Psychogene Anfälle

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juttawa

juttawa

Mitglied
Basis-Konto
Wer hat Erfahrungen damit?

Zwei unserer Klientinnen haben bis zu mehrmals täglich psychogene Anfälle und lassen sich nur mit Ammoniak-Ampulle oder/ und Tavor expedit wieder "wecken".

Für uns als ambulanter psychiatrischer Dienst ist das nicht leicht, wir haben feste Telefonzeiten zusätzlich zu den Besuchsterminen vereinbart und wenn kein Rückruf erfolgt, fahren wir außerhalb der Termine zu der jeweiligen Person.

Gibt es noch andere ambulante Fachpflegedienste, die auch Klienten mit diesen Anfällen haben?

Beide Klienten haben PTB und dissoziieren.

LG von Jutta
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester Psychiatrie
Fachgebiet
psychiatrischer Fachpflegedienst
M

MiChung

Hi Jutta,
mit den psychogenen Anfällen ist es so eine Sache.. per "Ferndiagnose" ist es schwierig dazu etwas zu sagen.
Bedenklich finde ich jedoch die Frequenz (mehrfach tgl.) in Verbindung mit Tavor - welches ziemlich rasch abhängig machen kann. Bei Anhalten der Symptomatik würde ich eine stationäre Behandlung erwägen.

LG
 
A

André Rosellen

Mitglied
Basis-Konto
07.04.2002
41469
Hi Juttawa!

Gebe dem Vorredner Recht. Ferndiagnostisch lässt sich da schlecht etwas raten.

Wenn die Patientinnen beide PTBS haben und dissoziieren, wie unterscheidest Du denn ambulant zwischen einem "flashback - Erlebnis", einer sonstigen Dissoziation, einem psychogenen Anfall (heisst jetzt übrigens dissoziativer Anfall) und einem epileptischen Anfall aus der petit-mal-Serie (z. B. Absencen) oder auch Dämmerattacken (nicht Dämmerzustände)?

Wenn dies so unklar ist, sollte es diagnostisch evtl stationär abgeklärt werden, weil die einzelnen Ursachen für dieses klinisch evtl. sehr ähnliche Bild ganz verschiedenartige therapeutische und pflegerische Interventionen benötigen.

Mit der Vorgeschichte PTBS und der Tatsache, dass diese Zustände sich mit Ammoniak (sollte übrigens 30% haben, bekommt man aber kaum) unterbrechen lassen, sprechen am ehesten für einen schweren dissoziativen Zustand. Mit Tavor kann man sicher auch psychogene Anfälle unterbrechen, evtl sogar "echte" petit-mal-Anfälle.

Habe im Frühjahr eine Fortbildung über die Differenzierung von psychogenen versus epileptischen Anfällen mitgemacht. Glaubt man dem Neuro-Prof, so kann man diese beiden Anfallsarten nur durch gleichzeitiges EEG - Ableiten und Videoaufnahmen während des Anfalles mit einer relativ hohen Treffsicherheit unterscheiden, was in Epilepsie - Zentren erfolgen kann.

Vielleicht gibt ja die Vorgeschichte etwas her?

Lieben Gruß



André

A. St. Exuperie: Das wesentliche ist unsichtbar
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
H

haduloha

Mitglied
Basis-Konto
04.01.2007
21745
Moin Jutta,

die beiden haben euch ja ganz schön im Griff...

Tavor mehrmals täglich - naja da sehe nur das Problem, dass die "Anfälle" zum zielgerichteten Handeln werden könnten.
Ansonsten ist das Zeug längst nicht so "böse" wie man es mir seinerzeit klinisch weiß machen wollte.

Ich stimme Andre zu, es gibt halt Störungen die stationär zumindest abgeklärt werden müssen.
Wir begleiten viele Patienten hochfrequent ambulant als Krankenhaus ersetzende Behandlung, wobei ein Mindestmaß an Compliance einfach erforderlich ist um wirksam sein zu können.

Denk' dran "Verhandeln statt behandeln" gilt als elementarer Grundsatz in der APP - Wie weit verbiegt ihr euch um dargestellte Bedürfnisse zu befriedigen? Und wie weit seid ihr da noch im vereinbarten setting?

Was würde passieren, wenn ihr eure Termine festschreibt und auf die Anfälle nicht näher eingeht?
Keine zusätzlichen Anfahrten, kein "dem Patienten hinterherrennen", kein Raum in der pflegerischen Arbeit für solche Ereignisse (thematisch ausklammern)?

Von der Antwort auf diese Fragen würde ich es abhängig machen, ob ich ambulant weiter bedürfnissgerecht arbeiten kann oder ob eine stationäre Maßnahme angezeigt ist.

Ich würde das mit dem behandelnden Facharzt klären und dann mit ihm und dem Pateinten triangulieren.
Wenn ein Verhandeln nicht mehr möglich ist, dann muß man auch mal den betreffenden Menschen in seine Eigenverantwortung entlassen.

herzliche Grüße

haduloha
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Psychiatrie
Fachgebiet
ambulante psychiatrische Pflege
Weiterbildungen
BAPP - Vorstand und Regionalgruppe Nord
Christian27

Christian27

Neues Mitglied
Basis-Konto
07.02.2005
23554
Hi JuttaWa,
ich arbeite mit Klienten in einem sozialpsychiatrischen Wohnheim,die teilweise auch eine PTBS als Diagnose haben.Bei denen sind zeitweise auch dissoziative Zustände zu beobachten.Bei einer unserer Klientin wirkt in diesem Zustand Kälte (z.B. Coolpack,etc.),natürlich nur kurzzeitig!!!!
Eine andere Klientin kommt aus diesen Zuständen allerdings nur mit medikamentöser Unterstützung raus.Es gibt aber aus meiner Sicht kein Patentrezept für die Behandlung dieser Zustände.

MfG Christian
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie/Wohnbereichsleitung
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05.07.2001
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