Allgemein Schwierige Angehörige. Mobbing?

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GinaB

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06.01.2014
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Hallo ich hab da ein "kleines" Problem.

Und zwar geht es um eine Angehörige, die alle Pflegekräfte unseres Wohnbereiches völlig unter Druck setzt.
Sie kommt täglich vorbei, manchmal sogar mehrmals am Tag und beschwert sich über die lächerlichsten Dinge, wie z.B. dass ihre Mutter "mit der falschen Seife" gewaschen wurde oder "die falschen Socken trägt". Sie verlangt, dass ihrer Mutter um Punkt zehn Uhr ein Joghurt angereicht wird, obwohl sie dass noch wunderbar selber essen kann. (Ressourcen fördern?!?!) und manche noch gar nicht gewaschen sind ! Sie droht uns täglich damit die Heimleitung, die Heimaufsicht oder den MDK zu informieren und macht ständig einen riesigen Aufstand.

Ok, manchmal passieren natürlich Sachen die nicht sein sollten. Klingel steckt fest oder ist nicht in Reichweite oder der Rollator ist zu weit weg. Aber mein Gott sowas kommt wirklich total selten vor aber wir sind alle bloß Menschen und da kann es durchaus manchmal passieren, dass man was vergisst oder übersieht.

Sie fordert riesen Portionen für Ihre Mutter, obwohl wir Vorgaben haben, wer wie viel bekommt. Einmal hat sie sich sogar selber am Essen bedient. Sie hat beide male Recht bekommen und wir waren wieder die Dummen, die doof aus der Wäsche gucken.

Sie hat sogar einmal angekündigt im Nachtdienst vorbei zu kommen. (Nur um uns zu kontrollieren) Leider hatte ich ich in dieser Nacht Dienst und bin natürlich rumgelaufen wie falschgeld, weil ich immer Angst haben musste, dass die Alte hinter der nächsten Ecke steht. Ab und an versteckt sie sich nämlich auch im Bad ihrer Mutter, um zu lauschen wie wir mit ihr reden! Um 05:45 saß ich dann mit dem Frühdienst draussen um nochma eine zu rauchen vor der Übergabe und wer steht plötzlich aufm Balkon?! Ich dachte ich seh nicht richtig! Erst fragte sie natürlich wer Nachtdienst hat und sagte dann: " Meine Mutter ja hat eine frische Einlage" "Äh ja, natürlich!" Wir haben daraufhin mit unserer Wohnbereichsleitung gesprochen und auch mit den PDL's haben wir das Gespräch gesucht. Und beide PDL's waren davor Pflegekräfte bei uns auf dem Wohnbereich. Die sagten bloß: " Sie hat jederzeit das Recht ihre Mutter zu besuchen, egal wann." Ja aber um uns zu kontrollieren?! Das kanns doch nicht sein!

Sobald sie auf den Wohnbereich kommt ist die erste Frage: "Wer war denn heut bei Frau xxx?" So. Dann dreht sich den meisten schon der Magen um. "Wer war drin, hat derjednige alles richtig gemacht? Hab ich vielleicht selbst was vergessen?" Hat sie ihren Joghurt um zehn bekommen? ist das zimmer ordentlich? sind die Oberflächen abgewischt? ist die heizung an? hat sie die Salbe an den Augen? bla bla bla. Gegen Mittag wird ihre Mutter an den Tisch gesetzt. Die gute Frau hat aber ganz eigene Vorstellungen wie man einen Transfer macht und guckt einen ständig über die Schulter und korrigiert die PK's in einer Tour. Sobald es Mittag ist und ich sehe, dass sie da ist, nehme ich mir meistens einen Teller mit Essen und gehe irgendwo anreichen :) Ich mein ich bin ein sehr ruhiger, geduldiger Mensch aber irgendwann wird sicherlich auch mir der Kragen platzen und es fehlt nicht mehr viel! Ich bin sehr stark und sag immer meine Meinung aber sogar mir wird richtig übel, wenn ich mit der Frau alleine im Zimmer bin! Die Belegschaft fühlt sich gemobbt. Das ist doch psychische Gewalt? Die Arbeit macht echt langsam keinen Spaß mehr, alles dreht sich nur noch um diese Frau. War sie schon da? wie ist sie drauf? hat sie was gesagt? Können wir denn gar nichts tun? Müssen wir wirklich alles mit uns machen lassen?

