Reanimation in der Altenpflege

HBR69

HBR69

Aktives Mitglied
Basis-Konto
5
58644
0
Hallo Josephine,

ein sehr guter Beitrag, der die ganze Vielfälltigkeit dieses Themas zeigt!:thumbsup2:

Ich glaube euch sofort, dass die ganze Sache mit Verfügungen und der Umgang mit Anghörigen oft eine sehr komplizierte Angelgenheit sein kann. Vieleicht stelle ich mir zu Unrecht vor (oder auch zu naiv), dass es in einem Altenheim "besser" (mir fällt jetzt kein besserer Ausdruck ein) "funktioniert" über so entscheidene Sachen zu reden wie das Sterben und die Art zu sterben als im KH. Bei Einlieferung eines reanimierten und beatmeten Patienten kennen wir weder Vorgeschichte noch Einstellungen der Familie zum Thema: Lebensverlängernde Maßnahmen.
Die Frage nach weiteren Maßnahmen (Katecholamine, Dialyse, nochmalige Reanimation bei Verschlechterung) wird sehr schnell gestellt.
Ich stelle mir nun (mit wenigen Kenntnissen der Arbeit in einem Altenheim) vor, dass diese Fragen einfacher (auch mit besserer Einschätzung der Familienverhältnissen, "maligne Anghörige" ) besser voher geklärt werden. Wir müssen Angehörige immer wieder vor die Wahl stellen: Was sollen wir weiterhin tun? Diese Frage überfordert viele Familienangehörige. Sie können keine Entscheidung innerhalb von wenigen Stunden treffen. (zumal eine Familie oft aus zwei "Lagern" besteht) Wir müssen oft in kürzester Zeit Betreuungen einrichten wo mir manchmal sehr "flau" im Magen wird. Ist dies nun die richtige Betreuung?? Wir kennen niemanden! Das ist unser großese Problem. Und somit werden die wichtigen Entscheidungen über Leben oder Tod aus den Altenheimen in die KH geschoben. Das kann, meiner Meinung nach, nicht im Sinne der alten Menschen sein.:blushing:

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
J

josephine

Aktives Mitglied
Basis-Konto
3
München
0
Hi Heike,

danke!:flowers:

Ich denke, Du siehst dass schon richtig. In der Regel kennen wir unsere Bewohner, haben Kontakt mit den Angehörigen und sind sicher häufig in so gutem Kontakt, dass eine Beratung Sinn macht.
Die beiden "Angehörigen-Lager".... Das kenne ich leider nur all zu gut!

Ein Problem ist auch, dass eben "vorher" viele Menschen nicht "darüber" nachdenken und reden wollen. Das wurde hier ja auch schon mehrfach festgestellt.

Was ich schon erlebt habe, ist dass die Angehörigen kommen und erzählen, wie es dem Bewohner im KH geht und in der Situation dann um unsere Einschätzung und um Rat fragen. Vielleicht ist es bei euch in einigen Situationen möglich, einfach ein Gespräch mit den Kollegen im Pflegeheim zu empfehlen. Manchmal kann das entlasten.

Fakt bleibt: Im Altenheim steht die Pflegekraft häufig alleine da und muss eben entscheiden denn Arzt ist da einfach keiner und eine 2. Fachkraft meistens auch nicht.
Ich versuche aus solchen Situationen "aufrecht" herauszukommen. Wenn mich irgendwann jemand meint wg. unterlassener Hilfeleistung anzeigen zu müssen, dann kann ich nur hoffen, dass ich auch in der betreffenden Situation mit meinem Gewissen im Reinen bin.

Übrigens: Ich bin tatsächlich der Ansicht, dass ich im Vergleich zu Kollegen in der Notfall- und Intensivpflege die angenehmere und leichtere Position habe, eben weil ich "meine Bewohner" kenne. leider ist diese Situation derzeit im Wandel begriffen.

LG,
J
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Palliativ
Weiterbildungen
PA, Palliative Care
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.

Ähnliche Themen