Schüler "auf Psychiatrie"

Fragmentis

Fragmentis

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Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Kollegen und Kolleginnen "in spe"...

Der Psychiatrieeinsatz während der Ausbildung ist ja immer ein Einblick in eine Pflegewelt, die so ziemlich das ist, was am wenigsten mit einer guten Vorbereitung seitens der Schule und meistens auch mit vielen Befürchtungen seitens der Schüler einhergeht.

Was mich interessieren würde wären mal ein paar Erfahrungen von Schülern hier im Board, ein paar Erfahrungen seitens der Kollegen auf anderen psychiatrischen Stationen mit Schülern und vielleicht von beiden Seiten auch mal einige Wünsche, die man an solche Einsätze stellen kann, wie man solche Einsätze speziell jetzt, wo die Einsätze doch so schrecklich kurz sind, gestalten soll und kann.


Liebe Kollegen "in spe", also liebe Auszubildende:
  • Was braucht Ihr Schüler an Unterstützung Eurer Meinung nach ?
  • Was hat sich in Eurem Einsatz als positiv, was als negativ erwiesen ?
  • Welche Ansprüche habt Ihr an Anleitung (im Allgemeinen ebenso wie speziell in der Psychiatrie) ?
Liebe Kollegen und Mit-Anleitende:
  • Was hat sich auf Euren Stationen, liebe Kollegen, als nützlich bei der Einführung der Schüler in die Welt der Psychiatrie erwiesen ?
  • Welche Literatur und welche Möglichkeiten stellt Ihr den Schülern zur Verfügung ?
  • Welche Freiheiten gebt Ihr den Schülern, welche Grenzen setzt Ihr ihnen ?
  • Welche Aufgaben und Lernfelder bedient Ihr bei der Anleitung ?
Auf einen tollen Austausch von beiden Seiten und Inspirationen für die Anleitung für uns alle erhoffend,
Euer
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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haduloha

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Liebe Kollegen und Mit-Anleitende:
  • Was hat sich auf Euren Stationen, liebe Kollegen, als nützlich bei der Einführung der Schüler in die Welt der Psychiatrie erwiesen ?
  • Welche Literatur und welche Möglichkeiten stellt Ihr den Schülern zur Verfügung ?
  • Welche Freiheiten gebt Ihr den Schülern, welche Grenzen setzt Ihr ihnen ?
  • Welche Aufgaben und Lernfelder bedient Ihr bei der Anleitung?
  • Hallo Fragmentis,
(ich bin nicht mehr im stationären Bereich, also daher für diesen Bezug die Vergangenheitsform)
es war leider wirklich so wie Du es beschrieben hast
Zitat:" was am wenigsten mit einer guten Vorbereitung seitens der Schule und meistens auch mit vielen Befürchtungen seitens der Schüler einhergeht"
Daher war uns bei der Einführung immer sehr wichtig ein Gefühl der Geborgenheit im Team und Verlässlichkeit zu vermitteln. Fachliche Aufklärung zur Überwindung der Ängste aus der schlechtern Vorbereitung war wichtig und nötig!
Die die nicht mit Befürchtungen auf die Station kamen, waren die übertrieben lässigen Typen, denen von (woher auch immer) gesagt wurde:" Auf der Psychiatrie, ja da trinken die den ganzen Tag Kaffee, rauchen und spielen "Mensch-Ärgere-Dich-nicht!"
Auch das musste relativiert werden.
Meine "drei goldenen Regeln, die ich eingangs den SchülerInnen immer vermittelt habe sind:
1. Ruhe bewahren
2. alles notwendige dafür tun, dass am Ende der Schicht alle Patienten noch atmen
3. Als wichtigste Regel: Man lässt NIEMALS seine Kollegen im Stich!

Meine Erklärung hierzu für die SchülerInnen:
Ruhige Grundhaltung überträgt sich, ebenso wie Hektik oder Angst und gerade diese sensible Patientengruppe reagiert schnell darauf. Verhältnisse bedingen Verhalten und wir sind bemüht unter den realen Gegebenheiten die Verhältnise so angenehm wie möglich zu gestalten - Hektik behindert nur zusätzlich -
Alles notwendige ... und dann kam die Aufzählung der Regeltätigkeiten, damit auf der einen Seite den Befürchtungen und auf der anderen Seite den falschen Vorstellungen (nur Kaffe trinken...) zu begenen, zu zeigen, dass wir auch "richtig arbeiten".
Die dritte Regel erklärt sich selbst. Ich habe dann die Notrufanlage erklärt, Telefone gezeigt und klar gemacht, dass Hilfe holen auch Hilfe ist. Keiner erwartet von SchülerInnen aktiv einzugreifen, wo sie Angst oder Unsicherheiten spüren, sehr wohl aber, dass sie in brenzligen Situationen angemessen reagieren und dazu mussten sie auch wissen wie und wo sie das können.


Literatur:
Ich habe gute Erfahrungen mit "Praktische psychiatrische Pflege" von Villinger und Schädle-Deininger und "Der Pflegeprozeß in der Psychiatrie" von Walter Kistner gemacht. Wurden recht gut verstanden und sind nicht arg schwer zu lesen. "Irren ist menschlich" klar - aber kaum jemand hatte wirklich Zeit dieses dicke Buch zu lesen.

