Pflege von Menschen mit Borderline-Störung

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Haderlomp

Haderlomp

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21.10.2006
25795
Hallo!

Ich habe hier ein paar Infos zur Pflege von Menschen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung zusammengefasst. Vielleicht ist jemand interessiert. Ich würde mich auch über eine Diskussion zum Thema freuen.

Haderlomp
 

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Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
M

MiChung

Hi Haderlomp,

Die Pflege von Menschen mit einer BPS ist ein weit gefächertes Thema. Habe selbst auch einige Jahre auf einer Station gearbeitet, auf der ca. 3/4 der Patienten diese Störung hatte. Was würdest Du denn z.B. diskutieren wollen?

LG
 
Haderlomp

Haderlomp

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21.10.2006
25795
Hi MiChung!

Ich bin für jegliche Diskussion offen. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass die Behandlung von emotional-instabilen Persönlichkeiten auch in erfahrenen Teams immer wieder grosse Schwierigkeiten macht. Ich sehe dies hier vielleicht als Möglichkeit eines Erfahrungsaustausches.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
M

MiChung

Hi Haderlomp,

ja das stimmt, ohne vernünftige Supervisionen bzw. Fallbesprechungen ist es ziemlich schwierig. Es kommt auch denke ich auf das Stationssetting an.
BPS Patienten auf der Akutaufnahme sind im Umgang sicher schwieriger als z.B. auf einer psychotherapeutisch ausgerichteten Station. Und die Zusammensetzung der Patientengruppe hat auch einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entwicklung schwieriger Situationen.
Wir haben die Erfahrung gemacht: je mehr BPS Patienten - um so unproblematischer.
Die am schwierigsten zu handelnde Konstellation: zwei konkurrierende BPS PatientInnen...

Wir haben bei der Behandlung von emotional instabilen Persönlichkeiten gute Erfahrung mit der Vermittlung von Selbstberuhigungs-Strategien gemacht.

Und natürlich mit dem Training der Selbstwahrnehmung: wie bemerke ich ansteigende Anspannung - was kann ich dann tun.
Elemente aus der DBT, Verhaltenstherapeutische Ansätze und Psychoedukation.....

auf was für einer Station/ welchem Bereich arbeitest Du denn?

LG MC
 
K

Katerle111

Mitglied
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03.01.2005
60598
Hallo, Haderlomp!

Deine Powerpoint-Präsentation zum Thema Borderline finde ich sehr gut gelungen, sie beinhaltet eigentlich alle wichtigen Aspekte der Pflege dieser Klientel. Ich arbeite auf einer fakultativ geschlossenen Station mit ca. 60% Borderline-Patienten, ausserdem bin ich co-therapeutisch in einer DBT-Skillsgruppe für ambulante und stationäre Borderline-Patienten tätig. Erfahrungsgemäss haben diese Patienten oft sehr massive Schwierigkeiten, eine tragfähige Beziehung einzugehen und zu erhalten, da sie dies in der frühesten Kindheit häufig nicht gelernt haben. Man darf nicht vergessen, das ein Gros dieser Klientel Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung erfahren haben und kaum die Gelegenheit hatten, ein Vertrauen in andere Menschen zu entwickeln, dass letztendlich eine Beziehung erst möglich macht. Dies stellt nun erhebliche Anforderungen an die Pflegenden, denn sie sind es, die für den Erhalt der pflegerischen Beziehung verantwortlich sind und möglichst keine Beziehungsabbrüche zulassen sollten. Wenn man bedenkt, dass Borderline-Patienten heute jemanden mit Zuneigung überschütten und bereits im nächsten Moment zutiefst verabscheuen, kann man sich vorstellen, dass auch die eigenen Gefühle "Achterbahn" fahren, denn keiner wird gerne vom anderen abgelehnt. Generell müssen wir Pflegenden uns mit unseren eigenen Emotionen auseinandersetzen und unseren Borderline-Patienten eine Rückmeldung darüber geben, was ihr Verhalten unter Umständen in uns auslöst. Ein gut funktionierendes Pflegeteam mit einheitlichen Absprachen und entsprechendem Fachwissen und Reflektionsmassnahmen wie Supervision sind bei der Arbeit mit Borderline-Patienten eigentlich unerlässlich. Leider wird oft gespart, und die Supervision, wie auch in unserem Haus, fällt dem Rotstift zum Opfer. Auch die Qualifikation und Reflektionsbereitschaft der Mitarbeiter ist leider nicht immer so, wie es eigentlich für die Pflege dieser schwierigen Patienten nötig wäre.
Eine Ergänzung habe ich noch zum "Notfallkoffer"! Wir haben mit unseren Gruppenteilnehmern die Erfahrung gemacht, dass das Zerbeissen einer Chilischote gut helfen kann, hohe Spannungszustände zu reduzieren, die sonst in Selbstverletzungen geendet hätten.

