pflege in not

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dieckmann

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11.09.2000
manchmal frage ich mich arbeite nur ich in einem schlecht organisierten haus ?? gibt es woanders nicht probleme aufgrund von arbeitsverdichtung - mitarbeiterfluktation und hohen krankenständen , so dass sich leitungsarbeit nur noch auf krisenmanagment beschränkt. mir ist bewußt dass der ruf nach mehr personal nicht alle probleme lösen kann - und viele probleme auch organisatorisch gelöst werden können - aber eben nicht ales - ich kann sätze wie "wir müssen sparen " oder das budget gibt das nicht her nicht mehr hören - ständig wird mir vorgehalten wievel geld ich im letzten jahr für personal ausgegeben habe - aber keiner sagt mir was durch unsere arbeit eingenommen wurde. ich arbeite in einem kleinen kreiskrankenhaus und das klientel hat sich in den letzten jahren derart verändert dass eingriffe an jungen "gesunden "patienten immer weniger werden , weil sie abwandern in praxiskliniken -und uns bleiben multimorbide patienten mit schenkelhalsfrakturen oder ähnlichem.ich will nicht jammern aber diese thematik kommt mir hier doch ein wenig zu kurz. :( :mad: :confused: :( :(
 
D

dieckmann

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
11.09.2000
natürlich habe ich kontakte zu kollegen , nur denen geht es auch nicht anders als mit , was mich interessieren würde ist -gibt es in andren häusern solche probleme auch -bzw. wie wird dort von seiten der pdl oder verwaltung damit umgegangen ???
 
B

Bobbel

Mitglied
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15.04.2002
Hallo,

was für eine Funktion hast Du denn in dem kleinen Kreiskrankenhaus und hast Du denn keine Kontakte zu Kollegen?

Gruß
Bobbel
 
Qualifikation
KS
Fachgebiet
verschiedene
B

Bobbel

Mitglied
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15.04.2002
Hallo dieckmann,

anscheinend arbeitest Du in der mittleren Leitungsebene als
Leitender Stationspfleger

Meine Frage hatte sich eigentlich auf die Kontakte zu anderen Mitarbeitern der oberen Leitungsebene bezogen:
z.B. Leitung eines Pflegedienstes im Krankenhauses (PDL).

Hier, im Forum, wird sich wahrscheinlich auch Niemand aus leitender Funtion melden, weil diese Pflegefachkräfte viel zu viel Angst davor haben, ihren gut bezahlten Job in einer leitenden Funktion zu verlieren (So viele Arbeitsplätze im leitenden Bereich wird es sowieso nicht geben).

Als Tip aus der normalen Pflegefunktionsstufe kann ich Dir nur mitgeben:
- motiviere Deine noch vorhandenen Mitarbeiter
- prüfe den Einsatz von Pflegehilfsmitteln, zur Entlastung Deiner Mitarbeiter (es gibt doch Hebehilfen, Gleitmatten usw.), dann verringert sich vielleicht die Zahl der Krankmeldungen.
- für Deinen AG, mache eine Umfrage im Kreise Deiner Mitarbeiter über evtl. Beweggründe zur Fluktuation:
z.B. Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen usw..
Dann gehst Du mit den entsprechend ausgewerteten Unterlagen, zu dem Chef des Krankenhauses, legst ihm Das vor und fragst, was er dazu meint und schilderst die aktuelle Personalmisere.