So. Ich hoffe, ihr könnt unsere Situation etwas verstehen. Danke fürs Lesen und Antworten :)
 
Qualifikation
Pflegeassistentin
Fachgebiet
Altenpflegeheim
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Gerhild

AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Das ist kein Mobbing, erst mal ist es fehlende Angehörigenarbeit bzw. ein nicht funktionierendes Beschwerdemanagement. Ja die Angehörige darf jederzeit kommen und sie darf jederzeit kontrollieren. Aber - Wo gab es hier schon mal eine Fallbesprechung bzw. durch die WBL/PDL ein Gespräch mit der Angehörigen - wenn ja, wo/wie ist das Gespräch dokumentiert.
 
P

pegean

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22.09.2009
düsseldorf
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Hallo Gina !

Mit Mobbing hat das Verhalten der Tochter nichts zu tun -ist meine Meinung .

Sie droht uns täglich damit die Heimleitung, die Heimaufsicht oder den MDK zu informieren und macht ständig einen riesigen Aufstand.
Hat Deine WBL ein Gespräch mit der Tochter geführt in ruhiger sachlicher Athmosphäre ?
Sie nach ihren Erwartungen / Wünsche für Pflege/Versorgung der Mutter gefragt ?
Hat die Mutter eine PK die für die Bezugspflege zuständig ist ?

Klingel steckt fest oder ist nicht in Reichweite oder der Rollator ist zu weit weg ...
Das kann passieren aber es sollte eben nicht zu oft sein .
manchmal passieren,
Das ist eben zu oft.

obwohl wir Vorgaben haben, wer wie viel bekommt.
Wie bitte ? Erst mal sollte doch wohl jeder soviel zu essen bekommen das er/sie satt wird .
Da würden "unsere" Angehörigen auch auf die Barrikaden gehen wenn es z.Bsp. heißt der Vater kriegt 2 Kartoffeln als Beilage und nicht mehr .

Sie hat sogar einmal angekündigt im Nachtdienst vorbei zu kommen.
Was glaubst Du wie oft ich schon Angehörige eingeladen habe doch nachts mal vorbei zu kommen .Es war noch nie wer da .

Leider hatte ich ich in dieser Nacht Dienst und bin natürlich rumgelaufen wie falschgeld, weil ich immer Angst haben musste, dass die Alte hinter der nächsten Ecke steht.
Wie soll das gehen ? Werden die Haustüren nicht abgeschlossen ?
Habe auch schon spätabends schon Angehörige angetroffen die zu Besuch waren und man hatte vergessen uns dabei bei der Übergabe zu erzählen .Da bekomme ich aber keine Panik .
Fehlt Dir Selbstbewußtsein ? Da solltest Du etwas tun .
("die Alte" das ist aber nicht Dein Umgangston ?)

Um 05:45 saß ich dann mit dem Frühdienst draussen um nochma eine zu rauchen vor der Übergabe
Lese ich das jetzt richtig ?
Da würdest Du von mir eine "dunkelrote Karte" bekommen .
Wo nimmst Du Dir da die Zeit her ?

Die Belegschaft fühlt sich gemobbt. Das ist doch psychische Gewalt?
Nein .
Es hilft Euch nur eins versucht mit der Tochter zu reden .
Teamgespräch, Fallbesprechung und ändert Euer Verhalten .
 
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Maadla

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31.01.2012
90453
Bezieht die Tochter doch in eure Arbeit mit ein, baut mit ihr ein partnerschaftliches Verhältnis auf. Vielleicht fällt es ihr schwer ihre Mutter ins Heim zu geben und will das Beste für sie, vielleicht fühlt sie sich schuldig und verantwortlich für ihre Mama, vielleicht hat sie ihre Mama bereits vorher gepflegt und, und, und...

Bittet euren Arbeitgeber um Inhouseschulungen zum Thema Angehörigenarbeit, hört der Tochter doch einfach mal zu und nehmt sie mit ins Boot, im Grunde will sie euch nix böses und ist vermutlich selbst mit der Situation überfordert.

Und wenn sie feststellt, dass ihre Mama eine frische Einlage hat, dann kommt doch das mit einem Lob gleich, warum reagierst du dann darauf so unpassend? Über ein Lib freut man und bedankt sich.

