Pflegewissenschaft - Pflege nach Peplau

I

Ingo Tschinke



Kategorie : Pflege / Pflegewissenschaft

Autor : Howard Simpson

ISBN-Nummer : 3784108636

Verlag: Lambertus Verlag

Preis: broschierte Ausgabe, 158 Seiten, 15,40 €

Das Pflegemodell nach Peplau ist das älteste Modelle der Pflegetheorien. Es wurde erstmalig von Peplau 1952 veröffentlicht. Sie entwickelte ihre "Interaktionsmodell" aufbauend auf ihre psychoanalytischen Kenntnisse als Psychologin und psychiatrische Fachschwester. Sie eröffnete damit den Reigen der Auseinandersetzungen mit Theorien und Modellen der Pflege, den in den nächsten 30 Jahren mit Henderson, Orem, Abdellah, Orlando und viele andere nachfolgten.

Für Peplau standen in ihrem Modell nicht die zu befriedigende Bedürfnisse im Vordergrund (s. Henderson, Roper, Orem) sondern die Interaktion im dynamischen Patienten-Pflegenden Verhältnis. Peplau betont in ihrem Modell die Einzigartigkeit der Pflege durch das Zusammentreffen von Individuen, die individuell zu pflegen und zu unterstützen sind.

Nach der grundlegenden Theorie von Peplau befindet sind dem Mensch im einem ständigen Reifungsprozess, da er sich in einem instabilen Gleichgewichtszustand befindet, der niemals erreicht werden kann.

Pflege ist auch Reifungsprozess, eine Art Erziehung in der sich der Pflegende reflektiv mit seiner Arbeit, seinen Fähigkeiten und seinen Begegnungen auseinandersetzt, um daran zu reifen. In der interpersonellen Beziehung, kann nur dieses "aneinander reifen" durch die Pflegekraft genutzt werden.

Peplau sieht die Beziehung als eine Grundlage des pflegerischen Handelns im Pflegeprozess an. Also ist für die Anwendung ihres Modells das "Primary Nursing" bzw. Bezugpflegeorganisation unabdingbar.

Ihr Modell gliedert den Prozeß der Beziehung in Orientierungsphase (Pflegende und Patient begegnen sich als Fremde), Identifikationsphase (Assements werden erstellt und gemeinsame Ziele vereinbart), Nutzungsphase (Patient und Pflegende profitieren voneinander in der interpersonellen Beziehung, Anwendung der Pflegeplanung), Ablösungsphase (Entlassung des Patienten aus der Klinik, Begleitung in der Übergangsphase) und der abschliessende Evaluation des Behandlungsprozess.

Sie kann gegenüber dem zu Pflegenden reflektorisch Rollen einnehmen, die dieses dabei unterstützen, den Gesundungsprozess positiv zu beeinflussen. Ihr Modell geht auf die verschiedenen Rollen der Pflegenden als Fremde, als Informationsquelle, als Lehrende, als Führungspersönlichkeit, als Beraterin und Stellvertreterin ein.

Das vorliegende Buch von Howard Simpson stellt das Pelausche Modell in kürze dar und vregleicht mit praktischen Beispielen die Anwendung in der Praxis, d.h. es werden in dem Buch sechs Behandlungsverläufe - in der Pädiatrie, Innere, Chirugie (Notfall) und Psychiatrie beschrieben - die das Modell sehr anschaulich darstellen.

Es ist Ziel dieser Reihe "Nursing Models in Action", die Pflegemodelle zu hinterfragen und auf ihre Praxisrelevanz zu überprüfen.

Peplaus Modell hat keinen umfassenden Anspruch hierbei, sondern betrachtet die Wichtigkeit der interpersonellen Beziehung in der Pflege. Es wird deutlich, dass dieses Modell zwar in erster Linie aus der psychiatrischen Pflege stammt, für die dieses Modell zwingend zu empfehlen ist (im Gegensatz zu den Modellen von Orem, Roper oder Krowinkel etc.), aber es auch sehr nutzbringend in Pflegesituationen sein kann, in denen Pflegende über längere Zeit von Pflegenden betreut werden, wie z.B. in der ambulanten Pflege.

In der kritischen Reflektion im letzten Kapitel des Buches wird die Frage der Selbstreflektion, die Erwartung Peplaus an die Kompetenz der Pflegenden und den Zeitumfang den ihr Modell benötigt betrachtet.

Fazit: Diese kleine Buch von 158 Seiten Umfang stellt Pelaus Modell in Kürze dar und reflektiert dessen Anwendbarkeit in der Praxis. Auch wenn das Modell schon nunmehr mehr als 50 Jahre alt ist, hat es wenig an Relevanz für die Pflege verloren, insbesondere wenn man sich die Diskussion um die Bezugspflege in der Pflege in Deutschland kritisch betrachtet. Peplau war ihrer Zeit weit vorraus.

Howard Simpson hat das Modell Anfang der 90iger in der Praxis überprüft und auch viele Einflüsse später Autoren (Stockwell, Johnston etc.) mit einbezogen. Wenn man ihr Werk bzw. ihr Modell in Gänze betrachtet, bleibt dieses Buch zwar an der Oberfläche, aber es ist eine gute Lektüre für jeden Praktiker, der sich nicht so gerne in der Tiefe der abstrakten Theorien verlieren möchte. Es wird seinem Preis-Leistungsverhältnis sehr gerecht.

Aufbau:


Aktualität:


Übersichtlichkeit und Gestaltung:


Didaktik und Verständlichkeit:


Buchformat:


Inhalt:


Gesamtbewertung:


Rezensiert von Ingo Tschinke, Fachpfleger in der Psychiatrie

Buch hier bestellen.

[ 01. Juni 2003 13:56: Beitrag editiert von Ingo Tschinke ]
 

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