Schwieriges Team/Starre Strukturen

Fedmahn

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Guten Abend allerseits,

ich muss mir hier mal n paar Vorschläge holen wie ich die aktuelle Situation beurteilen bzw. händeln könnte...

Kurz die Fakten:

- recht kleines "familiäres" Haus, 160 Betten

- haben von Geronto über Akut geschlossen sowie Alkohol und Drogenentzug hier im Haus alles zu bieten, dazu noch 4 forensische Stationen

bin seit 3 Jahren im Haus, davon 1 Jahr Alkoholentzug, 1Jahr Chorea Huntington, und seit November letzten Jahres wg. Bandscheibenvorfall auf der Psychosomatischen Station

Hab davor noch 2 Jahre in ner JVA als Krankenpfleger gearbeitet, bin also schon etwas erfahrener...

Problem ist wie folgt...

Das Team in dem ich arbeite besteht gerade mal aus 9 Planstellen, haben also nicht mal eine(n) Stellvertreter(in),nur nen Stationsleiter, der hält sich so gut wie aus allem raus, sitzt den ganzen Tag hinten in seinem Büro und führt Einzelgespräche mit den Patienten...Folge daraus ist das wir alle unseren Dienstplan selbst gestalten, er genehmigt dies. Was ja nicht immer so schlecht ist...sehr viel Freiheiten also, weil kein wirklich autoritärer Leitungsstil...

Was wichtig ist bei dem Team, die arbeiten seit 15! Jahren alle so wie sie sind zusammen, und dann kommt da son 28jähriger recht flexibler Kerl auf station (moi), bekommt weder eine professionelle Einarbeitung geschweige denn nen Stationseigenen Plan was wann in welchen Diensten gemacht wird...ist an sich noch nicht so schlimm, ich bin ja lernfähig und hab nen Mund zum Reden...Supervision gibts einmal pro Monat, da wird dann nicht über Themen im Team gesprochen, weil OT jeglicher MA im Team "wir kommen ja bestens miteinander aus, das brauchen wir nicht", also werden 90 Minuten blöd rumgesessen und Däumchen gedreht und über bestimmte Patienten geredet, Anwesenheit ist übrigens auch nicht Pflicht für alle MA, so wie ich das von anderen Stationen kenne...
Ein weiteres Problem ist, dass in der Dienstplangestaltung vorgegeben ist, dass:
- Am Wochenende Kurze Dienste gemacht werden
- Ruhezeitenschutzgesetz (nennt man das so?) nicht beachtet wird, weil Spät bis um 20:45 geht und Früh dann um 6 wieder beginnt ---> fahren am Woende 1:1 Schichten
- Sowie was mich immer noch so saumässig aufregt, am Sonntag von 6-7 Uhr die Station unbesetzt ist, und Dienstbeginn um 7Uhr ist, obwohl im DP der eingetragene Dienst um 6 beginnt
- Wir besitzen keinen Nachtdienst, (haben zwar immer mehr Borderliner anfang zwanzig gemischt mit Depressiven Patienten mit Z.N. Suizidversuch, aber brauchen wir ja angeblich nicht), dafür aber ne Frauenbereitschaft, die um 20:30 kommt (von anderen Stationen), von mir Übergabe bekommt und um 22:00 schlafen geht...

Sämtliche Arbeitsabläufe, seis von der Blutabnahme am Morgen bis zur Patientenaufnahme sind weder logisch und Nachvollziehbar, geschweige denn modern optimiert, ich hab bei allem was ich mache die mindeste 3fache Arbeit, auf die Frage warum wir das so machen bekomme ich "machen wir schon immer so" zu hören