Ich kenne die Frau nicht und nur deine Erzählung hier, aber ich glaube, ihr solltet besser miteinander Kommunizieren, ihr solltet weg von dem Gedanken kommen, dass sie euch kontrolliert und böses will. Höchstwahrscheinlich wird sie danach sehr viel mehr umgänglicher werden, wenn sie das Gefühl bekommt auch wichtig, eine Hilfe und Willkommen zu sein!

Viel Erfolg!


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Fachkraft gerontopsychiatrische Betreuung
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Soziale Betreuung im Altenpflegeheim
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nofretete

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28.09.2010
01983
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Ich finde sone Angehörigen super, die kümmern sich wenigstens, und ja ich habe solche Angehörigen auch schon für die Nacht eingeladen, damit sie mal sehen, wie es nachts ist. Auch bei mir kam noch keiner. Ja bei uns ist auch abgesperrt in der Nacht, und wer reinwill muß läuten. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wieso ihr alle Angst vor ihr habt. Fehler macht man, da sollte jeder zu stehen. Nur wenn bei euch die Angst regiert, wird mehr passieren. Sie versteckt sich im Bad? Dann solltet ihr immer so reden, als wenn sie dabei wäre, nämlich mit "Sie" und Fr. Sowieso, ich meinn sollte sowieso immer so sein. Laßt sie doch einfach machen, sie wird sich eh nicht ändern! Und Thema "Essen", ihr habt echt Vorgaben, wieviel jeder essen darf? Nicht ernsthaft oder?
 
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C

Cutter

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16.11.2008
Hannover
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

@GinaB: Ich kann Dich ein gutes Stück weit verstehen. Auch wenn´s die anderen hier scheinbar nicht können. Derzeit arbeite ich auch mit Angst im Nacken. Sowas ist echt übel. Man kann sich anstrengen wie man will, die Angst fährt mit und man macht trotzdem Fehler.
Auf meinem Bereich sind gerade 2 Kolleginnen am wechseln des Wohnbereichs. Eine ist deswegen krankgeschrieben.
Wir konnten die Angehörige nicht richtig beraten oder mit ihr reden. Es haben von PFK über Wohnbereichsleitung, PDL und Heimleitung alle versucht. Sie ist völlig beratungsresistent und lässt nicht mehr mit sich reden. Sie droht nur noch. Auch mit Anzeigen und Heimaufsicht. Derzeit leben wir mit der Situation ... und so krass wie es sich anhört: Wir warten auf das Ableben der Bewohnerin. :)sad: das ich sowas mal sage oder schreibe hätt ich auch nicht gedacht :sick:. Schäme mich dafür). Uns allen im Haus sind die Ideen ausgegangen.
Die anderen hier haben schon die wichtigsten Dinge aufgeführt, die ihr machen könnt. Versuchen solltet ihr es. Mein Mitgefühl hast Du jedenfalls. Ich kann Dich verstehen.
 
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leaving-the-moon

leaving-the-moon

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29.06.2011
Karlsruhe
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Mit tatsächlich malignen beratungsresistenten Angehörigen ( die in diesem Ausmaß selten sind) hilft am besten die Offensive.

Angst schlucken, selbstbewusst sein! Wer schon mit flatternden Händern und zittriger Stimme drauf wartet, dass jemand einen Fehler findet, der wird genau dann auch einen Fehler machen.
Freundlich bleiben und auf Drohungen die Heimaufsicht/MDK zu informieren hätte ich schon längst Adresse und Telefonnummer rausgesucht: Schaun Sie Frau XY ich hab mir die Mühe gemacht für sie schon mal die Nummern rauszusuchen.
Wie sieht das in Heimen aus - die können doch sicherlich auch Bewohnern kündigen, wenn das Verhältnis dermaßen zerrüttet ist - dann hilft manchmal bestimmt nur noch ein Neuanfang. Wer nur noch droht - hat zum einen am ehesten selbst ein Problem - aber eines , das weder die Heimaufsicht noch die Pflegekräfte noch sonst jemand lösen können wird.
Außerdem leiden darunter dann andere Patienten/ Bewohner, die zu kurz kommen, weil man so fokussiert ist ausgerechnet da keine Fehler zu machen.

Ich verstehe den Stress aber trotzdem, hatte auch schon untragbare Situationen mit Angehörigen auf Intensiv.
 