Einen schönen Abend wünscht Dir
Katja
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Psychiatrie
Fachgebiet
psychiatrische Tagesklinik
R

rasowo

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09.06.2007
24211
hallo Harderlomp,
leider ist es mir nicht möglich Deine Anhang zu öffnen.(Ich bin kein Pc-Spezialist,arbeiet aber dran).Trotzdem würde ich gerne mit Dir und den anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen.Ich habe den Vorteil ,oder Nachteil Betroffener von beiden Seiten zu sein.Ich bin lange Zeit als Krankenschwester tätig gewesen,bin aber inzwischen aufgrund meiner BPS auf Zeit berentet.Trotzdem sehe ich mich aber noch immer als funktionsfähiges Mitglied der Gesellschaft und auch in der Lage als alleinerziehende Mutter ein gesundes Vorbild für mein Kind zu sein.
Vielleicht hast Du ja Lust mal mit mir in Kontakt zu treten?
Liebe Grüße rasowo
 
Qualifikation
kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege,Nachtdienst
Haderlomp

Haderlomp

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21.10.2006
25795
Hallo Katerle & MiChung!

Danke für eure Beteiligung. Den Schwierigsten Aspekt bei der Behandlung sehe ich ebenfalls bei der Beziehungsgestaltung. Ich arbeite momentan im psychotherapeutischen Bereich einer allgemeinpsychiatrischen Klinik ohne spezielles BL-Konzept. Hier sind wir hauptsächlich mit den typischen Krisensituationen konfrontiert (z.B. Suizidalität/Alkoholkonsum) und es besteht deshalb oft die Schwierigkeit an alternativen Verhaltensweisen zu arbeiten. Dies erfordert extrem viel Geduld, da eine tragfähige Beziehung oft erst über mehrere Aufenthalte hinweg entsteht. Da hier die Aufnahmekriterien und die Zielplanungen im Vergleich zu "Spezial"-Einrichtungen/-Stationen recht niederschwellig sind, ist es immer wieder schwer Mitarbeiter dauerhaft zu motivieren und in der Beziehung zu halten, wozu die "Spaltungstendenzen" dieser Menschen ihr übriges tun (Wobei ich der Meinung bin, dass nicht der Klient spaltet, sondern sich das Team spalten lässt).

Gruss aus dem Norden

Haderlomp
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
Haderlomp

Haderlomp

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21.10.2006
25795
hallo Harderlomp,
leider ist es mir nicht möglich Deine Anhang zu öffnen.(Ich bin kein Pc-Spezialist,arbeiet aber dran).Trotzdem würde ich gerne mit Dir und den anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen.Ich habe den Vorteil ,oder Nachteil Betroffener von beiden Seiten zu sein.Ich bin lange Zeit als Krankenschwester tätig gewesen,bin aber inzwischen aufgrund meiner BPS auf Zeit berentet.Trotzdem sehe ich mich aber noch immer als funktionsfähiges Mitglied der Gesellschaft und auch in der Lage als alleinerziehende Mutter ein gesundes Vorbild für mein Kind zu sein.
Vielleicht hast Du ja Lust mal mit mir in Kontakt zu treten?
Liebe Grüße rasowo
Hi Rasowo!

