Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

G

Gerhild

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

PIA sind die Psychiatrischen Institutsambulanzen, da ist alles in einem Therapeuten , Ärzte,stationäre und ambulante Behandlung.
 
benny34

benny34

Mitglied
Basis-Konto
102
Wiesbaden
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Ich klinke mich hier einfach mal ein, weils zum Thema passt.
Irgendwie dachte ich immer, sowas passiert mir nie: Zusammenbruch wegen des Jobs.
Vor 2 Jahren hatte ich so eine Phase, habe diese aber komplett falsch gedeutet und als Schwäche meinerseits ausgelegt. Durch AG-Wechsel dachte ich, das wird schon wieder.
Aber Pustekuchen!
Letzte Woche bin ich zum Doc und hab mich krank schreiben lassen.
Es geht im Moment gar nix mehr. Ich habe einen Leitungsjob, der mich nervlich an meine Grenzen bringt. Auich hier dachte ich: "Stell dich nicht so an...", aber geholfen hat es nicht.

Gemerkt habe ich es erst, als die Fehlerquote immer höher wurde:
- Dienstpläne mit Lücken, die ich nicht bemerkt hatte
- Medis bei der Nachkontrolle falsch zugeordnet (zum Glück noch bemerkt)
- keinerlei Konzentration mehr; ich wollte was machen und 2 Minuten später weiß ich es nicht mehr
- Privatleben geht komplett den Bach runter (Trennung vor 2 Jahren, danach immer mehr Isolation); ich habe keine Energie mehr, irgendwas zu unternehmen und sehe alles als "unnütz" an.

Das kennt ihr ja bestimmt auch.
Mein sehnlichster Wunsch im Moment ist: mal raus aus der Mühle, auch privat, und mehrere Wochen in eine Reha. Nur wie?
Termin beim Facharzt (Psychiatrie) kriegt man frühestens in 2 Monaten.
Ich hatte schon den gedanken, mich in der hiesigen Klinik selbst einzuweisen, um die Spirale zu unterbrechen.......

Wer hat Erfahrungen mit Reha? Wie ist der Ablauf bis zur Genehmigung?
Hilft es, selbst mit der KK in Kontakt zu treten? Kann der Hausarzt einen bis zu einem etwaigen Termin weiter krankschreiben (meiner signalisiert mir unterschwellig, mehr als 1 Woche könne er nicht krank schreiben...)
 
Qualifikation
Altenpfleger;Fachkrankenpflege Neurologie/Geriatrie
Fachgebiet
Früh-Reha (B,C)
S

stern3007

Aktives Mitglied
Basis-Konto
41
Köln
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Zuerst einmal benötigst du Geduld. Auf die Schnelle geht garnix und das ist auch gut so.
Lasse dich erst einmal krank schreiben und versuche, möglichst bald einen Termin beim Psychiater zu bekommen. Eine Wartezeit von 2 Monaten ist noch richtig gut. Gönne dir Ruhe. Wenn du einen guten Hausarzt hast, spielt er mit und hält dir mit einer AU erst einmal den Rücken frei.

Fakt ist, dass solche Burnout Geschichten nicht mal eben so mit 3-4- Wochen AU behoben werden können. Nach 6 Wochen gibt es Krankengeld.

Eine Reha wird anicht mal eben so gemacht. Man muß dies benatragen. Die Krankenkassen lehnen gerne ab. Vermutlich wird als Kostenträger eh die rentenversicherung greifen müssen, aber auch ie lehnen gerne ab. Dann muß die richtige Rehaklinik gefunden werden. Wenn dich dein HA nicht mit Krankmeldung untrstützen soll, sollte er dir zeitnah einen Termin beim Psychiater besorgen.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
G

Gerhild

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Mein Weg war:
Krankschreibung HA,( ansonsten geht nur SelbsteinweisungKlinik) ewiges telefonieren wg. Psychiater o. Psychotherapie, dann kam die Ideemit der PIA,( vor der Reha kommt erst ambulante Behandlung ) von dort 12 WochenTagesklinik. Der HA besorgt keinen Termin beim Psychiater, aber die KK hat bei mirmit geholfen.
 
