Pflege und rechtes Gedankengut

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Igel77

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Ich versuche, mal ein etwas kontroverses Thema anzustoßen. Das es dem ein oder anderen bitter aufstoßen könnte, ist mir bewusst. Er oder sie sei trotzdem herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die These ist: Die Ausbildung in der Krankenpflege, und die berufliche Realität, hat sich nach 1945 in ethischen Aspekten kaum weiterentwickelt. Die Haupt"tugenden", die auch heutzutage von Schülern und Pflegepersonal gefordert sind, heißen:

Unterordnung, v.a. unter die Ärzteschaft
Wegschauen, keine Fragen stellen
Vorauseilender Kadavergehorsam
Gewalt gegen sozial Schwächere, Abweichler, Fragensteller
Ariernachweis
Reduktion auf eine weibliche, passive Rolle
Selbstvernichtung durch Arbeit
Leugnung der NS - Vergangenheit (besonders in Psychiatrien).
Intransparente, bisweilen nepotistische und/oder korrupte Strukturen (auch ein Merkmal des NS-Systems).
Und natürlich die Sekundärtugenden.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?
Ist das ein generelles Phänomen?
Welche Lösungen gäbe es?
Was habt Ihr schon erfolgreich umgesetzt?
Oder ist das bei Euch tatsächlich alles ganz anders?

(Ich bin Westdeutscher. Wenn es um die Frage geht, ob die obigen "Tugenden" auch auf die Pflege in der DDR zutreffen, die sich aus der Sicht des Pflegenden ebenso mit in die BRD übernommen wurden, oder es dort alles ganz anders war, bin ich überfragt. )
 
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Igel77

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Nachtrag:
Ich habe in der obigen Auflistung die destructive leadership / destruktive Führung vergessen. Dieses Bild veranschaulicht es ganz gut, zum Rest lässt sich einiges weitere googeln.

Und um das noch mal deutlich zu sagen: Ich glaube, dass die Mehrheit der deutschen Pflegekräfte anständige, rechtschaffene, demokratisch gesinnte und menschlich gesinnte Bürger sind, die die Würde des Menschen achten; nur, dass das System, in dem wir arbeiten, nicht unbedingt immer diesen Werten entspricht und bisweilen in einer früheren Entwicklungsphase steckengeblieben ist.
 
Benzodiazepin

Benzodiazepin

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nur, dass das System, in dem wir arbeiten, nicht unbedingt immer diesen Werten entspricht und bisweilen in einer früheren Entwicklungsphase steckengeblieben ist.
Willkommen im Turbokapitalismus des 21. Jahrhunderts.

Und was in Gottes Namen meinst du mit Ariernachweis? Wäre mir nicht bekannt, dass sich Pflegekräfte von Patienten einen Ariernachweis zeigen lassen, bevor sie sie pflegen. Selten so einen Schwachsinn gelesen.
 
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Igel77

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Willkommen im Turbokapitalismus des 21. Jahrhunderts.

Und was in Gottes Namen meinst du mit Ariernachweis? Wäre mir nicht bekannt, dass sich Pflegekräfte von Patienten einen Ariernachweis zeigen lassen, bevor sie sie pflegen. Selten so einen Schwachsinn gelesen.
Stimmt, das war missverständlich.
Was ich damit meine, ist:
a) Rassistische Behandlung von Mitarbeitern/Auszubildenen durch andere Pflegekräfte;
b) Rassistische Behandlung von Patienten durch Ärzte und Pflegekräfte.

Alles schon erlebt. In verschiedenen Schattierungen, manchmal subtil, manchmal offen. Meistens so, das es kam konkrete Beweise gibt, aber oft deutlich spürbar. Manchmal geht es gegen seelisch kranke Mitarbeiter, manchmal auch gegen Menschen mit einer gleichgeschlechtlichen Orientierung.

Natürlich könnte man vieles mit dem Turbokapitalismus erklären. Wobei die Pflege von einem der Merkmale - dem Wettbewerbsdruck am globalen Markt - ja nicht betroffen ist. Aber warum funktioniert der Turbokapitalismus in der Pflege so gut, wenn es in anderen Bereichen - IT - Branche oder ei den Metallern z.B. - da deutlich entspannter zuzugehen scheint?
 
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Igel77

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Noch mal ein Nachtrag:

Ich habe diese Erfahrungen in einem Haus gemacht, in dem der Kostendruck nicht in dem Maße existierte, wie es in anderen Einrichtungen der Fall sein mag. Das Haus hat an jedem Jahresende ein sattes Plus gemacht, Tarif gezahlt, und in manchen Bereichen gut mit Personal bestückt war (insbesondere, betrachtet man viele Einrichtungen im Umkreis.

Das Argument Turbokapitalismus galt also nicht für dieses Haus (wenn es auch als Druckmittel verwendet wurde, aber das ist ein anderes Thema), trotzdem gab es Momente, die ich mir nur mit einer entsprechend rechten, institutionell verankerten, Gesinnung erklären kann.

Wie, zum Beispiel, anhaltende offene und unterschwellige Proteste gegen eine Gedenkstätte über die Euthanasie im Dritten Reich, die bis in die letzten Jahre andauerte. Und etliches mehr.

Und ich stelle mir halt die Frage, ob dies ein globaleres Problem in der Pflege ist.
 
