Medizinrecht Pflegerin kam nicht vorbei..Pat. starb in ihrer Wohnung. Kinder fassungslos

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J

Jogibaer

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Quelle WAZ vom 13. Oktober 2007

Oberhausen
Mit einer Anzeige wegen unterlassender Hilfeleistung gegen die Pflegekraft sowie Verletzung der Aufsichtspflicht gegen den Pflegedienst xy endete gestern vorläufig ein tragisches Ereignis.

Donnerstagmorgen um neun Uhr klingelt die Pflegekraft bei Pat B.D.(76), um ihren Dienst zu versehen. Da die Pat. nicht öffnete, greift die Pflegekraft zum Handy. Obwohl die Pat. nicht antwortet, fährt sie zum nächsten Einsatzort, ohne sich zu sorgen. Später schaut die Tochter bei der pflegebedürftigen Mutter vorbei. Als ihr nicht geöffnet wird, benachrichtigt sie ihre Schwester, die einen Schlüssel für die Wohnung besitzt. Gemeinsam öffnen sie die Wohnung, finden B.E. am Boden liegend und rufen einen Rettungswagen. Die Bewusslose wird ins Krankenhaus eingeliefert.

H.B. ist fassungslos, als er erfährt, dass die Pflegekraft den Schlüssel zur Wohnung seiner Schwiedermutter im Büro vergessen hat:"Wie kann es passieren, dass sich eine Fachkraft in einer solchen Situation derartig unprofessionell verhält?"

Mehrer Fehler zugleich

H.O. Vorsitzender des Pflegedienstes, bestäigt, dass hier mehrere Fehler auf einmal gemacht worden sind. Auch er spricht von "grober Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht" und versteht, dass die Angehörigen wütend sind.

"Dennoch muss ich der Mitarbeiterin Gelegenheit geben, sich schriftlich zum Vorfall zu äußern." Für die "einfache Pflegetätigkeit", um die es hier ging, sei es angemessen, eine ausgebildetet Krankenpflegehelferin einzusetzen.

---------------------------------------

Anhand dieses Falles sieht man einmal wieder sehr deutlich, wie schnell man als Pflegekraft mit einem Bein im Gefängnis steht. Wie oft sind es Kleinigkeiten und unglückliche Umstände, die dazu führen zivil wie auch strafrechtlich belangt / verfolgt zu werden.

Ich möchte nicht in der Haut dieser Pflegekraft stecken.


Mfg
Jogibaer
 
Qualifikation
Unternehmer,Fachwirt SG,QMB,Rettass,Krpfl,
Fachgebiet
Ambulante Pflege
P

practocless

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15.08.2007
47495
Wirklich ein unglücklicher Umstand, würde gerne die Stellungnahme der Pflegekraft lesen. Wir sind alle nur Menschen und machen fehler, die Pflegekraft hätte sich eigentlich absichern müssen was mir der Patientin ist. Ich weiß aber nicht ob das in dem Fall unterlassene Hilfeleistung ist.

Wir sollten alle uns immer wieder bewusst machen wie schnell wir mit kleinen Fehlern in den Knast landen können.

Ruhigen Dienst
(Der immernaco grübelnde Lukas)
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger/Praxisanleiter
Fachgebiet
Zentrale Notaufnahme/Ambulanz
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
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Hallo Jogibaer,
ich hatte deinen Bericht erst zur Hälfte gelesen und dachte, "immer gut, wenn man einen Schlüssel von seinen Kunden hat, dann kann man gleich nachschauen, ob etwas passiert ist".
Dummerweise hatte der Pflegedienst ja einen Schlüssel, wie ich dann beim Weiterlesen erfuhr.
Hier sind natürlich mehrere Fehler passiert:
  • die Pflegekraft hätte den Schlüssel nicht vergessen dürfen
  • die Pflegekraft hätte bei Nichtöffnen der Tür sofort zurückfahren und ihn holen müssen
  • sie hätte unverzüglich ihren Vorgesetzten und/oder die Angehörigen über das Nichtöffnen informieren müssen.
Für solche Situationen - das Nichtöffnen der Tür in der ambulanten Pflege ist immer als Notfallsituation einzustufen - eignen sich immer Dienstanweisungen und Verfahrensanweisungen. Jedem Mitarbeiter muss klar sein, wie er sich zu verhalten und wen er zu verständigen hat.
Auch bei uns kommt es schätzungsweise 10 x pro Jahr zu solchen unklaren Situationen, aber in 99% der Fälle ist nichts passiert (Patient hat fest geschlafen oder zu laut Fernsehen geschaut oder war mal kurz einkaufen usw.)