benny34

benny34

Mitglied
Basis-Konto
102
Wiesbaden
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Mein Weg war:
Krankschreibung HA,( ansonsten geht nur SelbsteinweisungKlinik) ewiges telefonieren wg. Psychiater o. Psychotherapie, dann kam die Ideemit der PIA,( vor der Reha kommt erst ambulante Behandlung ) von dort 12 WochenTagesklinik. Der HA besorgt keinen Termin beim Psychiater, aber die KK hat bei mirmit geholfen.
Bei der KK wollte ich eh heute anrufen. Ewiges rumtelefonieren - mache ich gerade....sehr frustrierend..
 
Qualifikation
Altenpfleger;Fachkrankenpflege Neurologie/Geriatrie
Fachgebiet
Früh-Reha (B,C)
E

Ehemalige

Mitglied
Basis-Konto
0
8600
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Hallo,

ja, die Offenlegung ist ein heikles Thema! Verallgemeinern kann man es nicht, ob man es grundsätzlich offenlegen soll oder nicht. Habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Bei meinem früheren AG hätte ich es wohl nicht öffentlich gemacht, da war es für mich besser die Konsequenzen zu ziehen und zu kündigen. An meiner aktuellen Arbeitsstelle wissen es 2/3 der Belegschaft (bei 6 Personen) und reagieren sehr gut!

Ich denke, der AG, bei dem ich nur 5 Wochen war, hätte auch gut reagiert, aber ich war noch nicht soweit und habe wegen Überforderung wieder gekündigt.

Ich bin auch heute noch nicht schlau, wie ich es im Bedarfsfalle halten würde. Da ich aber wohl nicht mehr in diese Situtation kommen werde (fester Arbeitsplatz) ist es eigentlich müssig, mir jetzt darüber Gedanken zu machen.
 
Qualifikation
dipl. Pflegefachfrau, HöFa 1, Ausbildnerin
Fachgebiet
Administration
T

