Professionalität und Inhaltliche Arbeit

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I

Ingo Tschinke

Hallo Kollegen,

in verschiedenen Threads zum Thema Bezugspflege, Missbrauch und Beziehungsarbeit wurde immer wieder die Professionalität in der Pflege bzw. in der Pflegeausbildung thematisiert.

Viele haben es kritisiert, dass die reguläre Ausbildung nur unzureichend das Rüstzeug zur Verfügung stellt, was man für die psychiatrische Arbeit benötigt.

Dies liegt z.T. daran, dass die Ausbildung noch immer somatisch-medizinisch ausgerichtet ist und in erster Linie die quantitativen Inhalte (sprich Handlung) im Prozess berücksichtigt. Die qualitativen Inhalte des psychosozialen Kontaktes werden kaum berücksichtigt und deswegen auch nicht noch gefördert.

Wenn dann frisch examinierte auf psychiatrische Stationen losgelassen werden, kann man von diesen kaum oder fast gar nicht erwarten, tatsächlich professionelle Arbeit zu leisten, denn alle psychiatrisch-pflegerischen Inhalte wurden bisher noch nicht vermittelt.

Welche Erfahrungen habt ihr dort gesammelt, gibt es bei euch Einarbeitungskonzepte für junge Kollegen, Fortbildungen zur Profession der psychiatrischen Pflege usw.? Wie geht ihr auf euren Stationen damit um, wie wird die inhaltliche Arbeit in der Bezugspflege reflektiert - und wissen die Kollegen ihre Grenzen in dieser Arbeit einzuschätzen?

In vielen wissenschaftlichen Publikationen wird gerade in dem Bereichen, die sich mit "fremden" und "ungewohnten" Pflege-Situationen von Pflegenden gefordert mit großer Introspektions- und Selbstreflektionsfähigkeit zu Werke zu gehen. Doch wer vermittelt das? Meist habe ich die Erfahrung gemacht, dass es dem Lerning-by-doing and Try-and-Error überlassen wird, dass viele Kollegen sich allein gelassen fühlen und sich scheuen, dann die Verantwortung zu übernehmen.

Berichet mal von eueren Erfahrungen.

Cheers

Ingo
:redface:
 
E

Elvira

Mitglied
Basis-Konto
23.10.2002
-
Ich arbeite in einer psychiatrischen Klinik, die selber über eine Krankenpflegeschule verfügt.Ich habe an dieser Schule meine Ausbildung gemacht und denke,daß wir zumindest mit einer "Grundausstattung" auf die Pat. "losgelassen" wurden.Ich sehe Unterschiede zu Schülern, die wir aus externen Kliniken zum Praktikum bekommen.
Was war nun in unserer Ausbildung so anders?
Zum einen ein Selbstbewußtsein stärkendes Verhalten von seiten der Schule.Sprich ,mit Kritik wurde auf Erwachsenenebene umgegangen, Einwände ernst genommen und Schüler werden nicht kleingemacht.
Desweiteren eine fundierte grundlagenschaffende Ausbildung, denn nur wenn ich Krankheitsbilder verstehe, kann ich professionell mit den Pat. umgehen.
Das würde bedeuten, wenn ich die Ausbildung verbessere, erhalte ich fähiges Personal und die Professionalität kommt zum tragen.
Leider ist es aber nicht so, denn neben einer fundierten Grundausbildung, dem zwingend notwendigem Rüstzeug, kommt für mich ein wichtiger Faktor hinzu:Begabung.Das ist es, was vielen fehlt, die in der Psychiatrie anfangen.Sehen wir doch einfach mal auf die Stärken derjenigen, die viele Jahre gute Arbeit im Umgang mit psychisch kranken Menschen leisten.Wir können etwas, was andere nicht zu leisten vermögen.Vergleiche es mit einem Künstler:
Er lernt Techniken, wie er mit Materialien umgeht, welche Eigenschaften diese haben. Aber das entscheidene, ein Kunstwerk zu schaffen, gelingt nur wenigen.
( Frei nach Ernestine Wiedenbach: Pflege als helfende Kunst !?)
Ich kann also meinen neu startenden Kollegen Hilfestellungen geben, aber erst durch die eigene Intuition werden sie professionelle Arbeit leisten können.
Vielleicht sollten wir in der Psychiatrie ein wenig weg von der naturwisenschaftlichen Sicht kommen. Denn diese erschwert uns immer wieder professionelles Handeln zu belegen, denn was läßt sich im zwischenmenschlichen Bereich schon wirklich wissenschaftlich begründet beweisen ?
 
Qualifikation
Krankenschwester, Stud.Pflegemanagement
Fachgebiet
Psychiatrie
I

Ingo Tschinke

Themenstarter/in
Hallo Elvira,

ich sehe dies ähnlich wie du - es ist neben einer grundständigen Ausbildung ein Grundstock an psychiatrischen Wissen zu schaffen, was allerdings zumeist nicht in sechs Wochen (dem regulären Psychiatrie-Einsatzzeitraum geschaffen werden kann).

Ich hatte während meiner Ausbildung einen Zeitraum von sechs Monaten auf der Neurologie/Psychiatrie, die mich für den Rest meiner Berufstätigkeit geprägt haben.

In unserer rein psychiatrischen Klinik versuchen wir den Schülern (wir übernehmen die Praxisausbildung der Schülern aus allen freigemeinnützlichen Häusern Bremens) einen vernünftigen Praxiseinblick zu geben, was innerhalb des regulären Einsatz meist nur knapp gelingt. Aber auch in dieser Zeit merken die meisten Schüler, ob sie die Bereitschaft für die psychiatrische Arbeit haben, die später das implitite Wissen des Pflegeexperten (siehe P. Benner - from Novice to Expert und Pflegekompetenz der Pflegeexperten) ausmacht. Die sogenannte Könnerschaft.

Vieles was die Ausbildung anbelangt hat Peplau in ihren Arbeiten zu den zwischenmenschlichen Beziehung (siehe Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege) erwähnt. Sie hat eine Fachausbildung für die Psychiatriepflege in der USA gefordert, dem das angloamerikanische Ausbildungswesen auch entsprochen hat. Davon sind wir noch weit entfernt. Deswegen stelle ich mir immer wieder die Frage, wie kann man Einarbeitungszeit in der psychiatrie sinnvoll gestalten?

Cheers

Ingo
:redface:

[ 18. Januar 2003 10:01: Beitrag editiert von Ingo Tschinke ]
 
I

Ingo Tschinke

Themenstarter/in
Hallo Kollegen,

ich würde weiterhin gerne von den psychiatrisch Tätigen auf dem Pflegeboard wissen, wie ihr die Einarbeitungszeit inhaltlich für Neu-Einsteiger in der Psychiatrie gestaltet. Über welchen Zeitraum stehen welche Möglichkeiten zu Verfügung, Mentor zur Einarbeitung, Einarbeitungskonzepte, Verantwortlichkeiten, Einbeziehung in die Bezugspflege oder andere Pflegeorganisationsformen etc., wie geht ihr damit um? Antwortet mal.

Cheers

Ingo
:redface:
 
Pflegeboard.de

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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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