Pflegekammer - sinnvoll oder veraltet?

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Flashmob

Hallo zusammen!

Ich weiß, in älteren Beiträgen wurde bereits über das Thema "Pflegekammer" diskutiert. Es hat sich jedoch wieder Gesprächsbedarf ergeben bei einer anderen Threaddiskussion.

Im Rahmen meines Studiums haben wir diskutiert, was eine Profession ausmacht und ob Pflege überhaupt eine solche ist.
Es gibt typische Professionalisierungsmerkmale, welche Pflege eindeutig erfüllt, bei anderen Punkten ist es schwierig (Merkmalsorientierter Professionalisierungsansatz).
Die einzelnen Merkmale sind :
  1. Hat Pflege einen zentralen Wert? (Zentralwertbezogenheit)
  2. Hat Pflege ein gesellschaftliches Mandat?
  3. Autonomie in der Berufsausübung
  4. Autonomie in der Ausbildungsgestaltung
  5. Monopolisiertes Handlungsfeld
  6. Berufsständige Organisation
  7. Verfügt Pflege über wissenschaftliches Expertentum?
  8. Professionsethik
Ich denke, dass jeder nachvollziehen kann, dass z.B. Punkt 2 absolut auf Pflege zutrifft : Pflege beschäftigt sich in vielerlei Form mit Gesundheit, Krankheit & Tod, welches absolut existenziell für jeden Menschen ist und im Sinne des Gemeinwohles handelt (Punkt 1).
Während Punkt 5 schon schwieriger abzugrenzen ist.
Aus dem vorletzten Punkt entwickelte sich die Diskussion, ob Pflege überhaupt berufsständisch vertreten wird und ob eine Pflegekammer sinnvoll wäre.
Ich möchte jetzt noch nicht schreiben, welche Argumente wir benutzt haben, da ich gerne hier eine Diskussion über das Thema "Pflegekammer" auslösen möchte :rotwerd: Ich freu mich schon auf Eure Ideen und Perspektiven! :eek:riginal:
 
T

thorstein

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Pflegekräfte waren und sind offensichtlich nicht in der Lage, eine nennenswerte eigene Interessenvertretung bzw. gewerkschaftliche Vertretung zu organisieren.
Pflegekammern sind daher der Rettungsanker für engagierte Pflegekräfte, doch noch zu einer Interessenvertretung zu kommen.
Pflegekammern sind für mich daher nur das kleinere Übel, also wahrscheinlich besser als gar keine Vertretung.
Bei der oben angeregten Diskussion um die Profession unter Studierenden wäre zunächst nachzufragen, ob hier vom Ist-Zustand ausgegangen wird oder eine Professionalisierung erst noch angestrebt wird.
Wenn unter einem monopolisierten Handlungsfeld verstanden wird, dass die Tätigkeiten selbständig und selbstverantwortlich geplant und durchgeführt werden, kann dies in der stationären Altenpflege schon jetzt unterstellt werden.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
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M. Franz-Weis

Wo die Vorteile einer Berufskammer liegen, konnte ich in meiner Familie erleben. Wir hatten lange Zeit einen Handwerksbetrieb und waren somit in der Handwerkskammer eingebunden.Unser Betrieb musste Standards erfüllen, dafür gab es aber für uns eine starke Vetrtretung unserer Interessen. Eine Zersplitterung von Interessengruppen wie in der Pflege, wäre dazu sicher nicht in der Lage.
 
