Pflegediagnosen Hilfe

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Noddie

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Hallo,
wir führen jetzt Pflegediagnosen ein. Eigentlich kein Problem für mich.
Liege aber mit jemanden im Streit und möchte gerne wissen wie das bei Euch so ist.
Ein Drogenpatient kommt zur Aufnahme.Nimmt Heroin, Benzodiazepine und Alkohol. Trübt während der Aufnahme immer mehr ein.
So ich würde jetzt Pflegediagnose - Gefahr einer Körperschädigung nehmen, wie auch in dem Buch von Fr.Townsend beschrieben.
Der andere will aber Unwirksames Coping nehmen, muß dazu sagen er ist nicht aus der Praxis aber hat was zu sagen.
Ich verzweifele so langsam. Bitte schreibt mir wie es bei Euch läuft.
Vielen Dank im Vorraus
Ulli
 
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Schwester Christa

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Hallo Ulli,

auch bei uns sollen Pflegediagnosen eingeführt werden. Wir nehmen uns dafür viel Zeit, in etwas über zwei Jahren soll die Sache dann im ganzen Haus stehen.

Wir orientieren uns dabei an der NANDA-2-Taxonomie.

Zu deinem Fall:

Bei einer akuten Aufnahme in der Sucht, wenn wie beschrieben der Patient offensichtlich hoch intoxikiert ist, würde ich die angegebenen Diagnosen erstmal beiseite lassen und eine Notfalldiagnose stellen.

Warum?

Die Pflegediagnosen der NANDA-Taxonomie (Frau Townsend findet sich darin wieder) gehen von fundierter Anamnesearbeit aus. Wenn der Patient nicht ein "Dauerkandidat" ist, dessen Lebensumstände schon hinlänglich bekannt sind, kann eigentlich in der Akutsituation kaum ausreichend Material für eine fundierte Diagnose erhoben werden.

Wenn ich einen Patienten wie deinen habe, würde ich erstmal an Gefarhr einer Aspiration bzw. an Erstickungsgefahr denken. Wenn der Patient dann wieder an- und absprachefähig ist, kannst du dann die Hauptdiagnosen stellen.

Ansonsten schließt die eine Diagnose die andere ja nicht aus. Ich habe viele Patienten, bei denen beides zum tragen kommt.

Gefahr einer Körperschädigung ist bei fast allen Suchterkrankungen gegeben, unwirksames oder defensives Coping kommt je nach individuellem Fall dazu.
Wenn ein Patient häufiger in völlig desolatem Zustand ankommt und eigentlich keine erkennbare Motivation mitbringt (weil er vom NA oder der Polizei eingeliefert wird) auch immer mal an "unwirksames Therapiemanagement" denken.

Ansonsten würde ich mich freuen, mehr von deinen Erfahrungen zu hören. Wir sind wie gesagt erst im Aufbau...
 
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trostpflaster

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AW: Pflegediagnosen Hilfe

Hallo Schwester Christa

habt ihr schon edv-gestützte Bearbeitung oder füllt ihr Vorlagen aus?
und klappt das mit dem Bezugspflegesystem(falls ihr nach dem pflegt)?Frage aufgrund der evtl. schnell wechselnden Diagnosen und deren Eingabe (sollte ja dann die Bezugspflege machen)

Hallo Ulli
stimme da Schwester Christa zu
solange der Patient zu keiner adäquaten Anamnese fähig ist, würde ich auch mit Notfalldiagnosen arbeiten.
Ich hoffe du und der Kollege werdet Euch einig. Schreib mal,auf was ihr Euch geeinigt habt.

Liebe Grüße vom Trostpflaster
 
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Schwester Christa

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AW: Pflegediagnosen Hilfe

Hallo Trostpflaster,

wir arbeiten wie gesagt noch gar nicht mit Pflegediagnosen, wollen es aber einführen.

Bezugspflege wird bei uns ganz groß geschrieben, auch wenn es in der Realität manchmal doch ziemlich hakt.
Wir haben unserer PD aber auch schon in´s Stammbuch geschrieben, dass wir eine EDV-gestütze Lösung für unbedingt notwendig halten.
Da wir eigentlich schon eine nahezu papierfreie Klinik sind, ist das aber das kleinste Problem. Wie ich mittlerweile gehört habe, gibt es Probleme mit den Lizenzen, aber das sollen andere klären.
Momentan erarbeiten wir Assessment-Bögen für die Anamnese, die teilweise dann auf die entsprechenden Diagnosen hinführen.