Teetrinkerin

Aktives Mitglied
Basis-Konto
1
Frankfurt
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Hallo!
Ich habe nun knapp 10 Wochen psychosomatische Klinik hinter mir und möchte wieder ein bisschen was erzählen.
Ich habe mich grundsätzlich sehr wohl dort gefühlt. Diese sichere, wohlmeinente Umgebung hat mich aus meiner Depression so weit herausgeführt, dass ich während der Maßnahme nur wenig Symptome gezeigt habe, von inneren Unruhezuständen an den Wochenenden abgesehen. Und selbst dafür hatte ich eine Notfallnummer an der Hand, habe es doch immer wieder alleine geschafft - mit erworbenen Kenntnissen in den verschiedenen Therapien und dem Wissen, wenn ich nicht alleine zurecht komme, ist jemand für mich da.
Leider hatte ich zur Hälfte der Zeit einen Therapeutenwechsel, ich konnte im Grunde nochmal von vorne anfangen, es gab da zwar eine Übergabe, aber ich merkte mehrmals, dass die neue Therapeutin nicht vollständig informiert war. Ich musste wechseln, weil meine erste Therapeuten als leitende Oberärztin einen Privatpatienten betreuen musste, das fand ich nicht so toll, aber die andere war auch nett und außerdem konnte ich es eh´ nicht mehr ändern. Kassenpatientenschicksal eben.
Ich habe mich zu 100 gefühlten % in alle Angebote gestürzt und sehr viel mitgenommen, ich fühlte mich seit langer Zeit mal wieder richtig wohl.
Dann bekam mein Paradies die ersten Risse.
Immer mal wieder wurde mir in den Einzeltherapien gesagt, dass ich von dem Schmerzmittel runter muss, es sei nicht mehr zeitgemäß, dass somatische Schmerzen mit Opiaten behandelt würden. Meine Medikation war über die ganze Zeit Amitryptillin 75 mg zur Nacht und Valoron 50/4 morgens und abends eine Tablette. Es gäbe keinen Grund bei meinem körperlichen Befund, dass ich wirklich Schmerzen leide, die mit einem Opiat behandelt werden müssten. Man dachte daran, die Medikation auszuschleichen und ich sollte mir aussuchen, ob ich eher morgens oder abends auf die Pille verzichten könnte, ich wählte die Morgendosis, weil ich tagsüber in der Klinik bin und mir mit physikalischen Maßnahmen oder Bedarfsmedikament besser in der Lage wäre mir "Ersatz" für die Schmerzmedikation zu holen. Leider wurde diese Änderung nie in meiner Akte angeordnet und ich hab den Fehler gemacht, nur einmal nachzufragen bei der Pflege, um die Zeit war der Therapeutenwechsel, ich war froh über die bleibende Dosierung - ich hatte grosse Angst davor, ich fühle doch die Schmerzen! - und bis zu meiner Entlassung habe ich dann einfach nicht mehr daran gedacht.
Was mich dann weit zurückgeworfen hat, war eine Einzeltherapie, in der ich fragte, wie lange ich denn noch bleiben dürfte, ich bin von 12 Wochen ausgegangen. Ich erhielt die Auskunft, dass ich vor dem Monatsende entlassen werden sollte. Ich fühlte mich wie eingesponnen in Nebel, habe lange fürchterlich geweint, hatte allergrösste Mühe, wieder zu mir selbst zu kommen. Mithilfe der Pflegemitarbeiter, die mich sehr behutsam und empathisch getröstet haben, konnte ich mich innerhalb der kommenden Woche selbst stabilisieren und mich mit dem Ende der schönen Zeit zu arrangieren.
Während der ganzen Zeit lief ein Problem von mir nebenher und fand irgendwie keine besondere Beachtung, ich kann gar nicht sagen wieso nicht.
Und zwar sind das meine Gedächtnisprobleme. Hab ich die hier schon beschrieben? Ich vergesse alltägliche Dinge, ob das der Herd ist beim Kochen oder wo ist mein Schlüssel oder ich finde meinen Geldbeutel nicht, werde ich im Gespräch unterbrochen, finde ich sehr oft nicht mehr den Einstieg in ein Thema, wenige Sätze vorher. Ich neige zum Doppelerzählen und vergesse Termine. Letzteres war in der Klinik nicht schlimm, da haben meine Mitpatienten auf mich "aufgepasst".
Es war mehrmals das Thema bei den Einzeln, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle. Ich strebe grundsätzlich die Rückkehr in meinen Beruf und in meine letzte Stelle an, habe aber grosse Sorge, dass ich mit diesen Gedächtnisproblemen in Schwierigkeiten geraten könnte. Mir wurde dann gesagt, ich solle nicht alles so negativ sehen. Meine Anfrage ob man nicht Tests mit mir durchführen könnte, ob ich ein ernstes mentales Problem habe, wurde mir gesagt, dass müsste ich extern machen, die Klinik würde keine Diagnostik durchführen, es wäre vielmehr so, dass die Patienten austherapiert hinkommen. Ich erfuhr noch, dass meine körperlichen Beschwerden sich mit meinen bisherigen Befunden nicht erklären lassen und da die psychosomatische Klinik nicht in der Lage wäre, meine körperliche Arbeitsfähigkeit festzustellen, müsste ich mich später um eine weitere Reha, finanziert von der Rentenkasse, bemühen, die sich nur um meine körperlichen Beschwerden kümmern müsste. Mein psychischer Zustand habe sich stabilisiert, ich könnte keine nennenswerten Fortschritte in der Klinik mehr erreichen und würde deswegen eben entlassen. Es wurde eine Wiedereingliederungsmaßnahme für meine Arbeitstelle konzipiert und ich stand die ganze Zeit daneben und schrie stumm: aber ich kann das noch nicht, ich bin nicht so weit, mit meinem hohlen Hirn kann ich doch nicht in die Arbeit gehen ... ich geriet in einen Zustand, den ich während der Maßnahme öfters hatte. Und zwar passiert das von jetzt auf nachher: ich hab das Gefühl, ich stehe neben mir, fühle mich nicht, kriege keine Verbindung zu meinem Körper, ich könnte nicht sagen, ob ich den Kopf unter den Armen trage oder wo sich welches Körperteil im Moment befindet, es ist eine Art Tunnelblick und ich bin kaum in der Lage, Kontakt aufzunehmen. Mit bestimmten Übungen habe ich immer besser gelernt, damit umzugehen. Aber auf der Arbeit wenn so etwas passiert? Ich hab einfach Angst davor. Ich habe konkret grosse Angst, ich könnte nicht mehr in der Lage zu sein, überhaupt zu arbeiten und konnte das gar nicht abstimmen mit dem Ansinnen, ab Montag wieder arbeiten zu gehen, bzw. den Wiedereinstieg zu beginnen.
Was mein Glück ist, eine Kollegin aus dem Team ist zur kommisarischen PDL aufgestiegen mit einer halben Stelle und sie hatte im vergangenen Jahr selbst eine psychosomatische Kur, sie versteht mich und es haben sich auf Arbeit Dinge geändert, bestimmte Kollegen sind nicht mehr da und die neuen würden sich freuen, wenn eine weiter erfahrene (!!! ... iiiich?) :) Kollegin zurück käme. Och Gottchen, ich hätte heulen können.
Ich werde kommende Woche mit ihr und dem Chef sprechen und dabei nichts unerwähnt lassen von meinen Ängsten.
Ich werde mir noch einen Termin in der Gedächtnisambulanz der Uni holen und mich testen lassen, es macht mir wirklich sehr grossen Kummer - dieses Symptom meine ich. Und es hat sich während des Aufenthaltes nicht die Bohne verändert. Meine zweite Therapeutin meinte noch, es könne sich um einen unbewussten Reflex handeln, dass ich mich vor Ansprüchen beschützen möchte und daher diese Symptome des Gedächtnisverlustes vorschalte.
Ich kann es nicht von der Hand weisen, würde aber spontan sagen, ich bin doch nicht blöd!
Ein bisschen fühlte ich mich da vernachlässigt, bzw. ich hatte den Gedanken, die geben mich auf.
Ach ja und im Arztkurzbrief stand dann noch, ich müsste eine Opiatentzug machen. War beim Abschlussgespräch keine Rede davon.