F

Flashmob

Bei der oben angeregten Diskussion um die Profession unter Studierenden wäre zunächst nachzufragen, ob hier vom Ist-Zustand ausgegangen wird oder eine Professionalisierung erst noch angestrebt wird.
Die Professionsdebatte schließt alle professionell Pflegenden ein - es ist also zunächst einmal wurscht, ob Du bereits ein Pflegestudium absolviert hast, oder die ganz normale Krankenpflegeausbildung gemacht hast.
Ich finde es ganz wichtig zu sagen, dass Pflegekräfte mit der herkömmlichen Ausbildung im Vergleich zu den studierten Pflegenden keine "Pflegekräfte 2. Klasse" sind. Zukünftig werden Pflegekräfte zunehmend über den tertiären Sektor ausgebildet - also über die Fachhochschule bzw. Uni - so wie es in fast allen Industrienationen bereits seit Jahren üblich ist.
Diese studierten Pflegekräfte sollen am und mit dem Patienten arbeiten - um es mal ein wenig deutlicher zu sagen : auch diese Pflegenden müssen die Patienten aus ihren Exkrementen befreien und halten beim Erbrechen die Nierenschale. Es geht vor allem darum, pflegewissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen, die beratende Tätigkeit weiter auszubauen und alles daran zu setzen, dass Pflege eben nicht nur auf "die Kommunikation bei der Morgenhygiene" (Hauptsache der Patient ist satt und sauber, der Rest ist dann auch egal) reduziert wird und danach sieht die Pflegekraft den Patienten erst bei der Übergabe wieder - so wie es bisher leider läuft.
Die Professionalisierung ist eben ein Prozeß ausgehend vom Ist-Zustand - mehr oder weniger dynamisch und "mittendrin" sich weiterzuentwickeln und zu etablieren.
 
N

Nephron

Hallo Parasympathisch,
der merkmalsorientierte Professionalisierungsansatz ist nicht geeignet, um zu beurteilen, ob Pflegekräfte professionell arbeiten-denn demnach wäre die Pflege allenfalls eine Semi-Profession...aber das wirst du sicher noch im Studium hören.
Eher geeignet ist der Ansatz von Oevermann (professionalisiertes Handeln)-eine Ausführung dazu gerne auf Anfrage...
Natürlich sind Pflegekräfte ohne Studium keine "Pflegenden zweiter Klasse", denn Studierte werden i.d.R. gar nicht am Bett arbeiten und sind somit keine Pflegenden!
 
Sahawe

Sahawe

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Hallo parasympathisch,
also ich tue mich mit deiner Fragestellung auch etwas schwer.
Also wenn ich das richtig verstehe meinst du, dass die erfüllten Merkmale den Professionalisierungsgrad anzeigen. Beim 7. Punkt entstand eine Diskussion wegen der Uneinigkeit darüber, ob der 7. Punkt erfüllt ist. Beim 7. Punkt der auf ein wissenschaftliches Expertentum ausgerichtet ist, stellt sich nun die Frage ob Pflege überhaupt berufsständisch vertreten sei und ob dieses wissenschaftliche Expertentum über die Bildung einer Pflegkammer zu erreichen ist.
Das mal zu meinem Verständnis.

Also ich finde da werden ganz viele unterschiedliche Dinge vermischt und das sind verschiedene Fragen, die nicht so schnell auf einen Punkt zu bringen sind.
Wenn man Professionalisierung mit dem historischen gewachsenen klassischen Professionen gleichstellen will, die ihre Autonomie durch ein Berufsethos selbst kontrollieren, wäre das für mich schon mal eine eigene Diskussion.

Wenn man jetzt von einem professionstheoretischen merkmalsorientierten Ansatz ausginge, der sich dann beim Merkmal 7 manifestiert und ein wissenschaftliches Expertentum vorsieht, frage ich mich was hat das mit der Bildung einer Pflegekammer zu tun?
Würde die Bildung zu einem Anstieg von wissenschaftlichem Expertentum beitragen?
Ich denke eher nein. Die Pflegekammer ist zunächst berufspolitisch um die Regulierung beruflicher Richtlinien bemüht und kann so vielleicht zu einer höheren Autonomie beitragen. Zur Wissenschaftlichkeit im Sinne von Forschung kann sie, denke ich, nicht viel beitragen.
Oder meinst du vielleicht mit wissenschaftlichem Expertentum akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte, die dann am Bett Daten erheben und Untersuchungen durchführen?

Also vielleicht habe ich deine Fragestellung auch nicht richtig erfasst, es wäre hilfreich, wenn du deinen Diskussionsgegenstand vielleicht etwas eingrenzen oder nochmals präziser formulieren könntest.
Im übrigen kann ich mir persönlich auch nicht vorstellen, dass eine Fachkraft mit Uni-Abschluss wirklich am Bett arbeitet. Ich denke, dass die Tendenzen eher dahin gehend sind, dass die viel zitierte "Grundpflege" oder "Basispflege" nach medizinischer Marnier auch von der Krankenpflege nach "unten" delegiert wird.
VG Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
N

Nephron

Zum Punkt 7: Lt. Fr.Bienstein ist nur 0,001% des Wissens in der Pflege evidenzbasiert-Fr.Stösser spricht immerhin von 1 Prozent - soviel zum wissenschaftlichen Expertentum...
Und natürlich wird die Pflege delegiert- ein Architekt macht ja auch nur den Plan und nicht die Mauern!
 