Hast du selbst schon Erfahrungen mit Pflegediagnostik? Würde mich interessieren...
 
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trostpflaster

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Hallo Schwester Christa

bei uns wird das POP-System eingeführt = PraxisOrientiertePflegediagnosen

dieses ist eine Weiterentwicklung der Nanda-Pflegediagnosen von Leuten aus Österreich
Liszenzgebühren verlangen diese nicht, das Buch kostet um die 65 Euro, beinhaltet eine CD mit Vorlagen eines Assesmentbogens,Pflegeplanungsbogen usw.

EDV-gestützt soll es bei uns in ein paar Monaten losgehen, zumindest wurde schon mal überprüft ob unsere EDV das POP- Programm installieren kann.

Haabe jetzt des öfteren schon die Pflegeplanung mit den POP erstellt, bei Pat. mit Depressionen und Borderlinestörung finde ich eine Hülle von passenden Diagnosen; ob Risiko-, Ist- oder Gesundheitsdiagnose.Schwieriger wird es für mich bei Pat mit Intox und Psychosen, da muss ich länger grübeln, was passen könnte.Aber das ist sicher eine Frage der Übung.

Im Moment läuft die Pflegeplanung noch oft nach 0815-Stadardt ab und nicht sehr Pat.-orientiert.Mit der Einführung der POP, wird sich das aber ändern.

Bei uns herrscht noch reger Papierkrieg,was ziemlich nervig und zeitaufwendig ist.

Die BZ-Pflege ist das hohe Ziel,klappt aber nur oberflächlich.
Mir schlackern die Ohren,wenn ich bei manchen Kollegen hier höre, was gemacht wird,damit die BZ-Pflege funktioniert (z.B. Dienstplanregelung).

Liebe Grüße vom Trostpflaster
 
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Noddie

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Hallo Trostpflaster und Schwester Christa,
erstmal wieder alles auf Eis gelegt weil wir jetzt auf die Taxonomie 2 umstellen in der Klinik und das 1. zu teuer würde und 2. die Kollegen verwirren würde. Sobald die Taxonomie eingeführt ist werden alle Kollegen geschult. Ich laß mich überraschen.
Übrigends die Notfalldiagnose wollt ich ja nehmen ,aber nee sollte ich dann doch nicht , bin dann leicht ausgerastet , er soll doch bitte erstmal 3 Monate bei uns arbeiten. Na,ja Schnee von gestern.
Aber ich werde neidisch wenn ich höre ihr macht Bezugspflege ,das war bei uns mal so, so gut wie möglich. Jetzt undenkbar, wir spielen eigentlich nur noch Feuerwehr .
Übrigends vielen Dank für Eure Beiträge
Alles liebe
Ulli
 
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Hallo zusammen,

am vergangenen Freitag hat sich unsere Diagnosen-AG getroffen, um das weitere Vorgehen zu umreißen.

Ein Kollege hat auch das österreichische POP-System angesprochen. Er findet es besser an den deutschen Sprach- und Berufsalltag zugeschnitten.
Und tatsächlich ist im Maßnahmenkatalog der Taxonomie-II ja einiges berufsfremde drin, was im anglo-amerikanischen Raum üblich ist, wo uns aber (zurecht) die Sozialarbeiter, Psychologen, ambulanten Dienste etc. auf´s Dach steigen würden, wenn wir uns als Pflegende die entsprechenden Schuhe auch noch anziehen würden.

Letztendlich haben wir uns aber darauf geeinigt, dass wir bei der Taxonomie-II bleiben. Letztendlich deshalb, weil wir das "hehre Ziel" der NANDA mit unterstützen wollen, eine einheitliche und international anerkannte Sprache der Pflege zu finden. Jedes "selbstentwickelte" System konterkariert dieses Ziel, weil nicht klar ist, wie wissensbasiert es letztendlich ist.

Wobei ich anerkenne, dass das POP-System ja wohl zumindest die Diagnosen der NANDA vollständig übernommen hat.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass es reine Übungssache ist. Ich war zu Beginn auch sehr skeptisch, was die Umsetzung gerade der psychiatrischen Erkrankungen angeht. Bislang bin ich aber noch immer fündig geworden. Es dauert halt am Anfang seine Zeit, aber mit zunehmender Routine wird es bestimmt schneller.