Was die lustigen Dienste am woende angeht hab ich mich vor 4 Wochen hochmotiviert in einer Teambesprechung rangemacht um mal wenigstens einen Monat Projektmässig einen Kompromiss zu starten--->bin nur persönlich angegriffen worden, ohne Argumente zum Inhalt meiner Bitte bzw. meiner Argumente die ich für einen Dienstbeginn um 6Uhr am sonntag(wie z.B. Professionalität?, Übergabe von der Bereitschaft, Suizid von Patienten etc) sowie eine Verlängerung auf die regulären 7,7h am woende, ohne mich überhaupt wahrzunehmen oder mir wenigstens das Gefühl zu geben dass meine Bitte wenigstens respektiert wird...Sätze wie "was nimmst du dir hier überhaupt raus" sind da gefallen...fand ich dann auch nicht mehr so lustig...hat mich ne Menge Nerven gekostet in der Sitzung ruhig zu bleiben, nachdem ich mich aber nicht hab abdrängen hab lassen und weiter Argumentiert hab, hat mich der Stationsleiter mit den Worten "wir werden das jetzt nicht ändern nur weil du das möchtest" abgewürgt und das wars dann...
Noch mal so zur Erinnerung, das is ne Psychosomatische Station, in der Bezugsgespräche, Empathie, gegenseitiger Respekt etc. eigentlich gegeben sein sollte...
War also der böse, böse Eindringling der den selbstgeschaffenen Kokon dieses Teams etwas aufweichen wollte, und das geht ja mal gar net...

Der Krux an der ganzen Sache ist der: ich hab keine Lust schon wieder einen Versetzungsantrag zu schreiben, weil das hab ich damals auf der Alkoholentzugsstation auch schon gemacht, da waren die Zustände im Team ähnlich, ich muss ja nicht immer davonlaufen oder? ;)

Lustigerweise hat das Team einen üblen Sonderstatus im Haus, deswegen gehen auch die ganzen komischen Dienstplangeschichten, der Oberarzt der Psychosomatik hält da auch seine schützende Hand drüber...warum auch immer, sprich die werden auch noch gestärkt in ihrem Denken die wären was besonderes...oh ja, das hör ich jeden Tag von meinen Kollegen: "das was wir machen, das kann nicht jeder" blablablubbblubb...

Ums mal etwas überspitzt aus meiner Sicht zu sagen: ich hock mir den Arsch breit, machn bisl tiefgründiges blabla mit meinen Bezugspatienten, helf denen aus ihren akuten Problemen raus, und ansonsten hab ich keinen Stress da, so is der Alltag...
Lustigerweise wurde mir meine recht lockere Art im Umgang mit den Patienten, (ich sag gerne mal zu anfang 20jährigen Meister soundso, weiß aber sehr wohl meine Grenzen in Punkto Nähe und Distanz zu setzen und zu halten, ich würd kein DU erlauben, wie gesagt, ham ja viele Borderliner da)auch vorgeworfen, ich würd mich nicht richtig abgrenzen können, als Gegenbeispiel nannte ich dann Kolleginnen, die ihren Patientinnen nach einem Gespräch eine Umarmung angeboten hatten, aber das wäre ja was ganz anderes...ja ja genau;)

Mein nächster Schritt in meiner Situation wäre jetzt erst mal mit dem Stationsleiter ein Einzelgespräch zu halten(was nix bringen wird, der is rhetorisch recht fit), und mir dann einen Gesprächstermin bei der PDL mit meinen gesammelten Gesprächsnotizen sowie sonstiger lustiger verquerer Dinge die auf Station ablaufen (tagelang keine Einträge im Kardex, wichtige Medikamente, z.b. Copaxone - Gabe nicht abgezeichnet usw usw.) und diesen dann mit denen durchgehen ob denen überhaupt so bewusst ist, was da alles so abläuft...meine Angst ist nur a: dass die sich denken werden "der schon wieder, das hatten wir doch schon einmal) oder b: dass dann so n netter Spruch kommt wie "ist ja schon das zweite mal, denken sie nicht dass das auch an ihnen liegen könnte?" --->und glaubt mir, ich bin ziemlich selbstreflektierend, ich kenn meine Schwächen, hab auch keine Probleme, wenn man mir sagt wenn irgendwas nicht so gut lief etc, aber auf Stationen in denen einfach ein modernes Arbeiten gegeben ist und nicht so ne uralt-"wir sind schon seit 100jahren zusammen so in dem Team und haben keinen Bock uns zu verändern"-kacke.

