Private Besuche bei Bewohnerin

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traveler

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09.12.2005
Kaufbeuren
Hallo Primrose,

alles was bisher hier geschrieben wurde ist genauso richtig wie falsch.

Ich meine allerdings ich muß klar trennen zwischen Beruf und Privat. Die negativen Beispiele, kennen wir alle. Natürlich meinten auch diese Kollegen allesamt es im Griff zu haben und damit umgehen zu können bis psychosomatische Störungen bis hin zum Burn Out sie schmerzhaft eines besseren Belehrten.

Ich möchte an einen Klassiker von W. Schmidbauer - Die hilflosen Helfer -erinnern. Darin zieht er parallelen zu Suchtverhalten - verleugnen, sich selbst belügen, alles begründen können (natürlich) und ich habe alles im Griff und kann es selbstverständlich Kontrollieren - na klar! - Bis wohin?
Ausnahmen bestätigen dies selbstverständlich - AUSNAHMEN! Und klar ICH bin diese Ausnahme - wer denn sonst?!

Ich meine ein genaues Hinschauen lohnt für meine Sozialhygiene und Gesundheit. Was ist meine tatsächliche Motivation/Ziel? Warum muß das gerade ich sein, bin ja sowieso schon 40Std. die Woche da? Kann das jemand Anderer nicht mind. genauso gut oder sogar besser?

Ich glaube das Herauszufinden kann nur mit einem neutralen, geschulten Menschen erfolgen. Unsere Verleugnungs- Verdrängungs- und Selbsbelügungsmechanismen sind doch viel zu gut ausgebildet und trainiert. Vielleicht in unserem Job besonders gut?

Ich meine hier sind die eigenen Antennen besonders weit auszufahren.

Gruß renje
 
Qualifikation
GuK, Lehrer, Sozialbetriebswirt FH
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Angestellt
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traveler

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09.12.2005
Kaufbeuren
Hallo sany,
Seit mehr als 5 Jahren besuche ich fast täglich einen Bewohnerin.Ich verbringe meine Freizeit mit ihr und beide geniessen es sehr.Andere Bewohner und Angehörige haben damit nicht das geringste Problem.Dafür aber Kollegen und Vorgesetzte.Noch heute höre ich täglich dumme Sprüche wie-hast du kein Zuhause-hast du nichts Besseres zu tun?Nein verdammt noch mal,es ist eben meine Art zu leben.Aber ehrlich,lass es,wenn du glaubst das nicht aushalten zu können oder tue es, es ist eine wunderbare Erfahrung!!
Dein Beitrag mach mich sehr, sehr nachdenklich und ein wenig besorgt. Auch ich kenne solche Kollegen und nach diesen Erfahrung weiß ich, dass ich das nie Anfangen werde.

Alles Gute für Dich

Gruß renje
 
Qualifikation
GuK, Lehrer, Sozialbetriebswirt FH
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Angestellt
P

primrose

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Themenstarter/in
05.10.2007
51065
Vielen Dank für alle Antworten, die noch hinzugekommen sind. Vor allem freue ich mich, dass einige nachvollziehen können, dass ich das mache.

Die Fragen ob ich in meinem Urlaub nichts besseres zutun habe, hab ich auch schon gestellt bekommen von den Kollegen, die mich gesehen haben. Taktvollerweise sogar vor der Bewohnerin.
Was die Kollegen darüber denken oder nicht denken ist mir allerdings ziemlich egal. Wenn ich überzeugt davon bin, dass etwas nicht falsch ist und ich keinem damit schade sollen andere meinetwegen denken, was sie wollen.
Zumal ich auch ganz gute Fortschritte bei der Bewohnerin bemerke, die Schluckstörung hat sich sehr verbessert durch das ständige Üben und auch das Kauen klappt wieder ganz gut, das war vor paar Wochen noch ganz anders. Ich weiss selbst, das man im Pflegealltag gar keine Zeit hat, sowas zu fördern.