Ich muss weg, die Arbeit ruft.

Gruß
haduloha
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Psychiatrie
Fachgebiet
ambulante psychiatrische Pflege
Weiterbildungen
BAPP - Vorstand und Regionalgruppe Nord
Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Haduloha,

die 3 Regeln finde ich sehr einprägsam und deutlich. Gilt ja fast für jede Station "irgendwie", aber für uns ganz besonders.

Ich habe mir nun angewöhnt die Schüler z.B. im Zwischengespräch, wenn sie sich etwas an die Atmosphäre gewöhnt haben, mit einem Hefter auszustatten, in dem so einige Kopien drin sind von wichtigen Texten, unter anderem z.B. ein Präventionsskript für Deeskalation.
Die Schüler (speziell die weiblichen) nehmen das gerne an, haben sie ja auh in der Somatik es häufig mal mit einigen "aggressiveren" Klienten zu tun.

Gibt es vielleicht Texte oder sowas, die man in so einen Ordner für "Einsteiger" empfehlenswerterweise noch zugeben sollte ?

Ich versuche z.B. immer wieder auch dem gerecht zu werden, daß die "Kollegen in spe" ja schließlich zumeist doch in der Somatik landen werden, und dann sollen sie auch was mitnehmen, was sie auch dort etwas gebrauchen können. Und wenn es am Ende des Einsatzes auch nur die Sensibilität dafür ist, wie die psychiatrischen Patienten ggf. in der Somatik etwas besser wahrgenommen und angenommen werden können.

"Irren ist menschlich" ist auch zuviel für diese Zeit im Einsatz, zumal man dieses Buch ja eher "in Begleitung" lesen sollte und es eher dazu dient, den erfahrenen Kollegen nochmal etwas zum Reflektieren und Nachdenken zu geben, wie ich finde.

Danke für Deinen Beitrag !!!


Ich hoffe auf noch mehr und vielleicht ja sogar noch auf ein paar Kommentare und Beiträge von Schülern, vielleicht von welchen, die jetzt grad irgendwo im Einsatz sind ?!?

Grüßend,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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mausi

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Hallihallo!
Bin zwar seit anderthalb Jahren auch kein Schüler mehr, aber mir hat der Einsatz in der Psychiatrie (WKPP Lippstadt-Eickelborn) so viel Spaß und Lernerfolg gebracht, dass ich auch meinen 5 monatigen Wahleinsatz dort verbracht habe!

Einerseits hatte ich einen super Praxisanleiter, aber das gesamte Team stand bei Fragen und Problemen bereit, was auch sehr wichtig war.
Ich habe viel über die verschiedenen Krankheitsbilder gelernt, Verhalten in Stress- und Eskalationssituationen, Umgang mit Ärzten und anderen Berufsgruppen sowie Angehörigen.
Vieles davon kommt auch heute noch zum Einsatz, und hätte ich nicht so tolle Arbeitskollegen gehabt, wäre mein Examen, vor allem in Arzneimittellehre, nicht so gut ausgefallen...

Ich hatte aber auch den Vorteil, vieles selbst ausprobieren zu dürfen, Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung begleiten zu können und mit einer Erfahrenen PK an der Seite in die Vorteile der Bezugspflege kennenzulernen, von eigenständig erstellten Pflegeplanungen bis hin zu Arztvisiten.

Alles in allem würde ich sagen, dass dieser Einsatz mir sehr viel gebracht hat! Ich kann zwar nur für mich als ehem. Altenpflegeschülerin sprechen, aber das war mt der wichtigste und entscheidenste Einsatz während der gesamten Ausbildung!!!
 
Qualifikation
Nachtwache
Fachgebiet
Stationäre Altenpflege
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stupanka

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Hallo,also ich muss sagen,dass unsere Vorbereitung auf das sychiatriepraktikum sehr gut war.Ich denke aber,man kann auch von Seiten der Schule nicht alle eventualitäten ansprechen.
Dazu denke ich ist das Praktikum ja da.Wir hatten von Seiten der Schule Gespräche,es wurde gefragt wo unsere Ängste, Befürchtungen etc.sind,das war für mich sehr hilfreich.
Vor Ort ist es hier besonders wichtig eine gute Praxisanleitung zu haben ,ich hatte Glück und hatte eine sehr gute:eek:riginal: .
Desweiteren standen mir andere Kollegen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.
Ausserdem gab es einen Schülerbeauftragten,der alle 2 Wochen einen Schüleraustausch anbot,für Fragen und Probleme die wir Schüler auf der jeweiligen Station nicht klären konnten oder wollten.
Ausserdem hatte ich das Glück,dass auf der Station wo ich eingesetzt war (Geschützte Akutstation),dass jeder Schüler nach seinen Fähigkeiten eigesetzt wurde,ausserdem konnte ich immer sagen,dass ich Situationen beängstigen fand und bekam Hilfe in Form von Reflektionsgesprächen.

Ich glaube ,dass eine Psychiatrie eine ganz besondere Herausforderung darstellt,und es von daher einer guten Begleitung bedarf,sowohl seitens der Praktikumsstelle,als auch seitens der Schule.

