Psychiatrisches Problem

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Friedalina

Friedalina

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02.01.2007
13125
www.beepworld.de
Psychiatrisches Problem mit einer Bewohnerin,die Einmischung der Angehörigen und die Reaktionen der Pflegedienste.
Achtung das wird länger!
Ich arbeite in einer Demenz-WG.
Es ist ein Bundesmodellprojekt und es sind 2 ambulante Pflegedienste involviert.
Einer ist verantwortlich für die Med-Gaben,einer für alles andere.
Wir sind jeweils 4 Kollegen von jeweils 1 Pflegedienst,also 8 PK.
1 Bewohnerin,schwer dement,mit verschiedenen anderen Grunderkrankungen (Herzerkrankung,Bluthochdurck)macht uns große Probleme,naja eigentlich die Angehörigen.Diese sind NICHT die gesetzlichen Betreuer,es gibt keinen ges.Betreuer.
Bewohnerin ist schon seit Monaten deperssiv,agressiv,total durcheinander,kotet und uriniert überall hin,lässt kein IKM zu,schläft tagsüber ,geht Nachts in andere Zimmer,Tagsüber auch,schlägt sich und uns,oder fällt total in sich zusammen und regt sich über Stunden nicht.Redet manche Tage stundenlang einen Singsang "reireireirei"den man mit nichts durchbrechen kann.Werde mit Validation,noch mit motivation zu Aktivitäten,noch durch das einfallen in diesen Singsang um sie dann dort "herauszuführen".
Ein Neurologe wurde abgelehnt,eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik,zwecks Medikamenteneinstellung ebenson.Der Hausarzte verschreibt ,auf Willen der Tochter,Pillchen über Pillchen,nichts wirkt mehr richtig.Sie bekam Seroquel,das ging gar nicht,bekommt Dipiperonsaft nach Bedarf,aber helfen tut der auch nicht wirklich.
Wir sind momentan nur zu 2.im Dienst für 8 Bewohner,müssen aber auch die gesamte Hausarbeit mit erledigen,kochen.putzen,einkaufen,und die anderen 7 Bewohner sind ja auch noch da.Beschäftigung sollen wir machen,alle Bewohner mit in die Arbeiten einbeziehen (Was für ein Witz,haben 7 Bewohner mit Pflegestufe 3 ,da geht nichts mehr)Unsere Appelle und Hilferufe an beide PDL´s werden nicht richtig wahr genommen,die Tochter ist sogar eine gute Freundin der Sozialarbeiterin des einen Pflegedienstes.
Notarzt in psyiatrischer Notsituationen sollen wir nicht rufen (auf Wunsch der Tochter)sondern die Tochter anrufen,die dann kommen würde (dauert ca.2 Stunden)
Diese Situation dauert jetzt wie gesagt schon monate an.
Wir sind total überfordert und haben keinen Spaß mehr an der Arbeit.
Mit Grausen denke ich an meine kommenden 6 Spätdienste habe schon Herzschmerzen deswegen.
Sorry für diesen langen Thread.........
Es musste mal raus..........
 
Qualifikation
Pflegehelferin m.gerontopsychiatrischer Qualifikation
Fachgebiet
Demenz-WG
M

ms-sophie

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14.03.2007
Mannheim
Hallo,

da es keine Betreuung gibt würde ich in so einer psychischen Akutsituation mal am WE den Rettungsdienst rufen. Ich bin sicher, dass die Dame dann schnell in eine psychiatrische Aufnahme gebracht wird.

Ich persönlich finde es unverantwortlich, einen HA, dem die nötige fachliche Qualifikation fehlt, alleine über eine Therapie entscheiden zu lassen. Ich gehe davon aus, dass er sich dazu genötigt sieht, weil die Tochter eine entsprechende Facharztkonsultation ablehnt. Ich denke weiter, dass ihr, das Team und eigentlich auch eure PDL`s dran seit, dieser Frau klar zu machen, dass es ohne psychiatrische Behandlung nicht mehr geht. Ich denke mal die Mitbewohner fühlen sich ebenfalls von ihr gestört. Man muss dieser Tochter klar machen, dass ihre Mutter leidet.