Renje, deine Bedenken verstehe ich. Und es ist wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass ich jetzt sage, dass ich kein Problem mit der Situation habe. Es ist bei mir so, dass ich mit meiner Zeit nicht sehr geizig bin. Das betrifft auch andere Situationen, die mit der Arbeit nichts zutun haben. Ich habe immer noch genug Stunden am Tag für mich und meine Interessen. Das, was mich momentan stresst sind nicht die 4-5 Std, die ich mit den Besuchen verbringe, sondern dass ich mich vorher 10 Std lang frage was passiert, wenn die Heimleitung davon mitbekommt und es mir verbietet. Mich dem einfach zu fügen wäre nicht meine Art, weil es für mich ein völlig sinnloses Verbot ist. Ich achte sehr genau darauf, niemandem zu schaden und die anderen Bewohner bekommen von den Besuchen gar nichts mit. Ich merke, dass die Besuche nur positiven Effekt haben und da wäre es gegen meine Einstellung, mich einem Verbot zu fügen, bei dem es nur ums Prinzip gehen kann. Das ist sicher nicht vernünftig, aber ich kann sonst Abends nicht in den Spiegel sehen, in allen Situationen, wenn ich entgegen meiner Überzeugung handele.
Ich mache mir halt Sorgen, wie ich reagieren soll, wenn die Leitung es verbietet. Mein Problem ist dabei, dass ich rechtlich keine richtige Information habe, ob sie es mir verbieten könnte, weil ich MA bin. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir natürlich das, was viele hier ja auch schon geschrieben haben, nämlich dass es meine Sache ist, was ich in meiner Freizeit mache.

Heute (und den Rest der Woche) hat ne Kollegin Dienst, die jede Gelegenheit nutzt, der Wohnbereichsleitung Informationen zu liefern, die sie an die Leitungsebene herantragen kann. Also werde ich vermutlich morgen in der Situation sein, dass die Leitung davon Kenntnis hat.
 
Qualifikation
Altenpflegehelferin
Fachgebiet
Altenheim
L

Lisy

Hallo primrose,
das du deine Freizeit in eine Bewohnerin investierst, kann ich ja noch grad so ein bischen verstehen, das du dies aber versuchst heimlich zu machen, finde ich komplett ungut.
Ich hatte auch schon immer mal wieder einen Kunden in den ich Zeit investierte. Ich hab dies jedoch sehr früh allen mitgeteilt. Geh aktiv auf deine PDL zu und rede mit ihr.
Was machst du eigentlich, wenn die Bewohnerin stirbt?
Gruß Lisy
 
ciaobella

ciaobella

Mitglied
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30.07.2007
70176
Professionalität hin, Professionalität her...
Ich denke es kommt immer noch darauf an, wie lange man den/die Patient/in schon kennt/ seit wann schon pflegt. Als ich auf Stationen für querschnittgelähmte Patienten arbeitete, habe ich es 2mal miterlebt, dass Pflegerinnen den Patienten incl. Familienangehörige während eines Stadtrundgangs (und einmal auf ein Kulturfestival) in ihrer Freizeit begleitet haben. Die Pflegerin, die damals auf das Kulturfestival ging, dachte sich, da sie sowieso dort hin wollte, und der Patient sich alleine sehr unsicher fühlen würde, könne sie doch den Patienten begleiten und bei Schwierigkeiten helfen. Die Patienten wurden oft ca. 1 Jahr auf Station intensivst betreut, da baut man, ob man es will oder nicht, eine Art "Beziehung" auf.
 
Qualifikation
GKP
Fachgebiet
SU
M

Michellchen

Neues Mitglied
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23.10.2007
Molsberg
Das habe ich aber auch schon gemacht... Meine Chefin hatte nichts dagegen, aber es gibt ja auch andere...
 
Qualifikation
Azubi Altenplegerin
Fachgebiet
Psychiatrie
kleineTigerente

kleineTigerente

Mitglied
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01.12.2006
21337
Hallo primrose,

ich finde es grundsätzlich positiv, dass Du in dieser einen Mitbewohnerin jemanden siehst, der Dir einfach sympathisch ist!
Und ich finde es auch irgendwie beeindruckend, dass es Dir wurscht ist, was andere davon halten.....