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Freiberufler, Intensiv und Anästhesie
Weiterbildungen
abgebrochenes Studium von anno dunnemal, FWB Anästhesie und Intensiv, FWB Stationsleitung, Peer Toutoring Kinaesthetics,
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Gerhild

AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Hallo GinaB , ich kenn die "schwierigen Angehörigen" auch und gar nicht so selten: die Ehefrau am Bett ihres Mannes, die dir die gesamte Pflege vorschreibt, der Gatten der alles besser weiß, die Angehörigen die morgens kommen um zu schauen ob die Mutter "Punkt 8" am Frühstückstisch sitzt und ihr das Essen gereicht wird (wo da eigentlich noch fast alle in der Grundpflege beschäftigt sind) und die am Nachmittag wieder kommen einen "Kontrollgang" über den Wohnbereich machen -und weg sind sie. Ich unterrichte in der Altenpflege und dazu gehört u.a. dieses Thema. Das was ich versuche zu lehren, ist das dies oft "die Angehörigen mit dem schlechten Gewissen" sind. Und die Frage ist, was mache ich mit dem schlechten Gewissen der anderen, was mache ich mit denen "die vor Wut auf der Palme sind." Die dokumentarische Absicherung habe ich oben schon benannt. Als PDL habe ich einfach mal die Situation auf einer Teambesprechung spielen lassen. Das rief nicht gerade Begeisterung hervor(die Mitarbeiter haben wohl gedacht, jetzt spinne ich völlig), hat aber geholfen Lösungsmöglichkeiten zu finden.
 
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GinaB

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06.01.2014
13507
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Hallo, erstmal danke für eure Antworten.

Zu aller erst: Nein, so rede ich natürlich nicht mit ihr. :) Zu meiner Verblüffung kann sie mich auch richtig gut leiden.

Und ja wir haben vorgaben wer wie viel bekommen soll. Unglaublich, ich weiss. In der Küche hängt ein DIN A4 Blatt wo drauf steht: Blaue Kelle (Kartoffeln, reis, sonstige Beilagen) : 1 Kelle. Rote Kelle (Eintöpfe, Gulasch) 2-3 Kellen. Also so in der Art. Bei der Diskussion ging es hauptsächlich darum, dass sie immer mehr Verlangte und andere Bewohner noch kein Mittag bekommen hatten. Ihr wurde vorgeschlagen einen Nachschlag zu bekommen, dass akzeptierte sie aber nicht.

Und Beratungsgespräche werden regelmäßig geführt. Mit WBL und PDL. Es werden Sachen beschlossen und von uns durchgeführt aber irgendwas stimmt immer nicht. Egal wie viel Mühe man sich gibt, irgendwas ist immer falsch, selbst wenn nur die Perrücke schief sitzt welche man vor 2 Minuten gerichtet hat. :) Für kurze Zeit ist dann immer Ruhe von ihrer Seite aus aber das hält nicht lange.

Und ich habe an sich kein Problem, wenn Angehörige Nachts kommen würden. Aber bei ihr ist es einfach so, egal was ich gerade mache, wenn Mutti klingelt, muss man sofort alles stehn und liegen lassen und hinlaufen. Und ihre Mutter klingelt teilweise im 5-minuten-Takt. Und wenn ich dann jemanden versorge, der evtl abgeführt hat oder im Sterben liegt und man dort evtl etwas länger braucht, ist das ein absolutes Unding. "Das kann nicht sein" "so geht das hier nicht" usw. Dann ist das dann doch etwas anderes find ich.

Und warum ich so früh fertig bin? ich finde 05:45 nicht früh. Um 06:00 ist Übergabe und für schwierige Bewohner hole ich mir den Springer.

Und das mit der Einlage hat sie nicht lobend gesagt, sondern eher verblüfft, deshalb.

Und zu guter Letzt, ihr letzte Aktion. Sie kam ins Dienstzimmer und behauptete ihre Mutter wurde geschlagen und getreten. Sie sagte, dass sie nicht glaubte, dass ich sowas tun würde aber fasste meinen Kollege, der mit mir auf der Seite war und den sie schonmal beschuldigte ihrer Mutter mit der Faust auf der Oberschenkel geschlagen zu haben ins Auge. Ich musste ihn aber mit ins Zimmer nehmen, weil wir das Bett beziehen mussten und es sich zu zweit einfach besser macht, da sie bei der Grundpflege sehr schwach wirkte und ich nicht wollte, dass sie stürzt. Ausserdem waren die anderen selbst noch in der Pflege. Wieder mal kam die PDL und sagte bloß. Sehen Sie, Frau XY, Ihre Mutter lacht. Wenn ihr tatsächlich so etwas angetan worden wäre, würde sie dann auf dem Stuhl sitzen und uns anlachen? Daraufhin wechselte sie das Thema.

