rotierendes System ( oder so ähnlich!)

katze

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:eek:riginal: Hallo Leute:eek:riginal:
habe mich gestern auf einer Geburtstagsfeier mit einem examinierten Altenpfleger, der auch Wohnbereichsleitung ist, unterhalten.
In dem Heim, in dem er arbeitet ( ca 85 Bewohner, 3 Stationen) gibt es ein rotierendes System, d.h. die Mitarbeiter müssen alle 3 Monate ihre Station wechseln.
Somit sind sie jederzeit flexibel einsetzbar, wenn z.B. ein personeller Engpaß herrscht und sie lernen das ganze Haus kennen!
Was haltet Ihr davon???

Ich persönlich fände es sehr gut, käme mal neuer Wind auf jeden Wohnbereich!
Liebe Grüße
HANNELORE:laughing:
 
Qualifikation
krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie, Schiziphrenie und Psychose
Weiterbildungen
Gerontopsychiatrie
Palliativ Care
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Manu5959

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Hallo Hannelore,

bei deiner Fragestellung mußte ich sofort an mehrere unserer Bewohner denken.
Viele von ihnen sind froh, das sie einen guten Bezug zu ihrer Pflegekraft haben, das sie sie fast täglich um sich haben und sie kennen.
Mir fällt speziell eine Bewohnerin ein, die bei einem rotierenden System total untergehen würde.:blushing:
Allein dadurch finde ich dieses System nicht gut!


Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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Napster

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Hallo Hannelore,

Ich kenne Kliniken, da rotieren die Pflegekräfte 3 Monate pro Jahr auf anderen Stationen, bevor sie dann wieder auf ihre 'Heimatstation' zurückkehren.
Dazu kann man geteilter Meinung sein, ich finde jedoch eine solche Rotation durchaus sinnvoll, beugt sie doch dem 'Tunnelblick' vor und eröffnet dem Rotierenden Einblicke in neue, vielleicht noch unbekannte Fachbereiche. Sicher, die Umstellung ist nicht leicht, alles ist neu, man ist unsicher, kennt dort kaum Leute - aber dafür sind's auch nur 3 Monate, und das Krankenhaus bleibt ja auch dasselbe.

Was also in Kliniken geht, sollte in Wohn-Pflegebereichen nach Möglichkeit nicht praktiziert werden - Stichwort Vertrautheit der Bewohner, Manu hat's schon ausgeführt.
Wechselnde Pflegepersonen bringen hier nur Unruhe; die Verweildauer ist ja eine ganz andere als in Kliniken, wo der Durchlauf oft enorm und die Zeit des Aufenthaltes knapp bemessen ist.
Die Bewohner sind durch ständig wechselnde Gesichter verunsichert und resignieren, weil jede Pflegeperson ihren eigenen Stil hat - es fehlt die Kontinuität.

Alles klar ?

MfG
Napster
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Pflege in der Onkologie
Fachgebiet
Onkologie innerhalb eines Klinikums mit ca.800 Betten
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Arbeitsgruppe Pflegerichtlinien
Arbeitsgruppe Onkologische Fachpflege
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Marcus Franciscus

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Hallo Katze,

tja, dazu kann ich nur sagen, geteilter Meinung zu sein. Zwar sehe ich bei einem 85 Betten-Haus durch den Wechsel der Pflegepersonen kein grosses Problem für die Bewohner und wenn jemand auf Bezugpflege angewiesen ist, kann er sie ja auch bekommen - auch beim Rotieren. Die Pflegenden können dank diesem System alle zu Betreuenden kennenlernen und dadurch ein- springen können - falls es Not tut und es tut immer Not! Anderseits kann diese Maßnahme auch ein Instrument der Leitung sein keinen zu großen Team-Zusammenhalt aufkommen zu lassen, die öfters zusammenarbeiten, kommen sich logischerweise auch näher. Kann aber auch sein, den Team- geist im ganzen Heim zu fördern - denn alle lernen sich kennen. Da ich aber die Leitungen soweit kenne, um sagen zu dürfen, was dem Laden keine Vorteile bringt, wird nicht gemacht! Kannst Du selber einen Schluß daraus ziehen. Erst das "Überall-und-immer-Einsetzen" eines MA´s, dann evtl. kein zu grosser Zusammenhalt und alles andere ist ein nettes Nebenprodukt.
Marcus Franciscus:mad_2:
 