Ich denke, in diesem Fall wird die Mitarbeiterin und ggf. deren Vorgesetzte/r (wenn keine klaren Regelungen für o.g. Vorfall vorhanden sind) wegen wegen unterlassender Hilfeleistung sowie Verletzung der Aufsichtspflicht verantworten müssen.
Gruß
Valentina
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
T

TomBer83

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25.06.2007
53110
Ich versteh das nicht, wenn die doch ein Handy dabei hatte...hätte sie doch auf den Gedanken kommen können mal im Betrieb anzurufen und das durchzugeben, dass die Angehörigen informiert werden müssen ,zumal ich an ihrer stelle dann noch erwähnt hätte dass ich den schlüssel vergessen habe...
das zeigt einfach dass diese Pflegekraft nicht kompetent genug für ihren Beruf ist...sie muss die Gefahr erkennen in die sie sich begibt, wenn sie so etwas macht..... anscheinend war sie zu faul und war froh darüber, dass sie ihre Tour früher beenden kann!!!... denn jede PK würde da misstrauisch werden...

ich finde es total dämlich, wie durch solche chaotischen Pflegekräfte, das Immage von der häuslichen Pflege heutzutage herabgesetzt wird....
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
allg. Pflege
L

Lisy

Hallo Tom Bae 83,
ich möchte auch nicht in der Haut der PK stecken, trotzdem gibt es immer ein paar Faktoren wieso es menschelt.
Deswegen gleich von einer chaotischen PK zu reden, ist meiner Meinung nach vorschnell.
Gruß Lisy
 
T

TomBer83

Mitglied
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25.06.2007
53110
Gut ,war zu schnell beurteilt...stimmt... aber eigentlich sind genau das die Fälle , die einfach nicht passieren dürfen.... es ist grob fahrlässig gewesen von der PK einfach weiter zu fahren, so ganz nach dem Motto:" das wird schon gut gehen... die is vielleicht grad auch mit den Angehörigen weg " , oder so.
Ihre Aufgabe ist es gewesen in so einem Fall sich zu vergewissern, ob alles in Ordnung ist...

solche Situationen führen einfach mit dazu, dass sich potenzielle "Neukunden" der häuslichen Pflege heutzutage doch eher abwenden, weil sie einfach Angst haben in eine solche Situation zu kommen... man muss das mal aus der sicht eines Pflegebedürftigen sehen.

Wie gesagt, ich war eben sehr Vorschnell mit meiner Meinung.... aber mir blieb einfach die Spucke weg als ich das gelesen habe...
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
allg. Pflege
D

denisem

Neues Mitglied
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14.10.2007
81241
Hallo TomBer83

dir sind bestimmt auch schon fehler passiert, ich denke nicht das du sagen kannst das die Pflegekraft inkompetent ist, natürlich darf so etwas nicht passieren. Kleiner tipp von mir beurteile dinge nicht so schnell wenn du sie dann wieder zurück nimmst. Durch zu schnelles beurteilen von einer situation können ebenfalls drastische Fehler passieren.

lg denise
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
offene Pflegestation
T

