Pflege zuhause

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Teetrinkerin

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Hallo Kollegen,
meine an Krebs erkrankte Schwiegermutter soll in der kommenden Woche von der Palliativstation nach Hause entlassen und dort mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes versorgt werden.
Da ich selbst mit ambulanter Pflege und den Vorgängen überhaupt nicht vertraut bin, muss ich hier mal ein paar Fragen stellen.
Wie ist der Vorgang, wenn jemand ambulante Pflege verordnet bekommt?
Was mir schon klar ist, dass Hilfsmittel von Krankenkasse oder Pflegekasse finanziert werden, wenn der Arzt sie rezeptiert hat.
Was mir noch nicht klar ist, wie ist es mit der Pflegebedarfserhebung? Geschieht die z.B. beim sozialen Dienst im KH im Gespräch oder geht da jemand von einem PD in die entsprechende Wohnung und schaut, was gebraucht wird, wie die Örtlichkeiten sind, ob überhaupt Platz ist.
Ich frage deshalb, weil pflegende Angehörige ja mal einen anderen Blick haben, als Fachleute.
Vielen Dank!
Gabi
 
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Pflege
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pegean

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AW: Pflege zuhause

Such Dir einen guten PD .Welcher hat in der Umgebung Deiner Schwiegermutter einen guten Ruf ?
Dieser wird ein ausführliches Beratungsgespräch mit Dir machen entweder in seinem Büro u.o. direkt vor Ort und hilft auch bei dem gesamten Papierkram.
Und hat auch so manchen Tipp noch parat wo man als Betroffene selbst gar nicht daran denkt.

Erste Hilfe bekommst Du auch schon im KH vom Sozialdienst .

Wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit.
LG
 
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Napster

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AW: Pflege zuhause

Hallo Gabi,

Der Sozialdienst des KH wird zunächst Kontakt zum Betroffenen u./o. den Angehörigen suchen, bereits mit Vorabinfos zum Pflegeaufwand der behandelnden Station versorgt.
Dann wird sich o.g. Sozialdienst um eine häusliche Pflege bemühen, die mit Patienten mit diesem Krankheitsbild Erfahrung hat. Diese häusliche Pflge wiederum wird entweder noch während der Krankenhausbehandlung Kontakt zu Euch aufnehmen - Stichwort Brückenpflege - oder aber zeitnah nach stationärer Entlassung, um dann ganz genau festzustellen, in welchem Umfang Hilfeleistungen wann wie oft vonnöten sind.
Natürlich kannst Du auch selbst recherchieren. Der Klinik-Sozialdienst schlägt lediglich einen PD vor und vermittelt den Erstkontakt zu diesem, die Entscheidung aber liegt immer bei Euch.
Wichtig ist bei der Suche in Eigenregie neben dem guten Ruf des Pflegedienstes vor allem seine fachliche Kompetenz. Ich hatte schon einen Fall, da kam ein Pflegedienst, alles ganz nette Leute, aber mit diesem Krankheitsbild völlig überfordert, mit diesem rasanten, dramatischen Verlauf echt an der Grenze.
Auf jeden Fall sollte Palliatvmedizin kein Fremdwort sein.

MfG
Napster
 
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Sonnensturm

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AW: Pflege zuhause

aber mit diesem Krankheitsbild völlig überfordert, mit diesem rasanten, dramatischen Verlauf echt an der Grenze.
Das finde ich sehr gut umschrieben. Wir hatten zeitweise 5- 6 Pat., die nur über PORT versorgt wurden und dann noch einige mit anderen dem Krankheitsbild entsprechenden Verrichtungen.
Manchmal musste ich nach der Versorgung erstmal vor der Haustür fluchen. Einfach auf ALLES gefasst sein muss das Personal, am besten mit Erfahrung in diesem Bereich.
Viel Kraft.
Wasserfrau
 
