Sanktionen in der Forensik

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C

Codi72

Neues Mitglied
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20.08.2006
37083
Hallo,

mich interessiert welche Sanktionen Ihr Patienten aus der Forensik androht, bzw. durchsetzt, wenn sie sich nicht an die vorgegebenen Regeln halten. Als Beispiel nehme ich mal den klassischen Fall des nachgewiesenen Drogenkonsums :sick: . Bin aber auch an Sanktionen für andere Regelbrüche interessiert. :innocent:

Gruß Codi
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Forensik/Maßregelvollzug
B

Baldr

Mitglied
Basis-Konto
13.12.2004
Basel
Wie ist der Betroffene an Drogen rangekommen? Hatte er Freigang? Hatte er sie in der Einrichtung bekommen?
In der Regel würden Privilegien entzogen, z.B. keinen Freigang mehr. Problematischer ist es, wenn er sich in der Einrichtung mit Drogen versorgen konnte. Dann kommt es halt drauf an ob er "singt" oder ob man Ermittlungen anstellen muss. Wenn du zu einem spezifischen Fall informationen willst, dann beschreib ihn näher, ansonsten gibt es viele Interventionen, die aber hauptsächlich vom Patienten abhängig sind.
 
Qualifikation
IT Support
Fachgebiet
Psychiatrie
H

Hans95

Neues Mitglied
Basis-Konto
14.01.2006
95445
Hallo Codi,
meinst Du Pat. nach § 63 oder § 64 ? Bei uns werden die getrennt.
Dementsprechend wäre Sanktionierung unterschiedlich , z.B eben Rüchnahme der Lockerungen . Das dürfte überhaupt das häufigste Instrument sein .
Was fiele Dir denn noch ein , was macht man bei euch?
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensik
D

Dandor

Neues Mitglied
Basis-Konto
05.02.2006
06406
Hallo Codi!

In unserer Einrichtung werden die Pat. zunächst 24 h isoliert, danach kann ein Einschluß erfolgen, welcher erst aufgehoben wird wenn alle Werte des Drogenscreenings negativ sind. Ausserdem erfolgt je nach Situation eine Besuchersperre , sowie der Vorzeitige Einschluß im Zimmer. Dies kann nur für einen Tag gelten oder eben auf unbestimmte Zeit!

In Härtefällen kann der Pat. erledigt werden. Das heißt, die Therapie wird beendet.
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensik
M

minimum

Mitglied
Basis-Konto
24.01.2007
8239
Hallo!
Bei uns wird dem jeweiligen Pat. erstmal der Ausgang für eine Woche gesperrt. Und dann kommt es ganz drauf an. Wenn es jemand ist, der bereits wiederholt Drogen konsumiert hat wird anders behandelt, als jemand bei dem es das erste mal vorkommt. Dann kommts immer auch darauf an wie der Pat. sich dazu äussert, ob er sich einsichtig zeigt, welche Gründe ihn zum Konsum bewogen haben etc. Aber die Idee der Prävention für die Zukunft (andere Bewältigungsstrategien für Probleme) steht Grundsätzlich vor der Bestrafung!
 
Qualifikation
dipl. Pflegefachfrau
Fachgebiet
Klinik für forensische Psychiatrie
aneka.

aneka.

Neues Mitglied
Basis-Konto
17.12.2006
40699
Hallo Codi,

Frage ist erstmal, bist Du im offenen oder geschlossenen Maßregelvollzug?

Die Sanktion sollte immer so weit es geht auf das "Vergehen" bezogen sein. Bei Konsum also die Erklärung, dass ein möglicher Entzug unter Beobachtung bleiben muß (medizinische Begründung), bedeutet mindestens drei Tage keinen Ausgang, sowie häufigere Vitalzeichenkontrollen.

Entzug von Privilegien, im Zweifelsfall Aufhebung von Lockerungen, immer verbunden mit eindeutiger Information.

Falls es sich um eine hochgeschlossene Forensik handelt, sollte das Sicherungssystem sehr genau überprüft werden.
Sonst sind es beim nächsten Schmuggel nicht "nur" Drogen, sondern Messer o.ä.

Gruß, aneka..

P.S.: hallo, Dandor, wie geht das denn, die Therapie beenden? Bin sehr überrascht!
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie
D

Dandor

Neues Mitglied
Basis-Konto
05.02.2006
06406
Hallo Aneka!

