Pflegen nach christlichem Leitbild - Utopie oder lebbare Realität?

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pequenahermana

pequenahermana

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16.12.2005
55545
Hallo...
Ich muss eine Facharbeit schreiben und habe mir das Thema Pflegen nach christlichem Leitbild - Utopie oder lebbare Realität, ausgesucht.....
Kann man in der heutigen Zeit wo es hauptsächlich um Gewinnmaximierung, schreiben von schwarzen Zahlen, abgelehnte Verordnungen am laufenden Meter, ungerechte Einstufungen in die Pflegestufen, Zeitbegrenzungen beim Pflegen etc. überhaupt noch von christlichen Leitbildern sprechen??
Kann man noch mit dem Leitwort Nächstenliebe werben obwohl jeder ist sich selbst der Nächste drin??Wie steht es mit den Werten, heute und früher?? SInd es noch Solidarität, Freiheit, Gleichheit, Würde des Menschen??

Ich weiß meine Fragen sind provokativ, gerade für solche von euch die in christlichen Einrichtungen arbeiten, aber genau eure spontanen aber auch gut durch dachten Antworten interessieren mich und meine Arbeit....
Ich selbst bin überzeugter Christ aber ich sehe Tag für Tag die Realität und weiß nicht ob ich wirklich hinter einem christlichen Leitbild arbeiten könnte. Genau deshalb stelle ich mir in meinen Facharbeit diese Frage und hoffe auf viele Antworten eurerseits die mir weiterhelfen meine Arbeit zu vervollständigen...Ob aus christlicher oder nicht christlicher Sicht!!!!:thumbsup:
 
Qualifikation
PDL, Wundexpertin ICW, Sachverständige für Pflege- und Qualitätsprüfungen
Fachgebiet
amb. Pflegedienst
S

samoth

Hallo..
ich muss zunächst mal fragen, was sich hinter dem Begriff "Christliches Leitbild" verbirgt? Allein die Nächstenliebe wird es doch wohl nicht sein, oder? Wenn es aber (nur) die Nächstenliebe ist, dann spricht aus meiner Sicht nichts gegen das Pflegen nach dieser Maxime.

Gruß
Thomas
 
pequenahermana

pequenahermana

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16.12.2005
55545
Leider oder Gott sei Dank- arbeite ich in einem privaten Unternehmen und wir haben kein christliches Leitbild. Dennoch in christlichen leibildern z.B. dem der Caritas wird gesprochen von Würde des Mneshcne schützen. solidarisch miteinander leben in einer pluralen Welt, Verpflichtung über Grenzen hinweg,bietet Hilfe für alle Menschen in Not (was ist mit denen die kein Geld zum bezahlen ihrer Pflege haben), sie sind Anwalt und Partner Benachteiligter, der menschenfreundliche Gott ist die Quelle, Jesus Christus und seine Botschaft sind Auftrag und Ermutigung, hl. geist ist die Lebenskraft, prophetischer Geist die Sehkraft, diakonische Kirche Lebens und Wirkungsraum, Handeln wird nach en Grundsätzen der christlichen Sozialetihk und Soziallehre der Kirche ausgerichtet....etc.
 
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PDL, Wundexpertin ICW, Sachverständige für Pflege- und Qualitätsprüfungen
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amb. Pflegedienst
E

enno

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20.02.2006
18236
ich bin und werde nie ein glaeubiger mensch,im namen der kirche wurde zuviel gefoltert(hexen)und kenne(christen)die nur an sich denken.
wenn es einen gott gibt,würde er nicht zulassen,das menschen oftmals wie tiere handeln,oder als überlebenschance(arbeit)für sich selbst gesehen wird.
die 10gebote haben nichts mit der kirche zu tun,sondern sollten jedem menschen eigen sein,denn das unterscheidet uns vom tier.
ich weiß,es ist ein gesellschaftliches problem.
augen verschließen,es regiere der egoismus.
der mensch ist das schlimmste "raubtier".
solange ich die kraft habe,werde ich da angegen ankämpfen,obwohl ich mich den tieren zu wende,weil ich die menschen kennengelernt habe und es wird immer schlechter.
ich weiß.thema verfehlt.
pflege angehörigen und habe gesehen ,wie von ..... gepflegt wird.
deshalb wünsche ich allen,die menschlich handeln,viel kraft und das sie sehend durchs leben gehen.
lg
 