Das mit der Schulung finde ich super und werde meine WBL mal darauf ansprechen. Danke für eure Antworten :)
 
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Pflegeassistentin
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Altenpflegeheim
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nofretete

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28.09.2010
01983
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Also eure PDL scheint es drauf zu haben, sie wirkt scheinbar deeskalierend. Auf jeden Fall solltet ihr euch vielleicht mal zusammensetzen, ein paar Forderungen formulieren und sie der PDL überreichen, dort sollte in etwa drin stehen, dass sie aufhören sollte euch der Gewalt zu beschuldigen und so. Von jetzt an, immer zu zweit das Zimmer betreten, wir hatten auch schon so "schwierige Fälle". Und dies auch so dokumentieren, dass ihr zu zweit drin wart. Ändern werdet ihr diese Frau nicht, aber ich glaube das wißt ihr. Zum Thema klingeln, wenn ihr gerade Arbeit habt, dann muß sie warten, das geht nicht anders. Darf ich fragen, welche Pflegestufe diese Bew. hat?
 
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resigniert

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03.01.2013
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AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Es ist typisch Pflege: Unfähigkeit Grenzen zu setzten
Wie @nofretete schon schrieb, bin ich bei einem Menschen am arbeiten, wird diese Arbeit erst beendet.
 
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GinaB

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06.01.2014
13507
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Es ist typisch Pflege: Unfähigkeit Grenzen zu setzten
Wie @nofretete schon schrieb, bin ich bei einem Menschen am arbeiten, wird diese Arbeit erst beendet.
ja dann wird aber gleich der nächste aufstand ihrerseits gestartet. So etwas hatte wir letztens.

Ihre Aussage: "Meine Mutter hat 20 Minuten geklingelt und keine Pflegekraft war auf dem Wohnbereich zu sehen!"
Kollegin: "Frau XY, sie sehen doch oben die Anzeige.(Anwesenheit in den Zimmern) Es ist kurz nach dem Frühstück. Wir sind alle noch in der Grundpflege in den Zimmern!"
Frau XY: "Das ist mir egal. Wenn meine Mutter klingelt, haben sie 3 Minuten um die Klingel zu beantworten!"

Ihre Mutter hat eine Pflegestufe 2. Sie will aber dringend diie 3 für sie. Deshalb sollen wir ihr auch das Essen teilweise reichen, obwohl sie noch gut alleine Essen kann. Und wenn ich jetzt sagen würde. Ich wollte ihr helfen den Joghurt allein zu Essen, weil ich ihre vorhandenen Ressourcen fördern wollte, wird sie wieder recht bekommen. Ausserdem soll sie jetzt Parkinsonbesteck bekommen, obwohl sie es gar nicht so sehr braucht.
 
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Pflegeassistentin
Fachgebiet
Altenpflegeheim
F

Farodina

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06.11.2013
Oldenburg
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Und wie ist "Mutti" denn so drauf? Ich lese hier immer nur über die Tochter, aber was will die Mutter? Wir haben und hatten ebenfalls so "schwierige" Angehörige, aber für uns es ist wichtig, den Willen des Bewohners zu beachten und seine Ressourcen zu fördern ( punkto Selbstbestimmung). Diesen Angehörigen bieten wir regelmäßig an, eine Beschwerde bei der Pflegekasse einzulegen, welches dann eine anlaßbezogene Prüfung nach sich zieht. Wichtig ist allerdings auch eine nachvollziehbare Dokumentation, sonst ist Essig.

20 Min. für eine Klingel ist wirklich lang ( sollten es denn 20 Min. gewesen sein), hier sollte sich Pflegepersonal absprechen.
 
