Studium & Beruf Pflegevisite - Erfahrungen

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Frank L

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Hallo Astrid,
in unserer Klinik machen wir Pflegevisiten.
Erfahrungen mit der Pflegevisite ist sehr unterschiedlich, weil sie auch unterschiedlich angewand wurde. In manchen Abteilungen haben wir 1x tgl., in anderen 2xtgl.(mittags und abends), und in wieder anderen Abteilungen 1-2x wöchentlich Pflegevisiten abgehalten.
Der Inhalt und die Art und Weise wie man die Pflegevisite gestaltet ist wohl entscheidend.
Es bedarf eines intensiven Trainings bis Pflegevisiten so ablaufen, dass Patienten und Pflegepersonal einen Nutzen daraus ziehen können.
Geht es nur um einen Patientenbesuch, bei dem der Patient eher stumm gehalten wird, kann man sich das wirklich sparen (total peinlich). Wenn man eine Pflegevisite einrichtet um Pflege mit dem Patienten zu vereinbaren und beratend für und mit ihm tätig zu werden, ist das eine tolle Sache. Aus meiner Erfahrung heraus, sollte man zunächst den Gedanken an die Arztvisite (nur mit Pflegekräften) vergessen!!!
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, eine einheitliche Nomenklatur. Die Mitarbeiter brauchen eine gute Beratung, wie und was sinnvoll und weniger sinnvoll ist. Gut bewährt hat sich bei uns, wenn immer wieder Kollegen aus anderen Abteilungen dazu kommen und danach besprochen wird, was gut und was weniger gut war.
Gruß
Frank
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A/I; Pflegedienstleiter
Fachgebiet
Pflegeabteilungsleitung / QM / Controlling
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Sigi

Hallo Astrid,

wenn Du nicht allzu sehr auf den Bereich Krankenpflege fixiert bist: Für den Bereich der Altenpflege habe ich eine Verfahrensanweisung zum Thema Pflegevisite für unser Haus erarbeitet. Wenn Du daran Interesse hast......

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Gruß Sigi

[Dieser Beitrag wurde von Sigi am 26. Oktober 2000 editiert.]
 
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Karl

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Hallo!
Hat schon jemand Erfahrungen mit der Umsetzung von Pflegevisiten gesammelt? -
Werden diese schon von Euch in einem Krankenhaus angewendet???
Astrid

mailto: [email protected]
Gibt es nur so wenig Erfahrungen mit Pfelgevisiten oder haben alle ihre Antworten an Astrid direkt geschickt? Mich interessiert das Thema auch. Ich selbst habe allerdings nur ein einziges Mal an einer Pflegevisite, sprich Übergabe am Bett teilgenommen, bei Aushilfe auf einer Station.
Gruß, Karl
 
Qualifikation
Pflegewissenschaftler
Fachgebiet
Universität Bremen
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Sigi

Hallo Karl,

es gibt in der Tat Grenzen der Veröffentlichung im Board :wink:.
Schick mir eine Mail, wenn Du weitergehende Info´s möchtest.

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Gruß Sigi
 
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sunflower

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Hallo,

die Pflegevisite ist eigentlich keine Dienstübergabe am Patientenbett, sondern stellt den letzten Schritt des Pflegeprozeßes, nämlich der Evaluierung/Überprüfung der Pflegemaßnahmen dar.
In der Klinik wo ich arbeite, sind wöchentliche Pflegevisiten, sowohl auf Allgemein- als auch auf Intensivstationen durch die Pflegedirektion ausdrücklich erwünscht und es muß hierüber ein Protokoll angefertigt werden, welches für die PDL zur Einsichtnahme vorgehalten werden muß.
Bei den Pflegevisiten ist auf jedenfall jemand aus dem Stationsleitungsteam, die Schichtleitung und die betreuende Pflegekraft, sowie bei spez. Problemen auch die Krankengymnastik und/oder Ergotherapie.