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Anroka

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AW: Pflege zuhause

Hallo Gabi,
damit die Pflegekasse die Kosten der Pflege übernimmt, muß ja eine Pflegestufe vorliegen. Aber das wirst du sicher wissen. deine Schwiegermutter hat doch bestimmt auch schon Pflegestufe I, oder? Soviel ich weiß wird die Pflegestufe vom sozialen Dienst der Pflegekasse festgestellt. Pflegestufe I reicht aber schnell nicht mehr aus bei einer Krebserkrankung. Ich hab zwar jetzt keine Kenntnis darüber wie fit deine Schwiegermutter ist, aber meiner Erfahrung nach kann sich die Verfassung schnell ändern. Sodass die Pflegestufe I nicht mehr ausreicht. Um dann die Stufe II zu bekommen könnte es sich hinziehen. Die Mutter eines Freundes ist verstorben bevor die Stufe zwei durch war. Das machen die Kassen wohl auch ganz gerne, müssen ja dann weniger zahlen!? Auch kann man, glaube ich, bei einer Krebserkrankung noch extra Leistungen beantragen.
Ich hab dir mal eine Seite rausgesucht, inder du dich schlau machen kannst.
Übrigens bin ich auch wie Napster der Meinung das der PD sich mit Palliativpflege auskenn sollte.

www.global-help.de/informationen-pflegeversicherung-20030902/107.shtml

ich hoffe das hilft dir etwas. :)
LG
Andrea
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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AW: Pflege zuhause

Das machen die Kassen wohl auch ganz gerne, müssen ja dann weniger zahlen!?
Das ist so nicht richtig. Es wird ab Datum der Antragstellung gezahlt. Falls bisher keine PS bestand, wird vorsorglich bei Krankenhausentlassung die PS I genehmigt.
Mit viel Glück ist dann noch ein amb. Palliativteam vor Ort, die regeln und informieren dann auch über alles.
:eek:riginal:Wasserfrau
 
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Teetrinkerin

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AW: Pflege zuhause

Wir kriegen vom Schwiegervater die Infos immer nur häppchenweise.
Wenn ich es richtig verstanden habe, ist der Sozialdienst der Klinik recht fit und einen PD gibt es inzwischen auch schon. Schwiegervater konnte mir nur nicht den Namen nennen.
Da sie auf einer Palliativstation liegt, wurde wohl auch der ambulante Palliativdienst eingebunden, die "Erstausstattung" wie Bett, Toilettenstuhl u. ä. wurde schon in Auftrag gegeben, wie sie eingruppiert wird oder wurde, kann ich nicht sagen.
So weit ich weiss, benötigt sie Hilfe bei der Körperpflege, Ausscheidungen und eine Kontrolle der Medikamenteneinnahme. Der Port ist momentan nicht punktiert.
Ach ja, paralell wurde sie im Hospiz angemeldet.
Habe mal mit den Kollegen im KH gesprochen, sie ist augenblicklich durch kontinuierliche gute Ernährung, Pflege und regelmässiges Essen in einem sehr stabilen Zustand. Eine Hospizindikation ist momentan sekundär - kann sich natürlich auch schnell ändern.
Aber momentan lasse auch ich mich mit der positiven Stimmung anstecken, so lässt es sich einfach leichter aushalten.
Was ich jedoch immer wieder feststelle, auch bei anderen Kollegen in ähnlicher Situation, dass das eigene Erleben einer solchen Geschichte eine so vollständig andere Sache ist, als wenn ich sie als Pflegefachkraft immer wieder souverän und ohne wesentlichen Nachdruck erlebe.
Danke für alle Tipps!
Gabi
 
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Anroka

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AW: Pflege zuhause

Hallo Wasserfrau,
ich meinte die Änderung von Pf I auf II, wenn die Pat. zu Hause sind. Bei der Mutter meines Bekannten haben die sich tierisch angestellt die PF II zu genehmigen. Das hab ich echt nicht verstanden, denn der Zustand hatte sich so verschlechtert, dass sie so gut wie nichts mehr allein machen konnte. das hätte echt schneller gehen können. Ja, und im Nachhinein hab ich dann gehört, dass Andere auch die Erfahrung gemacht haben. Aber ist bestimmt auch von Kasse und Gutachter abhängig.

Andrea
 
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AW: Pflege zuhause

Na, ist ja schön, dass schon alle involviert sind. Ist dann nur zu hoffen, dass die Beiden die Hilfe auch wirklich zulassen.
Medi's haben übrigens nicht's mit der PK zu tun, betrifft KK.
Das mit der Höherstufung ist immer so eine Sache, nicht immer sind Gutachter oder Kasse verantwortlich. Die PS wird ja nicht nach dem wirklichen Zeitbedarf überprüft, da gibt es feste vorgegebene Zeiten laut Tabelle. Wenn es hoch kommt, kann es sich um 1- 2 min. handeln, welche PS genehmigt wird, oder eben nicht. Ist oft selbst für die Gutachter unverständlich und nicht nachvollziehbar. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass die Gutachter mehr gesehen haben, als die Betroffenen "zugeben wollen".
:eek:riginal:Wasserfrau
 
