Arbeitsrecht Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

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Alraune

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05.02.2010
53844
Hallo Zusammen,
1 )weiß jemand wo ich eine Übersicht oder ein Organigramm finde von dem ich pflegerische Entscheidungen rechtssicher ableiten kann.

Also wo Recht auf Selbsstbestimmung, Fürsorgepflicht, Vorgaben der Heimaufsicht, Heimvertrag, Kostenträger, Arzneimittelgesetz, Richtlinien, Pflegestandards, Angehörigenwunsch, ärztlicher Verordnungen.....z. B in einem Entscheidungsbaum aufgeführt sind ?

Auf welche Vorschriften bezieht sich die Heimaufsicht beim Entscheidungsspielraum der Pflege? Wo liegt in einem Heim die Grenze , wann ist eine Maßnahme als pflegerisch zu bewerten, wann brauche ich eine ärztliche Anordnung.

Ich tu mich etwas schwer damit, dass es beispielsweise ok ist einem Bewohner der unter HUsten leidet eine Zigarette anzubieten aber beim Hustentee in die Grauzone gerate


2.
Im Netz, Zeitschriften usw finden Mitarbeiter immer mal wieder Empfehlungen die sie gerne bei unseren Bewohnern anwenden möchten
z. B .
irgendwer hat im Internet angeblich auf einer medizinischen Seite gelesen, dass man zur Säuberung des Gehörgangs den Duschstrahl ins Ohr halten kann. Fachlich fällt mir da eine Menge ein da brauche ich keine Argumentationshilfe aber nach welcher Regel kann ich eine Quelle als relevant für unsere Arbeit aufgreifen und eine andere nicht, auch unter dem Gesichtspunkt der Haftung.

3)Wie kann ich Nichtpflegefachkräften die Notwendigkeit pflegerischer Konzepte in einfachen Argumentationsketten schmackhaft machen
 
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Krankenschwester
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Wohnheim Eingliederungshilfe
A

Alraune

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05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Guten Morgen,
ich möchte noch eine Erklärung nachschieben.
Ich habe mit einer Kollegin die Pflegerische Fachaufsicht in einem Heim der Behindertenhilfe, welches nicht als Pflegeheim läuft sondern ein pädagogisches Konzept hat.
Fast alle Bewohner sind schwer bis schwerst Körper und Mehrfach behindert und haben einen sehr hohen pflegerischen Unterstützungsbedarf.

Den Mitarbeitern liegt das Wohl der Bewohner sehr am Herzen , aber es sind überwiegend keine Pflegefachkräfte . Es gibt keine pflegerischen Konzepte, keine PDL, keine Pflegeplanung sondern langjährige Erfahrungen und einen super Personalschlüssel. Manche Bewohner werden seit über 20 JAhren von den selben Mitarbeitern gepflegt. Die Bewohner werden älter, die Pflegeprobleme nehmen zu und wenn jemand zusätzlich zu seiner Behinderung noch krank wird hakt es ganz beträchtlich.
 
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Krankenschwester
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Wohnheim Eingliederungshilfe
F

Freiberufler73

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02.02.2010
29633
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid,
wenn Eure Einrichtung primär sozialpädagogisch ausgerichtet ist,dann spielt doch die Pflege nur eine Nebenrolle und Ihr unterliegt nicht dem ganzen Vorgabenwust des MDK oder des Heimgesetzes.
Oder ? Somit bräuchtest Du Dir doch gar nicht diese Gedanken machen,denn ein Wohnheim für mehrfach geistig und körperlich Behinderte ist doch kein Pflegeheim ! Oder habt Ihr auch MDK-Kontrollen und sowas ? LG Sibille
 
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Krankenschwester
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid, ganz schnell fällt mir da ein, dass Du einfach mal bei der Heimaufsicht nachfragst.
Das Heimgesetz hilft auch schon weiter, denn da steht einiges drin, was auch Ihr "leisten" müsst.
:smile:Wasserfrau
 
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Krankenschwester
A

Alraune

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05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Sibille,
mit dem MDK haben wir nichts zu tun oder nur gelegentlich bei Hilfsmittelbewilligungen . Wir werden von der Heimaufsicht kontrolliert und von denen ist z.B beanstandet worden, wenn ein Bewohner einen normalen Kamillentee aus dem Supermarkt bekommt . ( ärztliche Anodnung nötig )
Du hast Recht, es läuft als Wohnheim . Unsere Bewohner können sich in der Regel nicht sprachlich äußern, Kontrakturen, Skoliosen, Spastiken, Inkontinenz, Athetosen, neurogene DArmentleerungsstörungen,Autoaggressives Verhalten....werden mit zunehmendem Alter aber nicht besser und ich würde eine stärkere Gewichtung einer fachlichen Pflege gerne einleiten ohne den wirklich engagierten Mitarbeitern besserwisserisch zu kommen.
 