Lg stupanka
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Stationär Altenheim
Fragmentis

Fragmentis

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Liebe Kollegen,

einige der Vorredner bestätigen mir ein wenig die Berichte von meinen Schülern. Obwohl der Psych-Einsatz ja als besondere Herausforderung gilt, beschreiben viele "Kollegen in spe", daß besonders in diesem Bereich noch die Möglichkeit besteht "Lernender" zu sein und daß besonders in diesem Bereich die Kollegen noch die "Anleitung" sehr ernst nehmen. Das Schüler nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden sollen, müßte ja eigentlich Standard sein (immer natürlich mit dem Ziel dahinter, ihn dort abzuholen, wo er ist, um ihn dahin zu bringen, wo er sein soll zum Examen).

Ich will die Psychiatrie sich nicht selbst beweihräuchern lassen, wenn ich folgende Dinge nun zum besten gebe und merke vorher nochmals an, daß ich nicht werten will und keinem Böses unterstellen möchte. Aber ihr kennt mich...ich kann nicht immer so ganz objektiv schreiben bzw. mir manche Spitzfindigkeiten, die zum Nachdenken anregen sollen, verkneifen. Aber alle Sachen sind mir so untergekommen und die lassen mich manchmal an unserem System und manchem Kollegen zweifeln...

Vielleicht ist es dies, was den Psych-Einsatz ja eigentlich attraktiv macht.
Erschreckend finde ich, daß die Schüler, die zu mir zum Einsatz kommen, oft berichten,
  • daß sie noch nie eine Visite ausgearbeitet haben (wenn ich mir überlege, daß da Oberkursschüler sind, die in 1/2 Jahr eine Schichtleitung übernehmen sollen und nie die Gelegenheit bekamen, daß mal auszuprobieren und zu lernen, dann kriege ich eine Gänsehaut),
  • daß sie die Anleitungssituation noch nie so ausführlich erlebt haben (Materialien, Möglichkeiten, Zwischengespräche und ordentliche Vorgespräche und Zeugnisbesprechungen etc.),
  • daß sie es nicht kennen, zum Fragen aufgefordert zu werden (sondern eher, daß von ihnen erwartet wird, schon alles zu wissen oder selbst, wenn sie nichts darüber wissen, die Maßnahme trotzdem durchführen zu können),
  • daß sie es nie gekannt haben, daß man jeden Kollegen ansprechen kann, wenn man was wissen will oder es einem mit einer Situation nicht gut geht (unglaublich, ich habe gehört, daß sich Anleiter/Mentoren verleugnen lassen und daß keiner im Team sich für Schüler verantwortlich fühlte, sondern nur gesagt wurde "Ich bin nicht der Mentor",
  • daß sie noch nie so deutlich das multiprofessionelle Arbeiten kennengelernt haben (offenbar weniger Frontenkrieg Ärzte-Pflege in der Psychiatrie und dazu noch für Fragen offene Ärzte, welche die Pflegenden noch schätzen)
  • daß ihnen selten ihre Lücken auch im Wissen um die Pflegekunst bewußt geworden sind (komisch, nicht wahr ? Das Feld, das am weitesten von der Somatik entfernt ist beschäftigt sich offenbar am meisten mit der Pflege als Profession, habe ich manchmal den Eindruck...und grad der Pharmakologie-Bereich (wie schon oben beschrieben in einem Beitrag) ist doch einer der wesentlichsten Punkte, wo doch auch meine pflegerische Krankenbeobachtung gefordert ist...manche Schüler wissen noch nicht mal, was ACC ist, geben es aber jeden Tag..aber ich in der Psych muß einem Schüler, der vom internistischen Einsatz kommt, noch was über Herzmedikamente erzählen...irgendwie doch seltsam, oder ?)
  • daß sie nicht geahnt hätten, daß die Arbeit in der Psych so spannend und vor allem anstrengend sein könnte, schließlich hätten sie vorher immer nur gehört, daß man in der Psych ja nur Kaffee trinkt und redet (und dennoch gehen viele Schüler geschlaucht von einem anstrengenden Tag nach Hause und sind für freie Tage dankbar...wie oft erlebe ich, daß Schüler grad in ihrem Psych-Einsatz an ihre mentalen Grenzen kommen, weil sie es nicht gewohnt sind, sich so intensiv um Patienten zu kümmern, mit ihren Problemen auseinanderzusetzen und sich selber ganz nebenbei noch im Auge zu behalten)
Manchmal - ohne Wertung !!!!!!!! - habe ich das Gefühl, daß wir dann in unserem Einsatz kurz vor Ende der Ausbildung ganz viel reparieren müssen, was in der Somatik - sorry, wenn ich das mal so deutlich sagen muß - verschludert wurde oder geschludert werden mußte - aus welche Gründen auch immer (Zeit, Stress oder ganz einfach, weil der Kollege im Dienst grad nicht der Mentor ist) > siehe Beispiel Medikamente oder Sterbebegleitung.

Pflegeausbildung ist immer auch Menschenbildung.
Und der Mensch schaut sich sein Verhalten von seinen Mitmenschen ab. Na, wie hieß das denn noch gleich. Ach ja: Sozialisation in der Pflege und Lernen am Modell...grins.