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Keßler

Schickes Thema !

Die soziale und/oder psychische Hygiene wird ja unter den Teppich der Arbeitsmedizin gekehrt.

Facetten :
- Charakterliche Eignung von Pflege- und Leitungskräften.
- Umgang mit Kunden, Azubis, Kollegen und Vorgesetzten mit zweifelhaftem Auftreten oder Verhalten.

Ich kann dazu auch rein gar nichts finden in :
- Weiterbildung Hygiene
- Staatsbürgerkunde o.ä.
- Berufskunde
- Standards im QMHB

@Igel77
Wende Dich doch mal an die Hochschule Osnabrück.
Die befassen sich doch mit Pflegeforschung und -entwicklung.
Wenn die auch nichts dazu haben, kannst Du sie doch "auf die Fährte setzen".
Das Thema ist aktuell wie seit 60 Jahren nicht mehr.

Findet Frieda
 
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Schickes Thema !

Die soziale und/oder psychische Hygiene wird ja unter den Teppich der Arbeitsmedizin gekehrt.

Facetten :
- Charakterliche Eignung von Pflege- und Leitungskräften.
- Umgang mit Kunden, Azubis, Kollegen und Vorgesetzten mit zweifelhaftem Auftreten oder Verhalten.

Ich kann dazu auch rein gar nichts finden in :
- Weiterbildung Hygiene
- Staatsbürgerkunde o.ä.
- Berufskunde
- Standards im QMHB

@Igel77
Wende Dich doch mal an die Hochschule Osnabrück.
Die befassen sich doch mit Pflegeforschung und -entwicklung.
Wenn die auch nichts dazu haben, kannst Du sie doch "auf die Fährte setzen".
Das Thema ist aktuell wie seit 60 Jahren nicht mehr.

Findet Frieda
Danke, werde ich mal gucken.
 
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ms-sophie

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Wieso glaubst du, dass alle Psychiatrien ihre NS Vergangenheit "leugnen"

Es gibt doch in vielen beispielsweise Ausstellungen die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Wie beispielsweise in Hadamar, Reichenau und Klingenmünster.


Ansonsten glaube ich, dass es sehr auf die Persönlichkeit der MA ankommt.

Sophie
 
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Wieso glaubst du, dass alle Psychiatrien ihre NS Vergangenheit "leugnen"

Es gibt doch in vielen beispielsweise Ausstellungen die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Wie beispielsweise in Hadamar, Reichenau und Klingenmünster.


Ansonsten glaube ich, dass es sehr auf die Persönlichkeit der MA ankommt.

Sophie
Wie schon erwähnt, eine Gedenkstätte gab es bei uns auch, die war jedoch von der Führung des Hauses, einigen Mitarbeitern und den umliegenden Bewohnern nicht gewollt, sondern kam auf Druck der Landesregierung zu Stande. Es fielen damals Sätze wie:

"Irgendwann muss doch mal Schluss sein"
"Die wollen uns nur in den Dreck ziehen"
"Der (Historiker) soll bloss aufpassen, sein Vater war schließlich auch ein großer Nazi"
und natürlich
"Es war doch nicht alles schlecht."
Wohlgemerkt, das waren die Jahre 2000 bis heute, von denen wir reden.
In Westdeutschland.

Das sind Ausdrücke einer Haltung, die sich abseits von Hochglanzbroschüren, politisch wirksamen Symposien, und Lippenbekenntnissen zur historischen Schuld und Verantwortung ereignet haben. Dass es diese Ausstellungen gibt, ist sehr schön; über die innere Haltung einer Institution, ihren tatsächlichen, gelebten Wertekodex sagt dies nichts aus.

Natürlich kommt es auf die Persönlichkeit einzelner Mitarbeiter an. Aber, welche Arten von Persönlichkeiten dürfen im Gesundheitswesen arbeiten? Welche sortieren wir schon in der Ausbildung aus?

Neulich wurde mir folgendes aus der Krankenpflegeschule berichtet:
Schüler 1: "Warum ist das so?"
Lehrerin: "Weil ich es so sage."
Schüler 2: "Ich dachte, wir sollen zu selbstständig denkenden und handelnden Pflegekräften ausgebildet werden?"
Lehrerin: Schweigen, Scharfer Blick und Themawechsel.

Ich erkläre es mir so:

Nach 45 arbeiteten viele Menschen im deutschen Gesundheitswesen mit einer Haltung und einem Wertesystem weiter, den sie in den Jahren der Nazidiktatur erworben hatten. Man brauchte Fachkräfte, um das Land wieder aufbauen zu können. "Wir müssen die Menschen nehmen, die wir haben. Andere gibts nicht", sagte Adenauer.

Vielleicht wäre es besser gelaufen, wenn man damals das amerikanische, auf einem Studium basierende Ausbildungssystem in der Pflege übernommen hätte.

Erst mit dem zurükkehrenden Wohlstand und den Umwälzungen der 68er kam es auch zu einer neuen Betrachtung und einer historischen Aufarbeitung der NS - Zeit. Das Gesundheitswesen blieb von diesen gesellschaftlichen Veränderungen jedoch oftmals "verschont".