Aber Du thematisierst es hier.....



Ich denke jedoch, dass Du, die großzügig mit ihrer Zeit ist, schon im Ansatz DeinTeam spaltest - ohne es zu merken oder zu beabsichtigen natürlich!!

Du bist bei den Bewohnern die GUTE, Deine Kollegen, die weniger Zeit haben, sind letztendlich die SCHLECHTEN - sowas geht sehr, sehr schnell - sollte aber nicht passieren, da es erstens schlecht für den Patienten ist (stell Dir mal vor, sie mögen Deinen Kollegen nicht sagen, dass sie noch einen Extra-Tee möchten, da sie wissen, dass nur DU Dir die Zeit nimmst, ihn zu kochen!

Deine Kollegen geraten so pöapös in Mißkredit, und das ist nicht in Ordnung, denn sie arbeiten während Ihrer Dienstzeit wahrscheinlich genauso hart wie Du!!

Im Team sollte etwa gleichviel auf alle Bewohner eingegangen werden (vom Zeitaufwand her) - sonst kommt es früher oder später zum Ungleichgewicht!

Versteh mich bitte nicht falsch, aberbei uns in der Psychiatrie gibt es sehr viele Patienten mit Spaltungstendenzen, sie versuchen sher oft, das schwächste Glied im Team auszunutzen. (Nein, ich denke natürlich nicht, dass man das mit der freundschaftl. Zuwendung zu Deiner speziellen Bewohnerin vergleichen kann!!)
Wenn wir das mit uns machen lassen, hätten wir bald keine Harmonie mehr im Team...darum weise ich Dich nur ganz neutral auf diesen Mechanismus hin!

LG

und mach wieter so - wenn Du authentisch bist, ist das immer noch die beste Voraussetzung für eine gute Pflege - aber bitte für alle Dir anvertrauten Bewohner!! Auch wenn es grad sehr hart für Dich klingen mag - Du musst professionell damit umgehen, für ein gutes Team!!

LG

von der Tigerente

Marlies
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie
sany

sany

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31.05.2006
berlin
Hallo Lisy,
die Frage was man macht wenn die Bewohnerin stirbt ist die,die ich am übelsten finde.Ich werde regelmässig gefragt ob ich dann eine ´Neue`suche.Menschen die man gern hat sind nicht zu ersetzen.So schön das Zusammensein mit meiner alten Dame ist,noch einmal werde ich nicht tun.Wir geniessen jede Minute die bleibt.Was dann kommt?Ich werde sehr traurig sein und dann.....mal sehen.Übrigens habe ich stets in einem anderen Wohnbereich gearbeitet.Jetzt bin ich nachdem wir beide wegen eines Umbaus in ein anderes Haus kamen wieder zurückversetzt worden(auf eigenen Wunsch).Meine Vorgesetzten müssten jetzt zufrieden sein.
Ich habe schon shr oft intensive Sterbebegleitung in unserer Einrichtung gemacht.Erstaunlicherweise fand das der Arbeitgeber gut(obwohl ich es in meiner Freizeit getan habe).Wenn es der Qualitätsverbesserung des Hauses sind private Besuche gern gesehen.Mir ist aufgefallen,dass die meisten negativen Kommentare von PDLs kamen.Bleibt beim Aufstieg vielleicht die Menschlichkeit doch etwas auf der Strecke?In Erwartung von Protesten verbleibt
Sany
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Pflegeheim
P

primrose

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
05.10.2007
51065
Kleine Tigerente,
ich finde grundsätzlich diese Diskussion hier sehr interessant und gut- eben weil auch so viele verschiedene Meinungen vorkommen.

Es ist bei uns leider so, dass die Situation im Team, in der Leitungsebene und, was für die Bewohner wohl am schlimmsten ist, auch in der Pflegequalität ein einziges Chaos ist.