Wenn ich z.B. höre, daß eine Schülerin berichtet, daß der Verabschiedungsprozess von einer sterbenden Patientin, die sie eine Woche gepflegt hat, und die nachfolgende Reflektion darin bestand, daß sie bei den anderen Patienten Blutdruckmessen geschickt wurde und erst, als sie einen Heulkrampf bekam, ALLEINE eine Zigarette rauchen gehen durfte, weil keiner mit ihr darüber sprechen wollte und keiner sich zuständig fühlte, da kräuseln sich mir die Fußnägel. In der Psych würde man sagen, daß hier im "Nachkontakt" und seiner Gestaltung wohl einiges schiefgelaufen ist...

(By the way...Mit was für Gefühlen und schon-Vorängsten man auf den ersten Toten sich einstellt, daß hat AngelEye ja mal beschrieben und ich daraufhin, was ich erlebt habe bei meinem ersten Toten und was ich jedem wünsche. Nur mal so zur Erinnerung, mit was für einer Verantwortung und Prägefähigkeit wir unseren Schülern gegenüber stehen.
Der Link war...
http://www.pflegeboard.de/forum/26123-bitte-um-rat.html#post194251).

Oder auch in der Schule kann ich mir vorstellen, geht vieles am Bedarf der Schüler vorbei, denn die Schüler wissen einfach nicht mehr so viele Fakten, was eigentlich notwendig wäre und haben auch wenig Praxis, um sich dort das Wissen zu holen...

Naja, genug gemeckert...
Vielleicht verbalisiere ich grad auch nur ein wenig die Wut und den Ärger der Schüler, mit denen ich in den letzten Jahren zu tun hatte und was ich teilweise selber erleben mußte...oder gute Kollegen von mir...

Auf weitere, vielleicht auch mal kritische, Stimmen zum Thema Psychiatrie-Einsatz gespannt und auf Verbesserungsvorschläge hoffend...
Euer
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
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EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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UlrichFürst

Ich schreib's lieber an den Anfang:
Ich gehe nicht davon aus, dass alle, noch nicht mal das die meisten der Stationen auf der Psychiatrie so sind, wie die, die mit unserer Schule verbunden waren. Dort war aber leider nicht sonderlich toll - mild ausgedrückt. Es gab auch fleißig Rückmeldung an die Schule. Soweit ich weiß hat sich da aber nichts geändert...:sad:

Ich "durfte" in meiner Ausbildung 8 1/2 Wochen auf die Psychiatrie, statt 4 Wochen wie alle anderen.
Am einfachsten zu beschreiben sind die Spätdienste. Ich war meist mit einer Pflegekraft alleine und jeder nahm sich einen Teil der Zeitung. Irgendwann war dann Zeit das Abendessen zu richten (kein Tablettsystem) und irgendwann dann Schichtende (meist deutlich später als das der Zeitung).

Frühdienste hatte ich fast keine. Meist Zwischendienste. Die fingen mit ein bis zwei Stunden Frühstückspause an (da der Frühdienst gerade eh beim Kaffee saß und es auch nichts zu tun gab). Zwei mal konnte ich zu irgendwelchen Therapien mit (eine davon war Jacobsen-Entspannung). Ansonsten war ich zu der Zeit wo Therapiegruppen stattfanden meist mit einem Patienten zu einer externen Untersuchung (anderes Gebäude der Klinik oder niedergelassener Arzt). Dort habe ich allerdings viel gelernt (hatte immer Bücher dabei: Anatomie, Innere, usw.:innocent: ).

Problem dieser Station war wohl, dass wir nie genau wußten, was bei den Patienten gerade los ist. Es gab keinerlei Info von den Ärzten - soweit ich das mitbekommen/rückgemeldet bekam auch nicht an die examinierten Pflegekräfte. Die sollten nicht versehentlich was falsches tun oder sagen *hahaha*:mad_2:

Ach ja: Streßtag war der Mittwoch. Da wurde allen Patienten (~20) der Blutdruck gemessen.
Im übrigen waren alle Patienten selbstversorger (halboffene Station) und beschäftigten sich alleine.

Vorteil dieser Station: Auf der zweiten Station, wo einige meiner Kurskolleginen hin mussten, wurder jeder/m eine Eßstörung angedichtet. Und zwar den Schülern vom Personal:mad_2:

Mein Fazit damals: Wenn ich mal keinen Bock mehr hab zu arbeiten oder Rückenprobleme ist das die ideale Arbeitsstelle...

Ulrich
 
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mausi

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Zum Teil kann ich Fragmentis zustimmen, aber der "Pflichteinstz" war mein zweiter Ausbildungseinsatz und von daher konnte ich, nachdem die Grundlagen im Altenheim geschaffen wurden, mich in Ruhe "austoben" und lernen.

Zu Ulrichs Bericht kann ich nur sagen "Gottseidank wars bei mir nicht so". Wir waren zwar im Spätdienst auch zu zweit, zumindest am WE, aber wir haben uns die Arbeiten geteilt und sind kaum zum Zeitungslesen gekommen.