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Pflegedienstleiterin
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sammler

sammler

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05.06.2013
Bergischesland
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

ich glaube mir wäre schon vor einiger zeit der kragen geplatzt. :sad: und das wäre für töchterchen nicht schön geworden.
auch hätte ich mal gefragt ob sie ihren haushalt schon fertig hat und ich mal nach putzstreifen auf den fenstern schauen soll.
und wenn ihr alles nicht passt können verträge gekündigt werden.

manchmal wirken einfache fragen wunder.
sollen wir einen betreuerwechsel bei dem amtsgericht anregen? (sie wirken überfordert).

ach sie schon wieder?
na nix zu tun?(als uns auf den sack zu gehen)
warum haben sie so ein schlechtes gewissen? (waren sie früher nicht artig)

und ausser dem habt ihr keinen arsch in der hose?
macht ihr alles widerspruchslos was euch euer arbeitgeber sagt?


ja ich weiss es gibt haue von euch.,

angriff ist die beste verteidigung! UND wer fragt der führt! aus dem kleinen handbuch der gesprächsführung
 
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Dozent

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14.12.2012
Berlin
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Leaving-the-Moon hat es auf Punkt gebracht. Was Ihr erlebt ist zu allererst ein Problem der Tochter mit sich selber oder der Mutter. Und nur in den seltensten Fällen könnt ihr das lösen. Ihr seid wie der Busfahrer, der von seinen Fahrgästen angemailt wird, weil er(!) schon wieder zu spät ist. Dass die Busspur mal wieder vollgesaut war, wegen einer Demo ein Umweg gefahren werden musste, ein Fahrgast ohne Fahrschein nicht aussteigen wollte, das interessiert den Zusteigenden nicht. Er will seinen Frust loswerden. Für ihn sind aber der Falschparker, der Demonstrant, der Schwarzfahrer unerreichbar. Daher muss der Busfahrer dran glauben.

@GinaB: es spricht viel dafür, dass Ihr da mit der Tochter einen solchen Zusteiger habt. Bei denen hilft wirklich nur rechts rein - links raus. Kontrolliert Euch selber. Wenn Ihr der ehrlichen Auffassung seid, gute Arbeit zu machen, dann habt Ihr alles erforderliche getan. Mehr zu tun ist nicht. Und wenn Ihr das verinnerlicht habt, dann strahlt Ihr das auch nach außen aus. Und damit werden sich auch die "Angriffe" der Tochter reduzieren. Denn Täter suchen Opfer, nie Gegner.

AS
 
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Rechtsanwalt
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Berlin
Weiterbildungen
Mediator
T

Teetrinkerin

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22.10.2009
Frankfurt
AW: Schwierige Angehörige. Mobbing?