@trostpflaster: Hast du eine ISBN-Nummer für das POP-Buch?
 
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trostpflaster

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Hallo Noddie

BZ-Pflege im weitesten Sinne... Ich arbeite gerne mal am Wochenende,weil das meistens die einzigen Tage sind, an denen ich mal ein längeres Gespräch führen kann. Das wurmt mich schon des öfteren.
Habe gestern mal wieder eine Pflegeplanung nach POP erstellt und kam sehr gut zurecht.
Bin froh, wenn das ganze Beginn-Tohuwabohu um das Thema mal beendet ist und es richtig los geht.

Hallo Schwester Christa

Habe gerade ND-frei,bin am Mittwoch wieder im Dienst und schreibe dir die ISBN-Nr. dann hier auf,okay?

Schönen Abend wünscht Trostpflaster
 
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trostpflaster

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Hallo Schwester Christa

hier die gewünschte ISBN-Nr. ISBN-10: 3211799095


Hatten am Donnerstag eine Fortbildungen zu den OPS
werden die nächsten 2-3 Wochen mit 2 ausgesuchten Patienten diese OPS üben
ab Juli wird es für die OPS der Diagnosen ernst, bis Ende des Jahres haben wir den Probelauf für das Kodieren unserer Bereiche Pflege,Ärzte,Therapeutengruppen,ernst wird es da erst ab 2011
Viele stöhnen schon jetzt rum,ohne sich wirklich mit dem Thema beschäftigt zu haben.

Was ich toll finde, ist, das sich immer mehr mit den Pflegediagnosen beschäftigen und das POP-Buch wälzen.
Also es läuft alles nach Plan und alles wird gut *lach* kommt Zeit kommt Durchblick

Lieber Gruß vom Trostpflaster
 
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AW: Pflegediagnosen Hilfe

Hallo

Hab das POP-Buch bestellt und bin schon sehr gespannt wie praxistauglich es ist.

Wir arbeiten bis jetzt noch nicht mit Pflegediagnosen, sondern formulieren unsere Pflegeprobleme frei.
Das ist nicht wirklich einfach und viele der älteren Mitarbeiter die von Pflegeplanung in der Ausbildung nichts gehört haben, fällt das richtig schwer.

Ich hoffe das Buch wird eine Unterstützung sein um Pflegeprobleme auf den Punkt zu bringen und damit die Dokumentation zu erleichtern. Bei Amazon konnte man ja schon mal ins Inhaltsverzeichnis sehen, ich hoffe das Buch hält, was das Inhaltsverzeichnis "verspricht".

Hat hier vielleicht schon mal jemand etwas zu Fortbildungen zum Thema gehört oder fühlt sich selbst in der Lage eine Fortbildung zum Thema " Pflegeplanung in der Psychotherapie und Psychosomatik" anzubieten?

LG Psylena
 
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Hi, ich arbeite seit über zehn Jahren mit den NANDA Diagnosen und bin sehr froh, dass es seit letztem Jahr mit den POP Diagnosen der Österreicher um Harry Stefan eine echte ressourcenorientierte Alternative gibt. Ich hab jetzt zweimal einen Vortrag von Stefan gehört,letztes Jahr in Heidenheim und in Wien auf dem Dreiländerkongress. Ich kanns euch nur empfehlen. Voraussetzung ist natürlich eine saubere Pflegeanamnese, aber auch das geben die Autoren vor. Entschuldigt meine Euphorie, aber Pflegediagnosen zu stellen (mit der entsprechenden Anamnese) ist super einfach, und Pflegeplanungen ergeben sich fast von selbst.
 
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trostpflaster

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Aaaaaah noch ein Fan von Harry Stefan *lach*

habe nur eine Fortbildung mitgemacht,kann dich sehr gut verstehen.

mal sehen ob der Fan-Kreis noch größer wird...

das Trostpflaster
 
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Psylena

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Hallo

Weiß jemand ob Harry Stefan Fortbildungen anbietet? Wie man Kontakt herstellen kann.

Oder kennt jemand andere Dozenten, die Fortbildungen zum Thema Pflegedokumentation bzw. Arbeit mit Pflegediagnosen (vorzugsweise) in der Psychosomatik / Psychotherapie oder auch Psychiatrie anbieten? Vielleicht sogar im Raum NRW?