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Krankenschwester
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Wohnheim Eingliederungshilfe
T

thorstein

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14.03.2008
85221
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid,

in der Behindertenpflege gibt es ein deutlich breiteres Spektrum an Fachkräften, weil sich hier Pädagogik und Pflege vermischt. Wenn eine Krankenschwester einer Erzieherin in der Pflege unterweist, und umgekehrt von der Erzieherin pädagogische Ansätze vermittelt bekommt, wäre das nicht die ideale Verbindung. Als Krankenschwester hast du andere Kompetenzen und die solltest du wohl auch einbringen dürfen. Besserwisserisch wäre es doch nur, wenn deine KollegInnen dein Wissen ablehnen oder du ein Vermitllungsproblem hast.

Grüsse
 
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Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
P

Paddy

AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid,

Euer Problem ist das neue Wohn- und Teilhabegesetz, welches das Heimgesetz abgelöst hat. Nach dem neuen WTG fallen alle Einrichtungen unter dieses Gesetz, wo mehr als 8 Personen versorgt werden und/oder die Kooperation zwischen Bauträger und Betreiber vermutet werden kann. NAch den Änderungen zur Begrifflichkeit der Pflegebedürftigkeit, fallen auch solche Einrichtungen wie Deine unter das SGB XI.

Kurzfassung: Ihr müsst alle Anforderungen eines Heimes erfüllen!!!

LG Paddy
 
F

Freiberufler73

Gesperrter Benutzeraccount
02.02.2010
29633
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Paddy,
also laut d e j u r e . o r g gibts kein "Wohn-und Teilhabegesetz",welches das Heimgesetz abgelöst haben soll :nono::ermm::sad:. Und die sind eigentlich mit allen gesetzlichen Neuerungen immer top aktuell.
 
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Krankenschwester
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Freiberuflerin
P

Paddy

AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Na, dass ist schlecht. Denn es gilt bereits seit dem 01.01.2009.
 
F

Freiberufler73

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02.02.2010
29633
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Paddy,
mag sein,daß das ne länderinterne Gesetzgebung ist,denn diese Seite führt glaub ich "nur" die bundeseinheitlichen Gesetze. Kann das sein ?? Wär nicht schlecht,sich mal danach zu erkundigen oder ?? LG Sibille

Nachtrag : Das "Wohn-und Teilhabegesetz",ist bis jetzt nur in NRW gültig !!!
 
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Krankenschwester
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Freiberuflerin
Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Ich habe auch nur NRW gefunden.
Habe das Inhaltsverzeichnis mal überflogen. Es soll eine grössere Rechtssicherheit und Transparenz für die Bewohner,weniger Bürokratie, nur unangemeldete Kontrollen geben.
Es wird alles präziser, aber nicht ausgehebelt.
Die entsprechenden Kontrollorgane bleiben natürlich auch.
Möcht nur wissen, was die vorher da bei Astrid kontrolliert haben, denn die Sache mit Pflegeplanungen, Förder- und Hilfeplänen gibt es auch im Heimgesetz.
:wassat:Wasserfrau
 
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Krankenschwester
A

Alraune

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05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo,
danke für eure Antworten.
Bei uns findet das Wohn- und Teilhabegesetz Anwendung.http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/XMMGVB0834.pdf?von=738&bis=751 Ich finde da nur, dass eine angemessene Anzahl von Fachkräften vorgehalten werden muss. Von Pflegeplanung finde ich da nichts. Ich wäre auch schon mit einer fachlich reflektierten Pflege zufrieden.
Die personelle Besetzung ist auch entsprechend. Bis auf eine Gruppe hat auch jede Gruppe eine Pflegefachkraft.. In der Praxis machen aber alle das Gleiche im Gruppenalltag.Es gibt keine Pflegeplanung und keine pflegerischen Konzepte außer dem ein oder anderen Standard, da wir offiziell ein Wohnheim sind und auch nicht über die Pflegeversicherung finanziert werden. Es gibt Hilfepläne und Begleitplanungen, die den Pflegeplanungen sehr ähnlich sind aber eben überwiegend pädagogische Inhalte haben. Ich will das auch nicht schlechtreden, es läuft vieles gut und auch wenn ich jetzt gerade schimpfe ist es einer der besten Arbeitsplätze den ich je hatte.