Nun, die Therapie kann schon beendet werden. Klar, es wird vorher geprüft wie es zu dem einen oder anderen Zwischenfall gekommen ist.

Zum einen kann der Patient selbst seine Therapie beenden. Dazu teilt er seinen Willen schriftlich dem zuständigen Richter mit, oder bringt sein Anliegen bei der nächsten Anhörung vor Gericht ( regelmäßig jedes halbe Jahr) dem Richter vor. Der Richter entscheidet diesen Fall dann.

Zum anderen kann dem Patient auch die Therapie beendet werden, wenn eine Therapieunwiligkeit oder Therapieunfähigkeit festgestellt wird. Dazu zählt eben auch der wiederholte Rückfall. Dieses sind aber "kann" Bestimmungen. Der zuständige Psychologe verfasst dann den sogenannten Erledigungsgesuch für das Gericht. Dieses prüft die Angelegeheit und bestimmt so den weiteren Verlauf der Therapie.
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensik
aneka.

aneka.

Neues Mitglied
Basis-Konto
17.12.2006
40699
Lieber Dandor,
danke für Deine Antwort.
Ich selbst hatte auf offenen Stationen schon mindestens 20 Forensiker und ebensoviele in den geschlossenen Stationen meiner bisherigen Psychiatrielaufbahn.
Der von Dir beschriebene Fall ist darunter noch nicht vorgekommen.
Erzähl doch mal, wie so ein Therapieende, so es denn vom Richter beschlossen wurde, aussieht.
Logisch wäre ja, dass der kranke Straftäter dann in den Bau geht, oder?

Bei einigen "Gering-Straffälligen" habe ich übrigens auch schon manchmal gedacht, dass er mit Knast besser bedient wäre, da sitzt er seine Zeit ab, oder hat die Chance auf frühzeitige Entlassung bei guter Führung, und dann ist gut. Und nicht dieses manchmal unverständliche IndieLängeziehen der Aufenthaltsdauer bei uns, nur weil entweder die Ärzte die Verantwortlichkeiten hin- und herschieben, oder so ein Forensiker ja auch besonders gutes Geld bringt.

Dazu sei noch gesagt, dass leider der Ottonormalbürger unter Forensiker immer nur den absoluten Schwerverbrecher versteht, was die Probleme der OÄ mit Angst vor schlechter Presse wieder ein bißchen verständlicher macht.

Schönen Sonntag, gruß von aneka..
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie
D

Dandor

Neues Mitglied
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05.02.2006
06406
Hallo Aneka!

Nun, wie sieht so ein Therapieende aus... Der Patient der seine Massregel verwirkt hat, wird von der Therapiestation auf eine geschlossene Station rück verlegt. Ihm werden alle Vergünstigungen gestrichen und die Therapiestufen zurück gesetzt. Er gilt dann als "Erlediger". Natürlich ist vorher die Maßregel vom Gericht als erledigt erklärt.

Viele Patienten profitieren von der vorher festgelegten 2/3 Strafe. Wird der Pat. "erledigt", dann verbringt der Pat. meist die volle Strafe in der JVA und kann zusätzlich noch 1/3 der Strafzeit verlängert werden. Dies gilt hauptsächlich bei Patienten die direkt zum § 64 verurteilt wurden.

Entscheidet sich der Patient in der JVA eigenständig zu einer Therapie, dann kann der Rchter den Urteilsspruch in §64 umwandeln.
" Erledigt" der Patient dann von selbst wieder , weil z.B. die Strafzeit eher als die Therapie endet, so kann der Patient nach normaler Haftzeit entlassen werden. Es gibt bestimmt einige die mit einem kleveren Anwalt so noch eine schöne "Strafzeit" verbringen.

Anders sieht so ein Ende nicht aus... Und es ist auch nicht so unüblich...
 
Qualifikation
exam. Krankenpfleger
Fachgebiet
Forensik
aneka.

aneka.

Neues Mitglied
Basis-Konto
17.12.2006
40699
Hallo Dandor,

danke für Deine Erläuterungen.
Eines habe ich noch nicht verstanden.
Was ist mit Vergehen, die auf der Geschlossenen sanktioniert werden sollen?
Was stelle ich mir da unter Therapieabbruch vor?

Ich habe bisher übrigens fast nur §63 er kennen gelernt.

Kannst Du mir noch einmal helfen?

Danke und liebe Grüße, aneka.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie
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05.07.2001
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