Das Gesundheitswesen hat oft sehr konservativ ausgerichtete Strukturen, die sich nur langsam verändern können. Diese beginnen in den Universitäten und der Ausbildung, und setzt sich dann durch die Jahre fort. Neue, pflegewissenschaftliche Erkenntnisse werden von Kollegen an der Basis als esoterisches Wissen oder das Werk von Gelehrten in einem Elfenbeinturm belächelt und abgelehnt.

Neue Leute, die mit eigenen Ideen in das System kommen, müssen sich anpassen, um zu überleben; das bedeutet, über kurz oder lang, und in unterschiedlichem Ausmaß, dass sich der eigene innere Katalog an Werten an den äußeren anpasst. Ob man nun will oder nicht. Und natürlich haben es solche Menschen, die sich in solche Strukturen gut einfügen können, weil sie über diesen Wertekanon bereits verfügen oder er sehr ähnlich ist, sehr viel leichter.

Nicht alle dieser Werte, an die sich ein Schüler oder Medizinstudent anpasst, sind schlecht; einige sind es jedoch. Ich glaube schon, dass in der dritten Generation nach Hitler immer noch, in verdeckter Form, vieles weiter existiert. Mir fallen da etliche Beispiele ein.

Ich denke manchmal, Kliniken und andere Betriebe des Gesundheitswesens leben außerhalb der demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Grundordnung, welche die Menschenwürde und das Recht auf freie Meinungsäußerung achtet

Ich will auch nicht bestreiten, das es dieser Tage eine "Rückfütterung" durch das Erstarken der Rechten gibt, welche diese alten Reste neu beleben will, und dass mich dieses Erstarken mit großer Sorge erfüllt. Es geistern ja schon Vorstellungen der AfD über die Behandlung von psychisch Kranken durch die Medien, die man mit "Wegschließen auf unbestimmte Zeit" umschreiben kann.

Und während der stramme Nazi mit Glatze und Baseballschläger tatsächlich etwas selten ist (Extreme Rechte verbergen ihre radikalen Ansichten und ihr wahres Gesicht ja meist hinter einem Schleier des konservativen, enttäuschten Bürgertums, während extreme Linke eher offener auftreten), kenne ich stattdessen viele "Kollegen" mit vollautomatisiertem Lächeln, DIN - ISO - genormten Sekundärtugenden und einer menschlichen Herzenswärme unter dem Gefrierpunkt.

Und nochmal: ich weiß nicht, wie es in der sozialistischen Hälfte Deutschlands gelaufen ist; ich kann mir gut vorstellen, dass sich dort auch Sachen gehalten haben, eine unterschwellige Programmierung bis in die heutigen Tage mitgegeben wurde, aber Erfahrungen fehlen mir.
 
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Keßler

Rechtes Gedankengut ist kein rein deutsches Phänomen.
Auch andere Diktatoren betreiben einen Kult um sich und ihre Nation.
Heute aktueller denn je & atomgerüstet.

Ein Grund mehr, hier in unserem Lande dagegen zu stehen.
 
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rockstar1970

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Hallo, der "reine" Nazi ist mir in meiner Berufserfahrung noch nicht begegnet. Gleichwohl aber Kollegen, bei denen die Gesinnung zumindest fragwürdig ist. Aber was ich oft bemerke ist, dass die Gesinnung überhaupt eine Rolle spielt. Dies sollte sie aus meiner Sicht nicht, oder zumindest in einem geringeren Maße als ich es antreffe. Ich glaube auch nicht, dass sich Systembedingt hier irgendwelches rechtes Gedankengut ansammelt. Vielleicht, da du ja aus auch aus der Psychiatrie kommst, hängen deine Eindrücke eher mit der besonderen Stellung der Pflege in der Psychiatrie zusammen. Diese ist aus meiner Sicht noch immer zu sehr von Zwang und Macht geprägt. Und Macht macht was. Und wer dagegen immer gewappnet ist, der hebe als erster die Hand. Leider, oder auch nicht( das kann ich nicht so genau sagen), gibt es keine richtige Eignungsprüfung für DEN richtigen Pfleger oder die Schwester. Und wer hier nicht wirklich gefestigt und sicher im Leben steht, der ist vielleicht dafür empfänglich. Und Machtausübung kann schnell mit dem beschriebenen Verhaltensweisen verwechselt werden.
Leider aber begünstigt das System bzw. unterbindet es nicht, dass solche "Gesinnung" gelebt wird. Mir ist es immer wieder unbegreiflich, dass Selbstreflektion nicht im Arbeitsvertrag verbindlich festgelegt wird. Schließlich arbeiten wir hier mit Menschen. Und Mitarbeiterführung ist ja eher Institutionsbezogen, denn Patientenbezogen.
rockstar1970
 
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Igel77

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Macht: Sicherlich ein Entwicklungsprozess für alle, die in der Psychiatrie arbeiten.

Wobei ich schon davon ausgehe, dass es Leute gibt, die davon in einem höheren Maße angezogen werden als andere, die davon eher Gebrauch machen.

Man könnte Selbstreflexion in den Vertrag schreiben - aber wie will man das überprüfen? Und "charakterliche Eignung" kann umgekehrt genauso von autoritären Führungskräften verwendet werden.