Qualifikation
exam. "plager"
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Altenpflege
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i.w.S.d.W." Leerer" Pflegeberufe, Pflegetheoretiker "praktisch kann ich nur denken"
Valentina

Valentina

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Mein Ausflug in die stationäre Altenpflege ist zwar schon 20 Jahre her, dennoch kann ich euch meine Erfahrungen mit unserem Wechsel zur rotierenden Pflege mitteilen: Vorneweg, es handelte sich um eine 60-Bettenstation in einem neu eröffneten Pflegeheim.
Damals waren wir übrigens schon der Meinung, wir wären hoffnungslos unterbesetzt (F: bis zu 8 MA, S:5-6 MA, mit 2,5 Stunden Überschneidung in der Mittagspause und gleichzeitig vielen Bewohnern in Pflegegruppe 1 = Hotelleistung), aus heutiger Sicht handelte es sich aber um paradiesische Zustände. :jumprose:

Die Bezugspflege, also die bisherige feste Einteilung der Mitarbeiter in die sechs Pflegebereiche, erwies sich nach einigen Monaten als ungünstig, da es Bereiche gab, in denen fast nur „pflegeleichte“ Bewohner lebten und andere, in denen vorwiegend schwerstpflegerische Bewohner versorgt werden mussten. Außerdem kannten sich die meisten Pflegekräfte mit den Bedürfnissen der Senioren in den anderen Bereichen nicht aus und interessierten sich auch nicht dafür.
Manche Kollegen waren völlig auf ihren Bereich fixiert, sprachen von „ihren“ Bewohnern und konnten in anderen Bereichen kaum eingesetzt werden. Um die Arbeit künftig gerechter zu verteilen und einige Pflegekräfte nicht auf Dauer zu überfordern, beschlossen wir vier Stationsleiter gemeinsam, alle Pflegekräfte nach zwei Monaten ihren Pflegebereich wechseln – also rotieren – zu lassen.
Für mich erleichterte dieser Entschluss die Personaleinteilung zu Beginn der Dienstzeiten. Befanden sich zufällig die Bereichspflegekräfte der beiden Schichten im Dienst, konnte einer von ihnen problemlos einen anderen Pflegebereich versorgen. Der Bereichswechsel sollte allen Mitarbeitern einen Gesamtüberblick über die Station verschaffen, sie alle flexibel einsetzbar machen und ihre Motivation erhöhen.
So einfach wie in der Theorie geplant gestaltete sich die Praxis jedoch nicht. Einige Mitarbeiter waren überhaupt nicht damit einverstanden, nun „ihre“ Bewohner abgeben zu müssen. Sie waren der Meinung, dass diese nur von ihnen richtig versorgt werden könnten. Es folgten endlose, hitzige Debatten und Dienstbesprechungen, am Ende setzten wir diese Entscheidung dennoch um, weil wir sie für dringend erforderlich hielten. Einzelne Bewohner protestierten ebenfalls, weil ihnen „ihre“ Pflegekraft entzogen wurde, und es dauerte noch Wochen, bis auch der Letzte die Vorteile dieser Neuregelung erkennen wollte.
Die von den Bewohnern vorher gemachte Einteilung in „gute“ Schwestern oder „weniger gute“ Schwestern ließ dann nach, und zwischen dem Pflegepersonal fand ein reger fachlicher Austausch statt.

Jahre später - während der Arbeit in meinem ambulanten Pflegedienst - mussten wir diese Maßnahme nochmals ergreifen, weil einzelne Mitarbeiter sich nicht mehr von ihren Patienten abgrenzen konnten und das Verhältnis zu innig wurde.

