Pflege von Senioren und Geistig Mehrfachbehinderte im Krankenhaus

Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
Oh ja!:angry:

Seltsamerweise meist auch NUR die Angehörigen.....
Mit den KUNDEN :)grin: ) selber haben wir immer die wenigsten Probleme...und....ich hab sie mal gefragt, die wollen tausend mal lieber meine PATIENTEN sein, als KUNDEN !!! Fast alle haben das gesagt.....

Hab auch schon oft erlebt, daß grade ältere, pflegebedürftige Menschen nach dem Besuch ihrer motzigen Angehörigen geweint haben :cry: , weil es ihnen derart peinlich war und sie selbst ja genau wissen, daß wir wirklich alles tun, was MÖGLICH ist, meist ohne Frühstück und nüchtern bis 13.00 Uhr ( dann evtl. schnell ne Scheibe Brot).....aber wehe der Pat. hat nicht spätestens um halb acht sein Frühstück, na da ist aber was los......wenn das die Angehörigen erfahren...oje.....daß der Opa evtl. erst um 8.15 Uhr gefrühstückt hat...( und vor neun nicht gewaschen werden kann...)...Weltuntergang, Beschwerde.....daß er aber im KRANKENHAUS gelandet ist, weil er komplett exikkiert war und seine Parkinsontabletten nicht richtig bekommen hat ( von den ANGEHÖRIGEN) ...nein, kein Wort darüber.....obwohl wir es wissen.....wie es meist ZUHAUSE läuft...., wir sollen dann die Wunder vollbringen.......omei....:mad_2:
:motzen: Da wir gerade dabei sind, auf die Toilette schafft man es manchmal auch nicht. Da heisst es verkneifen, bis es aus den Ohren kommt.
 
Fragmentis

Fragmentis

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:frown:
Puuuuh...
Nurse36, Dein Artikel und Deine Wut haben mich und vielleicht auch viele andere erreicht und Du sprichst wahrscheinlich vielen Kollegen aus der Seele...und das macht mich sehr nachdenklich, wenn auch ambivalent...ich versuche trotzdem mal, meine Gedanken zusammenzufassen, denn ich erkenne einige Punkte aus Erzählungen von Kollegen und eigenen Erfahrungen wieder...also...ich hoffe, ich drücke mich nicht zu umständlich aus und trete mit meiner Ironie nicht in irgendwelche Fettnäpfchen...denn das ist das letzte, was ich will...denn Dein Artikel löst eine wahre Flut an Assoziationen mit verschiedensten Dingen und Themen in - so denke ich - uns allen aus und ich habe ihn einige Male gelesen...


Hallo liebe Kolleginnen & Kollegen, die wir gemeinsam durch eine Zeit der großen Umbrüche gehen, mit denen wir nicht unbedingt einverstanden sind,

die Frage ist vielleicht wirklich, worauf es hinauslaufen wird...und ich weiß noch nicht, ob mir das gefällt...

Das System, das hier beschrieben werden könnte (und vielleicht helfen würde bei Dir, nurse36), wäre das "Head Nursing" (hieß es, glaube ich...), sprich..:


eine examinierte Kraft, die den Laden verwaltet und die "medizinischen" Betreuungen durchführt (und verantwortet...verantwortend eben auch die Tätigkeiten ihrer "Unterstellten") und eine größere Anzahl von Helfern, z.B. KPHs und Stationshilfen, die den anderen Kram wie z.B. die Grundpflege und Lagerung nach einer entsprechenden Schulung übernehmen...sind eben billiger und können diese Tätigkeiten eigenverantworlich durchführen nach Delegation durch die leitende Exam (HeadNurse)...muß man eben nur eine bis 2 Exams opfern vom Personalschlüssel und stattdessen 4 Helfer verschiedener Qualifikation einstellen, die genausoviel kosten...vielleicht noch ein paar 1-Euro-Jobber und Zivis...ach ne...letztere gibt es nicht mehr so viele...also doch mehr Schüler...
:ironie:

Zack...das ganze macht man mit mehreren Exams, und schon brauche ich nur noch eine bis maximal 2 Handvoll teuerer Exams (man braucht ja nur 1 pro Schicht, vielleicht 2 bei großen Stationen...hauptsache, sie können mit dem Computer umgehen) und eine Schar von Zu- und Wegarbeitern...denn (und diese These finde ich gefährlich für die Professionalisierung unseres Berufsstandes !!!) "jeder andere kann ja irgendwie auch pflegen"...