Aber wo ich mich schon in der Ausbildung drüber aufgeregt habe: Wir waren 24 Auszubildende in unserem Kurs, und von denen haben es 20 vorgezogen, ihren "Psychiatrieeinsatz" in einem normalen Altenheim zu leisten bzw. der Arbeitsunintensiven Einsatz in einer Tagesklinik zu wählen... Und von den drei MItstreitern hat es auch keinem sonderlich gefallen...

Wofür wird dann noch ein Psychiatrieeinsatz durchgeführt?
 
Qualifikation
Nachtwache
Fachgebiet
Stationäre Altenpflege
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haduloha

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Ich will die Psychiatrie sich nicht selbst beweihräuchern lassen, wenn ich folgende Dinge nun zum besten gebe und merke vorher nochmals an, daß ich nicht werten will und keinem Böses unterstellen möchte. Aber ihr kennt mich...ich kann nicht immer so ganz objektiv schreiben bzw. mir manche Spitzfindigkeiten, die zum Nachdenken anregen sollen, verkneifen. Aber alle Sachen sind mir so untergekommen und die lassen mich manchmal an unserem System und manchem Kollegen zweifeln...
Hallo Fragmentis,
bleib' doch mal locker. - Regel Nummer 1 - :wink:

Ich freue mich für Dich, dass es so bei euch läuft. Ich war auch einmal in genau der Situation, die Du jetzt wiedergibst.
Alle SchülerInnen waren darüber froh und glücklich die Gelegenheit zu haben, so zu arbeiten, wie wir es anbieten konnten.
Viele Defizite konnten in den 8 Wochen, die der Einsatz bei uns immer dauerte, aufgearbeitet werden.
Oft wurde auch der Ausbildung vorgegriffen, um die SchülerInnen lernten auf der Psychiatrie Dinge, die sie vom Plan her erst später lernen sollten (gerade Med. stellen). :innocent:
Aber wir hatten die Zeit und die Ruhe es (nach dem Standard der Schule) zu vermittlen. Und so haben wir es getan.

Aber das ist und war keine Selbstverständlichkeit!

Viele, die ich kenne haben gar keine so tolle Erinnerung an die Zeit des Psychiatrieeinsatzes.
Verhältnisse bedingen Verhalten!!
Und nicht überall waren die Verhältnisse so, wie Du es beschreibst (und ich es kenne)

Ich bin aus der Klinik weg, auch aus dem Grund,
dass das Pflegepersonal auf ein Drittel gekürzt wurde (auf 28% PsychPV)!! :mad_2:
Bis dahin war es toll für die SchülerInnen, heute sind sie nur noch Sitzwachen oder müssen für die Hilfsarbeiten herhalten, die sonst liegen bleiben würden.

Um es sieht mittlerweile in allen anderen Bereichen nicht besser aus.
Wir "Psycho's" waren lange Zeit verwöhnt.
Und wenn wir es schon nicht mehr schaffen, zu tun was wir sollten, wie muss es dann erst den somatischen Bereichen gehen?:sad:

Erst wenn die Talfahrt des Stellenabbaus beendet sein wird, dann werden wir wieder anfangen können so zu arbeiten, wie wir es gewohnt waren.

Bis dahin müssen wir das beste aus dem machen, was wir haben.
Und ein wenig, von dem, was wir in der Hand haben, ist es unseren "Nachwuchs" die bestmögliche Starthilfe zu geben, die wir geben können.

herzliche Grüße
haduloha
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Psychiatrie
Fachgebiet
ambulante psychiatrische Pflege
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BAPP - Vorstand und Regionalgruppe Nord
Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Haduloha,

Du hast recht. Wir sollten froh sein, daß es uns so geht, wie es uns geht.
Und die Zeiten werden nicht besser werden. Leider Gottes...

Aber solange es geht, sollten wir mit den Ressourcen, die wir noch zur Verfügung haben, alles tun, was uns möglich ist, der nächsten Generation zu zeigen, wie es laufen kann und vielleicht auch laufen sollte...

Wie gesagt, ich habe auch somatische Stationen erlebt und kenne viele Kollegen auf verschiedensten Stationen, wo trotz des Stellenabbaus der Schüler noch Schüler sein durfte und ich bin jedem Kollegen dankbar, der mir damals ermöglichte zu sehen, was Pflege eigentlich bedeutet.

Wie heißt es bei "Werth...Echte", der Bonbon-Sorte:

"Jetzt bin ich der Pfleger...und natürlich gebe ich meinem Schüler..."
GRINS


Ihr versteht, was ich meine...

Weiter versuchend locker zu bleiben und herzlich grüßend alle Kollegen in allen Bereichen, die auch ihr Herzblut trotz widrigster Umstände und mit so mancher nicht aufgeschriebener Überstunde in die Anleitung stecken,
Euer
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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Psychiatrie
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winki

