priv. Computer in der Forensik

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Naumburger

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Hallo!

Ich suche dringend ein Paar Informationen zur priv. Computernutzung im Maßregelvollzug. Was haltet ihr bei der Kontrolle eines PC's für erforderlich, wenn Pat. einen "Stationscomputer" gestellt bekommen. Insbesondere interessiert mich das Thema Rund um die priv. erstellten Daten der Patienten.
Freue mich schon auf eure Antworten.
 
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kleinergizmo

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Guten Morgen!

Das Wichtigste voran - rechtliche Bedingungen des Ganzen kenne ich nicht wirklich, aber einige Ideen hätte ich parat.

Aus einer gewissen Erfahrung heraus (Kooperation mit der JVA bezüglich Praktikanten in einer öffentlichen Einrichtung, Besuchen von ausländischen kinderpornografischen Seiten) würde ich empfehlen, die notwendigen Filter für eine Internetnutzung nicht auf bestimmte Suchwörter zu beschränken.

Mir erscheint, was das Internet betrifft, eine Erlaubnis für bestimmte Seiten sinnvoller als das Sperren anderer Seiten... Hinzufügen kann man ja immernoch - als Grundlage sind sicherlich bspw. Seiten der Arbeitsagentur sinnig.
Dabei weiß ich aus Deiner Beschreibung nicht mal, ob ein Internetzugang dabei sein soll :wink:

Was die Daten betrifft - hierbei wird es vor allem um Dokumente gehen, oder? - wäre wohl auch ein genereller Schreibschutz mit einzelnen Ausnahmen sinnig, um wirklich Kontrolle über die erstellten Daten zu haben... Ein "Patientenordner", namensgeordnet, jeder mit Passwortsicherung und vom Admin natürlich komplett einsehbar, wäre wohl relativ gut umsetzbar.

Alles in allem würde ich da niemals selbst rumdoktorn, sondern wirklich jemand ranlassen, dessen Arbeit dort auch einem versierten (und hochmotivierten) Hacker standhält...

Ich hoffe, Dir ging es überhaupt um die technische Umsetzung und nicht nur um's Rechtliche... :innocent:

LG,
Gizmo
 
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Naumburger

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Hallo! Erstmal vielen Dank für deine Gedanken. Ich hätte wohl noch ein paar mehr Details einfügen sollen. Der Computer ist nicht mit dem Netzwerk verbunden, somit steht auch kein Internet zur Verfügung. Die Kontrolle der Daten halte ich auf der einen Seite für wichtig, auf der anderen Seite denke ich mir, dass was da im Computer steht könnte auch auf einen Blatt Papier beim Patienten lagern. Das selbige beim Pat. zu finden und den Inhalt zu erfassen halte ich für schwierig.
Weiter gibt es für jeden Pat. ein eigenen Benutzeraccount, welcher begrenzt ist, d.h. der Pat. kann nur auf seine Daten zugreifen, der Admin hingegen auf alle. Ich habe das System schon "abgeklopft" und mit den vorhandenen Restriktionen für sicher genug eingestuft. Hintertürchen wird es immer geben, aber ohne die entsprechenden Tools wohl sehr schwer aufzustossen zu sein. Aber was ist, wenn die Pat. ihre Dokumente mit einem Passwort schützen? bin ich dann rechtlich abgesichert, wenn ich diese Daten lösche, da die Gefahr besteht das der Inhalt die Sicherheit und Ordnung der Einrichtung gefährden kann?
 
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kleinergizmo

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N'Abend!

dass was da im Computer steht könnte auch auf einen Blatt Papier beim Patienten lagern. Das selbige beim Pat. zu finden und den Inhalt zu erfassen halte ich für schwierig.
Naja, grundsätzliche Erfahrungen fehlen mir in der Forensik leider :wink:
Wie genau "filzt" ihr denn da? Werden "Zettel" nicht beachtet bei Zimmerkontrollen?

Sofern ein Drucker zur Verfügung steht (wovon ich ausgehe, wenn keine Mails verschickt werden können, müsste man drucken können, oder?), kann ja jeder Patient ausdrucken, was er nicht für fremde Blicke erachtet. Wenn also Papiere bei Kontrollen nicht wirklich erfasst werden, kann man das rein logisch betrachtet am PC ähnlich halten. Da fehlt mir halt echt die Erfahrung bzgl. Gründlichkeit...

Aber was ist, wenn die Pat. ihre Dokumente mit einem Passwort schützen? bin ich dann rechtlich abgesichert, wenn ich diese Daten lösche, da die Gefahr besteht das der Inhalt die Sicherheit und Ordnung der Einrichtung gefährden kann?
Generell sind die Grundrechte im Vollzug doch allgemein massiv beschnitten, oder? Mit der Order "Schreibschutz darf nicht verwendet werden, sonst Löschung" muss man sich sogar in Firmen etc. abfinden... Das empfinde ich (ganz laienhaft) als wirklich zumutbar.

Ich würde mich nur mal schlau machen, ob Dokumente nicht unter das Postgeheimnis fallen... *grübel* Wenn da Schreiben an Anwälte etc. verfasst würden?
Das reine Löschen der Daten (nachdem man angekündigt hat, bei Missachtung der Schreibschutz-Regel so zu verfahren) ist vielleicht sogar unproblematischer als das Öffnen und Lesen der Dateien, oder...? Nicht, dass da noch Zeugen nötig wären... *kopfkratz*

Man sieht, ich hab weiterhin wenig Ahnung, aber vielleicht bringt es ja noch die ein oder andere Anregung :blushing:

LG,
Gizmo
 
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Flashmob

Hallo!