So und jetzt muss ich Pause machen.:verknallt
Flasche ist leer.
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflege
E

Ehemalige

Mitglied
Basis-Konto
0
8600
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Ja, ich war auch für 8 Wochen hospitalisiert und bin meinem Psychiater sehr dankbar, das er mich davon überzeugen konnte. So konnte ich Abstand gewinnen. Ich hatte auch sehr grosses Glück, dass ich an eine erfahrene und sehr kompetente (fachlich und menschlich) Therapeutin geraten bin! Auch auf der Abteilung fühlte ich mich sehr wohl, wobei es zu Beginn zu einem Konflikt kam. Morgens stand plötzlich die Nachtwache im Zimmer und wollte Blut abnehmen. Da ich zuvor nicht informiert worden war habe ich mich sehr vehement verweigert. Am Tag kam dann der Stationsarzt und erklärte mir, weshalb dies nötig war. Von da ab wurde ich immer sehr genau informiert.
Auch sollten bei mir die Medis umgestellt werden, da ich unter massiven Schlafstörungen litt. Das funktionierte aber nicht, da die Reduktion "meines" Antidepressivums subito einen Rückfall auslöste. Ergo wurde ich wieder aufdosiert und erhielt das neue AD in einer sehr niedrigen Dosierung zur Schlafunterstützung. War allerdings morgens so "verladen", dass ich überhaupt nicht mehr in die Gänge kam.

Deine geschilderten Probleme mit dem Gedächtnis und den Konzentrationsdefiziten kenne ich auch zu Genüge!
Auch ich verliere mitten im Gespräch den Faden oder mir fallen plötzlich die entsprechenden Worte nicht mehr ein. Zudem schalte ich manchmal immer noch ab und kriege nichts mit, was um mich herum tut. Ich sehe dann die Menschen reden aber "höre" und verstehe sie nicht.

Erst jetzt, nach einer erneuten Erhöhung der AD-Dosis, habe ich das Gefühl mein Hirni (wie man hier so nett sagt) fängt wieder an normal zu funktionieren.