Good Luck!
Gruß
Bobbel
 
Qualifikation
KS
Fachgebiet
verschiedene
C

Claudi

Mitglied
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28.04.2002
Hallo

vor Jahren wurde eine aktuelle Personalmisere so gelöst, dass die Mitarbeiter geplant Überstunden geschoben haben, und dann wurde das der PDL vorgelegt als Beweis, dass mehr Personal gebraucht würde. Zufällig hab ich mich genau zu diesem Zeitpunkt beworben und wurde deshalb auf dieser Station eingesetzt.
Heute haben wir nun wieder den Pflegenotstand. Unsere Stationsleitung ist im Betriebsrat, daher konnten wir eine Zeitlang um 3 Betten reduzieren (mittels Überlastungsanzeige), wobei wir das jeden Monat neu verteidigen mussten. Seit 1.6. sind wir nun wieder voll belegt, ohne dass sich an der Personalsituation viel verbessert hat. ICh weiß auch nicht, was wir noch machen sollen, um "denen da oben" unsere Bedürfnisse klarzumachen. Wir sind eine Onkologie mit Palliativbetten, der hohe Personalbedarf müsste sich meiner Meinung nach allein daraus ergeben. Ein Problem ist, dass Krankenhäuser von Kaufleuten geführt werden, die vielleicht Ahnung von Buchführung, aber noch nie eine Station von innen gesehen haben.
 
Qualifikation
Krankenschwester, Mentorin
Fachgebiet
Hämatologie/Onkologie
S

Sabine Kuhn

Mitglied
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01.08.2000
Hallo
wir sollten vielleicht Auswandern!
Einfach die Kündigung einreichen!
Stellt Euch das mal vor!!
Wie gehen alle in die Schweiz...da wird gesucht und die Arbeitsbedingungen sind, wenn meine Quelle nicht übertreibt königlich!

Aber nun zum ernsten Teil!
Und da sind alle wie auch Ihr ziemlich ratlos!
Überlastungsanzeigen sind nach meinen Erfahrungen nur dazu gut die Verantwortung zu Recht abzugeben und dann doch wieder die Arbeit zu machen...zu funktionieren.

Ich bin einfach auch nur ratlos wie Ihr seht:)
Wer hat nun die Lösungsansätze für uns?

Sabine
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
chirurgische ITS
H

Harry Plewa

Mitglied
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29.03.2002
69198
www.pflege.de
Es gibt verschidene Ansätzte aber die wirklich wirksamen helfen nicht Kurzfristig!
1) Politsch Aktiv werden! Typische Organe sind Gewerkschaften Parteien Fachorgane, seht euch an wie gut es denBeamten geht, das liegt auch daran das sich mehr als die Hälfte der Bundesregierung aus Beamten zusammensetzt, egal welche Partei die vertretten ihre eigenen Interessen recht kräftig!!!!
2) Fortbilden: Wer sich fachlich sicher ist kann erstens seine Argumente sicher vertretten und so zwei Dinge gleichzeitig demonstrieren. a) Ich weis was ich sage! und b)wer gut ausgebildet ist braucht weniger Angst um seinen Arbeitsplatz zu haben!
3) Seine Arbeit gut machen:
Wer seine Arbeit vorbildlich erledigt wird nicht so leicht als Motzer endlarft. Leider ist es oft so das gerade die unqualifiziertesten sich am häufigsten beschweren, was normalerweise an daran liegt. Das oft nicht so belastbar und deshalb die zu große Arbeitsbelastung zuerst als zu groß erfahren.
Versteht mich nicht falsch ich finde es schlimm das alles nur am den Vorzeigeleuten festgemacht ist, dadurch ist der normal Leistungfähige Mensche heute ein Looser, und das ist eine Teuflische entwicklung!
Deshalb ist es wichtig das sich gerade die weniger belasteten Pflegekräfte auch zu Wort melden.

Ein langfristiger Ansatz liegt sicher im Bereich der Public Health. Pflegepersonal ist mit am häufigsten Krankgeschrieben. Das ist in meinen Augen in zweierlei hinsicht Katastrophal. Ersten die mehrbelastung und die unsicherheiten bezüglich der Arbeitsplanung sind für alle eine belastung.
Und zweitens sollten wir den Menschen helfenso Gesund wie irgend möglich zu leben, um das aber wirklich tun zu können sollte mansich auch selbst gut pflegen können, d.h. wir sollten uns selbst Gesund erhalten können!