Sowas gibt es in anderen Ländern und so etwas Ähnliches gab es - glaube ich (Kollegen mit der entsprechenden Erfahrung in den guten alten Pflegezeiten mögen mich gerne korrigieren) - zu Zeiten des Pflegenotstandes...

...und wenn wir mal ehrlich sind: Mir kommt es nicht so vor, als würde demnächst das Gehalts-Füllhorn über den Pflegenden ausgeschüttet werden, um mehr Leute einzustellen...

Damit ist die examinierte Kraft aus der Grundpflege und dem ganzen "Beziehungspflegeballast" raus im Akutkrankenhaus...ob sie will oder nicht...
:ironie:

...und das ist der Haken vielleicht. Denn vielleicht versteht sich diese(r) Pflegende nicht nur als "medizinische Assistenzkraft" und Infusionsaufhängerin, sondern als "den ganzen Menschen Pflegender"...

Das viele Kollegen überbelastet sind, ist schlimm und wird nicht mehr lange gut gehen, befürchte ich...
...oder hoffe ich es, damit dieses Gesundheitswesen endlich aufwacht und sich reformiert mithilfe einer professionellen und selbstsicheren Pflege ? Naja, egal...
Das sehen die Ökonomen nur noch nicht so ganz. Um so wichtiger finde ich es aber dennoch, nicht sich nur zum MedizinerHandlanger und zur ErsatzStationssekräterin zu machen...

Die Angehörigen wird man nunmal nicht ändern...denn hinter ihrer Anspruchshaltung steckt eine gesellschaftliche Entwicklung, der wir alle unterworfen sind...auch Hein und viele andere Kollegen wie auch Angehörige...Eure Wut auf sie ist verständlich...aber vor 30-40 Jahren war es auch in "deutschen Familien" noch üblich, daß die Familienmitglieder im Krankenhaus unterstützt wurden...aber diese Familienbande gibt es einfach oft nicht mehr...leider...und es sieht nicht so aus, als ob das Modell "Großfamilie" wieder in Mode kommt...
:cry:

Patient...Kunde...Klient...was soll´s ?
Mensch...das dürfen wir nicht vergessen...
wenn schon diejenigen, die unseren Personalschlüssel festlegen, es manchmal aus den Augen verloren zu haben scheinen...

Nachdenklich bis ungehalten, jedoch mit guter Hoffnung in die Pflegezukunft blickend,
Euer
Fragmentis
 
M

Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
L

Lisy

Hallo liebe Kollege,
ich kann vieleicht nicht wirklich mitreden, ich arbeite in der ambulanten Pflege. Hier zu Hause sind die Angehörigen "nur" anstrengend bis beleidigend, wenn die ein schlechtes Gewissen haben oder total überfordert sind. Die projeziern ihr Gefühl gegen sich selst, angefangen von der Wut die die Angehörigen gegen über ihren "Kranken" empfinden bis zur Wut gegen ihre eigene Hilflosigkeit in uns hinein. Ich denke, da sollte man ansetzen, es für mich leicht das zu schreiben, denn wir ambulanten können uns Zeit nehmen, wenns auch oft Freizeit ist, die Beschwerden zu klären und die Probleme ins rechte Licht zu rücken. Oft nach einem Krankenhausaufenthalt werden die (angeblichen)Probleme mit uns durchgekaut und oft mach ich die Erfahrung, daß der Krankenhausaufenthalt des zu Pflegenden als Urlaub von der Pflege betrachtet wird, wenns dann nicht so ist, ist die Entäuschung der Angehörigen groß.
Mit den Angehörigen ist es manchmal schwer, aber die meisten Angehörigen haben nur Angst und eine falsche Vorstellung vom Krankenhaus.
Hilft euch nicht wirklich weiter, das weis ich, und das die Angehörigen zu Hause dann ein schlechtes Gewissen bekommen ob ihres Verhaltens hilft euch auch wenig, aber vieleicht hilfts bei der Gesprächsführung.
Also nicht es ist der Rasierer in der Schublade Sie können ihn ja auch rasieren solange sie da sind, sondern ich komm grad von einem Sterbenden, sie würden doch auch wollen, daß ihr Vater nicht einsam stirbt.
Von einer die das Krankenhaus nur als Kunde kennt und nicht viel Ahnung vom Stationsalltag hat.
Gruß Lisy
Nachtrag, bei uns ist es der Verkehr, ein Notfall oder sonst was außergewöhnliches, wenn eine Kolligin sagt, wir sind halt heut knapp bestzt, klingelt sofort das Telefon, wir sollen doch genügend Personal einstellen, bei der teuren Pflege, es sei eine Unverschämtheit, weil sie die Angehörigen müßen ja auch immer da sein.
Alle anderen Ausreden werden eigentlich gut angenommen.
 