Es gibt aber durchaus auch andere Möglichkeiten. Man kann z.B.
  1. Einem Mitarbeiter kündigen oder ihn abmahnen, wenn er sich extremistisch äußert. Derartige Dinge zählen zu "Betriebsstörendem Verhalten". Vorraussetzung ist allerdings, dass mehr als einer den Mund aufmacht.
  2. Dergleichen: Arbeitsrechtliche Maßnahmen, wenn betriebliche technische Mittel (sprich, meist wohl EDV) zur Verbreitung extremistischer Ideen verwendet werden (wobei es wichtig ist, dass der AG zunächst mal eine Dienstanweisung für die EDV erlässt, die das regelt)
  3. Einen solchen Mitarbeitern - allerdings ohne selbst zum Mobbenden zu werden - eine Tätigkeit zuweisen, bei der davon auszugehen ist, dass es zu keineoder weniger Übergriffen kommt.
  4. Einem Mitarbeiter, der im Personalwohnheim extremistische Insignien aufstellt, den Wohnheimplatz kündigen, sobald das bekannt wird (in wie weit da Arbeitsrechtliche Möglichkeiten bestehen, weiß ich nicht)
  5. Einen Mitarbeiter, der extremistische Tatoos trägt, bitten oder anweisen, diese abzudecken
  6. Hinweisgeber und Hinweise ernst nehmen, nicht belächeln, transparent (wo möglich) damit umgehen
  7. Vielleicht eine Grauzone, aber: Wenn bekannt wird, dass Mitarbeiter des Hauses extremistisch in sozialen Netzwerken betätigen, könnte der Ruf der Institution darunter leiden, oder andere dieser Farbe anlocken.
  8. Einen Mitarbeiter, bei dem man den Verdacht hat, dass er sich extremistisch betätigt, frühzeitig ins Gespräch holen, Konsequenzen aufzeigen, aber auch auf die Möglichkeit von Beratungsangeboten (speziell für die Rechte Szene gibt es ja was) aufmerksam machen
  9. Das, was eigentlich selbstverständlich ist, aber wohl nicht oft der Wirklichkeit entspricht: Einen verbindlichen Wertekodex aufstellen und den dann auch leben - und zwar insbesondere an der Spitze des Unternehmens.
  10. Genauso: Einrichtung eines funktionierenden Hinweisgebersystems. Nicht nur für Extremismus, sondern auch für andere Dinge.
  11. Auch als Team zu funktionieren, und einem extremistischen Kollegen - ohne zu Mobben! - zu signalisieren, dass man manche Dinge nicht duldet, und dann auf der anderen Seite auch immer gesprächsbereit bleiben.
  12. Wenn schon Gedenkstätten für eine Einrichtung da sind, diese nicht als Last, sondern als Verpflichtung vor der Vergangenheit anzusehen.
Wahrscheinlich gibt es noch mehr, aber dass waren so die Dinge, die mir im Lauf der Jahre eingefallen sind - meist als Umkehrschluss zu den Dingen, die falsch gelaufen sind.

Ich schreibe hier bewusst "extremistisch", nicht "rechts", weil politischer Extremismus verschiedene Farben, aber immer das selbe Ergebnis hat. (Trotzdem habe ich durchaus schon mal erlebt, dass man einer Schülerin sagt, sie möge ihren Roten Stern abdecken und das Piercing rausnehmen, weil das die älteren Leute verschrecken könnte, und dann einem anderen Schüler, weil er ja so fleißig und lieb und außerdem der Cousin von jemand Wichtigem ist, das Eiserne Kreuz durchgehen zu lassen. Hach, ich werde schon wieder sarkastisch. :) )
 
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Keßler

Hi Igel77 !

Gute Checkliste.
Durchaus brauchbar um den eigenen Laden mal genauer abzuklopfen.

Punkt 1 : Nicht jeder Betrieb fühlt sich dadurch "gestört".
Punkt 4 : "Wohnheimplatz" hat nur ein Bewohner. Da ist der Miet- und Versorgungsvertrag das Maß der Dinge.
Punkt 5 : "...bitten..." streichen. Gilt auch für sexistische Tattoos.
Punkt 9 : So etwas nennt sich "Leitbild". Das zu haben, ist für jeden Pflegebetrieb verbindlich.
Punkt 10 : Auch das "betriebliche Vorschlagswesen" sollte im QMHB niedergelegt sein.
9 + 10 unterliegen dem PDCA-Zyklus. Also kann man bei der nächsten Revision via Qualitätszirkel eine passende "Renovierung" anschieben.

Punkt Sarkasmus :
- Im vollen Ernst : Der rote Stern kann u.a. bei russlanddeutschen Bewohnern Unbehagen bis zu Panikattacken auslösen !
- Nicht so ernst : Schlage dem Schöööler vor, das EK begradigen zu lassen. Das Balkenkreuz wird von der Bundeswehr geführt und ist (angeblich) unbedenklich.