Sahawe

Sahawe

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Zum Punkt 7: Lt. Fr.Bienstein ist nur 0,001% des Wissens in der Pflege evidenzbasiert-Fr.Stösser spricht immerhin von 1 Prozent - soviel zum wissenschaftlichen Expertentum...
Das weiß ja mittlerweile jeder, dass die Pflegeforschung noch in den Kinderschuhen steckt. Die Frage ist, ob sich das durch die Bildung einer Pflegekammer ändert.
Und natürlich wird die Pflege delegiert- ein Architekt macht ja auch nur den Plan und nicht die Mauern!
Ja aber es gibt auch noch etwas zwischen Architketen und Maurern. Ein Architket macht 10-12 Semester. Es gibt aber integrative Studiengänge, die wesentlich kürzer sind.
Und da es nicht so viele Architektenstellen gibt und weil man für Architekten nicht so viel Geld ausgeben möchte, machen sie zusätzlich oft die Arbeiten von Technikern.
Bei studierten Kranknschwestern war es aber nicht der Plan, dass sie nicht mehr am Krankenbett arbeiten. Der Plan war eine, dass eine Fachkraft nicht mehr dreijährig ausgebildet wird, sondern die Ausbildungsmodalitäten durch ein Studium und damit ihre Tätigkeit aufwertet. Das ist die Anpassung an europäische Standards. Sie sind dann studierte Pflegefachkräfte, deren Tätigkeitsfeld lediglich erweitert wurde.
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
N

Nephron

Ich wollte dazu nur mal einige Zahlen in den Raum werfen, natürlich weiß jeder, dass die Pflegewissenschaft in den Kinderschuhen steckt.

Wessen Plan soll das denn gewesen sein?
Es gibt doch kaum originäre Studiengänge "Pflege", sondern es geht meist in Richtung Pädagogik und Management. Und sogenannte duale Studiengänge, wie sie zurzeit modern sind, lösen das Problem auch nicht, die sind a) nicht an Universitäten angesiedelt und b) enthalten wenig Anteile Pflegeforschung/ Pflegewissenschaft.

Naja, dann hoffen wir mal, dass eine Pflegekammer uns wenigstens mehr Geld im Portemonnaie beschert...
 
F

Flashmob

Hallo Parasympathisch,
der merkmalsorientierte Professionalisierungsansatz ist nicht geeignet, um zu beurteilen, ob Pflegekräfte professionell arbeiten-denn demnach wäre die Pflege allenfalls eine Semi-Profession...aber das wirst du sicher noch im Studium hören.
Hallo Nephron! Da stimme ich Dir voll und ganz zu! Der merkmalsorientierte Ansatz ist ja auch nur ein Ansatz unter vielen. Der merkmalsorientierte Ansatz entspringt einer Analyse anderer bereits profilierter Professionen (Jura, Medizin) - da wurde geschaut, welche Merkmale diese Professionen aufweisen und wurde nun auf die Pflege übertragen.

denn Studierte werden i.d.R. gar nicht am Bett arbeiten und sind somit keine Pflegenden!
Da hast Du leider absolut Recht...jedenfalls noch. Ziel meines dualen Studienganges ist es ja, akademisches Pflegepersonal ans Patientenbett zu holen. Ich kann mir das - für mich - auch sehr gut vorstellen, ich möchte am + mit dem Patienten arbeiten. Aber die Realität zeigt ja auch : wer Pflege, Pflegemangement oder Pflegepädagogik studiert, entfernt sich vom Patienten...die einzige akademische Berufsgruppe, die direkt am Patienten arbeitet, sind bislang noch die Mediziner...ich glaube aber, dass das v.a. daran liegt, dass es zu wenige Jobangebote für Akademiker in Kliniken gibt, wo diese a) ihr spezielles Wissen + ihre Fähigkeiten einbringen können und b) dies auch entsprechend honoriert wird.

