Arbeitsrecht Schwangerschaft

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PflegeSunshine

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21.04.2010
66636
Hallo zusammen.
Meine Kolleginnen und Ich stehen vor einem mehr oder weniger großen Rätsel.
Wir arbeiten in einem Akutkrankenhaus auf einer Pneumologie und sind dementsprechend vollgestopft mit hustenden Patienten jeglicher Art. Wir hatten sogar schon mehrere Tuberculose-Fälle, die uns erst im Nachhinein kenntlich gemacht wurden.
Nun ist eine der Kolleginnen ist schwanger. Obwohl wir uns alle sehr für sie freuen stehen wir doch vor einem Rätsel.
Der Betriebsarzt zählte auf, was besagte Kollegin nicht mehr tun darf (Kontakt mit Ausscheidungen, Infusionen, Spritzen, nicht heben usw.) und betonte noch, sie muss sich von potenziell infektiösen Patienten fernhalten. Die Leitung meinte noch, sie dürfe auch keine Intimpflege mehr durchführen. Und die Abschlussworte des Betriebsarztes waren: "Na dann kann sie ja auf dieser Station ganz normal weiter arbeiten!"
Wir waren ziemlich geschockt. Und laut Leitung besteht auch nicht die Möglichkeit der Versetzung. Gut, wohin auch....
Die Kollegin hat jetzt vom FA ein vorläufiges Beschäftigungsverbot wegen erhöhter Infektionsgefahr, welches von der Gewerbeaufsicht geprüft wird.
Hat jemand von euch Erfahrung auf diesem Gebiet? Unsere Station ist erst seit kurzer Zeit geöffnet und wir sind ein sehr junges Team. Niemand kennt sich so wirklich damit aus.
Und vor allem: stimmt das mit der Intimpflege??? Wir konnten nichts dazu finden, aber eigentlich ist es ja nur logisch, wenn man nichts mit Ausscheidungen am Hut haben darf, warum sollte dann Intimpflege erlaubt sein?!
Liebe Grüße
 
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Böserwolf

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29.09.2008
kassel
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leaving-the-moon

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29.06.2011
Karlsruhe
AW: Schwangerschaft

Beschäftigungsverbote sind immer mehr auf dem Vormarsch.
Schwangere können zwar weiterarbeiten, aber in vielen Fällen stellt es die Schwangere und das Team vor mehr Belastungen als es nützt. Die Schwangere fühlt sich irgendwie schuldig wenn sie wegen jedem und allem jemanden um Hilfe bitten muss - und es haben auch nicht alle Kollegen Verständnis.

Bei uns damals haben viel Schwangere weitergearbeitet und normale Körperpflege bei nicht infektiösen Patienten wurde gemacht.... ich sehe da auch kein Problem bei ganz normalem hygienischem Vorgehen... eine Schwangere ist ja nicht per se anfälliger als eine nicht Schwangere - sie ist nur schwanger.
Der Trend geht allerdings dahin, dass nichts mehr gemacht werden kann, was auch nur im unwahrscheinlichsten Fall zu einer Gefährdung der Schwangeren führen könnte.... und dazu, dass Schwangere zunehmend ihrer Beschäftigung nicht mehr nachgehen dürfen.

Das Beschäftigungsverbot hat für den AG im übrigen große Vorteile: Die Schwangere fällt damit vom Stellenplan - er muss nicht weiter zahlen, das macht die Krankenkasse. Die Stelle kann auch vorübergehend wieder besetzt werden. Ich denke mal dass deshalb auf viele AGs froh sind, wenn die Schwangere ein Beschäftigungsverbot erhält, da Schwangere in der Regel doch häufiger krank sind als nicht schwangerer Mitarbeiterinnen.

Was das auskennen angeht: Ihr müsst das nicht wissen, aber wenn es interessiert einfach mal fleißtig googlen unter Mutterschutzgesetz etc.
 
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abgebrochenes Studium von anno dunnemal, FWB Anästhesie und Intensiv, FWB Stationsleitung, Peer Toutoring Kinaesthetics,
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PflegeSunshine

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21.04.2010
66636
AW: Schwangerschaft

... eine Schwangere ist ja nicht per se anfälliger als eine nicht Schwangere - sie ist nur schwanger.

Das ist so auch wieder nicht richtig. Also wir haben damals gelernt, dass in der SChwangerschaft das Immunsystem reduziert wird, da der Embryo immerhin zu 50% aus körperfremdem Genmaterial besteht...
 
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Lisy

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03.04.2008
SCHWÄBISCH GMÜND
AW: Schwangerschaft

Zitat:
Ich denke mal dass deshalb auf viele AGs froh sind, wenn die Schwangere ein Beschäftigungsverbot erhält, da Schwangere in der Regel doch häufiger krank sind als nicht schwangerer Mitarbeiterinnen.
Zitat Ende

Der AG ist der jenige, der eine Gefährdungsbeurteilung machen muß und auf Grund derer er ein Arbeitsverbot aussprechen muß- es sei denn er will Schadensersatz zahlen, wenn die "Mutter" oder das Ungeborene zu Schaden kommen.
Das die BG und der Gesetzgeber hier oft maßlos übertreiben ist ne ganz andere Sache. Und das die Schwangeren das oft nicht unbedingt möchten auch.
Lisy
 
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leaving-the-moon

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29.06.2011
Karlsruhe
AW: Schwangerschaft

Zumindest im Intensivbereich häufen sich die Fälle in denen der Gynäkologe das Arbeitsverbot ausspricht (oder empfiehlt?).
 
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Radler

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31.03.2013
89269
AW: Schwangerschaft

Ich fand es immer schon recht zweifelhaft, wenn der Betriebsarzt dafür gesorgt hat, dass Schwangere von Intensiv weg auf Normalstation eingesetzt wurden. Als ob dort die Arbeit geeigneter wäre. Anders, aber genauso stressig. Dann doch lieber Beschäftigungsverbot. Was aber genauso sinnvoll wäre, aber kaum gemacht wird, sind Qualifizierungsmassnahmen während dieser Zeit oder eventuell irgendwelche "Schreibtisch-/Organisationstätigkeiten". Von Telefondienst über Standarderstellung bis Neuorganisation der Mateialversorgung wäre da vieles möglich.
 
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leaving-the-moon

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29.06.2011
Karlsruhe
AW: Schwangerschaft

Bei meinem langjährigen AG blieben die Schwangeren, die vom Gyn kein Beschäftigungsverbot erhielt auf Station und haben gearbeitet - ABER dort hatten wir auch eine andere Besetzung als ich sie heute auf vielen Intensivstationen erlebe, in denen die Personaldecke m.E. patientengefährdend dünn ist.
Sogar unsere Zwillingsmami hat damals ich glaube bis zum 5. Monat noch gearbeitet. Geht alles. Allerdings muss es dafür menschenwürdige Arbeitbedingungen geben und die werden immer seltener.
 
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