Private körp. beh. WG mit Pflegedienst

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tom68

Neues Mitglied
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16.06.2006
38723
Hallo,
ich bin 38 und habe seit 17 Jahren einen langsam wachsenden Tumor im Hirnstamm/HWS. Seit ca. 10 Jahren bin ich bis zum Hals komplett gelähmt und seit ca. 5 Jahren mit einer Nasalmaske dauernd beatmet. Bisher wurde ich alleine von meinen Eltern Zuhause gepflegt, obwohl sie sogar noch berufstätig sind. Wir hatten uns ganz gut eingerichtet, bis bei meiner Mutter anfang des Jahres Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde, was eine verheerende Prognose hat. Wir versuchen jetzt, solange wie möglich alles so weiter zu machen, aber die Zukunft bereitet mir doch einige Sorgen. Mir spukt da eine Idee durch den Kopf, über die ich bisher noch nichts im Internet gefunden habe. Bevor ich die Krankenkasse anspreche, wollte ich mich mal umhören, ob jemand etwas dazu sagen könnte. Ich möchte weder alleine mit meinem Vater und einem Pflegedienst Zuhause leben (kaum finanzierbar) noch möchte ich in ein Heim. Bestände da nicht die Möglichkeit, eine WG mit anderen körperlich Behinderten zu gründen und sich die Finanzierung einer 24 h Pflege zu teilen. Meine Oma hat im Nachbardorf ein Haus mit einer leerstehenden und ebenerdigen Wohnung (natürlich noch nicht behindertengerecht, aber das ist unsere jetzige Wohnung auch nicht und man könnte ja noch einiges machen), in der drei Personen mit Pflegestufe 3 Platz finden würden.
Wäre so etwas rechtlich überhaupt möglich? Ließe sich die Krankenkasse (DAK) darauf ein und würde sie mit einem Pflegedienst pauschal abrechnen? Wie teuer wäre so etwas und wieviel müsste man selbst dazubezahlen? Sind meine Eltern verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen, da ich ja kein Vermögen habe? Würde ein normaler Pflegedienst eine Pflege von Schwerstpflegebedürftigen organisieren, eventuell extra dafür Personal einstellen, da es bei uns in der Region keinen speziellen Beatmungspflegedienst gibt? Wie bekomme ich Kontakt zu möglichen Mitbewohnern? Welche Probleme können da noch auf mich zukommen (z.B. wenn einer länger ins Krankenhaus muss oder ausziehen will oder stirbt)? Wenn jemand etwas dazu sagen könnte, wäre ich sehr dankbar.
Tschüss
 
Qualifikation
Patient
Fachgebiet
Haus
C

confuge

Mitglied
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25.04.2006
Düsseldorf
Hi Tom,
Deine Idee finde ich toll! Ich habe mal in einem Heim gearbeitet, die eine Aussenwohngruppe hatte - das käme deinem Model zumindest im Ansatz nahe. Und es gibt ja auch bereits einige Demenz-WGs. Das ist zwar was ganz anderes, aber von dr Finanzierung und rechtlichen Lage wohl vergleichbar. Ich denke: machen ließe sich da bestimmt was - aber es wird nicht ganz einfach werden. Aber ich glaube, dass sich der Weg lohnen wird!
 
Qualifikation
Fachkinderkrankenpfleger
Fachgebiet
.
S

stern3007

Aktives Mitglied
Basis-Konto
29.07.2005
Köln
Ich poste hier mal einen Link:
http://www.forsea.de/index.shtml
Hier findest du Kontakte zu Leuten in ähnlicher Situation und ggf. auch Ansprechpartner, die sich gut auskennen in diesem Bereich.

Besonders interessant und ergreifend fand ich diesen Beitrag:
http://www.forsea.de/aktuelles/agmodell_doku2001.shtml

Hier kann man deutlich erkennen, welche Problematik auf jemanden hinzukommt. Du brauchst mit Sicherheit einige Leute, die dich tatkräftig unterstützen und die Flinte nicht ins Korn werfen, wenn die Ämter nicht spuren.

Ich hoffe, dir damit ein wenig zu helfen.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
Barbara2

Barbara2

Mitglied
Basis-Konto
04.04.2006
69250
Hi Tom,

ich finde Deine Idee sehr gelungen und schon sehr gut durchdacht.
Ich würde Dir gerne dabei helfen, aber leider wohnen wir zu weit auseinander.