Ich muß mal ganz blöd nachfragen, welchen Zweck dieser PC überhaupt erfüllen soll.
Also :
Internet - is nicht
Irgendwelche Spiele - is nicht (unterstelle ich jetzt einfach mal)

also bleibt ja nur, irgendwelche Medien zu öffnen + zu nutzen (Fotos, Software...) - wird aber wohl auch nicht so gern gesehen sein...
oder um was zu schreiben (aber dafür brauch ich nicht unbedingt einen PC - außer, es handelt sich um nichtprivaten Schriftverkehr)

...hmmm...irgendwie hab ich das Gefühl, dass da ein guter Wille ist, aber durch die ganze Reglementierung hätte eine hingestellte Schreibmaschine denselben Effekt
 
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Naumburger

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Hallo!

Ich bin beeindruckt von euren Gedanken!

Der PC soll dazu dienen die Patienten, im Rahmen der Resozialisierung, im Umgang mit der EDV Technick zu schulen, fördern und Resourcen zu erhalten. Denkt nur mal an das Arbeitsamt, dort stehen auch PC's zur Suche von Arbeitsangeboten bereit. Außerdem ist auf dem PC ein Programm zur Förderung und Erhaltung der kognitiven Funktionen der Patienten installiert - und ja, auch Spiel ;-)

In der Rechtsprechung ist es glaube so (genaueres müsste ich auch erstmal nachlesen - aber bei uns wird's so gehandhabt), dass priv. Dokumente gelesen werden dürfen, ergo erhalte ich Kenntnis vom Inhalt. Allerdings ist Verteidigerpost oder Anwaltspost davon ausgenommen, soll heißen, die Dokumente darf ich zwar sichten, aber keine Kenntnis vom Inhalt erlangen.
Daher überlege ich schon die ganze Zeit wie ich das auf den PC übertragen kann. Aber mal sehen, denn die Pat. wissen ja auch, das die Dokumente kontrolliert werden - zumindest werden sie es wissen, wenn es soweit ist...
 
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Flashmob

Der PC soll dazu dienen die Patienten, im Rahmen der Resozialisierung, im Umgang mit der EDV Technick zu schulen, fördern und Resourcen zu erhalten. Denkt nur mal an das Arbeitsamt, dort stehen auch PC's zur Suche von Arbeitsangeboten bereit.
Danke für Deine Antwort! :eek:riginal:

Schäme mich jetzt ein wenig über meine Arroganz im letzten Post - ich bin nicht davon ausgegangen, dass viele Menschen mit einem PC nicht selbstverständlich umgehen können :sad:

Die Gedanken, die Du da schilderst, finde ich ziemlich gut und unterstützenswert.

Zum Thema Anwaltspost : wäre doch besser, wenn so etwas schriftlich schwarz-auf-weiß erfolgen würde und nicht "nur" per Mail mit Dateianhang. Wäre mir persönlich zu unsicher ; 1) kommt nicht wirklich jede Mail an 2) ist die Gefahr größer (als beim normalen Schriftverkehr), dass "Nicht-Autorisierte Personen" Kenntnis vom Inhalt erlangen könnten - also durch Reinhacken oder weil man sich nicht ordentlich ausgeloggt hat etc.
 
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Tom H.

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Hallo

Ich arbeite in der Suchtforensik unserer Klinik, es gibt 4 geschlossene und 2 halboffene Stationen. Auf allen Stationen stehen den Patienten PC´s zur Verfügung. Einfache Konfigurationen, mit Drucker. Die Rechner dienen den Patienten um persönlichen Schriftverkehr zu regeln, zeitgemäß eben. Weiterhin bekommen die Patienten im Rahmen der Therapie jede Menge Aufträge - Reflexionen, Tagebuch, spezielle Referate zu persönlichen Themen und vieles mehr. Unsere Rechner sind nicht am Netz angeschlossen, ist eh klar, Mißbrauch und der Blick nach "Draußen" würden von der Therapie zu sehr ablenken. Laufwerke sind ebenso nicht vorhanden, somit können keine Daten ausgetauscht werden. Wir haben jederzeit das Recht, den Rechner einzusehen. Wir haben bis auf ganz wenige Ausnahmen gute Erfahrungen gemacht. 2 oder 3 Patienten haben in den vergangen 4 Jahren den Rechner insoweit genutzt, als das "sehr schräge" Texte verfasst wurden, aber das geht auf Papier ja auch.
Weiterhin gibt es in unserem Ergo- bzw Arbeitstherapeutischen Bereich die Möglichkeiten, mit PC´s vertraut zu werden, richtige Schulungen etc für Patienten.
Wie die Sache gesetzlich geregelt ist, mal sehen ob ein Blick in die länderspezifischen Maßregelvollzugbestimmungen was hergibt. Ich weis zumindest eines, das in Bayern (also bei uns) der Besitzt von "persönlichen PC´s" nicht gestattet ist. Den Schriftverkehr kontrollieren wir nur im Posteingang, im Sinne von "Schmuggelaktionen" also nach Drogen und andern verbotenen Dingen.
Gruß aus Bayern - Tom
 
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Stationsleitung/Fachkrankenpfleger
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Suchtforensik
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