TomBer83

Mitglied
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25.06.2007
53110
ja aber jetzt mal ehrlich... da bleibt einem doch die spucke weg wenn man sowas liest...
ich kann mich doch nicht meiner Aufsichtspflicht entziehen... das lernen wir doch heute alle von der Pieke in diesem Beruf auf, egal ob KPH oder APH oder KP/KS...
Ich will mich nicht freisprechen, dass man nie Fehler machen kann, jeder macht Fehler... das ist richtig....man muss aber unterscheiden: mache ich einen Fehler, oder handle ich grob Fahrlässig...und die schwester hat grob fahrlääsig gehandelt... das ist doch FACKT!
und so etwas darf einer Pflegekraft einfach nicht passieren...
gut mein fehler war ich habe eben unterstellt , dass sie chaotisch wäre... wie soll ich das wissen wenn ich sie nicht kenne.... aber das bild von ihr in diesem zeitungsartikel beschreibt sie einem so....
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
allg. Pflege
S

SvenJ

Unterstützer/in
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13.06.2007
Düsseldorf
Vielleicht wäre es gar nicht mal so uninteressant zu erfahren, ob es schon öfter mal vorkam, daß die Pat. die Tür nicht geöffnet hat, oder evtl schwerhörig ist und ob die Pflegekraft evtl. etwas früher als sonst da war. Denn sollte das der Fall sein wäre ich auch erst mal weiter gefahren, und hättte später den Schlüssel geholt.
Und die Schwester, der Pfleger, der/die noch nie etwas für die Tour vergessen hat werfe mit dem ersten St... ähm Schlüssel.
Das sind absolute Einzelfallentscheidungen, die hier zu treffen sind.
 
Qualifikation
Fachpfleger IMC und ausserklinische Beatmung
Fachgebiet
Heimbeatmung, IMC, Altenpflege bundesweit
Weiterbildungen
Verein zur Förderung der Beatmungspflege
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
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Hallo SvenJ,
natürlich kennen wir hier die genauen Umstände nicht und wissen auch nicht wieviel Zeit zwischen dem Besuch der Pflegekraft und dem Öffnen der Tür durch die Angehörigen vergangen ist.
Vielleicht wäre es gar nicht mal so uninteressant zu erfahren, ob es schon öfter mal vorkam, daß die Pat. die Tür nicht geöffnet hat, oder evtl schwerhörig ist und ob die Pflegekraft evtl. etwas früher als sonst da war. Denn sollte das der Fall sein wäre ich auch erst mal weiter gefahren, und hättte später den Schlüssel geholt.
Das hingegen ist uninteressant, da für solche Fälle ja ein Schlüssel vorhanden war! Wärst du weitergefahren, hättest du vielleicht das gleiche Problem wie die Pflegekraft in der Zeitung.

Ich gehe davon aus, dass wir alle schon einmal einen Schlüssel vergessen haben und oft durch klingeln (oder klingeln beim Nachbarn: "Wieso schellen Sie, Sie haben doch einen Schlüssel?") doch in die Wohnung kamen.
Allerdings versorgen wir auch Patienten, bei denen wir gar keinen Schlüssel oder einen Schlüssel haben und der Patient lässt seinen von innen stecken - wenn diese die Tür nicht öffnen, dann haben wir ein Problem. Oft hat sich der Spuk innerhalb einer Stunde geklärt, aber manchmal eben auch nicht. In meiner Laufbahn habe ich schon mehrere Türen von der Polizei aufbrechen lassen und Patienten in hilfloser Lage und auch zwei Suizide vorgefunden.