Neues Mitglied
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Hallo Ihr! Ich selbst konnte viele Erfahrungen in der Psychiatrie sammeln, da ich meine Ausbildung zur Ks. im Nds.Lkh Lüneburg gemacht habe.Als Schüler konnte ich daher schon sehr schnell Pat. einschätzen und mich selbst auch sehr gut reflktieren. Die Arbeit in der Psychiatrie hat mir immer gut gefallen, da ich auch als Schüler immer gut von den einzelnen Teams aufgenommen und unterstützt wurde.
Ich denke Schülern sollte bereits zu beginn des Einsatzes die Angst genommen werden,dh. durch entweder Filme in der Schule oder aber vielleicht auch durch Vorträge von Mentoren aus der Psychiatrie!
Wenn mich zum Bsp. jemand fragt, ob meine Ausbildung nicht schlimm gewesen sei,dann entgegne ich meistens mit der selben Aussage:"NEE;WARUM DENN?DIE LEUTE DIE IN DER PSYCHIATRIE GELANDET SIND,SIND IM GRUNDE KRANK WIE JEDER ANDERE!DER EINE BRICHT SICH EIN BEIN UND KOMMT AUF DIE CHIRURGIE,DER ANDERE HÖRT STIMMEN UND KOMMT IN DIE "HOPPLA"! UND WENN SIE BEIDE GUT MITHELFEN,KOMMEN SIE AUCH BEIDE WIEDER RAUS!"Ich würde jederzeit wieder in der Psych. arbeiten!Ich denke wenn man einen guten Mentor hat,keine Angst vorm Fragen hat,dann wird man verstehen,was da los ist und Freude an der Arbeit haben!!! KEINE ANGST!
 
Qualifikation
Krankenschwester
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Individualpflege(ambulant)
Fragmentis

Fragmentis

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Jute Einstellung, Winki...
:thumbsup2:
Freut mich auch für Dich, daß Du so positive Erfahrungen dort gemacht hast...
:wink:

Grüßend,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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Psychiatrie
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Interlud

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Hallo an alle,
ich kann nur berichten das mein Einsätze in der Psychatrie super waren und genau aus dem Grund, arbeite ich jetzt auch auf einer Gerontopsychatrischen Station. Die Vorbereitungen der Schule lässt manchmal zu wünschen übrig das stimmt, wobei ich aber auch denke das die Schule auch nicht alles Haargenau durchnehmen kann und der Psychatrie einsatz ist leider nunmal einer von den kürzesten. Wir versuchen dem Schüler ersteinmal die Angst zu nehmen und etwas Sicherheit im Umgang zu geben, indem wir den Schüler die ersten Tage nicht alleine am Patienten arbeiten lassen. Durch viele Gespräche, nicht nur durch den Mentor sondern auch durch alle anderen Kollegen, geben wir dem Schüler die Möglichkeit Probleme oder Ängste loszuwerden und er erhält in diesem Bereich Unterstützung. Was die Lernziele angeht, stehen natürlich psychatrische Krankheitsbilder, der entsprechende Umgang (sei es Empathie, Validation, usw.), 10 Minuten Aktivierung, teilweise MEdikamente und wir sind halt mal Gerontopsychatrie da bleiben viele Behandlungspflegerische Ziele (PEG VW, etc.) nicht aus. In Bezug auf Grenzen setzen, lassen wir unseren Schülern eigentlich viel Spielraum was natürlich vom Wissensstand und Interesse abhängt. d.h. Dieser erhält schon einiges an Verantwortung, trägt diese aber nciht alleine es ist immer eine examinierte PK noch mit dabei die ihn Unterstützt, möchte er Medis richten, oder Visite ausarbeiten hat dieses aber in der Schule noch nicht gelernt, geben wir ihm schon die Möglichkeit dieses unter Betreuung des Mentor zu tun. Ich denke man kann nur geringfügig Richtlinien erstellen indenen ausgesagt wird im ersten muß der Schüler das können und im Zweiten das. Meiner Ansicht nach sollte man den Schüler da abholen wo er steht egal wo, ob er vielleicht etwas länger braucht oder eine sehr schnelle Auffassungsgabe hat, das muß Individuell entschieden werden, natürlich immer auch mit dem Schüler besprechen um ihn nicht zu Über- aber auch nicht zu Unterfordern.
Liebe Grüße und einen schönen Abend
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Gerontopsychatrie
Weiterbildungen
Wundbeauftragte, Dekubitusstandard
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UlrichFürst

Ach ja:
Was mir öfter bei den Schülerinnen/n auffällt die von der Psychiatrie kommen (es gibt da ein Haus, von wo wir SChüler zu Chirurgie-Einsätzen bekommen), ist, dass sie besser auf Patienten eingehen können. Und überhaupt in Gesprächsführung einen Vorsprung haben!

Ulrich
 
Fragmentis

Fragmentis

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hat jemand zufällig schon sowas wie einen Lernzielkatalog für eine Station im z.B. Suchtbereich ? Oder Akutbereich geht natürlich auch...

Es geht mir darum mal zu schauen, was Ihr so Euren Schülern in der kurzen Zeit zutraut, die sie nun da sind...

Fragend und grüßend...
Fragmentis
 
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Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
Schwester Christa

Schwester Christa

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Gudde Morge,

ich kann die Vermutungen von Fragmentis voll und ganz aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich habe nun (ohne Ausbildung) in etwa die gleiche Erfahrung in beiden Bereichen: 6,5 Jahre Somatik (UCH), 6,5 Jahre Psychiatrie.
Auch wenn man sich in der Allgemeinklinik wie ein Schwerstarbeiter vorkommt und mit drölfundöchzig verschiedenen Verbandstechniken überzeugt ist, der Superpfleger überhaupt zu sein, hat die psychiatrische Pflege doch in vielen Bereichen mehr zu bieten, als man ihr landläufig zutraut.