Zur Zeit herrscht große Entrüstung weil sich die nicht pflegerisch ausgebildeten Kollegen 1*im Jahr einer theoretischen und praktischen Einweisung unterziehen müssen ( Grundpflege ,+ Pflegestandards Prophylaxen und teilweise Behandlungspflege (SPK und PEG)
Viele sind der Meinung, dass sie sehr kompetent pflegen weil sie schließlich die Bewohner seit Jahren kennen. Oft ist das auch der Fall. Aber jeder pflegt wie er meint.




In der Praxis sieht das dann aber manchmal so aus :
Die Gruppenmitarbeiter kommen auf uns zu und äußern beispielsweise den Wunsch nach einer Darmspiegelung. ( Extrmbeispiel aber wirklich so passiert)


Argumentation : x hat Verdauungsprobleme (in der Vergangenheit ärztlich abgeklärt worden, Befund chronische Obstipation) führt unregelmäßig ab und scheint wiederkehrend Schmerzen zu haben. Mitarbeiterin glaubt eine Verhärtung im Unterbauch getastet zu haben, deren Mann hatte das auch und der hatte damals …....


keine der geschilderten Beschwerden .waren dokumentiert, die Stuhlgangliste war nur gelegentlich geführt, meine Nachfrage inwieweit der Standard Obstipationsprophylaxe Anwendung findet, ergab, dass Weizenkleie verabreicht wird, (die nicht im Standard steht), der Bewohner zu wenig trinkt, wenig isst.


Mit meiner Konsequenz (in Kurzfassung, Dokumentation der Trinkmenge, Konsequentes Führen der Stuhlgangliste, + die machbaren Maßnahmen des Standards Obstipationsprophylaxe + erneute Thematisierung der Beschwerden bei der nächsten HA Visite.)anstelle des Mitarbeierwunsches nach Darmspiegelung habe ich mich auf der Beliebtheitsskala nicht gerade nach oben katapultiert.


Lagerungslisten bei beginnendem Dekubitus werden nicht konsequent geführt, Temperaturlisten bei fieberhaften Infekten auch nicht, dafür stößt auf Unverständnis wieso der innere Gehörgang nicht mit Wattestäbchen oder gar mit dem Duschschlauch gesäubert werden darf obwohl es auf irgendeiner Internetseite so steht, wieso auf Hautdefekte keine Farblösungen kommen , schon gar nicht in Eigenregie u.s.w..


Die Bewohner sind dort gut betreut- keine Frage- aber ich möchte dass sie auch fachlich fundiert gepflegt werden. .
Außerdem stehe ich als Fachaufsicht in einem gewissen Umfang auch für Pflegefehler gerade und die ganze Logistik hinsichtlich Arztbesuche, Medikamente, Therapien ,läuft über uns.
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Ich habe ja nun interessenhalber rumgegoogelt und natürlich auch dieses Gesetzblatt schon gefunden.
§ 7- Pflegeplanungen
Und hier: mind. 50% Fachkräfte, genau wie im Heimgesetz.
http://www.mags.nrw.de/08_PDF/003/Wohn-_und_Teilhabegesetz__-_die_wichtigsten_Neuerungen.pdf
Das wird noch ein grosses Stück, das zu bewältigen ist. Ihr fangt ja praktisch bei 0 an, bevor Ihr die Voraussetzungen erfüllt habt? Vor allem der Kampf gegen :
Das haben wir schon immer so gemacht.