Um den Anhang zu öffnen benötigst Du Microsoft Powerpoint oder den MS Powerpoint-Viewer. Eine kostelose Office-Software findest Du unter de: openoffice.org:Download - Quickdownload

Wenn Du wegen dieser Diagnose berentet wurdest, unterstelle ich Dir einfach mal, dass Du Erfahrungen mit stationärer Psychotherapie gemacht hast. Die Sicht betroffener finde ich extrem wichtig, da man als "Behandler" manchmal dazu neigt, die eigentlichen Bedürfnisse der betroffenen, dem therapeutischen Konzept unterzuordnen. Wie sind Deine Erfahrungen und was war Dir dabei wichtig?

Gruss Haderlomp
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
R

rasowo

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09.06.2007
24211
hallo Harderlomp,
danke erst mal für den Tip bzgl des downloads.Ich werde mich mal morgen damit auseinander setzten.
Zu Deiner Frage was meine persönlichen Erfahrung als Patient einer psych.Staion ist kann ich Dir ne ganze Menge erzählen.
Leider ist der weg bis zu einer Gesichteren Diagnose ja häufig recht lang und mit einigen Wirrungen versehen.so war es auch bei mir.Ich bin vor fat 12 Jahren (damals war ich 28) zum 1. mal auf eigenen Wunsch in eine psych.Klinik gegangen.Ich konnte meine Gefühlswelt nicht mehr verstehen und hatte angst,mir aus diesem Grund etwas anzutun.(mein vater hatte sich in meiner Jugend suicidiert.Ich hatte Angst es könnte"erlich" sein).Dort war ich erst mal auf einer offenen Staion.Zum Glück hatte ich einen sehr angagierten Theapeuten.Er hat sich im Gegensatz zu den anderen Ärzten täglich Zeit für mich genommen.Er brachte mich auch nach 4 Wochen auf die Idee mich zu einer 12 wöchigen stationären Gruppenanalyse anzumelden.Das tat ich dann auch.Leider hatte ich keinen guten Drath zu unserer Therapeutin.Auch war es eine sehr extreme Form der Therapie.Wir waren 10 Patienten,haben in einer Art WG in einem Haus der Klinik gelebt.Das Pflegepersonal hatte seine Räume nebenan.Sie mussten klopfen um unsere Wohnbereiche zu betreten.Es gab nur 2-er und 3-er Zimmer.Die ersten 14 Tage durfte man nicht mal alleine in den Garten.Es musste immer ein Mitpatient dabei sein.Auch allein im Wohnbereich durfte man nicht bleiben.Selbst an den Wochenenden,wenn "Ausgang" war,musste sich ein"alter Hase" bereiterklären mit Dir dort zubleiben.
Ich persönlich kam mit dieser Form der geringen Selbstbestimmung nicht zurecht.Es war recht hart für mich.Erschwerend kam auch noch hinzu,dass ich zwar gemwrkt habe,dass ich irgendwie wohl anders bin als fast alle meiner Freunde,Arbeitskollegen,ect, aber mir fehlte noch die Bereitschaft das als eine Erkrankung anerkennen zu wollen und auch zu können.
Ich habe während dieser 12 Wochen zwar schon vieles gehört,was mir Jahre später in weiteren Therpieen und Klinkaufenthalten abermals gesagt wurde. Aber ich war damals nicht in der Lage das akzeptieren oder umsetzen zu können.
Schwierig finde ich es auch,dass gerade im Borderline -Bereich ja viele Extreme vorhanden sind.Es entsteht schnell mal eine gewisse Dynamik,die nicht unbedingt der eigenen Genesung/Entwicklung zuträglich ist.Leider gehört ja auch das bewusste oder unbewusste Manipulieren seiner Umgebung dazu.Da ist es dann als Neuling in diesem Umfeld noch mal besonders schwer.( Ich war damit zum Glück nicht so konfrontiert und konnte mich dann ggf auch ausweichen).
Was ich persönlich aber als wirklich mangelhaft empfunden habe ,ist die Tatsache,dass, wenn du nicht selber in der Lage bist dich um Therapiemöglichkeiten,speziell auf Boderline abgestimmte Kliniken zu kümmern,du ganz allein gelassen wirst und evtl eine Odyssee von falschen Klinkplätzen und Therapieversuchen über Dich ergehen lassen darfst.
Mich hat man zb.von Schleswig-Holstein nach Bayern geschickt.Die Therapiezeit von geplanten 3 wochen häppchenweise auf 20(!) Wochen verlängert.Geholfen hat es nicht wirklich viel.Erst als ich selber nach einigen weitern Jahren durch Eigeninitiative von einer Klink ganz in meiner Nähe gehört habe, und einen Therapieplatz in dieser Klinik auch bei der Krankenkasse beantagt habe,ging es eigentlich erst bergauf mit mir.Bis dahin waren allerdings schon 8 jahre vergangen!
Ich finde es am aller schlimmsten,dass sich scheinbar niemand bei den Kassen,Ärzten, o Ä dafür zuständig fühlt im Sinne des Patienten und im Endefekt auch unter wirtschaflichen Aspekten sich für hilfreiche und sinnvolle Therapieplätze einzusetzen.
Denn es gibt ja leider gerade im Bereich der Patienten mit psychischen Erkrankungen sehr viele andere Syptome ,die eine eigenverantwortliche oder auch nur aktive Mithilfe schwierig oder gar unmöglich machen.
Was die Fähigkeit oder das Einfühlungsvermögen der "Co-Therapeuten" angeht,so ist es da, wie auch leider im "normalen " Stionsleben so,wie überall.Es gibt Pflegepersonal,dass geeignet ist,einfühlsam,aber auch klar und gerecht im Umgang mit den regeln und der Förderung zur Eigenverantwortlichkeit.Genauso gibt e saber auch die"schwarzenSchafe" und die Ausgebranten.Da kann man leider nicht viel machen schätze ich,leider.
Für mich war es aber immer sehr wichtig,dass ich wenn ich das Gefühl hatte mir Hilfe bei den Co's holen zu müssen,auch die Möglichkeit bestand.