In der Somatik wird man schneller zum "Fachidioten", der Patient als Individuum wird leicht übersehen bzw. im Rahmen einer "geplanten" Pflege auf seine Defizite reduziert. Dies passiert um so schneller, je größer die Arbeitsbelastung/ -überlastung ist. Die PPR gibt bei weitem nicht soviel her wie die PsychPV.
In der "Klappse" ist der Kontakt zum Patienten viel intensiver und tiefer. Das läuft auf einer ganz anderen Ebene, weil völlig anderer Ansatz und Umgang mit dem Klienten. Schwer zu beschreiben, den Unterschied muss man glaube ich erlebt haben.

Daraus ergeben sich leider sehr häufig Mißverständnisse, gerade bei der Einarbeitung von Schülern. Den Psychiatrieschülern aus meiner jetzigen Klinik eilte im benachbarten Allgemeinkrankenhaus ein schlechter Ruf voraus: die sind nur am quatschen mit den Leuten und werden mit keinem Geschäft fertig. Die kann man nichts alleine machen lassen, weil es sonst ewig dauert etc.
Umgekehrt fallen sehr viele Allgemeinschüler bei uns durch Respektlosigkeit und oberflächliche, wertende Patientenkontakte auf.

Ich kann mir eine Rückkehr in die Somatik mittlerweile nicht mehr vorstellen. Ich habe mich selbst in der Psychiatrie als Mensch weiterentwickelt, und versuche diese Möglichkeit auch unseren Schülern zu vermitteln. Das betrifft nämlich nicht nur den Umgang mit den Patienten, sondern auch den innerhalb des Teams. In welchem Allgemeinhaus gibt es wirklich multiprofessionelle Teams. Auch scheint mir das Pflegewissen (Arbeiten mit Pflegemodellen, ressourcenorientierte Pflegeplanungen, etc.) in der Psychiatrie höher zu sein.

Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Psycheinsatz als Schüler. Er war grauenhaft! Ich wurde von einer zwanghaften Stationsleiterin gepestet, der eine blinkende Küche wichtiger war als Einarbeitung von externen Schülern. Wenn ich mit polieren fertig war, durfte ich Sitzwache bei akuten Psychotikern oder Zwänglern machen. Krankheitsbilder, Feedback? Fehlanzeige. Ich war mir sicher, dass die Hälfte des Teams nur deshalb weiße Kittel trägt, weil sie sonst nie wieder unbehelligt aus dem Laden rausgekommen wären. Ich hab mir geschworen, niemals da zu arbeiten! :laughing: Aber erstens kommt es anders ...

Es hat sich zum Glück viel geändert und ich versuche heute, meinen Schülern anders gegenüberzutreten.

@Fragmentis: Wir haben seit geraumer Zeit ein Einarbeitungskonzept für Schüler. Akutstation niederschwelliger Drogenentzug! Wird allerdings gerade überarbeitet; unsere Station gibt´s erst seit knapp drei Jahren. Da kommen nicht oft Schüler.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie
Fachgebiet
Niederschwelliger Drogenentzug
D

dr.poops

Bin auch keine Schülerin mehr, hatte damals aber leider ein etwas denkwürdiges Erlebnis:
Ich hatte mich damals (1994) sehr auf den Psychiatrie-Einsatz gefreut. Es hat mich einfach interessiert. Ich bin auf einer geschlossenen Station eingesetzt worden und hatte erstmal ordentlich Mühe zu verstehen, inwiefern da Struktur vorhanden ist (in der Somatik ist das ja dann doch erstmal alles ein bißchen anders...), was ich dort machen kann und was die Menschen da konkret brauchen.
Problematisch war, daß die Praxisanleiterin zu der Zeit krankgeschrieben war - ab und zu hat die Stationsärztin mit mir mal Akten durchgesehen und mir erklärt, warum was wann wie ist. Obwohl mich das alles interessierte, hatte ich Berührungsängste, gerade die schizophrenen PatientInnen fand ich strange - andererseits waren sie in ihren Äußerungen auch echt schrill, das gefiel mir. Aber darum ging es ja nicht.
Worum es dort eigentlich ging, hab ich so nie kapiert.
Ich hatte den Eindruck, daß alle ihre Medikationen bekamen und dann so durch den Tag dölmerten. Es gab dann Tanz-Therapie, Ergotherapie - im Park mit allen kicken war eigentlich am besten.
Aber ich wusste nie, wo da mein Platz ist und meine Aufgaben.
Also habe ich mich auf meine Instinkte verlassen. Das war alles etwas dürftig.