Hallo Gina, im Laufe meiner Arbeitsjahre habe ich viele solcher Geschichten erlebt, wie du sie beschrieben hast.
Eine davon ist mir sehr im Gedächtnis geblieben, wenn ich es kurz erzählen darf:
Fr. Müller war eine sehr liebenswerte alte Dame, die bei uns auf dem Pflegebereich lebte. Sie war damals 87 Jahre alt. Fr. Müller wurde sehr regelmässig von ihrer einzigen Tochter besucht. Fr. Müller war für uns das, was man sich unter eine lieben alten Oma vorstellt. Immer lieb, nie ungeduldig, kein böses Wort für niemanden. Das Pflegeteam hatte ähnliche Probleme mit der Tochter wie es bei dir der Fall ist, aber nicht so krass.
Die Tochter war an einem Nachmittag wieder zu Besuch, die alte Dame saß auf dem Flur mit ein oder zwei anderen Bewohnern in einer gemütlichen Sofaecke. Die Tochter mühte sich sehr um ihre Mutter, hat vorgelesen, mit ihr spazieren gegangen, sie auch mal für die Nacht fertiggemacht. Dem Pflegeteam gegenüber wirkte sie kühl und beschwerte sich auch viel, z.B. warum der Mutter keiner ein Getränk nachgegossen hat, wir sollten die alte Dame nicht so verwöhnen, ihre Mutter müsste mehr "rangenommen" werden.
Sie war eine "nervige" Angehörige für uns, ich kam aber gut mit ihr zurecht, es war so ähnlich wie bei dir Gina, ich hätte ihr am liebsten mal eine ordentliche Meinung gesagt, aber ich bin ja ein Profi und manchmal müssen wir sowas einfach aushalten, viele Angehörige laden ihr schlechtes Gewissen, einen Angehörigen ins Heim geben zu müssen gerne ans Pflegeteam weiter.
Da saßen also Mutter und Tochter mit zwei Bewohnern am Tisch. Ich hatte den Tisch im Auge, weil kurz vorher die Beschwerde mit dem Getränk kam ... ich habe mich einem anderen Bewohner zugewendet und höre plötzlich die Tochter sehr laut und hysterisch schreien und die Mutter weinte bitterlich, hatte die Hände vors Gesicht geschlagen. Die Tochter stand vor der Mutter wie ein Racheengel und sagte: Warum stellst du dich bloss so blöd an Mutter, du brauchst dich nur anzustrengen, du bist einfach stinkend faul ... ich kam dazu, gab Fr. Müller ein Taschentuch und fragte die Tochter, ob sie mir eben helfen könnte, einen Kasten Wasser von einem Stapel zu heben, ich wollte die Situation unterbrechen ... das hat gut geklappt. Ich habe die Tochter gefragt, ob ich helfen könnte und sie sah mich an, ihr liefen bitterliche Tränen übers Gesicht und sie sagte: jaja ich weiss schon, ich bin eine böse Tochter und meine Mutter ist eine arme alte Frau die von ihrer bösen Tochter angegangen wird und ja ich weiss, dass man über mich redet ... aber wir würden ihre Mutter ja gar nicht kennen und jetzt werde ich Ihnen mal was sagen, meine Mutter ist eine lausige Mutter. Sie hat mich nie geliebt, ich musste mir jeden positiven Moment im Leben mit ihr verdienen, ich wurde bei Verfehlungen geschlagen und musste ohne Essen ins Bett gehen, meine Mutter hat meine Persönlichkeit in den Dreck getreten und wenn ich lag, grad noch einen drauf. Ich musste fettes Fleisch essen, hab mich übergeben und musste mein Erbrochenes essen und, und, und ... und hier macht sie einen auf feine alte Dame und wissen sie was, ich hasse meine Mutter und komme trotzdem jeden Tag. Ich bin jetzt über fünfzig Jahre alt und habe keine eigene Familie, weil ich für meine Mutter sorgen musste und jetzt will die alte Kuh einfach nicht sterben ... boah, ich glaube, mir stand der Mund offen, ich wusste nicht was ich sagen sollte, hab die Tochter einfach nur in den Arm genommen und sie weinte, weinte und weinte.
Ich fragte ob sie sich wieder beruhigt hatte und ob wir gemeinsam zur Mutter sollten. Sie nickte nur. Als wir an den Tisch kamen, streckte die Mutter ihre Arme aus und sagte ein ums andere Mal: es tut mir leid, es tut mir leid, es tut mir leid.
Wir haben dann vereinbart, dass die Tochter ein paar Tage Pause macht und konnten in der Form intervenieren (das würde jetzt zu lange dauern), dass die beiden sich ausgesprochen haben und auch wenn es blöd klingt, irgendwie konnten wir es hinbiegen, dass zwischen den beiden eine Nähe herrschte, wie niemals zuvor im Leben. Als die Mutter dann knapp zwei Jahre später an den Folgen eines Schlaganfalls verstarb, hatte die Tochter ihre Mutter völlig freiwillig und liebevoll im Sterbeprozess begleitet und sich so sehr bei uns, dem Pflegeteam bedankt, es wäre die schönste Zeit mit der Mutter gewesen.

Ihr müsst euch nicht alles gefallen lassen, aber der Kunde ist nunmal König und ich würde ganz offen das Gespräch mit der Tochter suchen, wer weiss, warum sie so ist ... manchmal werden im Alter noch Rechnungen beglichen und nicht alle liebe alte Damen waren auch gute Mütter, es gibt einfach schlechte Eltern die dann im Alter auch noch Forderungen stellen ... wir wissen es einfach nicht.
Wenn sie dich anscheinend nicht ablehnt, vielleicht kannst du einen Faden aufnehmen, das muss nicht alles in einem Tag geschehen, versuch es doch mal mit deutlicher Herzlichkeit und Freundlichkeit.
Ich konnte die Tochter der alten Dame auch nicht leiden, fand sie fordernd und unverschämt, teilweise richtig manisch.

@GinaB: es spricht viel dafür, dass Ihr da mit der Tochter einen solchen Zusteiger habt. Bei denen hilft wirklich nur rechts rein - links raus. Kontrolliert Euch selber. Wenn Ihr der ehrlichen Auffassung seid, gute Arbeit zu machen, dann habt Ihr alles erforderliche getan. Mehr zu tun ist nicht. Und wenn Ihr das verinnerlicht habt, dann strahlt Ihr das auch nach außen aus. Und damit werden sich auch die "Angriffe" der Tochter reduzieren. Denn Täter suchen Opfer, nie Gegner.


Diesen Zeilen brauche ich nichts hinzufügen, ich wünsche euch viel Glück.
 
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