Die Visite gliedert sich wie folgt:
Zuerst stellt die betreuende Pflegekraft den Pat. kurz mit seinen med. Problemen und dann ausführlich alle pflegerisch relevanten Problemen vor. Daraufhin überprüft die Stationsleitung die Pflegeplanung, ob die aufgezählten Probleme auch tatsächlich geplant und dokumentiert wurden. Danach wird in der Runde über die Maßnahmen und evtl. Verbesserungen gesprochen und v.a. ob die bislang erfolgten Maßnahmen Erfolg hatten.
Wichtig ist natürlich, daß die Patienten soweit wie möglich mit einbezogen werden, sofern sie nicht analgosediert sind.

Auf unserer Station wählen wir vorzugsweise die "Langlieger" aus, die multiple Pflegeprobleme aufweisen.

Wir haben auf unserer Station bislang damit sehr gute Erfahrungen gemacht und die Pflegequalität hat sich seitdem konstant verbessert.

Wichtig ist jedoch, daß man die Pflegevisite nicht zu einer reinen Kontrolle der Mitarbeiter (habe ich leider schon häufig erlebt) benutzt, denn diese kann man auch anders ausüben und muß es nicht über diesen Weg machen, wo ja der Patient mit bei einbezogen werden soll.

Viele Grüße,
sunflower


PS: Wenn Zeit besteht, nehmen auch die anderen kollegen in der Schicht an der Visite teil, um dann in einer noch größeren Runde über die Probleme zu diskutieren.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
Fachgebiet
Intensivpflege
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Karl

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Hallo sunflower,
die Pflegevisite wird in der Tat sehr verschieden gehandhabt, wie ich aus der Literatur dazu ersehen habe. Aber ich habe noch ein paar Fragen: Wer entscheidet denn, welche Pflegekraft und welcher Patient vorgestellt wird. Wie ist die Akzeptanz beim Pflegepersonal und wie bei den Patienten?
Grüße, Karl
 
Qualifikation
Pflegewissenschaftler
Fachgebiet
Universität Bremen
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sunflower

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Hallo Karl,

die Entscheidung über die Patientenauswahl obliegt i.d.R. der Stationsleitung, da diese die Pflegevisite auch als Instrument der Qualitätskontrolle auf ihrer Station sieht. Allerdings wählt das gerade anwesende Team in gewisser Weise den oder die Patienten mit aus, welche "visitiert" werden.

Die Akzeptanz bei den Kollegen ist recht ausgeprägt, solange die Pflegevisite nicht in eine reine Kontrollfunktion ausartet (was ich wie schon erwähnt, häufig erlebt habe).
Bei den Patienten wird die Pflegevisite durchweg positiv aufgefasst, da sie das Gefühl haben, daß sich "einer mal richtig um sie kümmert und sie ernst nimmt". Dazu muß aber erwähnt werden, daß rund 3/4 der Pflegevisiten bei beatmeten Patienten, v.a. bei denen, die sich in der Entwöhnungsphase befinden, stattfinden.

Viele Grüße,
sunflower


[Dieser Beitrag wurde von sunflower am 01. November 2000 editiert.]
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie+Intensiv
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Intensivpflege
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sunflower

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Hallo Astrid,

sicherlich wird die Pflegevisite in gewisser Weise auch zur Mitarbeiterbeurteilung benutzt.
Dafür bietet diese sich ja auch nahezu ideal an.
Denn bei einem großen Team mit rund 40-50 Pflegekräften kann man gar nicht immer über jede einzelne Pflegekraft wissen, wo sie steht und wie sie arbeitet. Dies kann dann die Pflegekraft im Rahmen einer solchen Pflegevisite unter Beweis stellen.