Der Knüller kam dann nach ca. vier Wochen, an einem Samstag. Ich hatte Frühdienst mit einem leider überaus ekligen Kollegen (so´n kleiner Schnauzbart-Vaddi, sexistisch und dumm:sick:), als uns ein Patient durch die Tür abgehauen ist. Schrecken und Stress meinerseits, "ja, dann fang den mal wieder ein!" grinste dieser stumpfe Arsch noch doof und raschelte weiter in seinen Papieren rum. Ich ins Treppenhaus. Ich sehe die Hand des Patienten auf dem Handlauf, gleich ist er unten in der Empfangshalle, ich gerate ins Schwitzen, "was sag ich denn gleich zu dem?!" (konnte ja auch gut verstehen, daß er da rauswollte, aus dem Rundbau mit den nussjoghurtfarbenen Wänden). Unten stehen wir uns gegenüber: er baumlang, kräftig - ich 20cm kleiner, auch kräftig. Da sagt er "ich hau dir eine rein!" und grinst. Wie im Comic. Ich wusste dann leider nicht mehr weiter, ich hatte gehörig Respekt vor dem, ich dachte, wenn man weg will, dann will man das und dann lässt man sich nicht von so´ner Neuen aufhalten. "Och nö", sagte ich ,"da hab ich keinen Bock drauf, aber wäre es wohl möglich, daß Sie da vorne mal Platz nehmen, damit wir das hier klären können?" Grinsen. Er setzt sich. Ich haste zum Fahrstuhl, komme oben an und sag dem schleimigen Schnauzbart, wie es gelaufen sei und er mir helfen müsse - "ja, Lehrjahre sind ja keine Herrenjahre, nä?" Ende. Aus. Ich wollte s-o-f-o-r-t da weg. Das war link. Er hat den riesigen Mann dann wieder "eingefangen" und mich neben eine ca. vierzigjährige Frau gesetzt, die in Gurten fixiert im Bett lag und immer "Rosengartenrosengarten..." sagte. Die hatte am Vortag erfahren, daß ihr neuer Lebensgefährte ihren Sohn sexuell missbraucht hat. Da saß ich dann und - ja, heulte. Mittags nach der Übergabe kam das Thema auf den Tisch. Ich sagte, daß ich mich verarscht fühlen würde, der Spruch mit den Herrenjahren dermaßen hohl sei und ich wäre im Stich gelassen worden. Die stellvertretende Leitung fragte mich, was ich jetzt am liebsten tun würde. Ich sagte, daß ich den Einsatz abbrechen möchte. Es reiche jetzt. Das waren spannende fünf Wochen, aber nun ist Schicht im Schacht.
Einmal wöchentlich war "Fallvorstellung" bei unserem Psychiatrie-Dozenten. Ich habe meinen "Fall" vorgestellt. Kollektives "ach-du-Scheiße". Meine Entscheidung sei "sehr erwachsen" gewesen, sagte der Psychiater. Fand ich ja nett, denn ich hab mich natürlich wie ein Würstchen gefühlt. Den blöden Schnauzbart-Vaddi hab ich dann nochmal am Kiosk getroffen, "na, alles klar?" "Halt die Klappe, Spinner", ist mir da rausgerutscht, naja, das ist dann eben mal so...:bae:

War schade. Finde Psychiatrie immer noch interessant, allerdings eher theoretisch. Ich hätte gerne einfach eine gute Begleitung gehabt. Eigentlich habe ich das meiste von der Ärztin gelernt.

käthe poops
 
FreeXo

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Guten Tag.

Ich bin kein Auzubi mehr, und hatte während meiner Ausbildung zum exam. Altenpfleger die Möglichkeit bekommen, jeweils in einem 3-monatiges und 5-monatiges Praktikum in einer psychiatrischen Einrichtung zu arbeiten.
Die akute Notaufnahme wo ich mein Praktikum absolvieren durfte, hat mir sehr gefallen.
Meine Praxisanleitung bekam ich von einem Fachpfleger für Psychiatrie (ich danke ihm) und dieser konnte mir in kürzester Zeit einen guten Einstieg verschaffen.
Aller Anfang war schwer, doch mit der Summe der Zeit, habe ich mit der Organisation und "Pflege", zurechtgefunden.
Meine Beiträge wurden gut angenommen, seitens des Personals und den PatientenInnen.
Auf dem Wohnbereich waren 22 PatientenInnen, im Alter von 18-60, zwar als Altenpfleger ein wenig fehl am Platz:rolleyes:.. ich bekam auch die Möglichkeit im Geronto-Bereich der Einrichtung zuarbeiten.

Es gibt auch unerfreuliches zu berichten, aber das hinderte mich nicht an meinem Verständnis für Pflege.
Habe vieles gesehen, was die "alteingesessenen" dort arbeiteten PflegerInnen und Strukturen betrifft, und mit meinem Verständnis von Pflege nix mehr zutun hat.
Um es zu verkürzen, schreibe ich; wer in Gewohnheit erstarrt, wird darin auch ersaufen..
Manchmal kam es mir vor wie auf einem Bauernhof, wo die Schweine, die Macht übernahmen und alle anderen unterbutterten,
und ich schreibe nicht von den PatientenInnen.. :ermm:

Deshalb gilt es für mich, etwas zuverbessern und vorfährts zu fahren, hin und wieder mal ne Tankstelle anzufahren und keine Anhalter mitzunehmen. :wink:

Trotzalledem, habe ich meine Ziele in Geronto-psychiatrischer Pflege gesteckt und
beginne nun ab Okt.´07 eine Weiterbildung im obengenannten Fachbereich.
 
Qualifikation
Exam. Altenpfleger
Fachgebiet
Seniorenheim
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