Anleitungspraxis Schüler im ersten und zweiten Ausbildungsdrittel nur bis Pflegegrad 3?

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Timo45-3

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03.01.2021
Kiel
Hallo, bei uns geht das Gerücht um (auch in der Schule so gelehrt), dass Auszubildende in ersten und zweiten Ausbildungsdrittel nur Pflegegrad 1 - 3 versorgen dürfen?
Gibt es da eine offizielle (und bindende) aussage von einer zuständigen Behörde bzw. dem gesetzgeber? Habe keine Quelle dazu gefunden.
 
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Pflegeeinrichtung Stationär
N

Natia150

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10.12.2020
Hallo Timo, im Rahmenlehrplan nach Paragraph 53, Pflegeberufegesetz steht..."

Tabelle 2: Kompetenzentwicklung in den Rahmenlehrplänen durch Steigerung der situativen Anforderungen am
Beispiel der Handlungsanlässe
Curriculare
Einheit 01-03
 geringer Grad an Pflegebedürftigkeit; also Menschen, die in der Mobi-
lität und der Selbstversorgung überwiegend selbstständig sind2
1./2. Ausbil-
dungsdrittel
mit Ausnahme
von
CE 01-03
 geringer bis mittlerer Grad an Pflegebedürftigkeit
 gesundheitliche Problemlagen bei gesundheitlicher Stabilität oder ma-
ximal mittlerer Stabilität, d. h. geringe oder maximal mittlere Gefahr an
Komplikationen (geringe bis maximal mittlere Risikogeneigtheit)
 einzelne zu pflegende Menschen oder zu pflegende Menschen im Kon-
text von Gruppen, z. B. Familien, Perspektiven aber weitgehend kon-
vergent
3. Ausbil-
dungsdrittel
 hoher Grad an Pflegebedürftigkeit
 gesundheitliche Instabilität mit Gefahr von Komplikationen (hohe Risi-
kogeneigtheit)
 zu pflegende Menschen im Kontext von Gruppen, z. B. Familien, oder
sozialen Netzwerke mit z. T. divergierenden sozialen Perspektiven...."

Das ist damit gemeint.
Ich hoffe das hilft weiter.
LG
 
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Krankenschwester
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Timo45-3

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03.01.2021
Kiel
Okay, das ist ja sehr weit interpretierbar. Wir haben nämlich folgende Hindernisse
1. In unserem Pflegeheim leben nur wenige Bewohner mit Pflegegrad 3 oder weniger. Da wir sehr viele schüler haben, haben sie kaum möglichkeit diese unter sich aufzuteilen, dass jeder arbeiten kann.
2. Viele schüler wollen deutlich mehr machen als rückenwaschen und Beine eincremen u.ä.
3. In den ersten zwei Jahren bieten die pflegegrade 1 - 3 nur wenig platz für Wissensvermittlung/ wissenserlangung während dann ja im dritten ja die volle Breitseite an Pflegeproblemen und Erfahrung sammeln kommt.
4. Die pflegegrade spiegeln häufig nicht den tatsächlichen Pflegeaufwand wider. Grade, wenn Patienten einen "schwierigen Charakter" aufweisen, wie zum Beispiel sehr fordernd sind, zwangstörungen haben etc.
5. Viele höhere pflegegrade sind sehr kommunikativ und werden mir von schülern als leicht in der Versorgung beschrieben. Häufig, müssen die schüler da nur beim Transfer, Wundversorgung o.ä. unterstützt werden.

Aber, wenn dies gar nicht im Gesetz festgeschrieben ist, dann kann ich ja selbstständig den Aufwand einschätzen.
 
Qualifikation
Examinierter Altenpfleger
Fachgebiet
Pflegeeinrichtung Stationär
m.dibella

m.dibella

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03.11.2015
Hallo, ich habe zwar den Begründungsrahmen des Rahmenlehrplans noch nicht in Gänze durchgeackert. Mir sind jedoch bereits einige Punkte aufgefallen, die ich als Hinweis weitergeben möchte.

1. In dem genannten Beispiel (Tabelle 2, S. 16) wird von "Grad an Pflegebedürftigkeit" und nicht von "Pflegegrad" gesprochen.