W

Waldvogel

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15.08.2006
Köln
Nun hatte ich es doppelt geschickt.
 
W

Waldvogel

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15.08.2006
Köln
Hallo nurse 36
Voll Entsetzen habe ich deinen Beitrag vom 20.08.06 gelesen.
Wenn du die medizinische Versorgung und Dokumentation als unsere eigentliche Aufgabe betrachtest, dann hast du unseren Beruf nicht verstanden.
Bei diesen Patienten können wir sehr gut unsere eigentliche Arbeit machen, nämlich den Pat. medizinisch optimal versorgen, eine perfekte Dokumentation usw..
Unsere uriegene Aufgabe ist die Pflege kranker Menschen, und nichts anderes. Wir sind weder Mediziner, noch Sekretärinnen. Wenn du so ein Verständnis von deinem Beruf hast solltest du überlegen ob du den richtigen Beruf gewählt hast.
Und, - wenn ich an deiner Stelle wäre, und in meinem Beruf so sehr gefrustet wäre, dann würde ich schnell etwas anderes suchen.
Sorry für meine Aussage, aber ich finde es schlimm wenn in der Pflege Kollegen arbeiten die nur immer über die Angehörigen, ihren eigenen Stress und sonstige Nebensächlichkeiten reden, und dabei den eigentlichen Sinn unseres Berufes aus den Augen verlieren.
Wir alle haben Stress und sind knapp besetzt, aber da hilft es auch nichts wenn ich diesen Stress an den Patienten und Angehörigen auslasse.
Gruß
Hermann
 
N

nurse36

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04.03.2006
81925
.
Wir alle haben Stress und sind knapp besetzt, aber da hilft es auch nichts wenn ich diesen Stress an den Patienten und Angehörigen auslasse.
Gruß
Hermann[/quote]


Wenn Du meinen Beitrag RICHTIG gelesen hättest, wüsstest Du genau, daß ich in keinster Weise meinen " beruflichen Frust" an Angehörigen oder gar Patienten "auslasse" !!! Das hab ich hier im Forum gemacht. Meine Patienten haben mich sehr gerne, WEIL ich wirklich dran bin, ihren GENESUNGSPROZEß zu fördern, d.h. nunmal präzise Medikamentengabe, mehrmals tgl. Mobilisation ( lieber einmal mehr im Rehastuhl, als tgl. Rasur....), intensive Essbegleitung bei dysphagischen Pat., usw....und die Pat. wissen das zu schätzen!!! Nur eben viele Angehörige nicht, die sehen nur die Bartstoppeln oder das zurückgebliebene Sandmännchen im Auge, oder die verrutschte Frisur, oder......

So einen Beitrag als Antwort von einem Pfleger der " operativen Intensivstation" zu bekommen, ist schon echt höhnisch.....

Klar kann ich mich bei einer Intensivbesetzung von 2:1 und 1.1 um den GANZEN Menschen kümmern, mit intensiver Grundpflege usw.....steckt ja auch überall ein Schlauch drin, laufend nasse Betten fallen schon mal weg....

Angehörige dürfen meist nur zu bestimmten Uhrzeiten rein und klingeln tut auch keiner...denn sobald sie wacher und anstrengender werden ( psychosozial) kommen sie ja zu uns......