so, ich bin weder ortsgebunden oder sonstwas, unser großes Mutterhaus 30km weiter weg mit über 800Betten würd mich mit Kusshand nehmen, müsst ich nicht mal Kündigen, reicht n Versetzungsantrag...umzieherei spielt da nur aus bequemlichkeit ne rolle, bin seit der ausbildung gute 2000km quer durch Deutschland gezogen und will dann doch endlich mal wo länger bleiben

Meine überlegung im Moment geht halt auch so weit dass ich mir denke "da muss ich jetzt mal durch und kann einiges im umgang mit solchen völlig eingefahrenen Kollegen lernen"...ich hab halt so gut wie keinen persönlichen Respekt mehr von denen, die sind selbst alle so verquer, glaub das liegt echt an zu lange psychosomatik, die wären auf jeglicher anderen Station so aufgeschmissen, weil die einfach wirklich scheiße arbeiten, ich weiß, ich weiß, das is widerum nur meine Wahrnehmung, aber trotzdem;)

Prob is halt wirklich ich bin alleine gegen den Rest da, ich hab keine Rückendeckung von anderen Mitkollegen, wenn die PDL das Team mal auseinanderreißen würde und 2-3 neue dazukämen, dann hat man eher die Möglichkeit ne Front zu schaffen, Auseinandersetzung is ja nicht immer was negatives;)

Ich ärger mich halt immer ziemlich so langsam, wenn bestimmt Kollegen im Dienst sind, weil die scheiße arbeiten(was mir mittlerweile wurscht ist), aber was mich eben langsam nervt ist wenn se dann anfangen mir in meiner Arbeit reinzupfuschen und mir vorschreiben dass z.B. aktuell heute: Pat. mit Diarrhoe, Stuhlprobe war negativ, ich zeig ihm den Zettel auf dems draufstand, weil der immer recht mißtrauisch is, und ich krieg dann zu hören "das kannste nicht machen das ist Arztsache" --->hammer, unsere Stationsärztin is 3Wochen im Urlaub, und ich hätt also dafür den Oberarzt anrufen müssen, der hätte sich kaputtgelacht;)

so...genug abgekotzt...

oh, ganz vergessen, ich studier an der HFH Hamburg per Studienbriefe nebenher noch Pflegemanagement;) was ich nicht über die Arbeit laufen lass, ich finanzier mir das in Vollzeit selber...bin jetzt auch schon im 3ten Semester, recht anstrengend Nebenher und VZ arbeiten, aber was solls, Stillstand is ja schließlich der Tod hat man mir mal gesagt;)
 
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AW: Schwieriges Team/Starre Strukturen

Hallo Fedmahn,
es ist schade,wenn man so ausgebremst wird.Ich kann auch verstehn, daß es dich reichlich nervt,wenn man dir in die Arbeit reinredet.
Aber aus Erfahrung kann ich dir sagen,daß man es als "Neue" wie in meinem Fall schwer hat wenn man in ein "eingespieltes "Team kommt.
Ich bin von der Psychiatrie in die Psychosomatik und erlebte so etwas wie einen Kulturschock,fand es oft haarsträubend wie manchmal gehandelt wurde.Grenzte oft an gefährlicher Pflege.
Ich kann Dir aus meiner Sicht nur raten ,bleib deiner Linie treu , versuch weiterhin Dinge im Kleinen umzusetzen ,versuch deinen Platz im Team zu finden ohne dich aufzugeben und halte durch.
Die Leute reagieren empfindlich wenn jemand neues kommt und ihrer Meinung nach sagen will wie man es besser macht oder machen kann.Ging ja all die Jahre so.
Entscheid für dich ob du Chancen siehst das sich das in absehbarer Zeit ändert und du so arbeiten kannst wie dein Anspruch an deine Arbeit ist oder du weiterhin gegen Windmühlen läufst.Wichtig ist:sorg für dich und lass dich nicht unterkriegen!!
 