An Deiner Stelle würde ich mir einen Sachbearbeiter der Krankenkasse ins Haus holen und ihr/ihm die Lage schildern.
Laß Dich überraschen. Manchmal fällt man mit der Tür ins Haus und entdeckt dahinter doch den Osterhasen.

Ich drück Dir alle Daumen ( hab leider nur zwei, ...aber Moment, mein Mann drückt auch mit ) und wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Vorhaben.

Halte uns doch Mal auf dem Laufenden, was sich so ergibt.

Liebe Grüße
Barbara2
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Ambulante Pflege
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
Basis-Konto
26.09.2005
Bonn
Hallo, Tom,

ich finde Deine Idee ebenso mutig wie wunderbar.
Ohne mich bisher genauer mit der Problematik beschäftigt zu haben sage ich mal so aus dem Bauch heraus: kläre erst mit möglichen Pflegediensten die zu veranschlagenden Kosten, bevor Du Dich an eine Krankenkasse wendest. Krankenkassen können mit Zahlen mehr anfangen als mit "I have a dream".

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
L

Lisy

Hey, Tom,
ich hab eine WG für Senioren. Funktioniert ganz gut.
Morgens kommt der Pflegedienst, also meine Fachkräfte, die Hauswirtschafterin kommt um 8 Uhr und bleibt (bei 2 Schichten) bis 19 Uhr
dann kommen wieder die Fachkräfte.
In deinem Fall würden die Fachkräfte rund um die Uhr da sein.
Für Beatmungspatienten gibts Einzelverträge mit der Krankenkasse.
Wichtig: der Pflegedienst darf nicht Vermieter sein
Gruß Lisy
 
S

stern3007

Aktives Mitglied
Basis-Konto
29.07.2005
Köln
Das Hauptproblem bei solchen Versorgungen liegt in den finanziellen Mitteln. Eine 24h Versorgung läßt sich normalerweise auch nicht mit Pflegestufe 3 komplett finanzieren, selbst mit Einzelverträgen nicht. Immerhin müßten einige Pflegekräfte im Schichtdienst eingeteilt werden. Das Sozialamt müßte hier zusätzlich einspringen und das wird vermutlich das Hauptproblem werden.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege
T

tom68

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
16.06.2006
38723
Hallo allerseits,
danke für Eure engagierten Antworten, das hilft mir schon weiter, auch wenn ich sehe, dass sich da wahrscheinlich Berge vor mir auftun. Das Problem mit der Finanzierung sehe ich ja auch, aber die Kosten würden doch dann eigentlich durch 3 geteilt werden, falls sich die Kassen darauf einließen.
Tschüssi
 
Qualifikation
Patient
Fachgebiet
Haus
B

Biene Willy

Mitglied
Basis-Konto
19.06.2006
80469
Hallo Tom 68!

Es gibt bereits viele Wohngruppen und Hausgemeinschaften!
Ja, es ist möglich!
Nachdem die Missstände im Pflegeheim für die Mutter meiner Freundin Lebensgefahr bedeuteten, suchten wir einen Weg nahe einem Zuhause!
Das ganze ist möglich und auch finanzierbar!!!

Die Wohngemeinschaft - Alternative zum Altenheim




Die Wohngemeinschaft – nicht allein für Senioren
Wohngemeinschaft (WG) für Senioren oder Wohngemeinschaft für Jung und Alt - es gibt beides. Und beide Wohnformen haben ihre Vor- und Nachteile.

I. Alt und Jung unter einem Dach

Die Stichworte lauten:
- Soziale Mischung
- Selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter
- Solidarisches und nachbarschaftliches Miteinander
- Hilfe zur Selbsthilfe im Alter