Also wenn ich das richtig verstehe meinst du, dass die erfüllten Merkmale den Professionalisierungsgrad anzeigen.
Hallo Sahawe :eek:riginal:
Nein...das ist nicht meine persönliche Meinung, sondern dieser Professionalisierungsansatz dient lediglich als Grundlage für eine Diskussion ob Pflege professionalisiert ist, wenn sie diese Merkmale erfüllt (oder auch nicht) - ob dieser Ansatz als Bewertungsmaßstab sinnvoll ist...tja...darüber muß ich erst noch nachdenken, damit ich mir eine Meinung dazu bilden kann...spontan würde ich sagen : Nein, weil Pflege vielleicht auch andere nicht beachtete Merkmale erfüllt, die zB Jura + Medizin eben nicht zum Inhalt haben...welche das aber genau sind....hmm...wie gesagt, da brauch ich noch Zeit, um mir das durch den Kopf gehen zu lassen.

Wenn man jetzt von einem professionstheoretischen merkmalsorientierten Ansatz ausginge, der sich dann beim Merkmal 7 manifestiert und ein wissenschaftliches Expertentum vorsieht, frage ich mich was hat das mit der Bildung einer Pflegekammer zu tun?
Die Diskussion um eine Pflegekammer ergab sich aus dem Punkt 6!

Würde die Bildung zu einem Anstieg von wissenschaftlichem Expertentum beitragen?
Ich denke eher nein. Die Pflegekammer ist zunächst berufspolitisch um die Regulierung beruflicher Richtlinien bemüht und kann so vielleicht zu einer höheren Autonomie beitragen. Zur Wissenschaftlichkeit im Sinne von Forschung kann sie, denke ich, nicht viel beitragen.
Hier finde ich, sind einige Begriffe etwas vermischt : Bildung an sich würde meiner Meinung nach definitiv zu einem Anstieg des wissenschaftlichen Expertentums führen - vorausgesetzt es handelt sich um pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, die auf wissenschaftsbasierten Forschungen beruhen - dafür halte ich Bildung für unabdinglich.

Oder meinst du vielleicht mit wissenschaftlichem Expertentum akademisch ausgebildete Pflegefachkräfte, die dann am Bett Daten erheben und Untersuchungen durchführen?
Zum Beispiel...also Pflegewissenschaftler, die durch verschiedene Methoden (wie zB Dein genanntes Beispiel) neue Erkenntnisse gewinnen, wie man Menschen effektiv und möglichst ohne "Schaden" pflegen kann, wie man beweisen kann, dass Pflege einen therapeutischen Effekt hat usw.

Im übrigen kann ich mir persönlich auch nicht vorstellen, dass eine Fachkraft mit Uni-Abschluss wirklich am Bett arbeitet. Ich denke, dass die Tendenzen eher dahin gehend sind, dass die viel zitierte "Grundpflege" oder "Basispflege" nach medizinischer Marnier auch von der Krankenpflege nach "unten" delegiert wird.
Leider geht die Tendenz tatsächlich dorthin, aber warum werde ich in Kommunikation ausgebildet, wenn ich nur 2 Sätze mit dem Patienten wechseln kann beim morgendlichen Waschen. Warum sehe ich den Patienten bei dem derzeitigen System momentan nur beim Waschen und beim Essenstablett rein- und raustragen? Wozu lerne ich all dieses pflegerische Wissen, wenn die konkrete Arbeit am Patienten von (evtl. auch unausgebildeten) Pflegehelfern ohne Hintergrundwissen geleistet wird. Wem nützt dieses Wissen dann? Es muß sich eben grundsätzlich was ändern in der Pflege...und vielleicht geht das am ehesten über Bildung. Jetzt kommt bestimmt der Einwand : eine Pflegehelferin kostet aber weniger als eine Pflegewissenschaftlerin. Das ist richtig, aber wenn ich nachweisen kann, dass Patienten durch meine wissenschaftsgestützte Pflege weniger Folgeschäden entwickeln und damit weniger Krankheitskosten verursacht, dann kann das eine massive Entlastung der Kosten im Gesundheitssystem darstellen....Da spielt dieser o.g. Punkt mit rein "beweisen, dass Pflege therapeutischen Wert hat".