:super::super::super:Wasserfrau
 
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Krankenschwester
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Alraune

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05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Wasserfrau,
jetzt habe ich es auch gefunden. Pflegeplanung steht ja tatsächlich drin, zwar unter anderem aber immerhin Danke. Obwohl es bestimmt ein Schlupfloch bzw Auslegungsspielraum gibt. Wir haben mehr als 50 Prozent Fachkräfte, aber eben pädagogische Fachkräfte.
"DAs haben wir schon immer so gemacht" ist in guter Gesellschaft von,"damit haben wir gute Erfahrungen gemacht", "das habe ich im Internet gelesen", "mein mann, meine Oma, mein Hausarzt sagt aber" " die Bewohner sind ja nicht krank sondern nur behindert" und das meiner Meinung nach oft vorgeschobene Selbstbestimmungsrecht der Bewohner, was ich durchaus ernst nehme , Ist aber auch bei einem fiebernden Bewohner einfacher zu sagen er"will nicht trinken "als ihm immer wieder was anzubieten bzw anzureichen . Er will sich nicht hinlegen um den Po zu entlasten als ihn dahingehend zu motivieren. Wobei ich ihm auch nichts aufzwingen will. Ist es noch Selbstbestimmung wenn einem Bewohner mit Magen DArm Infekt unaufgefordert ein Döner aus der Stadt mitgebracht wird.Einem Bewohner mit akuter Bronchitis eine Zigarette unaufgefordert angeboten wird

Mal weg von den hausinternen Problemen,



Zu den vorgaben der Heimaufsicht : keine Medikation ohne ärztliche Verordnung, soweit klar.

Was ist mit Bewohnerwünschen oder Elternwünschen nach Mundspülungen aus der Apotheke, Fenistil auf nem Sonnenbrand oder Insektenstich, Hausmitteln....
Was ist beim Yoghurt auf nem Sonnenbrand, nem Wickel mit Zusatz,Sportsalbe bei ner verspannten Schulte, Fencheltee bei Blähungen, ... alles nur mit ärztlicher Verordnung.

Da stehen die Interessen der Bewohner auf schnellstmögliche Symptomlinderung auch bei Befindlichkeitsstörungen ohne Krankheitswert doch im Gegensatz zur unbedingten ärztlichen Verordnung, die wenn überhaupt nur mit teils erheblicher Zeitverzögerung zu beschaffen ist.
Wo ist die Grenze zwischen Pflegemaßnahmen und ärztlichem Aufgabenbereich. Gibt es da eine zitierbare Quelle ?
Wo ist hier das Selbstbestimmungsrecht, wenn ein Bewohner eine Salbe aufgetragen haben will, für die keine Verordnung vorliegt.

Und andersherum, bei ärztlichen Verordnungen die an Pflegekräfte delegiert werden können . Die HAusärzte sind ja nicht meine Vorgesetzten oder weisungsberechtigt, wie ist denn da die Rechtslage in einem Wohnheim .

Fragen über fragen
 
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Wohnheim Eingliederungshilfe
Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Lade Dir das alles blos nicht auf, ist doch bestimmt nicht Deine Aufgabe. :nono:
Die Leitung bzw. der Betreiber sind dafür zuständig, :vertrag:§7!!!:tongue:
Der tägliche Wahnsinn wird noch genug Kraft kosten. Auch die Ärzte werden sich umstellen müssen. :keule:
Wenn Du dann noch Kraft und Laune hast, auf Suchfunktion gehen. Da wurden schon alle Themen behandelt, ausführlich und immer wieder. Oft auch mit Quellenangaben.
:neugier:Warum ist es der Heimaufsicht nicht eher eingefallen, ist doch keinen neue Einrichtung?
:thumbsup:Wasserfrau
 
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Freiberufler73

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02.02.2010
29633
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid,
ich habe mir dies "neue" Gesetz auch mal zu Gemüte geführt und kann mich Wasserfrau nur anschließen,auch,was Deine "Probleme" im Bezug zum Gesetz angeht :thumbsup2:thumbsup2. Irgendwie steht Ihr komplett am Anfang und irgendwie hat keiner ne Ahnung,wie und ob dieses Gesetz bei Euch umgesetzt werden soll,weil bei Euch,so scheints mir, die Kompetenzen nicht klar geregelt sind :ermm:. So,wie ich das verstanden hab,greift bei Euch in erster Linie das bundeseinheitliche Heimgesetz , da Ihr "behinderte" Menschen über einen "längeren Zeitraum" oder "dauerhaft" bei Euch wohnen habt,das ist ausschlaggebend und somit unterliegt Ihr der Heimaufsicht. Was nun die pflegerische "Komponente" betrifft,wirds "schwammig" und so,wie ich das sehe,wirst Du die Fragen nach den Kompetenzen durch kein Gesetz geregelt finden :sad:.
 