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z.z.sonderurlaub
Fachgebiet
pflege zu hause(angehörigen)
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
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05.01.2006
63110
:innocent: Hallo Enno,
ich schliesse mich an. Es ist doch im wahrsten Sinne des Wortes nur scheinheilig, was in diesen Einrichtungen geschieht.
Ich hatte bisher zweimal die zweifelhafte Ehre in solchen Häusern zu arbeiten. Einmal wegen der Übernahme durch die Diakonie und dann durch eine Zeitarbeitsfirma. Was da so abgeht an Intrigen und Mobbing ist kaum zu überbieten, zumindest nach meinen Erfahrungen. Und das Schärfste war, die Leitung weiss Bescheid.
Da wird zum Beten oder Singen gerufen, alles eilt dort hin. Kaum sind die Bücher zugeschlagen, geht es aber wieder los. Wenn man noch bedenkt, dass dort nur jemand arbeiten darf, der Mitglied einer christl. Kirche ist. Spätestens dann kommen Zweifel.
Da gibt es nur ein Ziel:Fort, ganz weit weg.
Wenn sie dann im christlichen Sinne pflegen und arbeiten wollen, dann müssen diese Institutionen auch auf das Handeln und nicht nur auf die Mitgliedschaft ihrer Mitglieder sehen.
Von der Qualität will ich gar nicht reden. Spätestens dann verliert man den Glauben.
Es wird wohl wahre Christen geben, aber bestimmt nicht in der Institution Kirche.

Die Hoffnung verliere ich nicht, allein der Glaube fehlt mir. Es wird wohl Utopie bleiben.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
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26.09.2005
Bonn
Ich denke, wir sind uns einig, dass die Zeit der Diakonissen, die stundenlang am Bett des Leidenden sassen und ihm die Hand gehalten haben, vorbei sind ... nicht zuletzt, weil wir heute weniger hilflos sind als im 19. Jahrhundert. Es geht hier auch nicht um die Kirche, sondern um christliche Haltung. Die Kirche ist eine Institution, das Christentum eine Lebenseinstellung.

Ich gebe Schoenemeier Recht, dass die "Anfrage" nicht konkret genug ist, um förderliche Antworten geben zu können.

Spontan fällt mir zu dem Thema ein: Selbst unter Zeitdruck, Geldmangel, Konkurrenzgerangel kann ich mein Lebensmotto (siehe unten) leben.

Es kostet mich weder Zeit noch Geld, zum "Kunden Patient" höflich und freundlich zu sein.
Es kostet mich weder Zeit noch Geld, meinen Kollegen als Mensch ernst zu nehmen. Es kostet mich möglicherweise vordergründig Zeit, Konflikte anzusprechen. Aber diese Zeit bekomme ich "gutgeschrieben", weil ganz viel Energie, die sonst in [zitat] "Intrigen und Mobbing" [Zitat ende] fliesst, besser eingesetzt werden kann.
Ich bin kein Schöngeist oder "Wolke-7-Fahrer" und schon gar kein missionierender Christ. Dass der Satz "Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst" in jeder Religion dieser Welt in irgendeiner Form vorkommt sollte zu denken geben.
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
Isis

Isis

Aktives Mitglied
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16.05.2005
2
Hallo,
ich habe bisher in einem katholischen Krankenhaus gearbeitet und in einem Altenpflegeheim eines großen Wohlfahrtsträgers.
Bisher habe ich keine Unterschiede im Leitbild und dem Pflegealltag feststellen können zwischen diesen beiden vom Prinzip her doch sehr unterschiedlichen Einrichtungen. Vielleicht liegt das daran, daß man in unserem Krankenhaus mit dem Thema Religion sehr locker umgegangen ist - Mitgliedschaft in der katholischen Kirche war keine Vorraussetzung, um dort arbeiten zu können, überhaupt war Christ-sein keine Vorraussetzung. Wir hatten einige Mitarbeiter, die islamischen Glaubens sind - sowohl in der Pflege, als auch in anderen Bereichen. Auch gab es mehrere MA ohne jegliches Glaubensbekenntnis.
Erkannt hat man das katholische des Krankenhauses an den obligatorischen Kreuzen in den Zimmern und der eigenen Krankenhauskappelle, in der täglich eine Andacht stattfand, die man auch über TV kostenlos empfangen konnte. Außerdem ging unser Pater einmal wöchentlich über die Stationen, um die Kommunion zu erteilen (wer dies wünschte) - das war's. Keine Nonnen (die letzten gingen schon in den 60ern), kein geminsames Absingen geistlicher Lieder, aber auch keine besondere Fürsorge gegenüber den MA.

Für mich persönlich spielt Glaube in meiner Berufsausbildung keinerlei Rolle, für mich zählt vor allem das, was ich die "jüdisch-christliche Ethik" nenne, auf deren Grundfesten ja auch die Ethik der westlichen Welt fußt. Das ist die Basis, nach der ich erzogen wurde, das ist auch das Umfeld, in der wir hier aufgewachsen sind - ohne, daß man immer wieder auf die Herkunft dieses Leitbildes hingewiesen wird.:wink:
 
Qualifikation
Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
K

Kalimera

Unterstützer/in
Basis-Konto
17.01.2001
Hamburg
Im Netz gefunden: http://www.iavg.org/iavg132.htm#Punkt2
........ Das Statistische Bundesamt definiert Christsein in einfacher Weise als Kirchenzugehörigkeit.
Der Humanismus versteht unter Christsein eine edle Gesinnung und moralische Qualitäten. Aus Bescheidenheit wagt man es deshalb oft nicht, sich Christ zu nennen.