Solche Tür-Situationen sind immer der Albtraum eines Pflegedienstes und bis zur Aufklärung sehr zeitintensiv und belastend. Um nicht in die Haftung zu geraten sollten Pflegedienstintern immer klare Handlungsanweisungen vorhanden sein - oft reicht schon ein Telefonat.
Gruß
Valentina
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
flocky

flocky

Mitglied
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25.12.2005
14157
Ich weiß nicht ob das so einfach zu beurteilen oder gar verurteilen ist.
Ich bin zwar nicht in der ambulanten Pflege tätig aber mir stellen sich da mehrere Fragen:
  • Bedeutet die Tatsache, dass der Pflegedienst einen Schlüssel hat tatsächlich dass der Patient damit einverstanden ist, dass die Pflegkraft wenn er nicht öffnet in seine Wohnung eindringen darf?
  • Oder bedarf es dazu einer zusätzlichen Regelung im Behandlungsvertrag?
  • Hätte die Pflegekraft aufgrund der Krankengeschichte erwarten müssen, dass tatsächlich ein Notfall vorliegt?
  • Oder ist tatsächlich immer bei Nichtöffnen von einem Notfall auszugehen?
  • Hätte sie als KPH die Situation selbstständig einschätzen können /dürfen?
  • Habe ich als Pflegdienst bzw. dessen Mitarbeiter tatsächlich eine Aufsichtspflicht?
Erschreckend finde ich allemal, dass die Presse und auch Angehörigen des Berufsstandes sofort bereit sind den Stab über dieser Pflegkraft zu brechen.
Wenn es denn zu einer Gerichtsverhandlung kommen würde, wären das Urteil und vor allem die Urteilsbegründung schon interessant zu lesen.
Fragen über Fragen , ich bin neugierig auf eure Antworten.
Flocky
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere
F

folken

Mitglied
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26.09.2007
44629
Quelle WAZ vom 13. Oktober 2007

. Gemeinsam öffnen sie die Wohnung, finden B.E. am Boden liegend und rufen einen Rettungswagen. Die Bewusslose wird ins Krankenhaus eingeliefert.

Mehrer Fehler zugleich

H.O. Vorsitzender des Pflegedienstes, bestäigt, dass hier mehrere Fehler auf einmal gemacht worden sind. Auch er spricht von "grober Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht" und versteht, dass die Angehörigen wütend sind.

"Dennoch muss ich der Mitarbeiterin Gelegenheit geben, sich schriftlich zum Vorfall zu äußern." Für die "einfache Pflegetätigkeit", um die es hier ging, sei es angemessen, eine ausgebildetet Krankenpflegehelferin einzusetzen.
Den Artikel habe ich gestern auch gelesen und freute mich über die reisserische Überschrift. Pat starb in ihrer Wohnung nur deshalb habe ich es überhaubt gelesen. Im Verlauf stellte sich raus das die Frau Bewusstlos und nicht tot war. Ich finde das ist schon ein riesen Unterschied. Warten wir die schriftliche Stellungnahme ab, die wohl nicht veröffentlicht wird. Es sei doch mal angemerkt das dieser Vorfall auch passiert sein kann nachdem die KPH zur Pflege bei der Frau war. Ist nur spekuliert, die Angehörigen wissen schon warum sie Anzeige erstattet hatte. Keine Sorge die Frau wird mit einer Geldstrafe weg kommen so ist das bei Zivilklagen. Der Jurist in meiner Fachweiterbildung hat mich von dem Irrglauben geheilt das man als Pflegekraft mit einem Bein im Knast steht. Sie wird sich wohl einen neuen Arbeitgeben suchen müssen und auch das nur vielleicht.
Was ich viel heftiger finde ist die Aussage des Arbeitgebers "Dennoch muß ich meiner Mitarbeiterin die Gelegenheit geben sich schriftlich zu äußern". Das spricht nicht für eine gute Rückendeckung seiner Mitarbeiter.

cu Folken
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Pflege in der Onkologie
Fachgebiet
Unfall - Vizeralchirurgie
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo flocky,
in dem Artikel wird übrigens der Name der Patientin und der Name des Pflegedienstes genannt!