Sieht sie diese Notwendigkeit nicht, dann muss man wie oben handeln.

Sophie
 
Qualifikation
QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
S

stupanka

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29.11.2006
52070
Hallo,nun,als erstes müsste m.E.eine Betreuung angeregt werden.Desweiteren muss ein Neurologe hinzugezogen werden,ob die Tochter das nun möchte oder nicht,sie hat nun mal nicht die Betreuung.
Ein Fallgespräch mit dem Hausarzt wäre auch eventuell ein Weg.
Eine Akuteinweisung per Rettungsdienst bei so einer BW halte ich nicht unbedingt für angebracht,ich denke dabei an den armen BW.
Ich habe selber so eine Situation schon erlebt und es macht wirklich Sinn eine Fallbesprechung durchzuführen in der auch der Tochter klar gemacht werden muss,dass es unzumutbar ist 2 Stunden auf sie zur Krisenintervention zu warten,zumal dieser Zustand für den BW sicher auch nicht gerade prickelnd ist.
Warum die PDL nicht adäquat reagiert ist nicht zu verstehen,allerdings auch nicht aus der Ferne zu beobachten,genausowenig wie die anderen Aspekte dieser Schilderung.
Dennoch denke ich,dass sich hier über einen langen Zeitraum ein Kreislauf gebildet hat den es zu durchbrechen gilt,zum Wohle des BW aber auch zum Wohle der Mitbewohner und des Personals.

Lg stupanka
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Stationär Altenheim
Friedalina

Friedalina

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02.01.2007
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www.beepworld.de
Wir hatten zu dieser Bewohnerin schon etliche Fallbesprechungen.Immer mit der Tochter und immer mit irgendeinem "Mitglied"der PDL´s.Einmal sogar eine mit Hausarzt und Behandlungspflege.Hat alles nichts weiter gebracht.
Natürlich denken wir auch an die arme Bewohnerin,aber die ständigen Nörgeleien der Tochter übertragen sich auch irgendwann auf unsere Beziehung zur Bewohnerin.Die Tochter ist übrigens 2x in der Wochen den ganzen Tag vor Ort.
Kümmert sich dann auch um ihre Mutter.Sie gibt ihr dann auch den Dipisaft wenn sie denkt das "Mutti"ihn braucht.
Insgesamt kann die ganze Familie mit der Krankheit der Mutter nicht umgehen und überträgt durch dieses Verhalten alle Unsicherheit,alle Angst und besonders das schlechte Gewissen auf uns und unsere Arbeit.
Es gibt immer etwas zu meckern und zu beanstanden.
Unser Team ist stark ,aber durch Personalprobleme und dieses monatelange Hickhack und auch durch die Tatsache das wir uns von unseren PDL´s verlassen fühlen,geht es uns allen nicht mehr besonders gut.Eine Supervision wurde nach vielen Anfragen genehmigt,wird es aber erst nächstes Jahr geben.
Wir fühlen uns alle ausgelaugt und keiner hat mehr Spaß an der Arbeit.
Auf das Weihnachtsfest freut sich keiner.........
 
Qualifikation
Pflegehelferin m.gerontopsychiatrischer Qualifikation
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Demenz-WG
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ms-sophie

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14.03.2007
Mannheim
Hallo Fridalina,

meiner Meinung kann es nicht gerechtfertigt sein, dass ein ganzes Team wegen einer BW bzw deren Angeh. so unter Druck gerät. Ich sehe nur die Möglichkeit der stationären EW. Wie ich oben schon beschrieben habe.