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Anroka

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AW: Pflege zuhause

Entschuldige bitte, dass ich jetzt erst antworte.
Ich weiß was du meinst. Mein Bekannter hatte mich gebeten ihn bei der Pflege zu unterstützen und das habe ich natürlich auch gemacht. Der PD kam nur morgens und abends. Dadurch war ich mindestens dreimal die Woche da. Am Anfang war sie auch noch echt gut drauf. Plötzlich ging es dann rapide Berg ab. Das ging mir ganz schön nahe. Man baut in so einer Situation ja doch eine andere Beziehung zu dem Menschen auf als zu den Patienten bzw. Bewohnern, die man beruflich kennen lernt. Sie wurde auch palliativ behandelt und gepflegt. Das ist dann auch das einzig vernünftige, finde ich.
 
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AW: Pflege zuhause

Hallo

mein Vater hatte im Juli 08 einen schweren SA, ist noch immer linksseitig gelähmt. Die Reha hatte damals schon im KH alle nötigen Hilfsmittel in Absprache mit uns verschrieben, so dass, als er nach Hause kam, alles vorhanden war. Wegen des MDK hatte sich meine Mutter bei der KK informiert, man nannte ihr den zuständigen. Dort rief sie an um nach einem Termin für die PS zu fragen und der gute Mann wollte gleich am nächsten Tag kommen, da war mein Vater aber noch gar nicht da.
Kam dann 3 Tage später und ordnete ihn problemlos in PS 2 ein. Das 1. Pflegegeld war Ende des Monats auf dem Konto.

Also alles total super gelaufen, es muss also nicht immer Stress geben.

Für deine Schwiegermutter alles Gute.
 
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Napster

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AW: Pflege zuhause

Hallo Gabi,

- Eine Hospizindikation ist momentan sekundär - würde ich so nicht unterschreiben.
Ich war informationshalber im Rahmen meiner FWB in einem Hospiz und konnte dort sehr gute Gespräche führen. Die Pflegenden dort wünschten sich, daß mit einem Einzug ins Hospiz nicht bis zuletzt gewartet würde - es mache es für die dort Arbeitenden dann ungleich schwerer, einen Kontakt zum Bewohner aufzubauen.
Genau das sagte auch die Leiterin, also jemand, der gar nicht unmittelbar am Bewohner arbeitet, sondern sich mehr um Aquise u.ä. kümmert. Natürlich sei ein Hospiz kein Haus des Frohsinns, so sie weiter, aber es gäbe dort auch durchaus richtig gute Tage, wo Gemeinsamkeiten gelebt würden, aber die Individualität des Einzelnen immer im Vordergrund stünde.

Fazit : Nicht zulange mit einem Einzug warten, im Hospiz selbst noch eine halbwegs gute Zeit erleben (auch im Kreise der Familie) und sich dann mit der Sicherheit professioneller stationärer Pflege im Hintergrund auf das vorbereiten, was unwiderruflich kommen wird.

MfG
Napster
 
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Teetrinkerin

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AW: Pflege zuhause

Hi Napster,

auch ich bin der Meinung, dass ein Einzug frühzeitig erfolgen sollte. Da ich selbst im Hospiz arbeite, erlebe ich es immer als ziemlich traurig, wenn ein Gast Montags kommt und Mittwoch stirbt. Die Sterbenden sind teilweise noch ansprechbar und man kann das Vertrauen dieser Menschen schon spüren, aber es ist eine andere Sterbebegleitung, wenn man die Zeit hat sich kennen zu lernen. Besonders für den Gast und seine Familie.
Ich selbst habe es schon erlebt, dass ich eine sterbende Dame die am selben Tag aufgenommen wurde, am Abend zu Beginn meiner Nachtwache begrüssen konnte und im Laufe der Nacht ist sie dann verstorben. Mir haben die Angehörigen auch sehr leid getan.
Aber der Vater wurde in dem Wunsch seine Frau nach Hause zu holen von der Pallistation und dem Sozialdienst sehr bestärkt und unterstützt und dies wollen wir auch respektieren. Ich hoffe sehr, dass der Sozialdienst den PD der vorliegenden Situation entsprechend ausgesucht hat.
Da die Hospizanmeldung läuft, kann bei Bedarf schnell gehandelt werden für den Fall, dass es zuhause ganz schief läuft.

LG
Gabi
 
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Pflege
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