Patientenverfügung

leaving-the-moon

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AW: Patientenverfügung

Ich selbst kenne die Situation in Heimen nicht aus eigener Erfahrung und ich möchte auch niemand einen Vorwurf machen - mitnichten.
Ich finde allerdings, dass solche wichtigen Informationen dem gesamten Team bekannt sei müssten - also der von mir geschilderte Fall z.B. Frau XY schwerst pflegebedürftig, Epileptikerin.... hier folgt schon an die eine Pflegekraft die Info, hier muss sie folgen! was zu tun ist wenn die Bewohnerin einen Anfall bekommt.

Ich denke es ist zu viel verlangt von jedem Bewohner die Patientenverfügung in allen Einzelheiten im Kopf zu haben - natürlich nicht. Aber das Vorhandensein einer solchen sollte schon bekannt sein.

Ein Notfall ist ein Notfall ist ein Notfall. Der etwas gebrechlichen aber ansonsten rüstige und geistig fitten Bewohnerin, die ich mit Atemnot antreffe würde ich auch einen Notartzt zukommen lassen, natürlich - ggf. ist ihr mit etwas Lasix nämlich schon geholfen.
Beim bettlägrigen multimorbiden Bewohner allerdings stellt sich die Frage ob man hier in jedem Fall einen Notarzt braucht - und da sollte man dann schon Bescheid wissen ob es Anweisungen für diesen Fall gibt. Dort tut es unter Umständen auch der Anruf beim Hausärztlichen Notdienst.

Es mangelt hier an der Zusammenarbeit aller Beteiligten und damit einem unzureichenden Austausch von Informationen - hierbei mache ich den Pflegekräften den geringsten Vorwurf. Sich mit dem Tod und seinen mögichen Umständen auseinanderzusetzen macht niemand gern - weder Angehörige und viele Ärzte auch nicht. Hier wird am falschen Ende die Investition von Zeit und Geld gespart zum Leidwesen derer, die sich nicht mehr wehren können.

Die Notärzte möchte ich hierbei tatsächlich weitgehend aus der Verantwortung nehmen - denn sie sind naturgemäß diejenigen, dafür da sind in jeder möglichen Konstellation und allen möglichen Umständen zunächst einmal schnell und folgerichtig zu handeln um Leben zu gewährleisten - ALLES andere kommt danach. Dies ergibt auch SInn, denn die meisten Menschen würden im Nachhinein das Handeln des Rettungsteams befürworten und die allermeisten tun es, sofern noch dazu in der Lage, auch schon währenddessen. Von diesem Fall wird erst einmal ausgegangen: Was häufig ist ist häufig und was selten ist ist selten.
Alter allein ist kein Kriterium für ein Nichteingreifen oder Zuschauen. Müssten Rettungsteams erst noch eruiren ob es womöglich eine Willenserklärung seitens eines Patienten gäbe würden die Chancen all derer, die von den Basismaßnahmen gerne profitieren, dramatisch sinken und dies kann nicht Konsens sein.

Solange allerdings in dieser Gesellschaft kein Umdenken stattfindet - und ich kann keines sehen - werden solche tragischen Fälle immer und immer wieder passieren. Dabei sind die Menschen, richtig aufgeklärt, in der Regel sehr wohl entscheidungsfähig - leider passiert dies meist erst, wenn das Kind schon im Brunnen liegt, sprich die Mutter am Beamtungsgerät hängt.

Ganz hervorragend empfinde ich das Verhalten der PK in dem von thorstein geschilderten Falle. Dabei ist es völlig unerheblich ob der Notarzt pikiert war - sowas muss man auch mal aushalten können. Aus seiner Sicht hat er ja recht - so what - kein Grund sich aufzuregen. Schlussendlich ist das richtige dabei herausgekommen.
 
Qualifikation
PFK Intensiv und Anästhesie
Fachgebiet
Freiberufler, Intensiv und Anästhesie
Weiterbildungen
abgebrochenes Studium von anno dunnemal, FWB Anästhesie und Intensiv, FWB Stationsleitung, Peer Toutoring Kinaesthetics,
Joan Doe

Joan Doe

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AW: Patientenverfügung

Gibt es denn in Heimen die Möglichkeit - wie im amb. Bereich - im Zimmer so eine Art Doku zu hinterlegen, wo man auf den ersten Blick sehen könnte ob eine PV vorliegt?
 
Qualifikation
Altenpflegerin/Sozial- und Pflegeberater in der Altenhilfe
Fachgebiet
Arbeitsuchend
Sonnensturm

Sonnensturm

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AW: Patientenverfügung

Warum soll bei Heimbewohnern diese Doku im Zimmer sein? Datenschtutz?
Es reicht ein Eintrag auf das Stammblatt oder mit "Reitern" kennzeichnen.
:eek:riginal:Sonnensturm
 
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Krankenschwester
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thorstein

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AW: Patientenverfügung

Ich hatte eine Bew, die für den Fall, dass sie nicht mehr anprechbar vorgefunden hat, festlegte, dass alle erdenklichen Massnahmen zu ihrer Rettung einzuleiten sind. Also allein die Tatsache, dass eine PV vorliegt, hilft nicht unbedingt weiter. Häufig sind Patientenverfügungen auch mehr als schwammig formuliert: z.B. im Fall, dass der Sterbeprozess schon eingetreten ist oder das Ableben ist vorhersehbar oder falls mit schweren Hirnschädigungen zu rechnen ist.
Insgesamt halte ich Patientenverfügungen für eine Erleichterung im Entscheidungsprozess. Der niedergeschriebene Wille ist mir allemal lieber als der mutmassliche, um den sich dann die Angehörigen streiten. Aber es wäre auch naiv, zu glauben, mit einer PV wären alle Eventualitäten abgedeckt und jede Entscheidung liegt auf der Hand. Nach bestem Wissen und Gewissen bleibt als Maxime alternativlos (Entschuldigung: mir gefällt diese Merkel-Sprechblase einfach zu sehr.)
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
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