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Schwester Christa

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AW: Schwieriges Team/Starre Strukturen

Hallo Fedmahn,

puh, du kotzt dich ja mächtig aus. Ich hab deinen Eintrag erst ein paarmal lesen müssen, um halbwegs einen Überblick zu bekommen. Aber ob ich dir da gute Tips geben kann....
Die Gesamtsituation ist schwer zu erfassen, da alle Informationen durch deine Wahrnehmung schon so verzerrt rüberkommen.

Psychosomatik scheint ja eine Welt und eine Disziplin für sich zu sein. Aus unserer eigenen psychosomatischen Station sind mir ähnliche Umstände bekannt, allerdings finden die Kollegen, die dort arbeiten, das völlig in Ordnung.
Du warst zuvor eher in Akutbereichen tätig, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist von der Arbeitsweise natürlich erstmal eine ziemliche Umstellung; die Schwerpunkte liegen einfach ganz wo anders.

Aber mal der Reihe nach: Dieses Team arbeitet seit 15 Jahren zusammen? Respekt! Die kennen sich untereinander wahrscheinlich besser, als ihre eigenen Familien. Da etwas an den Strukturen zu ändern, dürfte extrem schwierig sein. Du solltest dir aber trotz aller "100-Jahre-zusammen-Kacke" durchaus auch die Frage stellen, ob es notwendig ist, da was grundsätzliches zu ändern.

Ich meine, ein Team, das sich mit dem Einverständnis seiner SL selbst die Dienstpläne schreibt - also ich hab schon schlimmeres gehört. Für mich klingt das nach einem eher guten Arbeitsklima und gesundem Vertrauen. Und wenn solche Leute zu dem Ergebnis kommen, dass sie auf Station in der Nacht nur eine Bereitschaft brauchen, dann würde ich mich erstmal dafür interessieren, wie sie zu dieser Entscheidung gelangt sind und das zunächst einmal akzeptieren. Du bist noch nicht einmal ein Jahr auf dieser Station und willst einem gewachsenen Team seine Arbeit erklären, das kann nicht funktionieren. Gerade ein Bereich wie die Psychosomatik erfordert eine sehr behutsame Einarbeitungszeit, in der du erst einmal deinen eigenen Standpunkt finden musst. Und ehrlich gesagt, die knapp fünf Jahre Berufserfahrung, die ich aus deiner Einführung herausgerechnet habe, sind nun nicht sooo viel, zumal du die Erfahrungen deiner zurückliegenden Stationen kaum auf psychosomatische Klienten übertragen kannst.

Du schreibst, dass du "ziemlich selbstreflektierend" bist und deine Schwächen kennst. Tust du das wirklich? Darüber könntest du mal mit deinem SL reden, vielleicht sieht er ja die gleichen Schwächen bei dir und kann dir mit seiner Erfahrung helfen, in´s Team zu kommen.

Es gibt viele Punkte in deinem Bericht, die man angehen könnte und die so sicher nicht ganz korrekt ablaufen, keine Frage.