Diese Beschwerden hatten mich unter anderem auch dazu bewogen das Thema Pflege für mich ad acta zu legen. In meinem jetzigen Bürojob ist es nicht so kritisch wenn ich mal meine Aussetzer habe.

Aber Du musst Geduld haben mit Dir (das sagt die "Richtige", hatte ich die doch ebensowenig mit mir! ��).

Gut ist, dass Du verständnisvolle Vorgesetzte hast! Das ist schon die halbe Miete!

Alles Gute und viel Kraft für die Zukunft und lass' Dich nicht unterkriegen.
 
Qualifikation
dipl. Pflegefachfrau, HöFa 1, Ausbildnerin
Fachgebiet
Administration
T

Teetrinkerin

Aktives Mitglied
Basis-Konto
1
Frankfurt
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Gestern hat die dritte Woche meiner Wiedereingliederung begonnen.
Ich wurde sehr freundlich aufgenommen, war die ersten drei Tage a´3 Stunden quasi nur "da", bin dort rumgelaufen, habe in Nebenräume und Schränke gesehen und mich so meinem Arbeitsplatz "gesagt", hallo, ich bin wieder da, kennst du mich noch?
Da ich nachmittags dort bin, konnte ich ein wenig beim Abendbrot helfen, ging der ehrenamtlichen Kollegin in der Küche zur Hand, hab Wäsche gewaschen, Trockner bedient, alles unverbindliche, lange geübte Tätigkeiten. Einen Gästekontakt durch Zimmerbetreten habe ich diese ersten Tage vermieden. Es war einfach, weil alle in den Betten blieben, keiner kommt zur Zeit raus, bzw. die Betten werden auf die Terrasse geschoben.
Nach diesen drei Tagen bin ich die ersten Male in ein Gästezimmer gegangen, um Geschirr zu verräumen. Ich war ganz erstaunt, es war einfacher als ich dachte und ich konnte danach ohne komisches Gefühl z.B. Essenswünsche erfragen oder einen Klingelruf beantworten, in dem ich sage dass die zuständige Pflegekraft im Moment nicht sofort kommen kann ... aber mir hat das Herz bis zum Hals geschlagen ... Mahlzeiten servieren und wieder abräumen sollte doch echt kein Problem sein,
mir ist da so als ob ich noch zu streng mit mir selbst bin, ich bin so leicht aus der Ruhe zu bringen ... :ermm:
Jedenfalls habe ich mir mein Terrain so nach und nach wieder so vertraut wie es mir möglich war zu machen.
Es gab Feedbacks von Patienten, bzw. Gästen, die sich über eine von mir bereitete und angerichtete Mahlzeit sehr gefreut haben, das wurde mir gesagt, da ging mir das Herz auf und mir standen die Tränen in den Augen.

Seit Mittwoch bin ich in der Vierstundenphase, habe gestern hauptsächlich geräumt, geputzt, Wäsche gewaschen und gelieferte Medis eingeräumt - und prompt einen Fehler gemacht und ein Medikament beim falschen Namen abgelegt, habe es aber selbst gemerkt ... :rotwerd: und konnte es verbessern.

Was ich auch an mir bemerkt, ist dass mich das alles ganz schön viel Kraft kostet. Ich war auch nach den drei Stunden schlagkaputt, konnte aber nicht gut schlafen, meine Schmerzen sind in vollem Umfang zurück gekehrt und zum ersten Mal denke ich vage an eine evt. Erwerbsminderungsrente ... ich werde die Wiedereingliederung durchziehen und vielleicht passiert für mich ein Wunder oder vielleicht doch erst mal Stunden reduzieren?
Mein Chef hat mir freundlich, aber auch deutlich gemacht, dass er nach der Wiedereingliederung - vorbehaltlich, wenn sie positiv verläuft - von mir erwarten muss, dass ich als examinierte Pflegefachkraft mit Weiterbildung Palliative Care bestimmte Vorraussetzungen als gegeben ansehen muss, aber wir haben abgemacht, dass wir diesbezüglich im Gespräch bleiben und er konnte mir einigermaßen glaubhaft versichern, dass man meiner Rückkehr durchaus wohlwollend gegenübersteht und ich alle Hilfe bekommen werde, die meinen arbeitenden Kollegen und der Institution an sich möglich ist, diese Gefühl habe ich auch bei den Kollegen, mit denen ich bisher in den Schichten war.