Viele Menschen interessieren sich für solche Haus- und Lebensgemeinschaften. Sich möchten der drohenden Vereinzelung in unserer Gesellschaft entgegenwirken.
Wer in einer solchen Wohngemeinschaft Jung und Alt wohnen will, sollte sich bewusst für ein geselliges Leben mit offenen Augen und Ohren für seine Nachbarn entschieden haben. Wie könnte ein solches Leben ausschen? Beispiele: das Sonntagsfrühstück im Gemeinschaftsraum, die Koch- und Gymnastikgruppe, gemeinsame Feste und informelle Kontakte zwischen den Bewohnern. Aber man kann mehr als den sozialen Kontakt erwarten: Anregungen und Austausch für das gemeinsame Leben. Für die Älteren ist wichtig, dass sie in der Hausgemeinschaft das ganze Spektrum des Lebens um sich herum haben. Sollten sie Hilfe brauchen, ist immer jemand für sie da. Ob Unterstützung beim Einkauf, bei Arztgängen oder während Krankheitszeiten. Jeder wird hier auf die Hausgemeinschaft zählen können. Alt und Jung ergänzen sich, und eine gesellschaftliche Ausgrenzung hinter geschlossenen Türen gibt es nicht.
Wie immer, wenn mehrer Menschen unter einem Dach wohnen, bleiben bei solcher Nähe auch Konflikte nicht aus. Dabei können die Pflichten, die jeder Hausbewohner hat, Streitpunkt werden oder auch die unterschiedlichen Erwartungen, die man vielleich an die Nachbarn stellt. Wichtig sind deshalb regelmäßige Bewohnerversammlungen und eine Supervision, welche den Hausbewohner zur Verfügung stehen sollte. Die richtige Balance zu finden zwischen Gemeinsamkeit und Zeit für sich selbst erfordert sicher Erfahrung - aber auch eine gute Planung.

Kontaktadressen für Wohngemeinschaften Jung und Alt:
Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter – Bundesvereinigung e.V.
Bismarckstr. 70
10627 Berlin
Tel.: 0 30 / 3101-6683
Fax: 0 30 / 3101-6690
[email protected]

Bundesforum für gemeinschaftliches Wohnen e.V.
G. Hellwig
Kiebitzrain 84
30657 Hannover
Tel.: 0511 / 604-5955
Fax: 0511 / 604-4507

Azadeh Jabbarian
Bau- und Wohnberatung
Julie-von-Kästner-Str. 32
Tel.: 05 61 / 7 66 00 96
Fax : 05 61 / 7 66 00 95
[email protected]


II. Die Senioren-WG

Je oller, je doller - oder: was Studenten recht ist...? Immer mehr Senioren wünsche sich im Alter in einer Haus- und Wohngemeinschaft zu leben. Im Pflegefall können sie hier individuell versorgt werden. Es gilt das Wort: Geimeinsam ist man stark und nicht einsam!
Und man kann alles haben - ganz nach Wunsch: eine familienähnliche Struktur mit Gemeinschaftsküche und -bad, oder abgeschlossene Appartements, ergänzt durch einen zentralen Gemeinschaftsraum.
Vorraussetzungen sind: MitstreiterInnen, ein barrierefreier Wohnraum, eine ganz normaler Mietvertrag, der die Mietergemeinschaft gegenüber dem Vermieter verfplichtet und umgekehrt. Für evt. erforderlich werdende Betreuungsleistungen können ambulante Dienste von Wohlfahrtsverbänden oder Privatanbietern engagiert werden. Ist jedoch die Pflegebedürftigkeit groß, so ist die Pflege auch kostenintensiv und kann durch die Zuschüsse der Pflegekasse alleine nicht gedeckt werden. Die Bewohnerinnen und ihre Angehörigen zahlen müssen aus der eigenen Tasche zuzahlen. Je nach Einkommen und Vermögen muss auch das Sozialamt einen Teil der Pflegekosten tragen.
Ist der Pflegebedarf gering, können die Kosten durch mithelfende Angehörige gesenkt werden. Nachts genügt dann oft eine Notrufanlage, die mit der Zentrale eines Hilfsdienstes verbunden ist. Schon vor dem Einzug in eine Senioren-WG sollten Pflegebedürftige ihren Hilfebedarf durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen feststellen lassen und sich in eine Pflegestufe einstufen lassen. Dann erhalten sie Zuschüsse zu den Pflegekosten.

Das größte Problem vor Gründung einer Senioren-WG ist jedoch nicht das der Pflegebedürftigkeit, sondern der Mangel an geeignetem und bezahlbarem Wohnraum.


Quelle : Pflege Deutschland
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