Ein für mich noch immer gültiger Satz in Bezug auf meine "Besonderheit" meiner Gefühlswahrnehmung und damit auch meines Handelns lautet: Borderline ist eine Erklärung für vieles,aber keine Entschuldigung für alles.

Also,ich hoffe ich konnte Dir einen Einblick in mein Erleben von der "anderen Seite" geben.Wenn Du noch Fragen hast,melde Dich ruhig.
Ich bin zur Zeit übrignes noch berentet,arbeite aber noch geringfügig in der Ambulantenpflege als Nachtwache bei einem beatmeten Kind.Dieser Arbeitsplatz ist für mich ziemlich ideal,weil ich allein arbeiten kann und somit die Schwierigkeit(schwankendes Selbstbild,angst vor Ablehnung und ungesunder Perfektionismus) hier aufgrund der fehlenden Kollegen nicht allzusehr zum Tragen kommt.Obwohl ich es eigentlich sehr schade finde und gerne irgendwann wieder im normalen Staionsalltag arbeiten würde.Denn der Kontakt zu den Patienten und Kollegen fehlt mir doch.
Gruß Rasowo
 
Qualifikation
kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Pflege,Nachtdienst
P

Punky126

Hallo ich selbst naja habe selbst die krankheit mus nicht ritzten oder so hab ich mal gemacht bin davon gut weg es ergert mich nichs mehr denke nur lekt mich doch am arsch und buff knalt eine tür

ich selbst will eine ausbildung machen finde die seite super stark werde mal was davon benutzen
 
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Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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