Und das sollten wir erlernen, Gesundheitskurse und Gesunde Arbeitsumwelt für Pflegepersonal reduziert die Belastung wesendlich. Wenn eine Klinik darein Investiert demonstriert sie das sie auf eine Vernünftige weise Wirtschaftlich ist um nicht nur Profitgierig.

Ein weiter Ansatz kommt aus einigen bitteren Erfahrungen! Solidarität!!! Solange die Stationsteams nicht Solidarisch handeln ist kein Kraut gegen Ausbeutung durch Mismanagement zu gewinnen. Wenn sich Teams nicht zusammentun sind sie keine Teams und haben auch keine Chance auf Einfluss innerhalb ihrer Kliniken!

Wer es schafft ein Team zu formen hat auch ein Werkzeug Sinnvolle Veränderungen durchzusetzen.

Harry :cool:

[ 03. Juni 2002 20:58: Beitrag editiert von Harry Plewa ]
 
Qualifikation
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fachgebiet
Orthopädische Uniklinik Heidelberg
D

dieckmann

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
11.09.2000
heute will ich mich mal wieder melden - es trötet mich ein klein wenig dass es nicht nur uns so geht -mittlerweile habn auch wir betten gesperrt , da die situation durch weitere ausfälle derart eskaliert ist dass es nicht mehr anders ging- nur auch dieses ist ja nur eine kurfristige lösung - ich bin mir auch ziemlich sicher ,dass unsere pdl so sehr ich auch manchmal auf sie schimpfe unsere stellen nicht aus bösartigkeit nicht besetzt - sondern zu einen weil zurzeit tatsächlich keine bewerbungen vorliegen und zum anderen weil es nun einmal finanzielle vorgaben gibt -auf die auch sie wenig einfluß hat -ich war vor ca zwei jahren auf einer fortbildung in hamburg da hat die dozentin das in etwa so formuliert " die krankenkassen fordern an leistungen eine mercedes des s klasse und bezahlen aber nur einen ford fiesta " mit anderen worten das system ist krank - wenn man die tägliche presse um die bemühungen zur gesundheitsreform verfolgt kann einem angst und bange werden - und die berufsverbände und auch die gewerkschaften haben meines erachtens noch keinen brauchbaren lösungsansatz hervorgebracht . meines erachtens ist es höchste zeit die frage zu diskutieren welche form von gesundheitswesen können und wollen wir uns leisten ????
 
S

Sabine Kuhn

Mitglied
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01.08.2000
Hallo
die Diskusion welche Gesundheitsversorgung können und wollen wir uns leisten ist wirklich überfällig!
Das Wort Reformen bedeutet doch schon längst etwas ganz anderes als im Uhrsprung es bedeuten sollte!
Es steht eindeutig nur noch für Verschlechterung!
Aber die Menschen halten still! Denn wer gesund ist glaubt verschont zu bleiben. Erst wenn ich die Hilfe brauche sehe ich was los ist und dann bin ich eher schwach und hoffe das alles gut geht.
Genauso das Vergessen danach, wenn es mir besser geht will ich nicht mehr daran denken was war...Verdrängung
Und ändern wird sich so nicht viel!
Wir brauchen unbedingt auch kritischere Patienten!
Doch das ist nicht so einfach der zu sein wenn man krank ist!
Zusammenhalt im Gesundheitswesen ist auch nicht immer üblich. Denn jeder sieht nur seinen Bereich.
Es gibt so wie ich meine sehr viele Gründe warum so wenig passiert zur Besserung. Vielleicht muß der Zustand sich noch weiter verschlechtern um dann sich zu ändern. Wie in anderen Ländern in denen OP s ausgesetzt werden weil kein Personal mehr da ist.
Oder wie in America Menschen durch Ihre Erkrankung durch das soziale Netz ganz nach unten fallen.

Ich hoffe allerdings das schon früher etwas passiert zum positiven!

Bis bald
Sabine Kuhn :redface: :redface:
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
chirurgische ITS
H

Harry Plewa

Mitglied
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29.03.2002
69198
www.pflege.de
Das Phantastische daran ist für mich,
das sich viele alte Menschen eine wesendlich bessere Gesundheitsvorsorge leisten könnten, aber sie sind nicht dazu bereit dafür Geld auszugeben!