LG, Frieda
 
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rockstar1970

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Hinweise und Hinweisgebersystem. Meldesystem. Arbeitsrechtliche Konsequenzen. Alles sehr schwierig um zu setzen. Man unterstellt ja dem Kollegen damit eine inakzeptable und in der Gesellschaft nicht geduldete Gesinnung. Und hier wird es schwierig, zumal das zur Zeit ja eh vakant ist. So wie die Gesellschaft gerade auf die Themen Migration und Flüchtlinge reagiert ( aus meiner Sicht inadäquat), so ist es durchaus möglich, dass solche rechten Werte wieder mehr Zustimmung in der Pflege finden, oder wieder "Hoffähig" werden. Es geht aus meiner Sicht stets nur im kleineren Kreis: Also bei uns auf Station haben wir den Konsens gefunden, dass wir alles, was wir von unseren Patienten abverlangen, auch selbst leben (Organisatorische und betriebliche Ausnahmen gibt es natürlich). Und da es vordergründig um die Bewältigung der Sucht geht, haben unsere Patienten politische Statements zu unterlassen. Und dies ist auch etwas, was ich/wir von allen unseren MA erwarten. Ein "Frühwarnsystem" funktioniert hier also nicht. Aber in Gesprächen achten wir (wenig Training, nur gelebtes Verhalten) stets auf wertfreie Kommunikation. Und wenn dann doch mal eine Bemerkung an der individuellen Schmerzgrenze eines MA liegt, dann bringt dieser das sofort auf den Tisch.
@ Igel77: Supervision im Vertrag würde so aussehen, dass der MA sich verpflichten sollte seine Arbeit und sein Tun hinterfragen zu lassen. Wie das dann gemacht wird, kann man doch mit dem MA besprechen. Und schon hinterfragt er sich selbst. Bei guter Begründung hätte dies den Vorteil, dass er sich nicht jedes mal angegriffen fühlen muss, wenn er gefragt wird, warum er dies so und nicht anders gemacht hat. Eine legitime Frage aus meiner Sicht, die aber stets Unbehagen hervorruft. Wenn es dazu noch ein gutes Fehlermanagment gibt, bei dem Fehler gemacht werden dürfen, solange man darüber reden kann, wäre das ne gute Sache.
Ich will jetzt auch nicht sarkastisch werden; aber schön wär es schon.
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Die Pflege ist ebenfalls nur ein Teil der Gesellschaft. Also gibt es auch in der dieser Berufsgruppe verschiedene politische Ansichten. Mir perönlich würde es zuweit gehen in der Einrichtung jedem zu "unterstellen" rechts zu denken. Man sollte klar Fahne bekennen und eine Richtung vorgeben. Das sollte im normalerweise reichen. Ich vermute sogar, dass in der Pflege mehr die liberale Orientierung (allein schon wegen dem Menschenbild und -verständnis) vertreten ist.

Checklisten würde ich nicht per se erstellen...

P.S. In der Psychiatrie wo ich ZIVI war, hatte man sogar die Menschen in der NS Zeit vor der Deportation versteckt (und damit sein eigenes Leben riskiert). Jedoch konnten damals nicht alle "gerettet" werden.
 
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Igel77

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Die Pflege ist ebenfalls nur ein Teil der Gesellschaft. Also gibt es auch in der dieser Berufsgruppe verschiedene politische Ansichten.
Das will ich nicht bestreiten; ich behaupte aber, dass sich manche Menschen mit manchen Ansichten wohler fühlen als andere. Das sind nicht zwingend politische Einstellungen, sondern eher Werte.

Mir perönlich würde es zuweit gehen in der Einrichtung jedem zu "unterstellen" rechts zu denken.
Ich ziele auch nicht auf die Menschen als solches ab, sondern auf Denkmuster und zwischenmenschliche Systeme, die während der Ausbldung und weiteren beruflichen Prägung eines Menschen übernommen werden. Und darauf, das, möglicherweise, einiger dieser Systeme speziell in der Pflege, das Kriegsende überlebt haben, und in maskierter Form weiter existieren dürfen. Sowie, dass diese Systeme und Leute, die von ihnen profitieren und die sie anfeuern, wenig Toleranz gegenüber jenen haben, die anders ticken.

Ich komme aber in dieser Diskussion immer mehr weg von "rechtsextremistisch" hin zu "autoritär/totalitär".

Man sollte klar Fahne bekennen und eine Richtung vorgeben. Das sollte im normalerweise reichen.
"Man" (und das muss vor allem von der Spitze aus gelebt werden) sollte zunächst einmal selbst leben, was man predigt. Ich bin mir des Widerspruchs/Dilemmas durchaus auch bewusst, dass man extremistisch gesinnten Menschen gegenüber entschlossen auftreten muss - was aber dadurch einfacher wird, dass ich ja weiß, dass diese Menschen mein Wertesystem nicht respektieren und es zerstören wollen, und ich deren Wertesystem nicht annehmen will.

Klar Farbe bekennen können. Hmmmh. Ich mache die Beobachtung, in den letzten Jahren, dass das immer mehr ein Wert ist, der verloren gegangen ist. Da wird viel in Hochglanzbroschüren, PR-Veranstaltungen, bedeutungslose Worthülsen, schwammige Formulierungen und DIN-genormten Fließtexteinheitsbrei gepackt, und wenn man diese Dinge hinterfragt und mit der Wirklichkeit abgleicht, sieht es finster aus.

Ich vermute sogar, dass in der Pflege mehr die liberale Orientierung (allein schon wegen dem Menschenbild und -verständnis) vertreten ist..
Das wage ich nach 20 Jahren Berufserfahrung denn doch zu bezweifeln.
Ich stelle mal einige Fragen, dann wird es vielleicht etwas klarer.