Danach sind wir wieder zur festen Zuordnung zurückgekehrt, nur am Wochenende oder im Urlaub werden andere Pflegekräfte eingesetzt.

Ist mit den heutigen Personalressourcen in der stationären (Alten-)Pflege eine Bezugspflege überhaupt noch möglich?
Gruß
Valentina
 
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Krankenschwester/TQM-Auditorin
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solojess

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Hallo,
rotieren, nein das wollen wir nicht, wer versorgt denn dann UNSERE Bewohner, die sind doch an mich gewöhnt etc..... das sind Aussagenn die kenne ich nur zugut von meinen Kollegen.
Aber...........
Gerade in Krankheits/ Urlaubszeiten oder sonstigen Engpässen ist das einfach nicht anders machbar.
Ich habe verschieden Mitarbeiter bei mir im Haus, die kann ich ohne weiteres auf jeden Wohnbereich einsetzen, denn die machen das schon eine ganze Weile so und haben damit kein Problem.
Bei diesen Mitarbeitern ist mir zum Beispiel sehr stark bei Personalfeiern o.ä. aufgefallen, dass sie nicht diese typische Grüppchenbildung praktizieren, (jeder Wohnbereich sitzt extra, alle MA der Küche etc.) sondern dass sie Kontakt zu allen haben, das hat mich dann doch etwas nachdenklich gemacht.
Es ist immer schön wenn man von einem TEAM spricht, aber ich möchte dass bei uns Hause umsetzen, dass sich alle als ein TEAM sehen und nicht jeder WB für sich, denn dann fällt es nicht so schwer mal auf einem anderen Wohnbereich einspringen zu "müssen", obwohl ich in solchen Situationen dann immer zu m einen Kollegen sage "IHR DÜRFT" auf einem anderen WB aushelfen :wink:

Lg solojess
 
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Studium "Pflegemanagement"
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Biene123

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Hallo,
Also ich finde dass für den Bewohner sehr zum Nachteil ist wenn ständig die bezugsperson wechselt. Die sollen sich doch nicht so fühlen als ob sie im Krankenhaus sind. Es ist ihr Zuhause geworden. Möchtest du es gerne haben wenn bei dir ständig jemand anderer zu dir nach Hause kommen würde ?
Ich arbeite im ambulanten Bereich. Auch wir versuchen es dass möglichst immer die selbe Pflegekraft bei einem Patienten eingesetzt wird. Die wollen das auch so haben!
 
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Altenpflegerin /Wundexpertin
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double19

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Hallo Hannelore,

routieren finde ich schnell in stationären Einrichtungen. Die Bewohner sollen zu "ihren" Pflegekräften eine gute Beziehung aufbauen. Das passt das routieren überhaupt nicht. Bezugspflege wäre dann wohl eher nicht mehr möglich. Wenn man der Betirebsblindheit entgegentreten will oder frischen Wind erreichen will, sollte man andere Methoden nehmen. Hier bieten sich einheitlche Vorgehensweisen in gesamten Haus an, übergreifende Arbeitskreise, gegenseitige Pflegevisten und gemeinsame Teambesprechungen.

Gruß double
 
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selbstständig; Heimberater
Fachgebiet
Rheinland-Pfalz
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Manu5959

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Hallo,

Die Bewohner sollen zu "ihren" Pflegekräften eine gute Beziehung aufbauen. Das passt das routieren überhaupt nicht. Bezugspflege wäre dann wohl eher nicht mehr möglich. Wenn man der Betirebsblindheit entgegentreten will oder frischen Wind erreichen will, sollte man andere Methoden nehmen. Hier bieten sich einheitlche Vorgehensweisen in gesamten Haus an, übergreifende Arbeitskreise, gegenseitige Pflegevisten und gemeinsame Teambesprechungen.
Gruß double
:applaus: :applaus: :applaus: Volle zustimmung meinerseits!