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Krankenschwester
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Wie ich das sehe, ersetzt dieses WTG das Heimgesetz in NRW. Trifft folglich auf den gleichen Personenkreis zu. §4(2)
:flowers:Wasserfrau
 
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Krankenschwester
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Alraune

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05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Zusammen,
wir fallen unter das Wohn und Teilhabegesetz und es ist auch nicht neu, dass wir von der Heimaufsicht kontrolliert werden .Die Kontrollen ergaben überwiegend eine positive Rückmeldung
Neu ist nur die Auflage jährlich alle Mitarbeiter ohne pflegerische Ausbildung in Pflege einzuweisen. Bisher musste das jeder mal gemacht haben und fertig, es betraf dann nur noch neue Kollegen.
Jetzt fühlen sich viele auf den Schlips getreten weil sie sich jährlich theoretisch und praktisch einweisen lassen müssen.Da das niemand für nötig hält geht es an einem Ohr rein, am anderen raus, führt dazu dass von Nicht Pflegekräften Standards als veraltet für nicht gültig erklärt werden, wegen Formulierungsschwächen ( doppelte Verneinung )
Die Regelung im Wohn und teilhabegesetz für Pflegeplanung trifft auf uns nicht zu, weil wir ein Wohnheim sind. Ich habe heute nochmal gefragt.

Pflegekräfte waren bei der Gründung des Heimes nicht vorgesehen, kamen erst später dazu und haben konzeptuell noch keinen Raum, hatten anfang die Funktion den Pädagogen den Rücken freizuhalten.

Die Kompetenzen sind innerhalb des Hauses nicht klar geregelt. Offiziell sind meine Kollegin und ich in pflegerischen Angelegenheiten den anderen Mitarbeitern weisungsberechtigt. Es wird aber unterlaufen. Abgenickt und dann macht jeder weiter was er will. Es kommt oft vor das Gruppenmitarbeiter ein Rezept oder einen Arztbesuch in Auftrag geben und gerne hätten, dass wir das dann organisieren .Eine PDL gibt es nicht. In den Teams macht jeder alles, abgeshen von z. B. Klistieren. Die Pflegekräfte in den Teams haben keine eigenen Kompetenzen oder Funktionen, sondern passen sich den Teams an. Sie sind ja auch alleine.

Die Bewohner haben ihre HAusärzte die einmal im Quartal kommen. MAl wegen nem leichten Hautdefekt oder ner verspannten Schulter jemanden in die Praxis zu fahren, sofern sein Rolli überhaupt da passt und 2 Stunden später zurück zu kommen, die Zeit habe ich nicht. Für sowas macht auch keiner nen zusätzlichen Hausbesuch. Die Gruppenmitarbeiter ( ohne pflegerisches fachwissen ) schreien aber dass da eine Salbe drauf muss. Da sind die Konflikte vorprogrammiert.

Ein klares Schaubild, wer entscheidet was, wer haftet wofür, auf Grund welcher Verordnung. wo liegt die Grenze zwischen Selbstbestimmung und Fürsorgepflicht, Wie ist dei Verbindlichkeit von Standards, Gestzen, empfehlungen u.s.w. damit könnte ich in die Teams gehen und Zusammenhänge erläutern.

@Wasserfrau ich werde mit bestimmt keine Strukturreform aufhalsen und bin auch nicht pflegemissionarisch unterwegs. Der tägliche Wahnsinn reicht mir voll und ganz. Aber ich will , dass den pflegerischen Bedürfnissen der Bewohner fachlich begegnet wird und ich persönlich will mich nicht in der Defensive positionieren.
 
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Wohnheim Eingliederungshilfe
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thorstein

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14.03.2008
85221
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Astrid,

deine Fragen sind von recht grundsätzlicher Natur und auch nicht in ein paar Sätzen zu beantworten. Wieviel Zeit und Energie du hier investieren willst, weiss ich natürlich nicht. Zum Thema Selbstbestimmung und totale Institutuion findest du hier eine interessante Diplomarbeit:

Totale Institution und seine Anwendbarkeit in der Soziologie

Die von dir beschriebenen Konflikte kann ich nachvollziehen, deine Argumentation ist aber kritisch. Sätze wie:Aber ich will , dass den pflegerischen Bedürfnissen der Bewohner fachlich begegnet wird und ich persönlich will mich nicht in der Defensive positionieren, bedeuten konkret, d.h im Arbeitsalltag was? Das kann auch als Totschalagargument wahrgenommen werden: ich bin hier die Krankenschwester und weiss, wo es lang geht.