Selbst ältere Pflegebedürftige Menschen die keinen Erben vorweisen können vererben das Geld lieber dem Staat als sich selbst eine ausreichede Pflege zu gönnen.

Auch gibt es leider viele Familien die an der Pflege sparen damit es etwas zu erbengibt....

Ich denke dort müssen die Menschen rechtzeitig lernen umzudenken, wenn sie einmal Krnak sind ist es oft viel zu spät!

Deshalb sollte man eine zusätzliche Pflegeversicherung forsieren, da ja sowieso kaum jemand solidarisch sein will wäre es dann sinnvoller die groe Deckungslücke die ja bewust beider Einführung der Pflegeversicherung geplant wurde, jetzt muss dieser Zusammenhang auch noch einmal deutlich in der Öffendlichkeit vertretten werden!

Jetzt im Moment hat man mal wieder die bequeme Lösung gewählt und sich kurz vor den Wahlen mal eben einen neuen Sündenbock gemach das sind dann diesmal die Pflegeheime, das die mit den Mitteln der Pflegeversicherung die Pflege gar nicht sicher stellen können war schon vor der Einführung der Pflegeversicherung bekannt!

Jetzt gerade ist es politsch opportun und da kann man ja die Pflgenden mal wieder als Sündenbock an den Pranger stellen um die eigene Unfähigkeit zu verschleiern die Pflegeversicherung als das hinzustellen was sie ist, ein Erbschaftssicherungsgesetzt für Wohlhabende und eine Entlastung für die Kommunen die damit als Sozialhilfeträger entlastet werden.

Es wird Zeit das denMenschen die Wahrheit gesagt wird: Was kostet Pflege und da bin ich wieder bei Sabine wieviel wollen wir uns davon leisten!

Dann aber nicht mit einem Opferlamm = Pflegende sondern dann sollen sich doch bitte die auf dem Altar als Opfer Präsentieren die die Kriese forcieren. Die Unternehmerverbände die das Solidarprinzip mit alllen legalen und illegalen Mitteln seit Jahren bekämpfen und aushöhlen!

Wären diejenigen die noch vor 20 Jahren typische Beitragszahler und Empfänger der Solidarversicherungen waren immer noch Mitglied, gäbe es zumindes kein Finanzierungsproblem!

Die Wahrheit ist das der anteil der Gesundheitsausgaben in % zum Bruttosozialprodukt seit Jahren Stagniert bei 9 % + - 0,5 In den USA die ja unser großes Vorbild sind übrigen letztes Jahr 13,8 % nur dort bei dem großen Vorbild werden damit nur etwa 80 % der Bevölkerung behandelt der Rest guckt in die Röhre und krpiert dannteilweise jämmelich oder ist darauf angewiesen während der Krankheit zu betteln....

Aber die Kranken und die Pflegenden sind nicht dazu in der Lage sich gegen diese Ungerechte Behandlung durch Politiker und Unternehmer zu wehren!

Man kann dann gut und organisiert arbeiten wenn einem Ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Daran krankt die deutsche Pflege.

Wer bestimmt den hier in den Deutschen Kliniken über die Mittelvergabe. Auf der einen SEite die Betriebswirte auf der anderen Seite die Ärtze die Pflege bekommt dann das was übrig bliebt. Das führt natürlich dazu das diejenigen die ein gewisses Managementgeschick in der Pflege haben dann relativ schnell endweder Kapitulieren oder einen 3 bis vielmal so gut bezahlten JOb in der freien Wirtschaft annehmen.

Denn mal ehrelich was ist denn ein so gut bezahlter Job als Pflegedienstleiter, da hat man dann die Personalverantwortung für 2-500 Mitarbetier und bekommt dafür dann mit viel Glück und weil man alt genug ist 4000€ Brutto.

