. Auch und gerade in der Pflege und insbesondere Mütter minderjähriger Kinder sind so wieder in den Job zurück gekehrt, die mit den 8-Stunden-Schichten die häusliche Kinderbetreuung nicht sicherstellen konnten und mit dem 6-Stunden-Modell nun wieder in Lohn und Brot stehen und diesen Haushalten somit ein zweites Gehalt zur Verfügung steht, das nicht nur annähernd vollständig in den nationalen Wirtschaftskreislauf zurückfliesst und zu einem Umsatzanstieg führt, sondern insbesondere auch die leeren Sozialkassen, insbesondere die Rentenkasse, auffüllt. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen lässt sich angesichts dessen nicht weg diskutieren oder gar in Zweifel ziehen.

Wer an dem Thema 6-Stunden-Modell näher dran ist, hat sich diese Woche vermutlich auch die Augen gerieben, weshalb das Thema ausgerechnet jetzt in Deutschland durch die Medien wandert - denn das staatlich geführte Unternehmen das Projekt recht medienwirksam beendeten, das fand bereits im Januar 2017 statt. Begründet wurde das mit der Kostensteigerung im Bereich Personalkosten, während sich auch in diesen Betrieben die Auswirkungen auf Krankenstand, Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität und Umsatz ebenso positiv entwickelten, wie in den übrigen nicht-staatlichen Betrieben. Pressetechnisch also eigentlich ein alter Hut und ein wenig kurios, bedenkt man es das das 6-Stunden-Modell seit bereits 2008 in hunderten Unternehmen in Schweden (u.a. auch in Norwegen, Dänemark und Finnland) erfolgreich umgesetzt und bis zum heutigen Tag betrieben wird. Warum also wabert das jetzt bei uns durch die Presse und wird als gescheitertes Modell proklamiert?

Dazu lohnt sich immer mal ein Blick über den Tellerrand: in dieser Woche sind die ersten Gespräche zur Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie gestartet und dort drohen die seit Jahren härtesten Streitigkeiten. Die IG Metall geht u.a. mit der Forderung in die Verhandlungen, die ein individuelles Recht auf eine maximal zwei Jahre dauernde 28-Stunden-Woche erhalten. Wer im Job also kürzertritt um Kinder zu erziehen oder Eltern zu pflegen, soll dabei einen Teil des Lohnverlusts ausgeglichen bekommen. Für die Arbeitgeberverbände könnte es dahingehend nichts Schlimmeres geben, wenn das a) eingeführt und b) sogar funktionieren würde, denn dann wäre c) dem generellen 6-Stunden-Modell kaum noch in irgendeiner Art und Weise argumentativ zu begegnen.

Den Rest kann sich jeder selbst denken ;)
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Anästhesie & Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
Studium
Gesundheits- und Sozialökonomie, Betriebswirtschaft (VWA)
S

südwind

Mitglied
Basis-Konto
27.02.2014
karlsruhe
Der 6,5 std Arbeitstag , bei einer 6 Tage Woche hatten wir vor 35 Jahren. Das war gar nix. Mit jeweils 10 min Übergabezeiten. Und ein 6 std tag bei vollem Lohnausgleich? Glaubt doch nicht an Hexen.
Pflegenotstand ? An den glaube ich nicht, Stellenabbau, ja , mit dem Argument, der Markt sei leergefegt.
Es wird von Seiten der Vorgesetzen gegängelt, gedroht, gemobbt usw. Personalpflege sieht anders aus.
Die Leitungen , aus unterschiedlichen Ebenen, kommen nicht damit zurecht, dass die Pflegekräfte selbstbewusster werden, ihre Rechte besser kennen und diese auch versuchen durchzusetzen. Was richtig ist. Die Zeit der vielen Abnicker, Einspringer usw ist Gott sei dank vorbei. Einzelne schwirren noch rum, aber es werden weniger.☺
Ich kenne einige Pflegeheime, da lässt sich die Pflege heute noch den Aff mit sich machen. Mich wundert, dass das System noch aufrecht erhalten werden kann.
Z.b geteilte Dienste,
Arbeitsverträge nur noch mit 80%, dann kann man sie in der restl Zeit anrufen, der Krankenstand sei nicht so hoch
Und...und... und. .... es gäbe noch viel zusagen.
Nix für ungut
Lb gruss südwind
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Klinik
J

johannes2017

Mitglied
Basis-Konto
Ich weiß, dass auch ohne 6-Std.-Tag die work-life-balance erreicht werden kann. Natürlich geht das nicht mit den von den "Sozialpartnern" beschlossenen Personalanhaltswerten, die ja seit Januar 2017 noch unter jenen liegen, die bis zum Dezember 2016 gültig waren. Anstatt der in der "Altenpflege" von 11.2017 angesetzten 17,11 Planstellen auf 50 Pflegebedürftige müsste das Personal auf 23,51 Planstellen angehoben werden, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen herzustellen. Doch das wurde bereits unter Plaisier festgestellt. Außerdem könnte ein Abrücken in der Pflege vom industriellen Arbeitszeitmodell weitere Ressourcen eröffnen.

Wenn ich bedenke, dass das Testmodell in Schweden immer noch bei einer Krankheitsquote über 5 % liegt, durchaus aber 3 % erreichbar wären, haben wird wohl noch einiges an Spielraum (Wir haben seit 2011 jedes Jahr im Ø 3 % KQ). Wenn die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund steht, ist das bei den derzeitigen Pflegesätzen sogar rechnerisch umsetzbar!
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
stationär