Was passiert mit einer Pflegekraft in den meisten Einrichtungen, die vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung innerhalb des Betriebes Gebrauch macht (ohne jetzt in den Tatbestand der Beleidigung oder üblen Nachrede zu geraten), und dabei eine Meinung äußert, die von den Wünschen der Führungskräfte abweicht?
Was passiert mit einer Pflegekraft in den meisten Einrichtungen, die sich einer ärztlich angeordneten Maßnahme verweigert?*
Wie reagieren Einrichtungen auf tatsächliche Vorkommnisse, die zu Schadenersatzklagen seitens der Angehörigen kommen?*
Wer wird eher von einer Institution zur Verantwortung gezogen, wenn etwas schief läuft: eine Pflegekraft, oder ein Arzt?*
Wie wird mit Hinweisgebern umgegangen?* Werden sie in der Pflege als wertvolle Mitarbeiter oder als Nestbeschmutzer angesehen?
Welche der folgenden Eigenschaftspaarungen werden eher gefördert: Gehorsam oder Loyalität? Anpassung oder Eigenständigkeit?
Kreativität oder Bewahrung des Althergebrachten? Menschlichkeit und Empathie, oder maschinenhaftes Funktionieren?
Was wird eher eintreffen: Dass sich im Zweifel und Streitfall eine PDL hinter eine Pflegekraft oder einen Arzt stellt?*
Wird es respektiert, dass man sich während seiner Arbeitszeit in der Personalvertretung engagiert?
Wie wird seitens der Führungskräfte mit Überlastungsanzeigen bzw. mit Menschen, die diese stellen, umgegangen?
Wird man eher gelobt und gefördert, oder wird man eher eingeschüchtert und gefordert?
Wie häufig sind Mobbing und Bossing in sozialen Einrichtungen, gemessen an anderen Betrieben?

*jeweils immer unter der Grundannahme, dass es korrekt für die Pflegekraft war, so zu handeln. Ich mag auch nicht ausschließen, dass es vereinzelt Institutionen gibt, in denen der Großteil oder alle der obigen Fragen positiv beantwortet werden kann.

Die Antworten, die ich für mich auf diese Fragen gefunden habe, sind, an sich, keine Kennzeichen für eine bestimmte politische Gesinnung. Aber, meiner Meinung nach, bilden sie die Grundlagen dafür, dass sich einerseits autoritär gestrickte Menschen (und da ist es mir völlig egal, ob sie rechts, links, grün, gelb, oder einfach nur narzisstisch und machthungrig sind) sich eher in sozialen Einrichtungen sammeln. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Kollegen, die aufgrund von Angst und niedrigem Selbstwertgefühl mitmachen - und Dinge ertragen, die kein Metaller, kein Polizist, kein Lehrer, und viele andere, die eine Wahl haben, mit sich machen lassen würden. (Nebenbei, das gehört eigentlich in einen anderen Faden, aber ich halte diese sozialen Unsitten und den institutionalisierten Mangel an Transparenz, Fairness und Wertschätzung, neben der niedrigen Bezahlung, für einen der Hauptgründe, dass die Pflege immer weniger Zulauf hat und in wenigen Jahren, wenn alles bleibt, wie es ist, manche Einrichtungen schlichtweg wegen Personalmangel schließen können.)

P.S. In der Psychiatrie wo ich ZIVI war, hatte man sogar die Menschen in der NS Zeit vor der Deportation versteckt (und damit sein eigenes Leben riskiert). Jedoch konnten damals nicht alle "gerettet" werden.
Ich will das als historischen Fakt nicht bestreiten (ich kenne die Einrichtung, von der Du sprichst, schließlich nicht). Und sicherlich gab es in der Zeit Menschen, die in unauflösbaren Gewissenskonflikten standen. Nur: Es gab sehr viele NS-Verbrecher, die ihr eigenes Handeln in Nürnberg und anderswo damit rechtfertigten, keine Wahl gehabt und nur Befehle befolgt zu haben, und eigentlich hinter den Kulissen Menschen beschützt zu haben. Zum Teil ist dieses Verhalten auch verständlich - man kompensierte die eigenen Schuldgefühle.

Warum ist das gerettet in Anführungszeichen? Wenn sie das Kriegsende erlebt haben, und nicht zu Tode gehungert oder vergast oder vergiftet wurden?

Hinweise und Hinweisgebersystem. Meldesystem. Arbeitsrechtliche Konsequenzen. Alles sehr schwierig um zu setzen. Man unterstellt ja dem Kollegen damit eine inakzeptable und in der Gesellschaft nicht geduldete Gesinnung.
Ja, ist ein schwieriges Thema. Der Grat ist sehr, sehr, schmal. Einerseits hat man die Verpflichtung, es nicht zu dulden, andererseits darf man sich nicht der selben destruktiven Führungskultur hingeben (und es ist für eine Führungskraft immer dumm, etwas rechtlich nicht wasserdicht zu haben und es dann erst vor dem Arbeitsgericht zu merken.)

Andererseits, so glaube ich, wenn eine bestimmte Alltagskultur gelebt wird, dann ist dass alles nicht notwendig.