Jeder bei Daimler Chrysler die Personalverantwortung für 10 Leute hat lacht laut darüber wenn man ihm so einen Job anbieten würde, einer der in einem solchen Betrieb die Verantwortung für 200 Angestellte hat verdient locker über 20 000 € im Monat!

Nein es wir ohne einen Streik langfristig keine Lösung geben um so schneller der kommt um so besser, denn die Pflege muss sehr schnell atraktiv werden damit wir in 30 Jahren nicht selbst durch ungelerte Inder oder Pakistani oder sonstige Leute versorgt werden die dann noch nicht mal den Ansatz der Deutschen Sprache beherrschen! Cave ich habe nichts gegen Ausländer, nur inder Pflege sollten sie die Sprache sicher beherrschen und zumindest die Grundzüge des Regionalen Dialektes verstehen! Für mich ist es eine Horrorvorstellung eine Auländerin die kein Deutsch kann eine Person allein zu Hause pflegen zu wissen.... was ja Koch,Steuber und Konsorten so heftig fordern!

Und ein attraktives Berufbild ist wichtig für die Verweildauer und die bereitschaft Pflege als Beruf auszuwählen.

[ 04. Juni 2002 19:41: Beitrag editiert von Harry Plewa ]
 
Qualifikation
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fachgebiet
Orthopädische Uniklinik Heidelberg
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
<BLOCKQUOTE>quote:</font><HR>
Es wird Zeit das denMenschen die Wahrheit gesagt wird: Was kostet Pflege und da bin ich wieder bei Sabine wieviel wollen wir uns davon leisten!<HR></BLOCKQUOTE>

Hallo @all,

und da ist sie wieder unsere alles entscheidende Frage:Was ist Pflege???
Wenn ich etwas kaufen will/ soll dann möchte ich möglichst genau wissen, was ich für mein Geld bekomme- umsomehr wenn der Gegenstand "unverschämt viel kostet". Und da komme ich als Pflegekraft dann mit meinen Standards an und Lieschen Müller von der Nettokasse stellt fest: das kann ich auch: waschen, Essen reichen, trocken legen. Welches Ziel hat Pflege? Wohlbefinden! Fragt man, was damit gemeint ist stößt man auf verständnislose Gesichter. Das medizinisch notwendige soll in Krankenhäusern geleistet werden. Was ist das medizinisch notwendige? Pflegekonzepte wie BasStim, Kinästhetik, Bobath gehören bei vielen nicht dazu? Sie sind Luxus. Wirklich?
Pflege gräbt sich selbst das Wasser ab bzw. sägt mit viel Kraft an dem Ast auf dem sie sitzt. Die zahlenmäßig stärkste Fraktion im Gesundheitswesen will den Status idem erhalten, vergessend das sich alles um sie herum ändert. Aber wie sagte meine Großmutter schon so schön: Augen zu und durch.

Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
L

Luna

Mitglied
Basis-Konto
24.04.2002
Hallo @ all,

"Pflege in Not" - JA !! Ver.di startet eine Kampagne (z.B. 7.6.02 Demo in Düsseldorf 11 Uhr am Hbf) mit dem Aufruf den drohenden Pflegenotstand zu verhindern (wollen). Da Frage ich mich schon, was ist dann der "Pflegenotstand"? Meine Erfahrung ist - ich mache immer weniger von dem was ich gelernt habe und immer mehr versuche ich nur eine minimale Versorgngsebene aufrecht zuhalten. Das ist für mich eine "Not" - und nicht erst wenn die ersten Pflegekräfte auf der Arbeit zusammenbrechen bzw. die ersten PatientInnen nachweislich an der jetztigen "Versorgungssituation" gestorben sind. Anscheinend sind wir für "berufsfremde" noch nicht deutlich genug geworden.

Zu Elisabeth: " Die zahlenmäßig stärkste Fraktion im
Gesundheitswesen will den Status idem erhalten, vergessend das sich alles um sie herum ändert." Wie (was) meinst Du damit?