Gestern konnte ich einer jungen Kollegin sogar einen pflegerischen Tip geben. Sie fragte mich ob ich als erfahrene Kollegin - mir schossen sofort die Tränen in die Augen - einen Rat hätte wegen eines Patienten mit mässiger Unterzuckerung, er ist zwar wach, kann aber schlecht schlucken, hat keinerlei Zugänge am Körper. Ich gab ihr den Rat, zwei Löffel Traubenzucker mit Wasser zu einem Brei zu verrühren und diesen mit einem Löffel dem Patienten in die Backentasche oder unter die Zunge zu platzieren. Das hat sehr gut geklappt, die Kollegin war dankbar, hat dies geäußert und ich war auf einmal froh und mir kam beim Händewaschen als ich in den Spiegel schaute, der Gedanke: vielleicht schaff ich es doch ... ach, das wär so schön!

Und jetzt muss ich bald wieder zum "Dienst" und freue mich sogar ein klitzekleines Bisschen.
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflege
N

nordwind

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Hallo Teetrinkerin, ich hab nicht alle Seiten gelesen, aber ich wünsche dir gute Genesung und Wünsche dir das du es schaffst. Vor 4 Jahren litt ich an Erschöpfungsdepression .... Ich hab es geschafft und weiss heute, wann ich die Notbremse zu ziehen hab. Meine Familie unterstützte mich in jeder Phase. Also es gibt immer Hoffnung. Ich wünsche dir viel Erfolg :)
 
G

Gerhild

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Heute beginnt die 4. Woche Wiedereingliederung, ich habe jetzt 2 x 90 min Unterricht zu erteilen.
 
T

Teetrinkerin

Aktives Mitglied
Basis-Konto
1
Frankfurt
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Danke Nordwind, ich versuch mein Bestes ... aber ich fühle einfach keine Kraft, bin ganz schnell so müde und muss mich mit grösster Anstrengung gegen dieses Käseglockengefühl wehren.
Es ist wirklich, als wollte mein Unterbewusstsein mich ausschalten.

Wann weiss ich denn, wann es mir wieder gut geht oder dass ich über Alternativen nachdenken sollte ... :sad:
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflege
N

nordwind

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Ach Mensch, das tut mir leid.
Lass dich nicht unter Druck setzen und auch du darfst dir keinen Druck machen!
Das braucht Zeit!!
Professionelle Hilfe ist ganz wichtig! Und Freunde und Luftwechsel, da wo du dich ungezwungen bewegen kannst (ich hatte ein schlechtes Gewissen und hab mich versteckt...kleiner Ort hier ).
Sei gedrückt
 
L

Lisy

Unterstützer/in
Basis-Konto
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Hallo Teetrinkerin,
lass dir Zeit, lass die "Käseglocke" zu. Im Übrigen- ist jetzt vielleicht ein blöder Vergleich- aber das ist genau so wie mit dem Verliebt sein, da dauerts oft auch lange ob man weiß obs der richtige ist. Und genau so lange kann es dauern bist , bis man weiß das man sich trennen sollte.
Du wirst merken, wenn deine Kraft zurück kommt, kann dauern, aber du wirst es merken.
Fühl dich gedrückt, umarmt und geknuddelt und gib nicht auf. Hinfallen tut jeder, aufstehen muß man alleine, ich hoffe für dich das es dir gelingt.
Grüßle von einer angeschlagenen Lisy (die grad das aufstehen übt)
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
pdl
G

Gerhild

AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Danke Nordwind, ich versuch mein Bestes ... aber ich fühle einfach keine Kraft, bin ganz schnell so müde und muss mich mit grösster Anstrengung gegen dieses Käseglockengefühl wehren.
Es ist wirklich, als wollte mein Unterbewusstsein mich ausschalten.