Selbstverständlich behandel' ich im Dienst jeden so, wie ich auch selbst behandelt werden wollte und vernachlässige nicht jemand anderen um jemanden zu bevorzugen. Damit habe ich automatisch eine gewisse Stellung bei den Bewohnern, weil es eben doch immer mit der Motivation der einzelnen PK zutun hat, wie aufgehoben sich der Bewohner fühlt oder eben nicht. Sicher habe ich auch Zeitdruck und muss fertig werden, aber ich muss nicht um 20 Uhr im Stationszimmer sitzen und auf die ÜG warten, wenn der Dienst bis 21 Uhr geht. Und in einer Stunde kann man bei jedem einzelnen Bewohner der zugeteilten Gruppe einiges machen, um ihnen das Gefühl zu geben, als Mensch versorgt zu werden, nicht als Sache.

Beispiel: Gestern hatte ich den 1. Tag wieder Dienst nach meinem Urlaub und ein Bewohner hat jeden Tag Besuch seiner Frau, die auch schon alt ist. Sie reicht ihm essen und trinken an und notiert es dann für uns. Ich hab zwischendurch immer ins Zimmer geschaut, ob alles in Ordnung ist bei den beiden, sie sagte immer ja. Hinterher sagte sie, sie hätte ziemlich geschwitzt beim essen anreichen, vor allem, weil er immer zur Seite rutscht und sie ihn dann rüberziehen muss. Ich sagte ihr, ob es denn nicht besser wäre, wenn sie sich helfen ließe von uns oder zumindest sich meldet, wenn er wieder zur Seite rutscht. Nein, sie wolle das machen. Sie sagte mir dann, was er getrunken habe und ich meinte, er sollte noch etwas trinken, damit er auf seine Flüssigkeitsmenge käme und reichte ihm das dann an, was problemlos ging. Sie war ganz verwundert, dass er sich nicht weigerte gegen das Trinken und ich sagte zu ihr "Sehen Sie, es ist für uns manchmal etwas leichter, ihm zu helfen, schon allein wegen unserer Kröpergröße (sie ist sehr klein und am Bett ist das dann sicher schwer). Da sagte sie, dass sie das lieber selbst mache, weil er von manchen das Trinken so reingeschüttet bekommt, dass er sich heftigst verschluckt.

Und das ist nur ein Beispiel für die Pflegequalität bei uns. Das Team ist schon allein deshalb gespalten, weil die einen gegen diese Art der Pflege sind und die anderen aber lieber quantitativ statt qualitativ arbeiten bzw. wir alle dazu angehalten werden von der WBL und von der Leitung keine Unterstützung erfahren.

Was das Verhältnis zu einzelnen Bewohnern angeht, sehe ich das wie sany: Natürlich wird es schlimmer, wenn jemand stirbt, an dem man eben auch privat irgendwie hängt. Nur das ist grundsätzlich so, egal ob das ein Bewohner ist oder ein Freund, Verluste sind schmerzhaft. Und natürlich sucht man sich dann dafür keinen Ersatz, dann wäre es einem auch nicht um den Menschen gegangen, sondern man hätte vermutlich einfach ein Helfersyndrom oder sowas in der Art.
 
Qualifikation
Altenpflegehelferin
Fachgebiet
Altenheim
kleineTigerente

kleineTigerente

Mitglied
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01.12.2006
21337
Hallo nochmal,

in diesem - ohnehin schlechtem - Team musst Du dann wohl wirklich keine Rücksicht nehmen - da gibts wohl nichts mehr zu spalten....seufz!
Und musst Dich dann auch nicht mit Rücksicht auf das Team zurücknehmen, was Dir ja eh sichtlich schwer fiele....

Schade, dass Du unter diesen Bedingungen arbeiten musst - hättest ganz sicher etwas Besseres verdient!

Aber auch schön, dass Du trotzdem motiviert versuchst, den Bewohnern etwas mehr zu vermitteln, als dass sie wie eine "Sache" versorgt werden....

Die Frage, die sich mir jetzt allerdings stellt, ist:

wie lange Du das wohl durchhältst...unter so miserablen Bedingungen zu arbeiten, macht über kurz oder lang krank!

Paß auch auf DICH auf....!

LG

von der Tigerente

Marlies
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Psychiatrie
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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