Sophie
 
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QM
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ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
rosi.b

rosi.b

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06.03.2005
96114
Auch ich bin der Meinung, da es ja wohl keine Unterstützung vom Hausarzt gibt, zum Wohl der Bewohnerin, eine akute Einweisung in eine Psychiatrische Klinik, notfalls auch am WE mit dem Rettungsdienst zu veranlassen.
Grad in einer Dementen- Wohngemeinschaft ist doch Ruhe und ein geregelter Tagesablauf und Geborgenheit wichtig.
Meiner Meinung nach ist es unverantwortlich weiterhin mit igrendwelchen Pillen und Tröpfchen zu experimentieren.
 
Qualifikation
Kinderpflegerin/Altenpflegerin
Fachgebiet
Seniorenwohnheim
L

L. Li

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28.02.2007
40227
hallo, wir waren in einer ähnlichen situation mit einem tagepflegegast. die ehefrau lehnte - aus scham? - alle ärztliche betreuung oder einweisung ab außer den 61-jährigen hausarzt. der gast hat einen alzheimer mit prog. verlauf und befand sich in einem ähnlichen wie von dir geschilderten bild.
weiterhin war er fremd- und eigenaggressiv und hatte latente weglauf-tendenz der wir trotz faci nicht mehr herr wurden da der gast völlig ohne körperliche gebrechen schnell rennen konnte.

wir haben uns dann allumfassend erkundigt: nachdem ich bei seinem hausarzt nicht mal einen terim für eine fallbesprechung bekommen konnte und mit den worten "das ist doch euere arbeit!" abgeschmettert wurde habe ich mich mit dem psychatrischen fachpflegedienst und der PIA zusammengesetzt und auch bei einer justiziarin beim amtsgericht informationen eingeholt.
in einem gespräch mit der ehefrau haben wir aufgezeigt: rettungsdienst, zwangseinweisung, amtsarzt information über die ungenügende reaktion von ihr als betreuerin auf den zustand oder neurologisches konsil mit anschließender einweisung zur einstellung einer pharmakologischen therapie.

die ehefrau regagierte völlig inadäquat indem sie mantrahaft sagte, daß ihr mann nicht die chemische keule bekommen solle, daß keiner außer sie als betreuerin in frage käme weil es ja keiner machen würde.

von der MA der PIA wurde dann eine drohkulisse aufgebaut daß der tagespflegevertrag gekündigt werden muß und der MDK eingeschaltet werden muß weil es sich dann um gefährliche pflege handelt und wir ja keine geschlossene station seinen. mehrmals war der gast bis fast auf die vierspurige haupstraße gerannt und hatte auch schon eine PK durch faustschläge verletzt.

irgendwann knickte die frau dann ein und wir durften ein neurologisches konsil in unerem haus bestellen. es kam zur einweisung und der gast ist noch heute patient auf einer akutgeriatrie...

wer weiß, was noch alles passiert wäre - ich würde jetzt alle hebel in bewegung setzen richtung facharzt und einweisung, jeder von uns weiß, daß es keine besserung von "nichts" geben wird.

und nochwas: hut ab, vor deiner arbeit in der dementen - WG. ich sehe es in unserer TP was 4 schwer demente gäste mit PS III für einen pflegerischen aufwand bedeuten und da sind 2 FPK und 3 HPK. wie muß das dann erst zu zweit mit 7 BW dieser einstufung sein :-(

rührt euch, es ist für alle wichtig!

L.Li
 
Qualifikation
Krankenschwester, PDL
Fachgebiet
ambulanter PD
Friedalina

Friedalina

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02.01.2007
13125
www.beepworld.de
Bin jetzt ersteinma "Schachmatt"
habe mir gestern einen Hexenschuß eingefangen.
Natürlich bei der Arbeit :devil:
 
Qualifikation
Pflegehelferin m.gerontopsychiatrischer Qualifikation
Fachgebiet
Demenz-WG
Friedalina

Friedalina

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02.01.2007
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www.beepworld.de
falscher Smily
der trifft es eher :krank:
 
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Pflegehelferin m.gerontopsychiatrischer Qualifikation
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Demenz-WG
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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05.07.2001
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