2. Zwar basiert "Grad an Pflegebedürftigkeit" ausweislich Fußnote 2 (auch) auf die Definition von Pflegebedürftigkeit im Begutachtungsinstrument des MDS (2017). Es gibt jedoch signifikante Unterschiede.

So stellt der "Pflegegrad" dem Grund nach ein Punktescore dar, der sich in 5 Stufen unterteilt: Grad 1 (12,5 bis < 27, geringe Beeinträchtigung), Grad 2 (27 bis < 47,5, erhebliche Beeinträchtigung), Grad 3 (47,5 bis < 70, schwere Beeinträchtigung), Grad 4 (70 bis < 90, schwerste Beeinträchtigung), Grad 5 (90 bis 100, schwerste Beeinträchtigung + besondere Anforderungen)

3. Demgegenüber wird beim "Grad an Pflegebedürftigkeit" von "geringen", "mittleren" und "hohen" Grad gesprochen.

Dieser Eintelung ist offenbar nicht mit den Pflegegraden 1 bis 3 deckungsgleich.

So findet sich beispielsweise auf Seite 207 die Formulierung: "Die Auszubildenden übernehmen zunehmend selbstständig Aufgaben bei zu pflegenden Menschen, die einen geringen Grad an Pflegebedürftigkeit aufweisen (➡ maximal erhebliche Beeinträchtigungen in der Selbstständigkeit ...)."

Hieraus und dem in den Punkten 1 und 2 genannten Aspekten ergäbe sich somit:
Geringer Grad an Pflegebedürftigkeit = Bis Pflegegrad 2 (erhebliche Beeinträchtigung).

Durch die gröber Einteilung der Pflegebedürftigkeit im Rahmenlehrplan ergibt sich somit ein gewisser Interpretationsspielraum.

4. Die abweichende Unterteilung ist wohl dem Umstand geschuldet, dass in der Ausbildung die Kompetenzen mit zunehmende Komplexität spiralförmig vermittelt und erlernt werden sollen (vgl. S. 15 f.).
 
Qualifikation
Berufspädagoge für Pflege
Fachgebiet
Fachverlag Gesundheitsrecht
Studium
Pflegepädagogik
m.dibella

m.dibella

Neues Mitglied
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03.11.2015
4. Die pflegegrade spiegeln häufig nicht den tatsächlichen Pflegeaufwand wider.
Sollen sie auch nicht.

Es geht ja zunächst darum zu ermitteln, wie groß beim Einzelnen das Ausmaß an gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit ist und nicht, wie groß der Aufwand ist, diese Beeinträchtigungen zu kompensieren.
 
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Berufspädagoge für Pflege
Fachgebiet
Fachverlag Gesundheitsrecht
Studium
Pflegepädagogik
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Timo45-3

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03.01.2021
Kiel
Hallo und ersteinmal danke für die Aufschlussreichen Antworten.

1. In dem genannten Beispiel (Tabelle 2, S. 16) wird von "Grad an Pflegebedürftigkeit" und nicht von "Pflegegrad" gesprochen.

Richtig, das fiel mir eben auch auf, daraus ergibt sich für mich, dass diese bei uns immer wieder geprädigte Beschränkung bis Pflegegrad 3 nirgendwo verbindlich verankert ist. Dem entsprend kann ich offenbar weiterhin so ausbilden, wie ich es bereits getan habe. Orientiert an den Fähigkeiten der einzelnen Schüler und auf Grundlage meiner fachlichen Einschätzung.

Durch die gröber Einteilung der Pflegebedürftigkeit im Rahmenlehrplan ergibt sich somit ein gewisser Interpretationsspielraum.
und genau diesen möchte ich im Interesse aller beteiligten voll ausnutzen;). Ich habe wenig Lust, da stehen zu müssen und die Schüler auszubremsen, wenn ich weiß, dass sie eigentlich in der Lage sind schneller zu fahren und dies natürlich auch wollen. Diese Regel widersprich auch vollkommen dem stand der modernen Pädagogik (Im sinne von fordern und fördern).


 
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Examinierter Altenpfleger
Fachgebiet
Pflegeeinrichtung Stationär
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Lulli1.0

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14.07.2020
Kurze Zwischenfrage.