Es geht aus meiner Sicht stets nur im kleineren Kreis: Also bei uns auf Station haben wir den Konsens gefunden, dass wir alles, was wir von unseren Patienten abverlangen, auch selbst leben (Organisatorische und betriebliche Ausnahmen gibt es natürlich). Und da es vordergründig um die Bewältigung der Sucht geht, haben unsere Patienten politische Statements zu unterlassen. Und dies ist auch etwas, was ich/wir von allen unseren MA erwarten. Ein "Frühwarnsystem" funktioniert hier also nicht. Aber in Gesprächen achten wir (wenig Training, nur gelebtes Verhalten) stets auf wertfreie Kommunikation. Und wenn dann doch mal eine Bemerkung an der individuellen Schmerzgrenze eines MA liegt, dann bringt dieser das sofort auf den Tisch.
rockstar1970
Und dass meine ich mit der Alltagskultur. Großes, großes Lob, dass Ihr das so hingekriegt habt. Ihr braucht kein Frühwarnsystem, weil ihr ein Präventionssystem habt: Offenheit im Team, klare Verhaltensregeln.

@ Igel77: Supervision im Vertrag würde so aussehen, dass der MA sich verpflichten sollte seine Arbeit und sein Tun hinterfragen zu lassen. Wie das dann gemacht wird, kann man doch mit dem MA besprechen. Und schon hinterfragt er sich selbst. Bei guter Begründung hätte dies den Vorteil, dass er sich nicht jedes mal angegriffen fühlen muss, wenn er gefragt wird, warum er dies so und nicht anders gemacht hat. Eine legitime Frage aus meiner Sicht, die aber stets Unbehagen hervorruft. Wenn es dazu noch ein gutes Fehlermanagment gibt, bei dem Fehler gemacht werden dürfen, solange man darüber reden kann, wäre das ne gute Sache.
Ich will jetzt auch nicht sarkastisch werden; aber schön wär es schon.
rockstar1970
Wie jede Form von Therapie funktioniert Supervision nur, wenn ein Vertrauensverhältnis vorhanden ist. Die Supervisanden müssen sich öffnen können. Die Schwierigkeit fängt an, wenn ich als MA davon ausgehen muss, dass mir eine Öffnung zum Nachteil gereicht, und wenn die Supervision zum Instrument einer destruktiven Führungsstrategie wird oder die Supervision nicht vertraulich bleibt. Beides musste ich schon erleben.

Es tickt da auch jeder Mensch anders. Manche öffnen sich leichter als andere. Das ist auch gut so. Nur weil jemand nicht mit mir über seine Schattenseiten reden will, ist er kein schlechter Mensch. Meine Meinung.

Das Ideal ist natürlich, eine beständige und erfolgreiche Selbstreflexion. Das ist nur leider nicht (wie ich annehme) fester und wichtiger Bestandteil der Ausbildung in der Pflege. Das Schöne ist, dass es einem aber beigebracht werden kann, das man es lernen und trainieren kann. Und das wäre dann eher meine Haltung und mein Wunsch, Teams und Mitarbeitern sich selbst beizubringen, sich da auf der hellen Seite der Macht zu halten, als für viel teures Geld von extern jemandem mit geringem Benefit in die Einrichtung zu holen.
 
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Wie jede Form von Therapie funktioniert Supervision nur, wenn ein Vertrauensverhältnis vorhanden ist. Die Supervisanden müssen sich öffnen können. Die Schwierigkeit fängt an, wenn ich als MA davon ausgehen muss, dass mir eine Öffnung zum Nachteil gereicht, und wenn die Supervision zum Instrument einer destruktiven Führungsstrategie wird oder die Supervision nicht vertraulich bleibt. Beides musste ich schon erleben.

Es tickt da auch jeder Mensch anders. Manche öffnen sich leichter als andere. Das ist auch gut so. Nur weil jemand nicht mit mir über seine Schattenseiten reden will, ist er kein schlechter Mensch. Meine Meinung.

Das Ideal ist natürlich, eine beständige und erfolgreiche Selbstreflexion. Das ist nur leider nicht (wie ich annehme) fester und wichtiger Bestandteil der Ausbildung in der Pflege. Das Schöne ist, dass es einem aber beigebracht werden kann, das man es lernen und trainieren kann. Und das wäre dann eher meine Haltung und mein Wunsch, Teams und Mitarbeitern sich selbst beizubringen, sich da auf der hellen Seite der Macht zu halten, als für viel teures Geld von extern jemandem mit geringem Benefit in die Einrichtung zu holen.

Ja, negative Auswirkungen von Supervisionen kenne ich auch, selbst am eigenen Leib.
Vertrauen ist nicht nur zur Führung notwendig, sondern auch in die eigene Arbeit. Wer sich sicher ist richtig gehandelt zu haben, der kann sich auch erklären (rechtfertigen ist aus meiner Sicht eher negativ behaftet). Der muss auch nicht mit negativen Konsequenzen rechnen. Man sollte immer wissen WARUM man WAS WIE macht. Seine eigene Arbeit zu beurteilen, auch von Kollegen, sollte nicht als schlecht angesehen werden, dies sollte bestenfalls eigener Anspruch sein. Sich selbst zu reflektieren, kann natürlich auch im stillen geschehen, jeder für sich. Nur muss eben auch was für die Arbeit dabei rumkommen; sichtbar! Hier können dann aber die Kollegen nicht davon profitieren, was schade ist. Ein Supervisor oder auch Mediator kann das eben doch gezielter. Aber; Jemand, der sich und seine Arbeit/Leistung stets als richtig, wichtig und nützlich hinterfragt und gegebenenfalls korrigiert (wie ist hier dann nicht so wichtig), ist eben dann richtiger, wichtiger und nützlicher als derjenige, der nur Dienst nach Vorschrift macht.
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Brigitchen

Brigitchen

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Hallo, ich bin der Meinung, dass es von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. So kann es dir passieren, dass du als Krankenschwester afrikanischer Herkunft, von älteren Pflegebedürftigen nicht anerkannt wirst. Genauso verhält es sich auch von der anderen Seite. Rechts oder links ist eine Gesinnung, die jeder Mensch individuell lebt. Deine Frage zielt aber eher auf Menschlichkeit und einen gewissen ethischen Horizont ab.
 