Ich würde das als mittelfristiges Projekt angehen, versuchen, für pfegerelevante Themen zu sensibilsisieren, vielleicht kurze Fortbildungen anbieten, Verbündete suchen. Alles Schritt für Schritt. Tatsächlich überzeugen wirst du nur durch nachvollziehbare Erfolge. Ziel muss es sein, dass deine KollegInnen dich bei pflegerelevanten Fragen als Ansprechpartnerin verstehen und nicht als Bedrohung. Nicht alles, was ein Pflegehelfer irgendwo gehört oder gelesen hat, muss ja falsch sein. Zunächst immer versuchen, Dinge positiv zu verstärken.
 
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Nachtdienst
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Alraune

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Themenstarter/in
05.02.2010
53844
AW: Rechtssicherheit Pflegemaßnahmen

Hallo Thorstein,
danke für deine Hinweise und den link.
Bezüglich meiner Formulierung magst du Recht haben .Kommen ein bisschen bockig rüber. Sie beziehen sich aber auf einen bestimmten Kontext und in dem stimmen sie auch wenn ich das hätte diplomatischer ausdrücken können.

Es handelt sich nicht um Pflegehelfer. Es sind überwiegend Erzieher und HEPs die im Umgang mit den Bewohnern und deren Lebensgestaltung eine gute Arbeit leisten und den Bewohnern sehr verbunden sind. Deren pflegerische Kompetenz ist aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Mitarbeiter, einer sogar ohne Ausbildung die stecken locker so manche Pflegefachkraft hinsichtlich des bewohnerrelevanten pflegerischen Wissens in die Tasche. Es gibt aber auch andere. Und wir haben nunmal die Fachaufsicht und damit den Auftrag die Gefahr von Pflegefehlern klein zu halten.

Mir liegt einer guten Kooperation zwischen den Berufsgruppen und nicht an Grabenkämpfen. Auch steht das Wohl der Bewohner im Vordergrund und nicht das Interesse der jeweiligen Berufsgruppe. Schon klar.
Aber wenn ein Gruppenteam beschließt, ein Bewohner müsse sich einer Darmspiegelung unterziehen, um bei dem Beispiel zu bleiben , will ich mich nicht rechtfertigen müssen, warum ich nicht sofort einen Termin beim Gastroentrologe mache ( das meine ich mit Defensive)sondern erstmal hinterfrage, welche Beschwerden er zeigt, wie lange diese bestehen, wie sind seine Ernährungs und Trinkgewohnheiten, wann hat er abgeführt.....und dann ggf ins Gespräch mit dem behandelnden Arzt gehe.

Ich kann auch eine Lampe anschließen. Wenn ich aber am Arbeitsplatz ein Problem mit der Elektrik feststelle, schilder ich meine Beobachtung dem Elektriker. Ich schreibe ihm aber nicht vor, welches Kabel oder welche Sicherung er austauschen soll oder was ich in einem Baumarktprospekt gelesen habe, denn das ist sein Kompetenzbereich und er muss es verantworten . DA sind die Kompetenzen und Haftungen klar geregelt.Und wenn er sagt, dass es nicht zulässig ist 10 Geräte mit Mehrfachsteckdosen an eine Steckdose anzuschließen, wird ihm keiner den Auftrag erteilen eine Mehrfachsteckdose anzubringen um ein weiteres Gerät anzuschließen und wenn es 100 mal jahrelang gut gegangen ist.

Dein Hinweis auf das Gefühl der Bedrohung ist sehr hilfreich, da könnte was dran sein. Als das Haus gegründet wurde, hatte man keine Notwendigkeit für die Integration pflegerischer Konzepte gesehen ,es gab auch keine Pflegekräfte, die Bewohner waren ja nicht krank . Es gibt noch etliche Mitarbeiter dieser ersten Zeiten die damals alles entschieden und gemacht haben und jetzt jährliche Einweisungen mitmachen müssen. DAs kann schon kränken.
Danke für die Gedankenanstöße
AStrid
 
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Krankenschwester
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Wohnheim Eingliederungshilfe
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