Man schlägt sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen überprüft man -als letzten Schritt der Pflegeplanung- den Erfolg der geplanten Maßnahmen und zum anderen auch die entsprechende Pflegequalität, die dabei natürlich auf die gerade betreuende Pflegekraft zurückfällt.
Von daher ist in der Früh, wenn die Pflegevisiten angesetzt sind, auch immer eine leichte Aufgeregtheit im Team zu spüren;)

Viele Grüße,
sunflower
 
Qualifikation
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Sigi

Hallo sunflower,

entweder sprechen wir hier von zwei völlig unterschiedlichen Methoden der Pflegevisite oder ich verstehe Dich falsch. Ich habe an anderer Stelle schon einmal versucht das Thema Mitarbeiterbeurteilung anzuregen, leider mit wenig Erfolg. Dennoch halte ich das Thema für sehr diskussionswürdig.
<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>Du schreibst:Denn bei einem großen Team mit rund 40-50 Pflegekräften kann man gar nicht immer über jede einzelne Pflegekraft wissen, wo sie steht und wie sie arbeitet. Dies kann dann die Pflegekraft im Rahmen einer solchen Pflegevisite unter Beweis stellen.<HR></BLOCKQUOTE>
Eine Mitarbeiterbeurteilung nimmt in aller Regel der/die unmittelbare Vorgesetzte vor. Dies dürfte auch in Deinem Fall die Stationsleitung sein und die wird wohl kaum 40-50 Pflegekräfte zu beurteilen haben. Wenn doch, stimmt es am Beurteilungssystem nicht. Wenn der/die Vorgesetzte eine Pflegevisite zum Anlaß nimmt, damit Mitarbeiter sich mit ihrer Arbeit unter Beweis stellen ( müssen? ), dann stimmt an der Qualifikation der/des Vorgesetzten etwas nicht.
<BLOCKQUOTE>Zitat:</font><HR>Du schreibtst weiter: Man schlägt sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen überprüft man -als letzten Schritt der Pflegeplanung- den Erfolg der geplanten Maßnahmen und zum anderen auch die entsprechende Pflegequalität, die dabei natürlich auf die gerade betreuende Pflegekraft zurückfällt.<HR></BLOCKQUOTE>
Also ich unterstelle mal, dass die gerade betreuende Pflegekraft auch die Bezugspflegekraft ist. Und nur dann ist ihr u.U. eine Mitverantwortung für die wie auch immer sich darstellende Pflegequalität zuzuordnen.
Mal abgesehen davon, dass ich als betroffener Mitarbeiter an eine solche Pflegevisite nur mit meinem Rechtsanwalt teilnehmen würde, frage ich mich ersthaft, was ihr tatsächlich unter > Pflegevisite < versteht.
Bei uns werden in der täglichen Übergabe die BewohnerInnen mit psychischen und physischen Auffälligkeiten angesprochen, bei denen auch mittels Pflegeplanung keine Verbesserung der Situation erreicht werden konnte und der Pflegeprozeß einer kontinuierlichen Störung unterliegt. Es handelt sich generell um rein pflegerische Probleme. Und in diesem Prozess hat eine Mitarbeiterbeurteilung nichts, aber auch gar nicht zu suchen. Eine solche Vorgehensweise ärgert mich maßlos, denn so wird eine gute Sache – nämlich die Pflegeviste – zweckentfremdet. Schade drum.


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Gruß Sigi
 
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Astrid

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Erstens schreib i c h das nicht mit den 40 - 50 MA`s, aber egal, dazu ist der Beitrag ja da, um ihn zu diskutieren.
In meiner Weiterbildung zur Stationsleitung diskutieren wir derzeit mehrere Auffassungen von Pflegevisiten und darum interessieren mich Eure. In der Literatur sind Pflegevisiten ja wohl auch völlig unterschiedlich beschrieben. Zunächst wer an den Visiten teilnimmt, und ob sie n u r unbedingt im Rahmen der Bezugspflege sein kann. Wir haben auch diskutiert, das sie genauso gut im Rahmen einer Funktionspflege durchaus funktionieren kann. Und zur Mitarbeiterbeurteilung muß sie nicht benutzt werden. Es wäre eine gute Möglichkeit im Rahmen des QM,da gebe ich Euch recht, aber es ist ja keine Voraussetzung.
Und weil bei uns im Kurs die Meinungen dazu bereits sehr unterschiedlich sind, wollte ich mal so allgemein Eure Meinung zu dem Theme hören. Ich erwarte jetzt auch keine Lösungsvorschläge.
Ich möchte nur Erfahrungen mitnehmen, die andere gesammelt haben und Info´s austauschen.
 