Wäre wirklich dankbar für Antworten. Vielleicht traut sich ja auch jemand zu, eine Fortbildung zum Thema zu gestalten, der schon länger Erfahrung damit hat und sein Wissen gut vermitteln kann.

LG Psylena
 
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Hallo, Harald Stefans e-mail Adresse ist im Kongressband des 6. Dreiländerkongress veröffentlicht, von daher gehe ich davon aus, dass es ok ist, wenn ich sie hier schreibe: [email protected]

Es lohnt sich auf jeden Fall nachzufragen, denn ich weiß, dass er Workshops und Vorträge auch in Deutschland anbietet.

Unter diesem Link findest Du einen Vortrag von Harald Stefan über POP:

http://www.kliniken-heidenheim.de/klinik/Pflegedienst_und_Verwaltung/Kongress/Vortraege/Harald_Stefan_Pflegediagnosen.pdf

Ich hoffe, es hat dir geholfen.
Grüße
 
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Hallo

Vielen Dank für die Adresse und den Link.

Der ressourcenorientierte Ansatz gefällt mir gut, da das Entwickeln von Ressourcen, bzw. unsere Hilfe beim Entwickeln von Ressourcen, ja einen großen Teil unserer Arbeit ausmacht.
Hatte auch das Buch (POP) für die Arbeit bestellt und versuche zur Zeit damit zu arbeiten. Es fällt mir zur Zeit noch schwer mich darin zu orientieren.

Hätte gerne auch die" NANDA Pflegediagnosen für die Psychiatrie" aber eine Neuauflage ist da scheinbar nicht in Sicht - der Termin für die Neuauflage verschiebt sich von Jahr zu Jahr. Hab mal ein altes Exemplar gesehen - fand gut, dass dort z.B. den medizinischen Diagnosen, mögliche Pflegediagnosen zugeordnet werden.

Bei der Anamneseerhebung mit dem Bogen (POP) habe ich zur Zeit noch meine Schwierigkeiten, denn bei uns ist es üblich, dass Bezugs-Psychotherapeut, Bezugsarzt und Bezugspflege gemeinsam das Aufnahmegespräch mit dem Patienten führen. Es gibt eine von uns allen zusammen ausgearbeitete Struktur die, die relevanten Bereiche aller Berufsgruppen abfragt. Der Sinn dahinter ist, dass wir dem Patienten ersparen wollen am ersten Tag dieselben Dinge immer und immer wieder zu erzählen, denn viele Fragen wiederholen und überschneiden sich.

Wir überlegen jedoch zur Zeit ob wir das wieder ändern wollen, denn zum Beziehungsaufbau ist es vorteilhafter wenn die Anamnese getrennt geführt wird, also im zweier Kontakt mit dem Patienten.

Vielleicht finden wir ja noch die optimale Lösung. Mich würde interessieren wie andere das geregelt haben.

LG Psylena
 
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Hallo,
ich finds super, dass ihr das Aufnahmegespräch trialogisch gestaltet, und fände es schade, wenn ihr das ändern würdet. Dörner hat nicht umsonst schon immer dafür plädiert, das Gespräch zu dritt zu führen. Wir machen das übrigends auch so. Die relevanten Informationen für die POP Anamnese erhebe ich zusätzlich in einem Gespräch in den ersten Tagen - und ergänze sie während dem gesamten Aufenthalt. Ich will nicht sagen, dass wir den Pflegeprozess umgesetzt haben, aber ich glaube wir kommen dem immer näher.
Grüße
 
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Hallo,
noch eine Anmerkung zum POP Anamnesebogen. Ich tu mir mit den Domänen noch etwas schwer. Im Bereich der Mobilität z.B. passt er nicht für psychiatrische Patienten. Ich würde mir wünschen, dass die Autoren den Anamnesebogen für die Psychiatrie noch etwas spezifizieren würden. Eine Idee aus unserem Team: Die Vorlage des Bogens ist ok, wir wollen ihn selber für unsere Zwecke verbessern.
 
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Hallo

Ich empfinde es bis auf Ausnahmen sehr schwierig innerhalb der ersten Tage eine Pflegeplanung aufzustellen. Auch wenn man im Aufnahmegespräch sehr viel vom Patienten erfährt, gehört doch Kennenlernen und Beobachten dazu, um sich ein Bild davon zu machen wo die Schwerpunkte liegen.