Vorab: wo kein Kläger, da kein Richter! Trotzdem versuche ich mich mal an der Beantwortung deiner Fragen:
Bedeutet die Tatsache, dass der Pflegedienst einen Schlüssel hat tatsächlich dass der Patient damit einverstanden ist, dass die Pflegkraft wenn er nicht öffnet in seine Wohnung eindringen darf?
Oder bedarf es dazu einer zusätzlichen Regelung im Behandlungsvertrag?
Im Pflegevertrag ist geregelt, wie oft und um welche Tageszeit die Versorgung stattfindet und ob uns ein Schlüssel ausgehändigt wurde.
Da wir vom Patienten (unser Klientel hat ein Durchschnittsalter von etwa 85 Jahren) einen Schlüssel für Notfälle haben, können wir die Wohnung zum vereinbarten Zeitpunkt betreten. Wenn er den Einsatz nicht abgesagt hat und die Tür sich - aus welchen Gründen nicht öffnen lässt - berechtigt es uns nicht, das Fenster einzuwerfen und gewaltsam in die Wohnung einzudringen. Meist hämmern wir an die Tür, probieren es telefonisch, klingeln bei den Nachbarn und fragen, ob diese etwas wissen (plötzliche Krankenhasueinweisung am Vorabend usw.). Danach versuchen wir die Angehörigen oder den Hausarzt oder den Rettungsdienst zu erreichen, um ihnen dieselben Fragen zu stellen. Zwischendurch rufen wir immer wieder bei dem Patienten an oder fahren nochmals vorbei und hämmern an die Tür. So manch einer ist daraufhin trotz Schwerhörigkeit nach zwei Stunden aus dem Tiefschlaf erwacht!
Bleiben unsere Bemühungen - je nach Diagnose (z.B. Insulinpflichtiger Diabetes) erfolglos - und erreichen wir keinen Angehörigen, dann verständigen wir die Polizei, die dann wegen Gefahr in Verzug die Tür aufbrechen lässt.
Hätte die Pflegekraft aufgrund der Krankengeschichte erwarten müssen, dass tatsächlich ein Notfall vorliegt?
Oder ist tatsächlich immer bei Nichtöffnen von einem Notfall auszugehen?
In der ambulanten Pflege gilt das Nichtöffnen der Tür immer als Notfall, der MDK fragt speziell nach Notfallstandards und Notfallplänen.
Hätte sie als KPH die Situation selbstständig einschätzen können /dürfen?
Mit der Qualifikation hat das nicht zu tun. Auch eine examinierte Krankenschwester kann nicht durch Wände sehen:eek:riginal: . Jeder Mitarbeiter, vom Zivi über Haushaltshilfe, Pflegehelferin, Pflegefachkraft usw. hat bis zur Klärung des Sachverhaltes davon auszugehen, dass ein Notfall vorliegen könnte.
Habe ich als Pflegdienst bzw. dessen Mitarbeiter tatsächlich eine Aufsichtspflicht?
Durch die vertragliche Regelung hat man natürlich während der Dauer des Einsatzes eine Aufsichtspflicht. War man als Pflegekraft garnicht vor Ort hat man diese u.U. verletzt. Zur Verletzung der Aufsichtspflicht gehört in der ambulanten Pflege auch, wenn der Herd nicht ausgeschaltet wurde.
Die Angehörigen verlassen sich darauf, dass der Patient, wie vertraglich vereinbart besucht und versorgt wird.

Solche Situationen sind für uns als Pflegedienst immer der Supergau - wir sind nach so einem Fall (egal wie es ausgeht) immer fix und fertig, da immer mehrere Mitarbeiter in die "Rettungsaktion" einbezogen werden. Wie schon gesagt reicht es oft aus, die Verantwortung an den Angehörigen zu deligieren (sofern sich diese nicht gerade in Urlaub auf Hawaii befinden).
Sorry, meine Schilderung ist nun aber ein bißchen lang geworden... :sick:
Grüße
Valentina
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
A