Wann weiss ich denn, wann es mir wieder gut geht oder dass ich über Alternativen nachdenken sollte ... :sad:

kenn ich auch, und wenn ich Nachmittags eine Stunde schlafe, bin ich nachts müde und wach zugleich, ohne Promethazin geht nachts derzeit kein schlafen, GöGa muss waschen, bügeln, kochen .... und ich muss meine Ansprüche runter schrauben
 
T

Teetrinkerin

Aktives Mitglied
Basis-Konto
1
Frankfurt
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Ich freue mich sehr, nach langer Zeit einmal wieder etwas vorsichtig positives zu schreiben.
Am Mittwoch ging es auf Arbeit hoch her, die zuständige Kollegin hatte eine Aufnahme und eine Sterbende unter ihren Patienten zu betreuen. Die sterbende alte Dame war voller Angst und Unruhe, ich habe mich zu ihr gesetzt und außer da zu sein, nicht viel getan. Eine kleine, oberflächliche beruhigende Waschung mit Lavendelaroma, reden, trinken anreichen und dann wollte sie Wasser lassen. Ich hab irgendwie spontan reagiert, sie auf dem Toilettenstuhl transferiert, sie konnte noch mithelfen. Während sie sich erleichterte, hab ich das Bett komplett bezogen und frische Lagerungskissen geholt. Ich hab sie noch umgezogen, dann war eine Kurzinfusion fertig, ich hab gespült und abgestöpselt und weil ich schon dabei war, die PEG Ableitung geleert und ein bisschen aufgeräumt.
Als ich mit dem Toiletteneimer raus bin zum Schmutzraum, höre ich meinen PDL hinter mir: He Gabi, was sehe ich da, jetzt freu ich mich aber ... und Leute, in dem Moment ist mir erst bewusst geworden, ich hab meinen Job getan, ich hab ihn gut getan und ich hab es nicht vergessen ... ich hab mich zum ersten Mal seit langer Zeit gefreut, mir standen zur Abwechslung mal Freudentränen in den Augen und an diesem Tag hat sich etwas verändert zum Guten. Am kommenden Tag bin ich das erste Mal seit langer, langer Zeit mit Freude auf die Arbeit gegangen.
Am Dienstag trug ich auch das erste Mal wieder Dienstkleidung und mein Namensschild, es war als hätte ich meine Rolle wiedergefunden.

Ihr hattet recht, so viele Leute die es gut meinten, hatten recht.

Jetzt hoffe ich von Herzen, der Trend bleibt mir treu und ich habe Stärke um Rückschläge konstruktiv zu bearbeiten, ich habe wieder Hoffnung und ich wollte auch euch allen mal ganz herzlich Danke sagen fürs Mutmachen und Ertragen meiner Jammertiraden!

Gerhild und dir wünsche ich dass es auch für dich positiv weitergeht und dir besonders danke, du weisst warum.
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflege
L

Lisy

Unterstützer/in
Basis-Konto
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Hallo Teetrinkerin,
fühl dich gedrückt und geknuddelt- ich freu mich sowas von für dich- das ich es nicht in Worten ausdrücken kann.
Ganz lieben Gruß Lisy
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
pdl
T

Teetrinkerin

Aktives Mitglied
Basis-Konto
1
Frankfurt
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Pflege
Yvonne1305

Yvonne1305

Unterstützer/in
Basis-Konto
0
85716
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Mensch Teetrinkerin, ich freu mich riesig für Dich.... Diese "kleinen" Schritte sind für Dich Riesenschritte... Geh Deinen Weg und wenn die nächste Stufe zu viel ist, geh wieder eine runter... Es geht alles... Weiter so, Du schaffst das... Tschaka...
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Krankenhaus HNO
S

stern3007

Aktives Mitglied
Basis-Konto
41
Köln
0
AW: Psychische Erkrankung (Burnout) beim Arbeitgeber outen?

Sehr schön wa ich da gelesen habe Teetrinkerin. Aber achte auf dich. Sei vorsichtig, vergesse nie, dass du dir am nächsten stehen muß. Dann kommt die familie und dann erst die Arbeit und die Patienten.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.