Arbeitsrecht Rufbereitschaft als Überstundenfrei????

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malu68

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Hallo,

ich arbeite als Krankenschwester auf einer Entbindungsstation mit 40% Teilzeit im AVR.

Im Laufe der letzten zwei Jahre haben sich bei mir (und auch bei vielen Kollegen) über 200 Überstunden angesammelt.
Nun ist die Geburtshilfe ja ein "Saisongeschäft", d.h. manchmal ist ist proppenvoll und es müssen zusätzlich Kollegen einspringen und manchmal ist es leer, so dass dann Kollegen am Abend vor dem geplanten Frühdienst oder frühmorgens für den geplanten Spätdienst in den Rufdienst geschickt werden.
D.h. man kann sich in seinem "frei" nicht wirklich frei bewegen, da es ja zumindest bis zum späten Vormittag sein könnte, dass man noch arbeiten muß.
Falls man nicht arbeiten muß, werden diese Stunden ja quasi als Frei von den Überstunden abgezogen und nur 1 Stunde als Rufdienstpauschale gutgeschrieben.
Überstunden sind aber doch grundsätzlich als Freizeit auszugleichen und nicht mit einem "Pseudofrei" wie einem Rufdienst, oder sehe ich das falsch.

Es ist nämlich auch schon vorgekommen, dass Kollegen die vielleicht Stunden plus hatten , 3 oder 4 Tage ins Rufdienstfrei geschickt worden sind und am Ende auf +/- Null Stunden gekommen sind ohne wirklich frei gehabt zu haben.
Das darf doch eigentlich nicht sein, oder???
Und wie kann ich bei den Oberen argumentieren ???

Schonmal Dank im voraus für eure Antworten
Malu68
 
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romana

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Ostrach
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Hallo malu68 !

Also es gibt einen Unterschied zwischen Überstunden und Mehrarbeitstunden. Alles ,was bis zum Deputat einer Vollzeitstelle geht, sind Mehrarbeitstunden. Alles über dem Rahmen einer Vollbeschäftigung sind Überstunden, die müssen angeordnet und auch vergütet bzw. in einem festgelegten zeitl. Rahmen in frei ausgeglichen werden. Mehrarbeitstunden unterliegen dieser Regelung nicht, da gelten andere Zeitvorgaben.
Das mit der Rufbereitschaft ist so korrekt, deswegen wird ja auch eine Stunde angerechnet, auch wenn man nicht kommen muss.
Einziges Argument könnte sein, dass der AG dir die vetraglich vereinbarte Arbeitszeit zuweisen muss, kann dann sein, dass Du bei weniger Arbeit irgendwo anders eingesetzt werden kannst, aber der Abbau von Überstunden ist legitim.Es gibt auch Häuser oder amb. Dienste, die Arbeitszeitkonten haben und wo vereinbart ist, wann das Stundenkonto ausgeglichen werden kann.
Noch eine Möglichkeit für AG ist, eine Teilzeitbeschäftigte bei erhöhtem Arbeitsanfall oder Personalausfall befristet das Beschäftigungsverhältnis zu erhöhen.

Ich hoffe, Du kannst mit meiner Antwort was anfangen.

LG
Romana
 
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Bin Praxisanleiterin und MAV
Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
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Sittichfreundin

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Hallo Malu!
Zunächst einmal zählt Rufbereitschaft nicht zur Arbeitszeit. Es ist also möglich, während der Rufbereitschaftszeit Plusstunden abzubauen.
Das Problem bei Euch sehe ich eher darin, dass die Rufbereitschaft sehr kurzfristig angeordnet wird. Eigentlich darf der Dienstgeber keinen Dienstplan mehr ohne Dein Einverständnis abändern, wenn er einmal freigegeben wurde. Wenn nun weniger Arbeit anfällt, hat er sich trotzdem an den Dienstplan zu halten, denn der wechselnde Arbeitsanfall darf nicht auf Deinem Rücken ausgetragen werden. Die Verbindlichkeit des Dienstplans ist in den AVR verankert (Anlage 5 AVR Caritas). Weitere Rechtsquellen und Erläuterungen findest Du auf der 2.Seite dieses Verdi-Infoblattes: http://mein-frei.verdi.de/kreativ_werkstatt/data/schutzbrief
Rufbereitschaft ist auch nur dann Pflicht, wenn sie arbeitsvertraglich oder kollektivvertraglich in Form einer Dienstvereinbarung vereinbart wurde, was bei Euch aber sicher der Fall ist.
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Innere, Stroke Unit
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