Angel555

Mitglied
Basis-Konto
21.06.2006
41334
Vielleicht wäre hier ein Notfallstandard hilfreich den jede Pflegekraft mit sich zu führen hat.
-Pat. öffnet nicht.
-Telefonisch Kontakt zum Kunden aufnehmen
Telefonisch Kontakt zur Dienststelle aufnehmen, ob Patient sich abgemeldet hat
-Wenn vorhanden HNR Schlüssel im Büro nutzen. ( Hm..Schlüssel hatte sie ja vergessen)
-Evtl zu einem späteren Zeitpunkt Kunden nochmals anfahren.
-Kontakt zu Angehörigen, Nachbarn, Betreuer aufnehmen.
-Bleiben alle Bemühungen erfolglos mit Rückssprache der Geschäftsstelle den Notartzt informieren.

ich hatte auch schon mal vor solch einem Problem gestanden. Schlüssel vergessen und Pat. öffnete nicht. Habe die Dienststelle informiert. Meine PDL ist dann zu dieser Patientin gefahren...sie lag friedlich im Bett und schlummerte...zum Glück.

Angel555
 
Qualifikation
Altenpflegerin/ Praxisanleitung
Fachgebiet
Ambulanter Dienst
flocky

flocky

Mitglied
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25.12.2005
14157
@ Valentina
Danke für die auführliche Antwort :danke:
Flocky
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Innere
S

SvenJ

Unterstützer/in
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13.06.2007
Düsseldorf
@ Valentina.
Hey Valentina.
Zitat:Zwischendurch rufen wir immer wieder bei dem Patienten an oder fahren nochmals vorbei und hämmern an die Tür. So manch einer ist daraufhin trotz Schwerhörigkeit nach zwei Stunden aus dem Tiefschlaf erwacht!
Genau so würde ich auch handeln. Aber trotzdem würdest auch Du erst mal weiter fahren. Gehen wir mal davon aus, es wären keine Nachbarn da, die Angehörigen sind nicht zu erreichen und es ist bekannt, das Pat. X. öfter mal nicht öffnet. Würdest Du dann den Rettungsdienst hinzuziehen?
Ich nicht. Ich würde einfach später wieder kommen. Wird immer noch nicht geöffnet klar dann Polizei, etc.
Käme jetzt aber während Du noch unterwegs bist die Angehörige vorbei, was wäre wohl die Konsequenz? Es wäre ein Artikel wie der Eingangsthread.
Ich hatte es schon häufig, das Türen nicht geöffnet wurden, und musste bis jetzt erst 5 mal Hilfe holen.
4 mal haben die Pat. einfach nichts gehört, 1 Pat. war tot.
Wie gesagt man bräuchte mehr Infos zu genau der Patientin.
Gruß Sven
 
Qualifikation
Fachpfleger IMC und ausserklinische Beatmung
Fachgebiet
Heimbeatmung, IMC, Altenpflege bundesweit
Weiterbildungen
Verein zur Förderung der Beatmungspflege
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
Basis-Konto
@SvenJ,
Wie gesagt man bräuchte mehr Infos zu genau der Patientin.
Man bräuchte insgesamt mehr Infos, vor allem wieviel Zeit zwischen dem Besuch der Pflegekraft und dem Öffnen der Tür durch die Tochter vergangen ist.
Das Tragische an diesem speziellen Fall ist doch, dass der Pflegedienst einen Schlüssel hatte! Hätte die Pflegekraft ihn nicht vergessen bzw. hätte sie ihn gleich geholt, wäre niemals ein Haftungsfall für den Pflegedienst eingetreten.
Würdest Du dann den Rettungsdienst hinzuziehen?
Ich nicht. Ich würde einfach später wieder kommen. Wird immer noch nicht geöffnet klar dann Polizei, etc.
Käme jetzt aber während Du noch unterwegs bist die Angehörige vorbei, was wäre wohl die Konsequenz? Es wäre ein Artikel wie der Eingangsthread.
Wenn du dich persönlich dafür entscheidest erstmal weiterzufahren und kommst nach dem nächsten Patienten zurück, wäre es wohl vom Zeitrahmen her noch vertretbar. Kommst du aber erst vier Stunden später wieder, kann der Patient, der vorher nur bewußtlos war zwischenzeitlich schon verstorben sein - dann kann es dir wie der Pflegekraft in der Zeitung gehen.
In allen Fällen ist es immer eine persönliche Ermessensfrage, ob und wie schnell man vorgehen sollte, damit man nicht in die Haftung gerät. Für Mitarbeiter lohnt es sich immer, die Vorgesetzten unverzüglich zu informieren, somit ist der Dienstweg eingehalten.
Wichtig ist einfach, dass man überhaupt reagiert und dies später auch beweisen kann.
Bei Patienten, bei denen wir keinen Schlüssel haben, rufen wir die Angehörigen an und schon sind wir aus der Haftung.
Gruß
Valentina
P.S. Die Nennung des Pflegeienstnamens in der Zeitung ist ein Albtraum für jedes Pflegeunternehmen.
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
M