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sunflower

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Hi Siggi,

ich glaube nicht, daß wir hier über zwei verschiedene Dinge aneinander vorbeireden, sondern jeder aus seiner Warte die Pflegevisite darstellt.
Du aus der Sicht des Altenpflegers in einem Altenheim, ich aus der Sicht des Fachpflegers auf einer großen Intensivstation.
Das es hierbei Unterschiede, schon allein von der Struktur und Gestaltung gibt, liegt ja wohl auf der Hand.
Aus dieser Sicht hat eine Stationsleitung sich auch einen Überblick über die geleistete Pflegequalität zu verschaffen, bei einer Anzahl von Mitarbeitern, wie in einem ganzen Altenheim wahrscheinlich angestellt sind.
Aus dieser Perspektive halte ich es für völlig gerechtfertigt, daß eine Pflegevisite -indirekt- auch eine Leistungskontrolle beinhaltet. Denn wer wirklich qualitativ gut arbeitet, der braucht sich einer entsprechenden Kontrolle auch nicht entziehen, sondern erntet bei einer solchen Pflegevisite selbstverständlich auch Lob und Anerkennung seiner geleisteten Arbeit.

Einen Rechtsanwalt brauchte dabei jedenfalls noch keiner;) Der kann einem nämlich auch nicht helfen, wenn man nicht korrekt arbeitet!

Viele Grüße,
sunflower
 
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Elisabeth

Hallo @all,
lerne gerade das Eigenleben meines Compis kennen, s.o. :wink:

Eigentlich wollte ich eine klitzekleine Frage stellen:
Was ist eigentlich der Sinn und Zweck einer Pflegevisite? Geht es um Optimierung der Pflege FÜR den Patienten oder geht es um Selbstdarstellung der Pflegeperson? Bei der momentanen Diskussion habe ich den Eindruck, der Patient gerät ein bischen aus dem Blickwinkel. Eigentlich kann doch nur der Patient UND seine Angehörigen in Zusammenarbeit MIT den Pflegenden eine optimale Pflegevisite bestreiten mit dem Ziel die bisherige Pflege zu reflektieren und eventuelle Änderungen vorzunehmen. Oder sehe ich das falsch? Und da ist es unwichtig, ob Altenheim oder Hochleistungsintensiv- der Hauptinhalt ist immer der Patient und seine Bedürfnisse und Wünsche.
MfG Elisabeth
 
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Sigi

Hallo Elisabeth,

ich sehe das genauso, habe aber den Eindruck, dass es in anderen Institutionen anders gehandhabt wird. Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis, denn es geht meiner Meinung klar an den Gedanken der Pflegevisite vorbei. Die Pflegevisite dient nämlich der gemeinsamen:
<UL TYPE=SQUARE>
<LI>Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw der Pflegediagnose
<LI>Vereinbarung der Pflegeziele
<LI>Vereinbarung der Pflegeinterventionen
<LI>Überprüfung der Pflege
[/list]

Und dient nicht der Überprüfung der Pflegekraft :wink:


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Gruß Sigi

[Dieser Beitrag wurde von Sigi am 19. November 2000 editiert.]
 
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frank

hallo,
ich denke in etwa das gleiche/ ähnlich, über die pflegevisite, wie siggi.
im auge habe ich jedoch unsere, von der leitung eingeführten pflegevisite.
sie läuft wie folgt ab, wir leisten pflegerisch/medizinische tätigkeiten am patienten ab,der patient soll natürlich auch mit einbezogen :smile: werden, danach werden wir von der mittleren managmentebende beurteilt.
da gibt es in verschiedenen kliniken wahrscheinlich abstufungen....
ich denke auch es wird zuviel klinikintern gebastelt, stationär werden zuwenig pfegende einbezogen die sich mit dem thema pflegevisite auskennen. außerdem gehört sie natürlich in den pfegeprozess zur evaluation.

gruss frank
 
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