Zum Punkt 7: Lt. Fr.Bienstein ist nur 0,001% des Wissens in der Pflege evidenzbasiert-Fr.Stösser spricht immerhin von 1 Prozent - soviel zum wissenschaftlichen Expertentum...
Ja...das ist viel zu wenig...aber man darf auch nicht vergessen : Pflegestudiengänge gibt es erst seit ca 20 Jahren in Deutschland....und die ersten 10 - 15 Jahre wurden damit verbracht, über Pflege zu schreiben und zu forschen - also sich überhaupt erst einmal zu definieren...die richtige Pflegeforschung ist erst am Anfang.

Und sogenannte duale Studiengänge, wie sie zurzeit modern sind, lösen das Problem auch nicht, die sind a) nicht an Universitäten angesiedelt und b) enthalten wenig Anteile Pflegeforschung/ Pflegewissenschaft.
Das stört mich auch : immerhin sind es schon mal FH´s...:whistling
und zum Thema "Anteile Pflegeforschung/ Pflegewissenschaft" in den Studiengängen : ich finde auch, dass momentan noch zuviel über Pflegeforschung geredet wird, anstatt es einfach zu tun - Pflege zu erforschen
 
Sahawe

Sahawe

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Hallo parasympathisch, :eek:riginal:

Die Diskussion um eine Pflegekammer ergab sich aus dem Punkt 6!
Also für mich ist der vorletzte Punkt in der Auflistung deines ersten Beitrages der Punkt 7!
Ok, du hast 6 gemeint, dann hat sich das erledigt.

Hier finde ich, sind einige Begriffe etwas vermischt : Bildung an sich würde meiner Meinung nach definitiv zu einem Anstieg des wissenschaftlichen Expertentums führen - vorausgesetzt es handelt sich um pflegewissenschaftliche Erkenntnisse, die auf wissenschaftsbasierten Forschungen beruhen - dafür halte ich Bildung für unabdinglich.
Definitiv, da stimme ich dir voll und ganz zu. Der Ausdruck 'Bildung' hat sich aber in meinem Beitrag auf die Gründung einer Pflegekammer bezogen.
Zum Beispiel...also Pflegewissenschaftler, die durch verschiedene Methoden (wie zB Dein genanntes Beispiel) neue Erkenntnisse gewinnen, wie man Menschen effektiv und möglichst ohne "Schaden" pflegen kann, wie man beweisen kann, dass Pflege einen therapeutischen Effekt hat usw.
Das war aber kein Beispiel, sondern eine Verständnisfrage von mir.
Aber, um es als Beispiel aufzugreifen, das macht man auch jetzt schon, beispielsweise mit Methoden wie der 'teilnehmenden Beobachtung,' nur werden dann ausschließlich Daten erhoben. Damit meine ich, es wird sich etwas schwierig gestalten zu beobachten und gleichzeitig irgendwelche Handlungen auszuführen.
Was man sich aber von einer besseren Ausbildung verspricht, ist die konsequente und richtige Anwendung von Assessmentinstrumenten und eine fundierte Pflegediagnostik. Das würde mit dem entsprechenden Hintergrundwissen mit Sicherheit zu einer qualitativ hochwertigeren Pflege führen.
Hinzu kommt, dass der ganze Berufsstand aufgewertet wird und die Ergebnisse auch von anderen Berufsgruppen ernster genommen werden.
Aber wo man wen einsetzt sind Werteentscheidungen,d.h. politische und gesellschaftliche Entscheidungen. Und wo das Gesundheitssystem hingeht und damit die Pflege und auch Studiengänge etc. das weiß keiner so genau - zumal ein Deprofessionalisierungsprozess eingesetzt hat - gerade in der Altenpflege und der ambulanten Pflege. Hier hat man eine eindeutige gesellschaftliche Haltung. Ein Sparkassendenken- wenig einzahlen aber Maximum rauskriegen wollen - keine Qualität, sondern Quantität und zwar so billig wie möglich. Man hat auch schon die Bedenken geäußert, dass es bald nicht mehr Pflegeforschung heißen wird sondern Versorgungsforschung.
Aber zurück zum Thema, da sich jetz ja geklärt hat, dass die Gründung einer Pflegekammer sich nicht vom wissenschaftlichen Expertentum ableitet, ist nun meine Frage: Was ist dein genauer Diskussionsgegenstand? Vielleicht kannst du ihn nochmal formuliren, ansonsten sehe ich die Gefahr, dass die Diskussion abschweift, weil sich einfach zu viele Themen vermischen.
VG Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
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Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
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Lika*