Allerdings bin ich der Meinung, dass das größte Problem bei dir selber liegt!
Sämtliche Arbeitsabläufe, seis von der Blutabnahme am Morgen bis zur Patientenaufnahme sind weder logisch und Nachvollziehbar, geschweige denn modern optimiert, ich hab bei allem was ich mache die mindeste 3fache Arbeit, auf die Frage warum wir das so machen bekomme ich "machen wir schon immer so" zu hören
Dieser Kardinalsatz hat mich dann doch sehr stutzig gemacht. Kann es sein, dass du nicht zwischen deinem Managementstudium und deiner täglichen Arbeit unterscheiden kannst?
Du bist da nicht angestellt, um Arbeitsabläufe zu optimieren, sondern um Beziehungen zu deinen Klienten aufzubauen. Und bei 15 Jahren geballter Teamerfahrung wäre es zunächst einmal an dir zu schauen, wie du von dieser Erfahrung profitieren kannst. Wenn du einmal das Vertrauen dieses Teams hast, dann kannst du nach und nach Probleme auf den Tisch bringen. Das wirst du aber niemals bekommen, so lange du mit "gesammelten Gesprächsnotizen" vorhast, die Kollegen irgendwo anzuschwärzen. Ganz schlechter Stil!

Der Krux an der ganzen Sache ist der: ich hab keine Lust schon wieder einen Versetzungsantrag zu schreiben, weil das hab ich damals auf der Alkoholentzugsstation auch schon gemacht, da waren die Zustände im Team ähnlich, ich muss ja nicht immer davonlaufen oder? ;)
Und das ist der zweite Kernsatz für meine Vermutung, dass du selbst Teil des Problems bist. Offensichtlich fehlt es dir an Geduld, oder an echter Teamfähigkeit. In knapp fünf Jahren vier Stationen durchlaufen; es fällt schwer zu glauben, dass da immer nur die anderen dran Schuld sind.

Vielleicht setzt du dein Studium mal eine Weile aus und versuchst, in einem Stationsteam anzukommen und dort mal echte Erfahrungen im Umgang mit Patienten und einem multiprofessionellen Team zu machen.

Viel Erfolg!
 
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bodenständig

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AW: Schwieriges Team/Starre Strukturen

hallo,
auch ich mag noch meinen senf dazu geben.
schwester christa hat mir im wahrsten sinne des wortes die augen geöffnet. diese art und weise der betrachtung- wie soll ich sagen , war mir zunächst nicht eingefallen.
wahrscheinlich liegt es daran, dass ich zunächst alle äußerungen mit meiner eigenen teamsituation verglichen hab. im ersten ansatz konnte ich die "Fedmahn-Probleme" recht gut nachvollziehen.
dank schwester christa allerdings - muß ich meine bisherige meinung relativieren. danke für diese anregung der anderen sichtweise.

was das team-problem betrifft, solltest du tatsächlich zunächst vertrauen schaffen.(meine erfahrungen sind da vll. ein wenig unkonventionell- unser team war gemeinsam ein feierabendbierchen trinken. und es hat sich gelohnt) will aber niemanden zum alk verführen

schau dir alles an- sprich darüber- frag nach-aber lass es dir auch erklären. will sagen, sei offen für die antworten.
theorie und praxis ---das leidige thema.
weitere ausführungen möchte ich mir sparen, besser als christa könnt ich es nicht sagen

halt uns auf dem laufenden!
 
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Psylena

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AW: Schwieriges Team/Starre Strukturen

Hallo Fedmahn

Ich glaube Dir fehlt es echt an Respekt, wenn ich Deine Sätze lese
Zitat:
machn bisl tiefgründiges blabla mit meinen Bezugspatienten, helf denen aus ihren akuten Problemen raus, und ansonsten hab ich keinen Stress da, so is der Alltag...
Lustigerweise wurde mir meine recht lockere Art im Umgang mit den Patienten, (ich sag gerne mal zu anfang 20jährigen Meister soundso, weiß aber sehr wohl meine Grenzen in Punkto Nähe und Distanz zu setzen und zu halten, ich würd kein DU erlauben, wie gesagt, ham ja viele Borderliner da)auch vorgeworfen, ich würd mich nicht richtig abgrenzen können, als Gegenbeispiel nannte ich dann Kolleginnen, die ihren Patientinnen nach einem Gespräch eine Umarmung angeboten hatten, aber das wäre ja was ganz anderes...ja ja genau;)
Du erwartest Respekt von den Patienten, zeigst aber keinen den Patienten gegenüber.