Grüßle Manu
 
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Altenheim
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dieKathi

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Hallo miteinander,

also, ich denke, es kommt stark darauf an, wie groß die Einrichtung ist und wieviele Bewohner es dort gibt.
Wir haben z.B. 24 Wohnheimplätze, von denen 22 ständig belegt sind, zwei sind Kurzzeitplätze.
Wir arbeiten in zwei Gruppen, d.h. in zwei Teams.
Doch es gibt ein paar MA (ich gehöre dazu), die sich in beiden Gruppen auskennen, dort eingearbeitet sind und deshalb flexibel eingesetzt werden können.
Das ist besonders in Urlaubs- und Krankheitsfällen sehr hilfreich und manchmal ist die Dienstabdeckung schier nicht anders möglich.
Dadurch, dass wir an den Wochenenden, wenn etliche Bewohner bei ihren Angehörigen zu Hause sind, sowieso gruppenübergreifend arbeiten, sind viele Bewohner auch an alle MA gewöhnt.

Wir haben allerdings auch schon festgestellt, dass es in Zeiten zu hoher Fluktuation (viele Krankheitsausfälle, Wechsel einiger MA) zu Unruhe auf einer Gruppe gekommen ist und die Bewohner darauf reagiert haben, dass sie keine festen Bezugspersonen mehr hatten. (Verstärkter Rückzug, Aggression, "austesten"...)

Es hat also durchaus zwei Seiten, die man gegeneinander abwägen muss. Alles in Maßen und behutsam, dann, so denke ich, können im Idealfall alle Interessen gewahrt bleiben.
 
Qualifikation
Wohnheimbetreuerin / Krankenschwester
Fachgebiet
Behindertenwohnheim
double19

double19

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Hallo Manu,

danke für die Zustimmung. :rotwerd:

Gruß Markus
 
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selbstständig; Heimberater
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Rheinland-Pfalz
Vaiolenz

Vaiolenz

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Hallo, katze!
So eine Rotation hat sicher seine Vor,- und Nachteile, im besondern, wenn man nicht Pezugzpflege praktiziert.
Mit Sicherheit ist es höchst interessant, mal auf andere Bereiche zu schauen, man kann immer etwas für sich mitnehmen, wenn man es geschickt anstellt.
"Frischer Wind" hingegen riecht jedoch nach freilig revolutionären Werten und Vorstellungen. An rotierenden Formaten sind bereits die Grünen, um einmal einen Exkurs zu unternehmen, hie und da gescheitert. Hier stelle ich mir ergo folgende Fragen:
1. Was möchte ich mit der Rotation erreichen?
2. Wen erreiche ich damit?
3. Kann ich dabei festgefahrene Strukturen aufbrechen, oder bleibt alles beim alten?
4. Was hält mein Klientel von solchen Verfahren?
5. Kann Bezugzpflege so gewährleistet bleiben?
6. Was will mein Vorgesetzter damit erreichen? Pflege hat etwas sehr intimes, warum muß sich das Klientel auf "neues Personal" einschießen? Sollen etwa keine "Gruppierungen" seitens des Personals entstehen? Meine alte Chefin sagte einmal: "wenn sich das Personal gut versteht, ist das nicht gut für das Geschäft".......... Konkurrenz belebt eben dieses.
7. Erkenne ich nach einer gewissen Einarbeitungszeit überhaupt die Bedürfnisse meines Klientels?
Klar, die Vorteile könnten auch hier überwiegen, aber es ist ein so komplexes Thema, dass man auch wieder nur individuell entscheiden kann.

Liebe Grüße und alles Gute Euch allen,
Euer Jens.
 
Qualifikation
Altenpfleger, Pflegeexperte Wachkoma, PA, Hygiene
Fachgebiet
24- Stunden Heimbeatmung
Weiterbildungen
Ich würde mich auf eine Fachweiterbildung in Palliative Care freuen. Und das schon seit nunmehr sechs Jahren. Ich pack das..........!
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