Tschüß Luna
 
Qualifikation
Pflegestudentin / Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
stationäre Altenpflege
H

Harry Plewa

Mitglied
Basis-Konto
29.03.2002
69198
www.pflege.de
Genau Elisabeth,
in bezug auf Pflege handeln wir als ob wir im Armenhaus leben würden, die unqualifiziertesten und unmotiviertesten Arbetiskräfte werden ausgegraben und die Qualifiziertesten mit möglichst viel Verwaltungsmüll zugeschütet!

Wer Patientennah arbeiten möchte wird dadurch bestraft das er dann schlechter bezahlt wird als diejenigen die sich auf die Verwaltung verlegen, eine absolut tödliche Entwicklung innerhalb der Pflege in zweifacher Hinsicht!

Wer sich besonders mit Patienten abgibt und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln wir in vielen Instituionen dafür bestraft, indem seine Arbeitsleistung schlecht bewertet wird!

Harry
 
Qualifikation
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fachgebiet
Orthopädische Uniklinik Heidelberg
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo Luna,

was ändert sich? Als erstes hat sich die zu pflegende Klientel in den letzten Jahren geändert: mehr alte multimorbide Patienten. Sind wir darauf eingestellt mit unseren Angeboten? Es kann doch nicht sein, daß wir zur Gerontologie nur sehr sporadisches Wissen haben.
Als nächstes reicht das Geld im Gesundheitswesen nicht mehr für alles. Es muß gespart werden. Wo sparen wir? Wir reduzieren unsere ureigensten Tätigkeiten zugunsten von artfremden Tätigkeiten... und fühlen uns gut dabei. Ist dir schon mal aufgefallen wie Kollegen ihre Arbeit beschreiben: Ich habe <u>nur</u> gewaschen, <u>nur</u> gefüttert, <u>nur</u> gelagert.... <u>aber</u> ich habe die Infusion richtig eingestellt, <u>aber</u> ich habe den Perfusor angepaßt, <u>aber</u> ich habe i.v. Medikamente gegeben. Was ist wertvoll in unserer Tätigkeit? Sagt die Beschreibung nicht schon genug? Und dann will ich dieses doch scheinbar wertlose, die einfache Pflege, verkaufen?
:confused:
Und wenn man Pflegekräfte so beobachtet, dann wird viel Zeit mit jammern verbracht. Jammern entlastet, bringt Aufmerksamkeit,man hofft auf Mitleid. Mitleid kommt von der Gesellschaft nur solange, solange es kein Geld kostet. Dann schlägt die Gesellschaft zurück mit der Frage: was macht ihr denn mit dem vielen Geld.
Wir müssen endlich begreifen, das man einen Euro nur einmal ausgeben kann...auch im Gesundheitswesen. Daran führt leider kein Weg vorbei. Wir müssen anfangen betriebswirtschaftlich zu denken,ansonsten gehen wir unter. Den Verwaltungsmenschen kann man nur begegnen, wenn man ihre Taktik versteht und wenn man seine eigenen Vorstellungen begründen kann. (siehe: Was ist Pflege?)
Wie steht es damit, auch ungewohnte Lösungswege zu gehen? Dienstzeiten (ich sage nur Kernarbeitszeiten), die den Bedürfnissen der Patienten/ Bewohner entsprechen, optimale Ausnutzung der Dienstzeit unter Verzicht einiger lieb gewordener, aber nutzloser Gewohnheiten, Optimierung von Arbeitsabläufen, zielorientiertes Arbeiten anhand einer Pflegeplanung die mit dem Patienten/ Bewohner gemeinsam erstellt wurde, Abschaffung von unnötigem Schreibkram der oft nicht mal das Papier wert ist auf dem er steht,und,und, und. Und wenn all diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, und ich kann meiner Grundaufgabe nicht mehr nachkommen, dann und erst dann ist er da: der Pflegenotstand. Denn ich denke, viele Einrichtungen wissen noch gar nicht was Pflegenotstand bedeutet.
Aber jede Veränderung bringt Unruhe und der Weg zum Ziel ist nicht immer eben und oft verschlungen. Das ist unbequem. Und ist unser liebster Satz nicht: Kleine Brötchen backen!

Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
S

Simon Joerg

Mitglied
Basis-Konto
27.03.2002
Ich bin genau einer Meinung mit Elisabeth.
Erstmal muss sich die Pflege selbst finden und definieren. Es herrscht doch uneinigkeit von der Definition von Pflege in allen Bereichen.
Wenn wir uns einig sind und alle Ressourcen (außerhalb der alten Routineprogramme) genutzt haben, können wir auch laut Forderungen stellen.
 
Qualifikation
Krankenpfleger Student der Pflegepädagogik
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
A

AGru

Mitglied
Basis-Konto
29.04.2002
Hallo, auch bei uns im Hause entwickeln sich die Dinge aus meiner Sicht sehr unvorteilhaft für die Pflege. In dem großen Trubel um die Umstellung auf EDV gestützte Dokumentation und Einrichtung des Qualitätsmanagements ging uns die PDL flöten, für mich in einer Situation, wo wir uns anschicken sollten, unsere Vorstellungen und Ziele klarer und lauter kundzutn. Wenn dann unserer Berufsgruppe sozusagen der Kopf abgeschlagen wird, ist die Verwirrung groß; auch wenn eine neue PDL eingestellt wird, wann? Bis dahin kann viel passieren.
Zu diesem aktuellen Geschehen kommen die bereits in den anderen Beiträgen genannten Probleme hinzu, was das Arbeiten.. ich weiß nicht wie.. werden läßt, ich habe mich aber schon besser gefühlt.

Zu dem sehe ich die Einstellung der Pflege ähnlich wie Elisabeth. Wie in einem anderen Forum schon einmal geschrieben, sehe ich die Tendenz, dass wir eher berufsfremde Tätigkeiten hervorheben und gerne übernehmen, unsere eigentlichen pflegerischen Aufgaben nicht. Über unser Berufsbild, so wie es Andere sehen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn ich meine Aufgaben mit 'nur' selber geringschätze. Ebenso denke ich aber, dass es wirklich Zeit ist, wie hier bereits gesagt, uns den wirtschaftlichen Anforderungen zu stellen. Doch nicht auf Kosten pflegerischer Aufgaben. Wir sollten, nein, wir müssen anfangen, unsere Leistungen wirtschaftlich zu erfassen und zu beurteilen. Denn nur so werden sie für berufsfremde Gruppen verständlich und erklärbar. Das ist für mich doch ein Anreiz, alte Strukturen und Handlungen, mit denen wir nicht glücklich sind, aufzubrechen und abzulösen. Für mich ist Wirtschaftlichkeit und Pflege kein grundsätzliches Probelm. Die sich abzeichnenden Tendenzen allerdings bereiten mir Sorgen.
Sorgen machen mir auch viele Kollegen. Aus meinem Umfeld sehe ich wenige, die sich für diese Problematik interessieren. Ich würde meine Kollegen mehr an die Berufspolitik heranbringen, aber wie, wenn sie in zunehmenden Maße froh sind, nach 8 Stunden das Gesundheitswesen hinter sich zu lassen? Wie kann man da 'starke Teams' bilden? Ohne die es sicher schwer wird, Pflege noch weiter voranzubringen. Habt ihr da Tipps und Tricks für mich, na dann mal los. :smile:
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Gastroenterologie/stv. Stationsleiter
B

Bobbel

Mitglied
Basis-Konto
15.04.2002
Hallo,

manchmal frage ich mich, was ich bin:
-ein Arbeitnehmer, der seine eigenen Interessen im Auge hat
-ein Arbeitgeber, der den Profit berücksichtigen muss
-ein Engel der Kranken, der die Interessen der Patienten vertritt

oder bin ich ein ganz normaler Mensch, der daran denkt, dass er seine Familie ernähren muss, dabei aber nicht vergisst, dass er durch Entgegenkommen am Arbeitsplatz, dazu beiträgt, seinen Arbeitsplatz zu erhalten und aus beruflichem und menschlichem Ethos, seine ihm anvertrauten Patienten gut versorgen möchte.