Beim Regulieren von Nähe und Distanz scheinst du eher Schwierigkeiten zu haben - Nähe scheint Dir im Gegensatz zu Distanz eher Schwierigkeiten zu bereiten.

Sicher sollte man mit Umarmungen sehr, sehr vorsichtig sein - aber manchmal sind die auch richtig.

Empathie und Akzeptanz sind wichtige Eigenschaften um in der Psychosomatik und Psychotherapie zu arbeiten nicht nur Authenzität. Vielleicht bist Du da wirklich am falschen Ort.

Etwas in der Psychosomatik zu verändern ist tatsächlich oft nicht leicht - da gebe ich Dir recht, da wird das Für und Wider oft lange abgewägt und diskutiert - man braucht manchmal einen langen Atem - aber es ist nicht unmöglich. Kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Wenn man ins Team integriert und von den Kollegen akzeptiert ist, dann geht das mit den Veränderungen auch irgendwann etwas schneller. Und "ab und zu" sollte man seine Ideen auch Frage stellen lassen können. Du solltest auch anderen Menschen Kompetenzen zutrauen!

Halte Dich mal nicht für zu genial - der Umgang mit Menschen ist auch im Bereich Pflegemanagement wichtig.

LG Psylena
 
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Fachgebiet
Psychosomatik und Psychotherapie
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AW: Schwieriges Team/Starre Strukturen

Hallo Fedmahn!

Ich meine das "familiäre" Haus in dem Du arbeitest sehr gut wiederzuerkennen. Kennen wir uns vielleicht sogar persönlich? Nun, eine gewisse Differenziertheit in Deiner Sichtweise hätte ich mir auch gewünscht. Obendrein könntest Du die Vorteile die Du in der Psychiatrie rein Arbeitstechnisch (Easy Going) und Arbeitsrechtlich, sowie finanziell (öffentlicher Dienst - nehme ich an) genießen darfst sehr zu schätzen lernen. Den Aufstand zu proben lohnt nicht, außer das Du entweder den Ruf eines renitenten Mitarbeiters erwirbst den man mit "Aufgaben" zudecken wird um ihm letztlich zur Aufgabe seiner Haltung zu bewegen (Aufhebungsvertrag, Kündigung oder Versetzungsantrag Deinerseits mit inbegriffen) oder der irgendwann (wahrscheinlich bald) verstehen lernen muß das ein gewisses Maß an Gelassenheit gerade in Bezug auf den Umgang mit bestehenden Konzepten und vor allem im Umgang mit Mitmenschen/Kollegen das Leben leichter werden läßt. Pass Dich an! - heißt die eine Devise oder mach etwas ganz Anderes die Andere. Das ist nun mal so und es ist natürlich. Das Pseudotherapeutisch emphatische Getue mancher altgedienter Psychiatriecracks geht mir ganz genauso auf die Nerven wie Dir, nur sollte man dabei den Erfolg den man damit beim Klienten erzielen kann nicht aus den Augen lassen. Ich stelle fest das Authentizität/Kongruenz keinen wirklichen Stellenwert in der psychiatrischen Krankenpflege genießt, sehr wohl aber das wohlige Gefühl Überlegenheit, Selbstbestätigung, Kompensierung eigener Minderwertigkeitsgefühle... spüren zu können wenn man das Ego seines Gegenübers erkennen und mit seinem Eigenem reflektieren kann (en detail). Psychiatrische Pflege ist keine Lebensaufgabe sondern ein gut bezahltes Hobby geworden. Hierzu erwähne ich nur die Selbsterfahrungs- und Mitteilungsbedürftigkeit mancher Kollegen in fachlichen Fortbildungsreihen. Ich kam mir manchmal vor wie in Selbsthilfegruppen. Dennoch sehe auch ich die Selbstreflexionsfähigkeit primär als die wichtigste Fähigkeit an, die man zur Tätigkeit nicht nur im Umgang mit psychisch Beeinträchtigten braucht. Ich sehe das Du die Eigene betonst, spüren tut man sie in Deinem Beitrag nicht. Es ist eine Anklage. Lehne Dich doch mal zurück, trink einen Mate-Tee, massiere Deine Füße und denk doch mal "ein Stück weit" darüber nach, was konkret Du eigentlich wirklich möchtest und vor allem warum auf eine so revolutionäre Art und Weise (...Front aufmachen...). Aber Achtung ist auch hier geboten: Die Selbstreflexionsfähigkeit in einem Mitarbeiter-Vorgesetztem Gespräch seitens der PDL angetriggert zu bekommen, ist nicht selten nur ein Totschlagargument einer PDL die keinen Peil hat, wie man mit unzufriedenen Mitarbeitern konstruktiv umgeht. Meine Erfahrung! Laß uns reden!
 