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Also ich finde dieses Thema gar nicht mal so abwegig,zum Glück braucht man heutzutage keinen Ariernachweis mehr und es lässt sich nicht eins zu eins so vergleichen, dennoch gibt es einige Parallelen zur NS Zeit.
Z.b. die Auschwitzlüge , zum Glück gibt es scharfe Gesetze die das verbieten, jetzt sind wir zum Glück nicht mehr im dritten Reich aber das Prinzip ist schon so, das von den Pflegenden erwartet wird das man immer behauptet es sei gar nicht so schlimm in der Pflege und bei uns gibt es das nicht und bei uns funktioniert es ja.
Und das sollen wir auch noch möglichst selber so glauben und allen so verkaufen , klar kann und keiner dazu zwingen aber es wird uns schon stark suggeriert bzw. werden wir in der Hinsicht sehr stark manipuliert und es klappt hervorragend.
Und was die Behauptung des blinden Gehorsam gegenüber der Ärzte betrifft kann ich nur zustimmen !
 
L

lulli00

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Wie kommst du auf diesen Post? Gibt es etwas was dich beschäftigt oder vorgefallen ist?

Ich hab das mal für mich beantwortet. Ich denke es ist auch nicht zu verachten wie alt der jenige ist der das beantwortet und wie lange er schon im Job ist.

Ich bin 37 und 6 Monate Examiniert. Interdisziplinäre Notaufnahme eines Maximalversorgers.

Ich habe nicht das Gefühl unter NS ähnlichen Strukturen zu arbeiten.



Unterordnung, v.a. unter die Ärzteschaft
In meiner Ausbildung wurde da kräftig das Selbstbewusstsein der Schüler poliert sich da raus zu heben und nicht den Duckmäuser zu spielen sondern zu emanzipieren. Allerdings in der Praxis konträr, da wurde ich ermahnt in der nähe des Chefarztes den Mund zu halten. hat mich mega ange.ko.tzt. Ich denke das die Kollegen von Station sich die Schüler dies hingegend zurecht gestutzt haben. Das war mein Eindruck wenn Auzubikollegen von ihren Einsätzen erzählten oder in Diskussion mit den Lehren waren. Heute habe ich täglichen Intensive Kontakt zu Ober und Chefärzten. Der Umgang ist ungezwungen und nur autoritär wenn es wirklich nötig ist. Meine Kollegen und ich sind sehr emanzipiert.
Wegschauen, keine Fragen stellen
s.o. was habe ich es gehasst wenn ich was wissen wollte, ich hab schon gar nicht mehr gefragt sondern nachgeschlagen. Was lernst du das, dass brauchst du später eh nicht.
Vorauseilender Kadavergehorsam
s.o. Teils, teils...
Gewalt gegen sozial Schwächere, Abweichler, Fragensteller
s.o. Teils, teils
Ariernachweis
??? da sagt mir nur das rumgehacke auf ausländische Kollegen ein. Ist mir in der Ausbildung schon untergekommen, aber bei meiner jetzigen Stelle zum Glück nicht. Allerdings wird gerne mal über ausländische Pat. hergezogen. Zugegebn, mir fällt es sehr schwer ruhig zu bleiben, wenn ein Mann mich nicht mit seiner Frau sprechen lässt. das kommt bei den Muslimisch anmutenden Menschen recht häufig vor. Auf die Bitte mit der Frau zu sprechen kommt häufig ein erstaunt, verärgertes nein und dann die ausrede die Frau können kein deutsch, was sie sehr wohl kann. Das ärgert mich persönlich sehr und da bin ich mittlerweile auch intolerant.
Reduktion auf eine weibliche, passive Rolle
Erlebe ich in der Notaufnahme ständig. Schwester sagt was. Pat. Angehöriger spielt sich auf, Männlicher Kollege sagt den gleichen Inhalt, zack trollen die sich. Auch etwas was mich wütend macht. Wenn man sich als Frau durchsetzen will, ist man Zickig, untervögelt, hat seine Tage etc.
Selbstvernichtung durch Arbeit
ja das können wir wirklich gut. wer sich da raus hebt wird
ausgegrenzt

Leugnung der NS - Vergangenheit (besonders in Psychiatrien).
hab ich nicht erlebt, in meinen PsychEinsatz ist man damit sehr offen umgegangen und war sich einig das dass eine grausame Zeit war.
Intransparente, bisweilen nepotistische und/oder korrupte Strukturen (auch ein Merkmal des NS-Systems).
Ja. Empfinde ich aber nicht als Merkmal des Naziregimes sondern einfach eine Art die auch in dieser Zeit unter gekommen ist. Diese Strukturen gibt es in nahezu jeder Gruppe
Und natürlich die Sekundärtugenden.
 
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