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Und wo das Gesundheitssystem hingeht und damit die Pflege und auch Studiengänge etc. das weiß keiner so genau - zumal ein Deprofessionalisierungsprozess eingesetzt hat - gerade in der Altenpflege und der ambulanten Pflege. Hier hat man eine eindeutige gesellschaftliche Haltung. Ein Sparkassendenken- wenig einzahlen aber Maximum rauskriegen wollen - keine Qualität, sondern Quantität und zwar so billig wie möglich. Man hat auch schon die Bedenken geäußert, dass es bald nicht mehr Pflegeforschung heißen wird sondern Versorgungsforschung.
VG Sabine
...nachdem der Gesetzgeber verlauten liess, man brauche nur ein warmes Herz und eine liebevolle Hand zur Pflege, brach der Damm der Inkompetenz komplett ein.
Nach einer 4wöchigen Ausbildung bin ich Pflegefachkraft, so sieht es aus. So wird man dann auch benannt und eingestellt und darf vollkommen eigenverantwortlich den Abenddienst (in der ambulanten Pflege mit Schwerstkranken) übernehmen.
Da packt man sich an den Kopf und hofft, dass man vor Eintritt des eigenen Pflegefalls tot umgefallen ist.

In der SZ stand es vor kurzem vortrefflich beschrieben:
alle wollen Mercedes fahren aber nur Kleinstwagen bezahlen.
Solange gesetzlich das Prinzip "jeder kann und darf pflegen" nicht geändert wird, ist ein Studium einfach lächerlich und dient der Aufhübschung ohne reelle Änderungen.

Grüsse,
Lika*
 
Qualifikation
Krankenpflegerin
Fachgebiet
amb. Pflegedienst
Sahawe

Sahawe

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Nach einer 4wöchigen Ausbildung bin ich Pflegefachkraft, so sieht es aus. So wird man dann auch benannt und eingestellt und darf vollkommen eigenverantwortlich den Abenddienst (in der ambulanten Pflege mit Schwerstkranken) übernehmen.
Wo ist das geregelt? Das höre ich zum ersten Mal, dass man als Pflegefachkraft keine dreijährige Ausbildung braucht. Kannst du mir die Grundlagen dafür reinstellen?
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
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Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
HBR69

HBR69

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Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
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Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
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psych-pv

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Diskutieren wir ruhig weiterhin wissenschaftlich oder nicht wissenschaftlich über das "für" und "wieder" einer Pflegekammer und lassen uns bis dorthin weiter fremdbestimmen. Was solls, wir sind es ja gewöhnt.
Ich arbeite seit 1973 in der Pflege. Meine Erfahrung daraus ist, dass wir, die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen, fremdbestimmt werden, sprich ander Berufe (egel welche) bestimmen und lenken unsere Berufsgruppe. Die ärztlichen Kollegen dagegen haben eine eigene Kammer und bestimmen und lenken sich selbst.
Beispiel:Ich glaube nicht, das Frau Schmidt, weil es einen akuten Ärztemangel gibt die Zugangsvoraussetzungen zum Medizinstudium dem mittleren Bildungsweg zugänglich machen würde, um so mehr Mediziner für das Gesundheitssystem zu bekommen. Der Grund ist der, das die Ärzte eine starke Kammer haben, mit einer Stimme sprechen und sich so mobilisieren können.

Mit der Pflege macht aber Frau Schmidt gerade das was sie sich bei den Ärzten nicht traut (was ich auch für sehr schwachsinnig halte). Sie öffnet den Zugang zum erlernen des Pflegeberufs Haupschulabgängern und senkt somit die Zusatzvoraussetzungen auf den untersten Stand der Schulbildung. Mit uns Pflegenden kann man das ja ohne Angst um Gegenwehr machen, weil Pflege nicht organisiert in einer Kammer ist, die verschiedenen Verbände der Pflege sich kritisch gegenüberstehen und gegenteilige Meinungen vertreten.
Deswegen bin für eine Pflegekammer. Pflege gehört in die Hand der Pflegenden und nicht in die Hand von Besserwissenden und Berufsfremden.
Aber diskutieren wir ruhig weiter!
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Psychiatrie
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