Allgemein gilt jedoch die Definition eines Begriffes durch den Urheber als verbindlich. Im Neuen Testament findet sich folgende Aussage:
"Es geschah ihnen aber, daß sie (Barnabas und Paulus) ein ganzes Jahr in der Gemeinde zusammenkamen und eine zahlreiche Menge lehrten und daß die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden" (Apostelgeschichte 11:26)....
Insofern müsste man in der Tat erst mal klären welches "christl. Leitbild" denn nun gemeint ist. Mich drängt es zu der Def. der Humanisten. Danach ist es für mich lebbare Realität, kostet mich persönlich weder Zeit noch Anstrengung und danach zu pflegen ist heute wie in der Vergangenheit möglich.
Erstaunlich wie schnell die Gemüter sich erhitzen, dabei war doch nach ganz was anderem gefragt, als danach wie die Führung eines konfessionellen Hauses Chrsitlichkeit lebt.
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
W

Wolfwint

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.03.2006
Gütersloh
Hallo, hab mich durch die Antworten gelesen. und komme zu dem Schluß:unabhängig ob man in christlichen Häusern oder Institutionen arbeitet oder nicht. (Ich arbeite in einem Katolischen KrHaus mit Leitbild) Es kommt auf die christliche/biblische Einstellung des Einzelnen an, weniger auf ein vorgegebenes Leitbild.
Es ist schwerlich zu erwarten, dass jemand, der mit dem Glauben an Jesus wenig oder nichts zu tun hat, in der Lage ist ein christliches Leitbild umzusetzen. -Und da auch wir Christen Sünder sind,wenn auch begnadigt, machen auch wir mal Fehler und reagieren falsch.-
Da wir in einer nachchristlichen Gesellschaft leben, in der Jesus und Gott nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, ist auch kaum zu erwarten, das ein christliches Leitbild in großem Maße umgesetzt werden kann; Das humanistische Gedankengut hört sich zwar gut an, hat aber seinen Ursprung im Menschen; der nun mal sündhaft ist. Christliche Leitbilder können aber Christus, seine Botschaft und sein Erlösungswerk nicht ausklam-mern. Realistisch gesehen ist meiner Meinung nach eine Pflege nach Christlichem Leitbild (Definition!?) nur möglich, wo Jesus Nachfolger sie umsetzen, bzw.umsetzen können. Hoffe, das was ich schrieb war ne Hilfe.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Privat /Ortho/Chir/In
L

Löwenherz

Mitglied
Basis-Konto
10.03.2006
63150
Hallo ihr alle..

die Frage nach einem christlichen Leitbild ist dieselbe wie sie jede Organisation oder Einrichtung wohl hat.

Ich habe bisher schon so einige leitbilder gesehen - ob nun christlich überschrieben oder nicht. Ich konnte jedoch (als Mitarbeiterin) in der Regel nicht erkennen daß sich an die Leitbilder gehalten wurde.

Ein bischen denk ich, daß das an der jeweiligen Leitung liegt.
Ein Beispiel:
ich hatte Mittelohrentzündung, lag mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl im Bett. Mein Chef ruft mich daheim an und sagt: "ich erwarte daß sie sich jetzt ne Paracetamol einwerfen und morgen früh um 6 auf der Matte stehen. Und ihrem Hausarzt werd ich auch mal die Meinung sagen.."

Ich war das erste mal in drei Jahren krank geschrieben - wohlgemerkt!

Im Leitbild stand:...nehmen wir jeden Menschen - ob Kunde oder Mitarbeiterin - in seiner Persönlickeit ernst und begegnen ihm mit Respekt...

Soviel zu Leitbildern auf dem Papier und ihrer Umsetzung.

Noch eine kleine Anmerkung zum Thema Christ-Sein:
ich finde es immer wieder schade wie polemisierend über Christen und Kirche gesprochen wird. Da wird Hexenverfolgung und heuchelndes Christ-sein in einen Topf geworfen..die 10 Gebote einfach mal so erwähnt. Ein bischen mehr Fachwissen täte gut!!!
Wenn Kritik - dann aber doch auch bitte fachgerecht!

@ enno
Die Theodizeefrage ist eine der Hauptfragen des christentums. Undsollte die Frage "warum läßt Gottdas zu" nicht lieber heißen:"warum sollte es ausgerechnet mich NICHT treffen?"
Im übrigen..könnte Gott auch der sein,der uns die schwere Last leichter tragen läßt...?!?

Löwenherz - das jeder Diskussion darüber offen ist, vllt in einem anderen thread?
 
Qualifikation
Hygienefachkraft
Fachgebiet
Gesundheitszentrum
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Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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