Wann warst Du denn bitte das letzte mal arbeitend auf einer 40-Betten Pflegestation??

Glaub mir, ich schätze die Arbeit von Intensivpflegepersonal über alles!!! Aber urteile hier nicht über Dinge, die bei Dir eh nie so laufen! OK?
 
W

Waldvogel

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15.08.2006
Köln
Klar kann ich mich bei einer Intensivbesetzung von 2:1 und 1.1 um den GANZEN Menschen kümmern, mit intensiver Grundpflege usw.....steckt ja auch überall ein Schlauch drin, laufend nasse Betten fallen schon mal weg....

Angehörige dürfen meist nur zu bestimmten Uhrzeiten rein und klingeln tut auch keiner...denn sobald sie wacher und anstrengender werden ( psychosozial) kommen sie ja zu uns......

Wann warst Du denn bitte das letzte mal arbeitend auf einer 40-Betten Pflegestation??

Glaub mir, ich schätze die Arbeit von Intensivpflegepersonal über alles!!! Aber urteile hier nicht über Dinge, die bei Dir eh nie so laufen! OK?




Na da hab ich ja den Nerv getroffen.
Du warst also schon lange nicht mehr auf einer Intensivstation, wenn überhaupt, sonst könntest du so einen Quark nicht schreiben.
Die Besetzung auf einer Intensiv 1 : 1 , schön wäre es.
Und, falls es dir entgangen ist, auch auf Intensiv werden sämtliche Katheter so früh wie möglich entfernt, und Urin und Stuhl laufen dort fast permanent ins Bett.
Die Patienten werden auch dort mehrmals täglich mobilisiert und auch gewaschen, Mundpflege und rasiert. Das ist unsere Aufgabe !!!
Die Zeiten in denen die Angehörigen nur noch kurz und zu bestimmten Zeiten rein dürfen ist schon seit Jahren vorbei.
Auf einer Pflegestation war ich noch letztes WE, denn meine Frau arbeitet dort, und ich helfe dort aus.
Ich weiß also sehr wohl wie es dort zugeht, und glaube mir, auch dort ist viel Arbeit, aber die Kollegen sind dort nicht so gefrustet.

Ich wünsche dir noch einen schönen Tag,
und viel Geduld bei der Pflege.
 
N

nurse36

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04.03.2006
81925
Zwischen Aachen und München scheinen Welten zu liegen...........
 
N

nurse36

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04.03.2006
81925
Die Patienten werden auch dort mehrmals täglich mobilisiert und auch gewaschen, Mundpflege und rasiert. Das ist unsere Aufgabe !!!
Aber wohl schon länger nicht mehr Deine....oder?

Von Dir las ich nämlich:

ich kümmere mich jetzt um die geräte im gesamten intensivbereich, organisiere fortbildungen, plane und beaufsichtige um - neubauarbeiten, und was sonst noch so anfällt

soso.....:ermm:
 
K

Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
...........Dann habe ich eigentlich die Erwartung das die Pflege eine hochwertige Dienstleistung sein sollte............
Ich glaube genau diese Meinung vertreten alle hier im Forum Anwesenden, dafür kämpfen ebenso alle hier Anwesenden, sonst würden Sie nicht solche engagierten Beiträge schreiben, über Misstände und probleme berichten und/oder auch Lösungsmglk. beschreiben.
Das Zeitproblem ist sicher nicht das einzig ausschlaggebende Argument, aber ein doch existierendes Problem. Interessanter wird es, wenn man die Gründe eruiert warum das Zeitproblem entsteht und da gilt es m.E. anzusetzen.
Die Gesellschaft mit ihrer Vollkaskomentalität spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle in meinen Augen. Das Auflösen von Familienverbänden nimmt immer mehr zu, dabei auch das sich verantwortlich fühlen für die anderen in der Familie.
" Nun ist der Angehörige im Krankenhaus, nun sollen die mal sehen, dass sie alles tun, natürlich perfekt und meine Sorge/Mithilfe beschränkt sich auf die Besuche und das Beschweren." Sauber und Satt ist nicht unbedingt das einzige Ziel und die einzige Arbeit, die wir leisten, wir sehen dieses manchmal nicht mal als Priorität, das tut nicht mal der Patient. Da sein, mal die Lage verändern, über den Flur gehen, eine Einreibung, zuhören...ect. sind oftmals Dinge, die mehr zum Heilungsprozess beitragen, als eine, vielleicht sogar schmerzende GKW. Ein Stück Obst, ein Pudding zwischendurch ist manchmal weitaus befriediegender für den PAtienten als ein leer gegessener Teller zu den Mahlzeiten, die dann evtl. noch nicht mal wirklich geschmeckt hat. Es gibt sicher viele dieser Beispiele.
Eine hochwertige Diensleistung sollte ebenso hochwertig bezahlt werden und da klafft es ganz schön auseinander, das führt dazu, dass man mit wenigen Mitteln versucht etwas zu leisten, was nie und nimmer funktionieren kann. Dennoch sind wir weiterhin engagiert, versuchen den Patienten ganzheitlich zu versorgen, seine Pflege MIT ihm zu planen.