ms-sophie

Aktives Mitglied
Basis-Konto
14.03.2007
Mannheim
Hallo Valentina

Durch die vertragliche Regelung hat man natürlich während der Dauer des Einsatzes eine Aufsichtspflicht. War man als Pflegekraft garnicht vor Ort hat man diese u.U. verletzt. Zur Verletzung der Aufsichtspflicht gehört in der ambulanten Pflege auch, wenn der Herd nicht ausgeschaltet wurde.
Die Angehörigen verlassen sich darauf, dass der Patient, wie vertraglich vereinbart besucht und versorgt wird.
Wenn ich bei einem/r Patienten morgen eine Grundpflege durchführe komme ich doch unter Umständen gar nicht in die Küche, wie soll ich also überprüfen ob der Herd aus ist???? Das halte ich für etwas überzogen.

Sophie
 
Qualifikation
QM
Fachgebiet
ambulante und stationäre Altenhilfe, Hospiz
Valentina

Valentina

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo ms-sophie,
das war auch von mir etwas unglücklich aus dem Zusammenhang gerissen worden - sorry.
Es ging um die Aufsichtspflicht, hierbei meinte ich natürlich, wenn der Pflegedienst nach dem Kaffeekochen oder Erwärmen des Mittagessens den Herd anlässt.
Gruß
Valentina :sick:
 
Qualifikation
Krankenschwester/TQM-Auditorin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
L

L. Li

Mitglied
Basis-Konto
28.02.2007
40227
gestern und heute habe ich alles zweimal gelesen hier und mir einen "kopf" darum gemacht.......denn solche klienten haben wir einige.

einige, bei denen es immer darum geht, wie sie wohl in der wohnung vorzufinden sind wenn:
- der schlüssel im uralt- schloss von innen steckt, die PK nicht aufschließen kann und der klient nicht selbst öffnet
- kunden, die es verweigern einen schlüssel herauszugeben und bei denen mehrmals im monat jemand im haus/der hausmeister bemüht werden muß um sie dann unversehr und im tiefschlaf vorzufinden
- verwirrte, die keine einzige zeit einhalten können, zu denen wir (aus eben dem grund wie sie wohl vorzufinden sind....) mehrmals kommen weil sie nicht öffnen und die dann zufällig flanierend in der innenstadt gesehen werden...
- klienten, die zwar einen schlüssel für den "absoluten notfall" im büro - und dabei auch einige male schon zu meinen persönlichen händen - lassen aber nicht wollen, daß die PK die wohnungstür selbst aufschließt und bei denen schon so manche wervolle stunde mit fröhlichen klingelarien und klopfkonzerten verbracht wurde....*arggh*

bin zu dem schluß gekommen, daß ich die grobe fahrlässigkeit nicht erkennen kann wenn die o.g. kundin eine von den "kandiatinnen" ist die einfach zuverlässig nicht-öffnen und mit und ohne schlüssel schwer zu erreichen sind.

L.Li
 
Qualifikation
Krankenschwester, PDL
Fachgebiet
ambulanter PD
Status
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