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nofretete

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Ja du mußt auch unbedingt dran denken, das ein Team, das in 15 Jahren zusammengewachsen ist, sich sicher nicht von einem "Neuen" ins Handwerk pfuschen läßt. Mag ja sein, das da recht eingefahrene Strukturen herrschen, aber wenn sogar der Oberarzt die Hand drauf hat, muß es da doch was geben, das es sich lohnt zu ihnen zu finden und nicht gegen sie zu spielen. Gibt sicher ein paar Dinge, die im Argen liegen, z. B. sicher der lasche Umgang mit dem Abzeichnen der Medikamente, aber naja sone Baustellen gibts überall. Ich denke mach es vor, wie es richtig geht. Nur so wirst du dir Respekt verschaffen und irgendwann dazugehören. Aber in einem hast du recht, auch ich höre diesen Satz "DAS HABEN WIR SCHON IMMER SO GEMACHT" nicht so gern in der Pflege. Egal auf welcher Station.
 
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Hi.

Also ich würde mir, nachdem ich den Text überflogen habe, eine neue Station suchen mit einem völlig anderen Schwerpunkt, aber vorher trotzdem und vor allem ein Gespräch mit dem Stationsleiter suchen, egal wie rhethorisch fit er ist, um ihm die Situation in der du dich verkantet hast, zu erläutern um ein Umdenken in die richtige Richtung zu ebnen was ja für die anderen Kollegen nur von Vorteil sein kann.

Gruß ia
 
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Malmöologie
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Weiterbildung : Deeskalation von Gewalt in Schriften und Portfolio
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Flummi2de

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Ich danke Schwester Christa!!
 
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Das allerdings gerade in unserem sozialen Beruf sehr unsozial agiert wird ist sehr schade und auch bedenklich. Aber ändern wird man immer nur etwas an sich selbst. Entweder wählt man einen anderen Beruf, eine neue Stelle oder man fügt sich dem Schicksal und versucht für sich persönlich das Beste herauszuholen. Allerdings sollte man gehen, wenn man sich nicht ernsthaft wohl fühlt. Denn ehrlichgesagt: Das Leben ist zu kurz und ich finde deine Wechsel jetzt nicht bedenklich ...im Gegenteil: Heutzutage echt gefragt. Denn du wirst mit Kusshand genommen, wo auch immer du hingehen magst.

Viel Erfolg..
 
Qualifikation
ex. KS, FKS A+I, Diplom. GuKP, RbP, Studentin
Fachgebiet
freiberuflich, Bayern, Studentin Pflegepädagogik staatliche Hochschule Ba-Wü
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Studentin Pflegepädagogik , Gründungsmitglied Bundesverband freiberuflicher Pflegefachkräfte e.V.
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