Viele unserer Patienten kommen zu uns mit einer unklaren Vorstellung darüber, was mit einer Therapie erreicht werden kann oder stehen einer Therapie sogar eher skeptisch gegenüber, haben Angst oder überhöhte, unrealistische Erwartungen usw.
In dieser "Orientierungsphase" finde ich es schwer schon einen Pflegeplan zu schreiben, außer einen wo es um Kennenlernen, Vertrauen, Orientierung und Sicherheit oder auch Kooperation geht.
Oft sind sowohl die Patienten, als auch wir Pflegenden, erst dann in der Lage die Ziele konkreter zu formulieren und zusammen daran zu arbeiten.
Und wann diese erste "Phase" abgeschlossen ist, auch noch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

Maßnahmen sind oft genauso schwer zu formulieren, die sollen ja laut MDK möglichst genau formuliert sein (wann, wie, wo, wer).
Das mag ja bei den eher verhaltenstherapeutischen Maßnahmen wie Entspannungsmethoden, Expositiontraining, Skillstraining usw. gehen und bei den versorgenden Maßnahmen.
Aber ein großer Teil der Arbeit besteht auch daraus dem Patienten ein Gegenüber, ein Vorbild oder schützender Helfer zu sein.
Verhalten zu spiegeln, Schützen, Mut machen, Konfrontieren, Ärger aushalten können und die Beziehung zu halten, Hilfestellung geben beim benennen von Gefühlen oder Bedürfnissen. Da wird es für mich schwierig mit dem konkret formulierten Planen.

LG Psylena
 
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Hallo Psylena,

das eine schließt das andere nicht aus und du solltest versuchen, Diagnose und Planung getrennt voneinander zu sehen.

Bei den Pflegediagnosen hast du in der ersten Zeit immer die Möglichkeit (je nach Bereich) Notfalldiagnosen zu stellen. Die leiten sich zwar zu einem guten Teil aus dermedizinischen Diagnose ab, aber sei´s drum, du hast etwas an der Hand, um damit zu arbeiten.

Ein Kollege aus unserer Diagnosen-AG, der auch in der Psychosomatik arbeitet, hatte zu Beginn ähnliche Bedenken wie du, kommt aber mittlerweile sehr gut zurecht.
Die "Langzeitarbeit" fällt ja nicht weg und Diagnosen können sich auch ändern im Verlauf.
Wir haben (noch) den großen Vorteil, dass wir, im Gegensatz zu den Medizinern, keine Aufnahmediagnose stellen MÜSSEN. Wir können uns tatsächlich Zeit nehmen. Aber: je zügiger, desto besser natürlich.

Es ist auf Dauer auch eine Frage der Übung und der "Arbeitsmaterialien". Ich habe bislang die Erfahrung gemacht, dass ich mit einem guten Aufnahmeassessment das mögliche Themenfeld schon ziemlich gut eingrenzen kann. Meine Aufnahmediagnosen, die ich bislang gestellt habe, waren im weiteren Krankheitsverlauf dann auch immer unter den Top-3 Diagnosen.

Pflegeplanungen sind immer aktuell und individuell zu halten. Außerdem sind sie in regelmäßigen Abständen zu überprüfen. Was nicht mehr aktuell oder notwendig ist, fliegt raus.
Du KANNST deine Pflegemaßnahmen aus dem NANDA-Katalog nehmen, musst sie aber nicht. Gerade bei Akutmaßnahmen ist die NANDA2-Taxonomie etwas unscharf formuliert, gerade was den psychiatrischen Bereich angeht. Es vereinfacht die Sache allerdings, wenn man sich an den NANDA-Katalog hält. Du darst nur nicht vergessen, im Verlauf auch immer wieder mal über das Raster hinaus zu sehen.
Vielleicht habt ihr schon festgelegte Handlungsstandards im Haus, die ihr an die NANDA-Maßnahmen anpassen könnt...
 
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Hallo Schwester Christa,
ich denke auch, alles eine Sache der Übung. Was mich interessiert, wieviele Pflegediagnosen werden in etwa von Dir benutzt? Ich habe bei mir festgestellt, dass es sich oft wiederholt, und es ca 6-8 relevante häufig gestellte Diagnosen sind.
Allerdings, seit ich mit POP arbeite, stelle ich wesentlich mehr Diagnosen pro Patient (die aber nicht alle in die Planung mit einfließen).
Und noch eine Frage: Wie kann man sich die Arbeit der Diagnosen-AG vorstellen? Hört sich spannend an.
LG
 
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