Meiner Meinung nach, greift Eins ins Andere.

Wenn es mir gut geht:
-hat der Arbeitgeber weniger Kosten, da er keine Ausfallzeiten oder Ersatz bezahlen muss.
-durch meine Motivation geht es den Patienten gut.
-Wenn es meinem Arbeitgeber gut geht, geht es auch mir gut, denn dann habe ich genügend Kollegen und kann an Fortbildungen teil nehmen und muss keine Überstunden schieben.

Wenn es meinen Patienten gut geht, geht es uns Allen gut:
-Nachfrage meiner Pflegeleistungen, durch gute Werbung
-genügend Geld für FB usw.
-Motivation
-Freude am Leben

Ich, als Pflegender habe einige Wünsche und kritisiere die derzeitige Situation im Gesundheitswesen.
Warum wird Kritik gleich als Jammern ausgelegt?

Fakt ist:
-die Gelder für die Krankenpflege sind begrenzt
-die Ansprüche an Pflegeleistungen sind gestiegen
-die Ansprüche an die zu erbringenden Leistungen, der Pflegekräfte sind gestiegen
-die Vergütung der Pflegekräfte ist nicht angehoben worden
-die Möglichkeiten der Diagnostik und damit die Ansprüche an die Qualifikation der Plegekräfte ist gestiegen
-das durchschnittliche Alter der Patienten ist gestiegen und damit ist der Pflegeaufwand grösser geworden
-der Nachwuchs für die Krankenpflegeberufe fehlt

Durchhalteparolen sind meines Erachtens nicht angebracht.

Gruß
Bobbel
 
Qualifikation
KS
Fachgebiet
verschiedene
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo AGru
da sehe ich ein kleines Problem. <BLOCKQUOTE>quote:</font><HR>
Wir sollten, nein, wir müssen anfangen, unsere Leistungen wirtschaftlich zu erfassen und zu beurteilen. <HR></BLOCKQUOTE>
Da laufen ja schon viele Bemühungen. Standards sollen die Arbeit beschreiben. Richtlinien werden erstellt. ... Und bringen im Endeffekt doch keine Besserung. Weil ein wichtiger Aspekt vergessen wird: es fehlt das Ziel, das Lieschen Müller von der Nettokasse auch als sinnvolles Ziel erkennt und bezahlen will. Wir verlaufen uns mit unseren immer fantastischer werdenden Ideen, was ein Mensch wirklich braucht. Dabei liegt das einfache oft direkt vor einem, aber wir können es nicht wahrnehmen vor lauter Checklisten. Wir wissen nicht, ob wir biomedizinisch oder psychologisch begleitend oder ganzheitlich (was auch immer das sein mag) pflegen wollen. Und jeden Tag kommt eine neue Idee aus den Führungsetagen, wie denn gepflegt werden sollte, meist als Dienstanweisung. Das erleichter das Verfahren. Widerspruch wird im Keim erstickt. Da gab es ein doch ein Studienergebnis. falsch interpretiert- macht nichts, morgen machen wir genau das Gegenteil von heute... selbstvertsändlich nach Dienstanweisung. Sonst verliert man ja die Übersicht. Und dann erwarten wir kreative, selbständig denkende Pflegekräfte.?
Pflege wird sich nicht entwickeln, solange wir konservative hierarchische Strukturen festmauern. Verändern muß sich das ganze System. Aber wer hat daran schon Interesse?

Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
B

Bobbel

Mitglied
Basis-Konto
15.04.2002
Hallo Elisabeth,

Das ist mir zu theoretisch.

Gruß
Bobbel
 
Qualifikation
KS
Fachgebiet
verschiedene
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo Bobbel,
was ist zu theoretisch? Vielleicht kann ichs dann noch mal anders erklären.
Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

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