Selbst wenn es so wäre, dürften sie denn nicht in Begleitung eines Exa. Kollegen dennoch die Pflege tuen?

Bei uns war das in der GuK damals. Wirklich alleine wenn es bereits in der Schule dran war und die Sache wirklich beherrscht wird. Das wurde dann vom Kollegen dann überprüft und dann durfte man los ziehen. Bei anderen Dingen war schlichtweg der Kollege eben dabei. Oder wenigstens die Tür weiter.

Auch wenn etwas in der Schule noch nicht dran war, der Exa. Kollege sich aber die Mühe gemacht hat vernünftig anzuleiten durften wir es machen. Natürlich mit etwas Risiko für den Kollegen.

Ich kann mir nur sehr schlecht vorstellen das die Azubis nichtmal so an die Pat. ran dürfen.

Ich würde das eher als ein Ranking verstehen für halbwegs selbstständiges arbeiten ohne das man da ständig daneben stehen muß.
 
Qualifikation
GuK
Fachgebiet
Anästhesie
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Timo45-3

Mitglied
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03.01.2021
Kiel
Hallo,

Wirklich alleine wenn es bereits in der Schule dran war und die Sache wirklich beherrscht wird. Das wurde dann vom Kollegen dann überprüft und dann durfte man los ziehen. Bei anderen Dingen war schlichtweg der Kollege eben dabei. Oder wenigstens die Tür weiter.
So lief es bei uns auch. Bei Dingen die wir als komplexer bzw. "schwieriger" erachten, wirs es jedem Schüler gezeigt, bis er von sich aus sagt, dass er sich sicher fühlt.

BIslang funktioniert das System.

Auch wenn etwas in der Schule noch nicht dran war, der Exa. Kollege sich aber die Mühe gemacht hat vernünftig anzuleiten durften wir es machen. Natürlich mit etwas Risiko für den Kollegen.
Was in den Schulen unterrichtet wird ist oft unklar. Wir arbeiten mit 4 verschiedenen Schulen zusammen, die ihre Schwerpunkte sehr unterschiedlich legen. Der Rahmenlehrplan lässt ja sehr viel interpretationsspielraum übrig. Auch die Schüler können einem oft nur teilweise widergeben, was sie eigentlich gelernt haben. Wir geben dann natürlich etwas theoretischen unterbau mit, der für die Praxis notwendig ist.

Wenn ein Examinierter dabei ist, dürfen die Schüler mehr oder weniger alles machen, nur ist leider nicht zu bewerkstelligen, dass immer jemand daneben steht, da Schüler natürlich für Arbeitsschritte deutlich länger benötigen, als jemand der das schon seit Jahren macht. Zeit ist Rar.
Die Schüler sollen aber natürlich das Versorgen von und den Umgang mit Bewohnern ausgiebig üben (wozu auch eigenständig Problemlösung gehört), zumal sie nur diese paar Wochen Altenpflege haben.

Wieso sollte da auch jemand stehen und zugucken, wenn der Schüler etwas kann und schon 10 mal gemacht hat.

Das System so wie wir es fahren scheint zu funktionieren (Zumindest für die Schüler, das Personal und die Bewohner).
Die Zentralen Praxisanleiter (Die durch alle Häuser unserer Stiftung tigern) und die Schulen machen nur vermehrt Druck, wenn die wind davon bekommen, dass die Schüler einen PG 4 Versorgen.
Auf Anfrage wo sie diese Regel hernehmen verweisen sie eben auf das Gesetz bzw. Rahmenlehrplan, wo es aber halt nicht drin steht, wie wir jetzt ja festgestellt haben.

Das ist halt tatsächlich eine Hürde, die ich komplett unnötig finde.

Mir ist ja klar, dass diese PG 3 Regel die Schüler und Bewohner schützen soll, dass Schüler nicht mehr überfordert werden und als Vollzeitkraft genutzt werden (Wie es am Anfang meiner Ausbildung der Fall war) und das die Bewohner eine fachlich korrekte Versorgung erfahren aber das System ist zu unflexibel und für mich ist es Zeit verschwendung mich damit auseinandersetzen zu müssen.

LG
 
Qualifikation
Examinierter Altenpfleger
Fachgebiet
Pflegeeinrichtung Stationär

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