Warum sind die Menschen eher bereit mehr für ein Auto zu bezahlen als für die eigene Gesundheit und Versorgung? Im Restaurant bin ich auch bereit mehr für ein gutes Essen zu bezahlen.
Der Stundenlohn für den manche hier arbeiten, dafür würde ein Handwerker nicht mal ein Arbeitsgerät in die Hand nehmen.
Jetzt komme bitte niemand auf die Idee den Pflegenden etwas für die Stationskasse zu geben, damit der/die Angehörige besser versorgt wird. Das Problem ist auf dieser Ebene nicht zu lösen.

Ich habe auch kein Patentrezept, bin manches Mal frustriert, ich würde mir aber wünschen, dass nicht die Pflegenden an der Basis angegriffen werden und bevor man anprangert sich über die Hintergründe zu informieren.
Und wenn die Pflegenden etwas erreichen wollen, so ist es sicherlich der falsche Weg die eine oder andere Institution zu kritisieren, sondern die Pflegenden ALLER Einrichtungen sitzen in demselben Boot und müssen zusammenhalten.
 
D

DieRatsuchende

Mitglied
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30.07.2006
9400
Hallo euch allen !

Wenn ich die Beiträge zu diesem Thread lese, wird mir wieder einmal bewusst, welch hohe Anforderungen an Pflegende gestellt sind - ob nun Arzt, Schwester, Pfleger.
Ich selber habe, wie Ihr meinen Beiträgen entnehmen könnt, ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht.
Mir aber ist allezeit bewusst, dass ich zu den Ausnahmen gehöre - die möglicherweise zahlreicher sind als ich annehmen will. Jedenfalls bin ich darauf bedacht, Verallgemeinerungen zu vermeiden - sogar im eigenen Interesse. Man macht sich das Leben schwer, wenn man sich zu einem Konstrukt von Feindbildern hinreissen lässt (DIE "bösen Pflegekräfte" oder DIE "bösen Angehörigen").
Sehr emotionale Beiträge, wie jener von nurse36, sind für mich eine Momentaufnahme - Spiegelbild einer zeitlich begrenzten Stresssituation, denn ich hoffe doch sehr, dass sie auch engagierte Angehörige erlebt hat, die auch selbst zupacken. Wichtig ist zwar, dass wir uns sammeln, wenn wir spüren, dass uns der Hut hochgeht. Kann aber auch sein, dass auch die Wut mal raus muss. Das geht beiden Seiten so.
Es liegt, glaube ich, in der Natur der Sache, dass Angehörige und professionelle Pfleger nicht immer Verständnis für einander haben. So wie wir Angehörigen
nicht das ganze "Drumherum" kennen, manchmal überfordert sind, so sollten Ärzte, Schwestern und Pfleger bedenken, dass sie UNSERE Gesamtsituation nicht kennen.
Wieviel wissen müssen wir uns in kürzester Zeit aneignen, wieviel weniger Hilfsmittel und helfende Hände haben wir.
Wenn ich 24 Stunden am Tag für meinen bettlägerigen Partner da bin, nachts um 2 das erste Mal aufstehe, um 4 zum 2. Mal, da er Stuhl hat, spätestens um 8 das dritte Mal, denn da kommt der Pflegedienst, den ganzen übrigen Tag wache ich - er könnte einen epileptischen Anfall haben, sich übergeben müssen, sonstwas brauchen, oder aber auch sich besser fühlen und das mit mir teilen.....! -
Da darf nicht wirklich wundern, dass manchen Angehörigen zuerst das auffällt, was anders ist als zu Hause, auch wenn natürlich die größere Zahl an Patienten/Pfleglingen dazu gehört.
