Rein in die Klinik - raus aus der Klinik - rein ...

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Teetrinkerin

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Hallo!

Nachdem mein Schwager (an anderer Stelle berichtet) sich vor vier Wochen das Leben genommen hat, geht es meiner krebskranken Schwiegermutter immer schlechter.
Sie musste kurz nach der Hiobsbotschaft in die Klinik - Exikose, Gastritis, schlechter AZ - hat sich aber selbst entlassen und hält sich nur sporadisch an die Empfehlungen der Ärzte. Nach nicht mal einer Woche kam sie wieder als Notfall in die Klinik, aus im Grunde ähnlichem Anlass. Dieses Mal hat sie sich wieder entlassen, blieb aber etwas länger drin.
Sie kann in den Aufenthalten zuhause so gut wie nichts essen, trinkt vielleicht einen halben Liter täglich. Nach der letzten Entlassung konnte ich den Arztbrief lesen und mir ist das Herz in die Füsse gerutscht. Hepatische, pulmonale, ossäre und cutane Metastasen, ein neuer Herd im Os sphenoidale, noch keine cerebrale Beteiligung. Die Medikation besteht aus Oxycodon, Bendronat, Pantozol, Vomex und MCP. Ich denke nicht, dass sie diese Medikamente besonders regelmässig einnimmt und befürchte, dass sie schon bald wieder in die Klinik muss. Sie ist jetzt eine Woche draußen, sieht immer schlimmer aus und gestern lag sie so still da, dass ich dachte, sie wäre plötzlich gestorben.
Nun aber meine Frage.
Ist es für eine Klinik in Ordnung, wenn ein Patient wiederholt eingeliefert wird und sich selbst entlässt? Auf eine Pallistation oder in ein Hospiz will sie nicht und dieses Muster wird sich vermutlich fortsetzen, bis sie im KH oder zuhause stirbt. Ich hab mich am Anfang sehr darüber aufgeregt, inzwischen denke ich, sie hat Angst, war immer sehr selbstbestimmt und wir (die Familie) fürchten langsam, dass das Krankenhaus vielleicht mal Ärger machen könnte, von wegen rein und raus und rein und ....
Wobei ich noch sagen muss, dass sie immer in die Uniklinik kam, die kennen sie halt auch.
Beim ersten Aufenthalt war auch ein KH-Sozialarbeiter da und wollte beraten, leider wurde der recht rüde rausgeschickt, aber so ist sie halt und erziehen wird sie keiner mehr.
Könnt ihr mir sagen, wie das im Stationsalltag gehandhabt wird?
Vielen Dank im Voraus!
 
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Pflegehenner

Pflegehenner

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AW: Rein in die Klinik - raus aus der Klinik - rein ...

Also ablehnen darf die Klinik sie nicht. So wie ich es verstanden habe kommt sie ja wenn, dann sowieso als Notfall rein.. Da geht ablehnen schonmal garnicht..
 
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Napster

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AW: Rein in die Klinik - raus aus der Klinik - rein ...

Hallo,

Eine ganz schwierige Situation !

Aber wie schon Pflegehenner schrieb, ablehnen wird die Klinik die Aufnahme nicht, gleichgültig, ob die Aufnahme notfallmäßig oder regulär notwendig wird. Es kann passieren, das Ihr als nächste Angehörige vom Stationspersonal schief angeschaut werdet, aufgrund der vielen Ein- und wieder Auszüge ... aber sie können Euch nichts. Und sie werden Euch auch nichts !

Planen wir im Stationsbetrieb die Entlassung eines 'kritischen' Patienten, geschieht dies berufsgruppenübergreifend. Alle sind mit im Boot : ärztliche Schiene, Sozialdienst, Psychoonkologie, Stationspflegedienst, Palliativstützpunkt, weiterbetreunde Institutionen (ambulante Pflegedienste, HomeCare u.ä.), immer mit der Option auf stationäre Betreuung im Akut- oder Krisenfall.
Zunächst werden wir zu diesem Thema mit dem Patienten allein sprechen, in einem Folgegespräch holen wir uns die nächsten Angehörigen hinzu. Ziel ist immer, für alle Beteiligten eine erträgliche Lösung zu finden und Voraussetzungen zu schaffen, daß die noch verbleibende Zeit so angenehm wie nur irgend möglich verläuft.

Grüße !
Napster
 
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Arbeitsgruppe Onkologische Fachpflege
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Teetrinkerin

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AW: Rein in die Klinik - raus aus der Klinik - rein ...

Wir waren dabei, als sie sich das erste Mal aus der Uni entlassen hat. Die Ärztin war ruhig und sachlich. Aber ich konnte Kollegen vom Pflegepersonal vor dem Zimmer reden hören (wollte Kaffee holen) und die gingen da scheinbar schon mit verdrehten Augen ins Zimmer! Naja, so richtig verdenken kann ich es ihnen nicht, Schwiegermutter ist nicht einfach.
Aber es beruhigt mich schon ein wenig, dass man sie nicht aus diesem Grund abweisen kann, kooperativ ist ja auch nicht besonders.
Damals war auch ein Sozialarbeiter dabei und irgendeine Beraterin, die waren echt freundlich, aber es wurde von Schwiegermutter und Ehemann alles abgeblockt, die lassen keinen Fremden in die Bude.
Könntest du vielleicht aus deiner Erfahrung und nach den oben genannten Diagnosen vielleicht sagen, ob das noch sehr lange dauern kann? Die Erstdiagnose ist erst knapp 1,5 Jahre her.
Manchmal habe ich das Gefühl, sie hat jeglichen Kampf seit dem Tod meines Schwagers aufgegeben. Wir beiden mochten uns nicht so arg gerne, aber jetzt tut sie mir nur noch unendlich von Herzen leid.
LG
Gabi
 
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Kalorie

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AW: Rein in die Klinik - raus aus der Klinik - rein ...

Teetrinkerin, Ihr habt wohl einen schweren Weg vor Euch; am schwersten hat es Deine Schwiegermutter, das darfst und wirst Du wohl auch nicht vergessen, wenn Du schreibst, dass sie Dir unendlich von Herzen leid tut. Wenn sie generell nicht ins Krankenhaus will bzw. nach kurzer Zeit wieder geht, versucht es doch einmal mit einem SAPV-Team zu Hause. Vielleicht akzeptiert sie in gewohnter Umgebung Ratschläge von Fachleuten eher... Du weißt sicher, dass Schmerzmittel dieser Art, wie sie Deine Schwiegermutter nimmt, regelmäßig genommen werden müssen, nicht nur, wenn die Schmerzen mal ganz arg sind. Die ambulanten Palliativkräfte können eine Menge tun für jemanden, der mir todkrank zu sein scheint. Vielleicht braucht sie dazu auch spirituelle oder religiöse Hilfe, das werdet Ihr am besten beurteilen können. Weiß sie denn, wie krank sie ist, weiß sie, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird? Das ist wohl eine entscheidende Frage, von der ganz viel abhängt. Ich wünsche Euch Kraft, Liebe und Geduld LG
 
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Pflegeheim
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