Wir Angehörigen müssen ebenso wie die professionellen Pfleger uns immer wieder ins Bewusstsein rufen:
"ich weiss, dass ich nicht alles weiss".
Und diejenigen Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten,
sollten akzeptieren, dass es das Recht des Unbedarften ist,
von einer Profession maximale Leistung zu erwarten - gerade weil manche Menschen das einfach nicht können, warum auch immer. Wenn man den Angehörigen ihre Unbedarftheit zugesteht (wenn wir recht haben, werden wir allerdings MANCHMAL auch ins Unrecht gesetzt, und ich hab oft den Eindruck gehabt, Uninformierte Angehörige seien willkommener), dann kann man lernen, damit umzugehen in einer Weise, die beiden Seiten hilft.
Mir selbst und meinem Partner hat es im KH übrigens gar nichts gebracht, dass ich ordentlich mitgetan habe.
(Anwesenheit von 12 bis mindestens 18,30 Uhr, in der ich Mittag- und Abendessen darreichte, wieder und wieder beim Erbrechen behilflich war - womit sicherlich oftmals ein Wechsel der Bettwäsche eingespart werden konnte.
Seelischer Beistand - fast ausschließlich von mir.
Trotzdem wurde mein Partner nie geduscht - 4,5 Monate lang nicht. Und während dieser Zeit von 12 bis 18,30 konnte das Personal sicher sein, keinen Anfall zu übersehen - das dürfte doch ein beruhigendes Faktum sein, wenn auch nicht unbedingt notwendig bzw. im Normalfall machbar. Zudem fand sich niemand, der mit mir zusammen den Patienten in eine Duschliege oder eine Sitzwaage gehoben hätte, wir hätten also nur 2 Hände verlangt, nicht 4 - auf die wir ein Recht gehabt hätten.
Was ich aber unbedingt sagen will ist: eine negative Einstellung Angehöriger kommt nicht immer nur aus oberflächlichen Gründen, was natürlich auch vorkommen kann. Genauso aber kann es vorkommen, dass das Handeln der Pflegenden auf wenig menschliches Gewissen schließen lässt. Wie immer ich das betrachte, ich muss das beste aus dem machen was ist und war.
Das ist eine Binsenweisheit, ich weiss. Ich weiss aber auch, dass es gerade an dieser Binsenweisheit sich nicht selten spießt und dass das Verständnis dafür meist von der "Gegenseite" verlangt wird.
Kehren wir alle vor unserer eigenen Tür, das erspart viele Konflikte und das lästige Kritisiert-werden von anderen bleibt aus. Das heisst: Selbstkritik ist ein guter Schutz - muss aber geübt werden. Mir ist klar, dass die Einzelpersonen in der Pflege abhängig sind von Institutionen und deren Willen und Möglichkeit.
Aber auch Angehörige sind abhängig von diesem und jenem - wir aber sind auf uns allein gestellt, sobald eine leistbare Hilfe die Tür von aussen schließt. Vergesst das nicht. Wir haben wohl auch die Möglichkeit einer Organisation dahingehend, dass auch wir uns erholen können, ganz sicherlich aber kann es niemals ein nur nahezu regelmäßiges Dienstende geben.
Seid sicher, ich versuche immer wieder zu verstehen.
Wenn ich dieses Bemühen von den professionellen Pflegern sehe, bin ich schon zufrieden. Es ist aber auch das Mindeste.
Liebe Grüße an Euch, die Ihr das bestimmt alles wisst (ohne Ironie) nur manchmal eben vergesst.
So, wie wir manchmal vergessen, dass wir nicht alles wissen. In diesem Sinne - wir sind gleichwertig.
DieRatsuchende
 
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Lisy

Hallo Ratsuchender
ich will jetzt nicht schreiben, was ich empfunden habe, als ich dein Beitrag gelesen habe. Ich weiß nur, daß kein pflegender Angehöriger, keine Mutter, kein Vater eines behinderten Kindes einen Freibrief für besondere Allüren bekommen kann. Ich hab seit meinem Berufseintritt im Jahre 1983 schon immer erlebt, das manche, zum Glück nur manche wichtiger sind, als alle anderen. Es gibt Angehörige, die beschweren sich, weil sie über einen Pesonalwechsel nicht informiert wurden!
Die Anwesenheit eines Angehörigen ist nicht immer von Nutzen, manchmal ist es für den Patienten eher schädlich. Duschen, waschen, wann und wie ist es wärend der Anwesenheit des Angehörigen gewollt, vom Angehörigen, wie wird es einem ausgelegt, wenn der Angehörige beim duschen ausgegrenzt wird und duschen mit Hilfe des Angehörigen? Vergiss es meißt, dauert viel zu lange und geht in Richtung gefährliche Pflege. Die Angehörigen kennen weder die Griffe noch sonst was. Dies ist in der REHA o.k., da werden die Angehörigen geschult und der dementsprechende Personalschlüssel ist vorhanden aber nicht im normalen Krankenhaus.
Gruß Lisy
 
L

Lisy

Hallo Ratsuchender,
nach einem ausführlichen Austausch mit mit weisbrk im chat ziehe ich meinen letzten Beitrag zurück und entschuldige mich bei dir.
Keine Ausreden meinerseits nur das bedauern, daß ich nicht über den "Tellerand" geschaut habe.
Sorry Lisy
 
Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
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Ich denke mal, auf jeder Seite gibt es solche und solche.
Diese Gefechte werden wohl nie enden und jeder fühlt sich im Recht.

:eek:riginal: Wassermann
 
rückentrainer

rückentrainer

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29.07.2006
Nördlingen
Nachdem jetzt hier in diesem Thread viele Emotionen schriftlich niedergelegt wurden und manche Beiträge sicher unter der Gürtellienie geführt, verfasst wurden, kann ich für meinen Teil weiterhin nur daraus folgern, das nur ein Umdenken im System zu besseren Ergebnissen führen kann.
Nur wenn der Druck der hier in Deutschland lebenden Menschen auf den Gesetzgeber größer wird, kann sich in unserem Land etwas ändern.
Dieser Druck muß von allen Interessensgruppen kommen.(Patienten, Angehörige, Pflegende, Arbeitgeber)
Wir alle müssen daran abeiten das mehr Mittel und Ressourcen für die Behandlung und Pflege von hilfebedürftigen Menschen bereitgestellt wird.
Solange wir uns alle nur gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, wird sich der Gesetzgeber darüber freun das er weiterhin aussen vor ist und wird keine Veranlassung sehen etwas zu ändern.
Dazu gehört aber auch das wir selbst unsere eigenen Hausaufgaben machen müssen.
Man kann nicht Missstände anprangern und im selben Satz sagen aber bei mir ist alles in Ordnung.
Jeder muss zu seinen Fehlern stehen und versuchen sie abzustellen, und es muß auch erlaubt sein, seinen Arbeitskollegen, die Mitglieder hier im Pflegeboard, den Vorgesetzten oder auch den Freund oder Nachbarn darauf anzusprechen, wenn Situationen offensichtlich werden bei dem hilfsbedürftige Menschen nicht fachgerecht und menschenwürdig versorgt werden.
Wir sollten alle bedenken das wir an unserem eigenen Bett bauen in das wir uns evtl in ein paar Jahren legen werden.
Ich werde nachher einen neuen Thread aufmachen in dem es um positive Beispiele in der Pflege und Betreuung gehen soll, habe auch schon einige hier im Board gefunden.
Ansonsten wünsch ich uns allen viel Kraft, Lust und Beharrlichkeit für ein "angenehmes Bett" zu streiten
mfg Rückentrainer
 

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