Patientenverfügung meines Vaters

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Gazelle79

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04.05.2022
Stuttgart
Hallo zusammen,

Mein Vater ist mit 65 am 19.3. verstorben. Nach einer Rücken OP. Es sollten Wirbel eingehängt werden. Er war vorerkrankt. Mit Rheuma, und hatte im Mai 2020 3 Stents bekommen. Er blieb zunächst 1 Nacht auf intensiv. Danach ging es bergab. Nierenversagen, künstliches koma, 3 mal Dialyse. Dann ein Schlaganfall während dem KH Aufenthalt.
Zwischendrin ging es leicht bergauf. Dann wieder bergab. Erst hiess es die Nieren könnten sich wieder fangen. 2 mal konnte ich ihn besuchen. 1 mal im Koma. 1 mal nach dem Koma bzw. nach dem Schlaganfall. Er starrte an die Decke. Zeigte keine Regung, weder körperlich noch sprachlich. Aber 2 mal schaute er in meine Richtung.
Dann ... Tage später hiess es er habe gesagt er will heim. Und etwas trinken - erzählte der Arzt.
Am Donnerstag 18.3. hiess es er könne in der kommenden Woche auf die Schlaganfall Station. In der Nacht dann Nasenbluten. In die Lunge. Am 19.3. wurden wir angerufen zum Gespräch "was man noch macht" Seine Frau, meine Schwester und ich waren dann dort.
Der Arzt meinte wir gehen erst mal zum Patienten ins Zimmer. Dort hiess es (mein Vater war NICHT mehr im Koma!):

Er würde das Krankenhaus als Pflegefall verlassen. Und als nächstes käme der Luftröhrenschnitt. Der Arzt sagte es müsse ein Wunder geschehen.
Wieso führt man solche Gespräche am Bett?!
Aber keiner von uns hat reagiert. Ich hätte sagen sollen "Moment wir gehen nach draussen"

Mein Vater hatte eine Patientenverfügung. Wir haben dann in seinem Sinne entschieden dass kein Luftröhrenschnitt etc mehr gemacht wird.

Was in der Verfügung drin stand weiss ich nicht. Bis heute nicht. Er hatte sie 2016 gemacht.
Ich vermute er wollte keinen Luftröhrenschnitt.

Am 19.3. starb er morgens im Beisein seiner Frau und seines Bruders.
Ich kam zu spät.


Meine Frage... Ich weiss nicht. Der Arzt sagte er probiert alles Wenn wir es möchten. Aber er würde es seiner Frau und seinen Angehörigen nicht antun.
Ich weiss, es ist wie es ist.
Aber.. können Ärzte das wirklich so sagen dass sie wissen dass er ein Pflegefall geworden wäre?

Seit Wochen treibt mich diese Frage um.
Ich stelle mir vor dass sie vielleicht keinen bock mehr hatten, oder ein Bett frei haben wollten?

Und wieso redet man beim Patienten darüber dass man keine Chance mehr sieht?
Mein Vater war bei Bewusstsein. Was er gehört hat weiss ich nicht.
Es ist so schlimm für mich.
Als ich ging sagte ich: du bist mir so wichtig. Da riss er die Augen auf und schnaufte tief.
Das hat er doch gehört?
Was, wenn WIR sein Todesurteil gefällt haben, und er es gehört hat, und sich nicht wehren konnte. Vielleicht hätte er den Luftröhrenschnitt doch noch gerne gehabt?
 
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Keine
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resigniert

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03.01.2013
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Ihr Vater hatte eine Patientenverfügung, er hat sich also frühzeitig mit seinem Leben und Sterben/Tod auseinander gesetzt.
Der Arzt scheint die Verfügung gelesen zu haben?
Das Gespräch über die weitere Behandlung/Vorgehensweise kann man schlecht hinter dem Rücken des Betroffenen führen, oder?
Wer soll ihm dann noch in die Augen schauen können?

Auch mir waren meine Eltern wichtig, sind es noch immer, trotz ihres Todes haben sie mich nie verlassen.
Sie sind in mir - bis zu meinem Tod
 
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Gazelle79

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Ihr Vater hatte eine Patientenverfügung, er hat sich also frühzeitig mit seinem Leben und Sterben/Tod auseinander gesetzt.
Der Arzt scheint die Verfügung gelesen zu haben?
Das Gespräch über die weitere Behandlung/Vorgehensweise kann man schlecht hinter dem Rücken des Betroffenen führen, oder?
Wer soll ihm dann noch in die Augen schauen können?

Auch mir waren meine Eltern wichtig, sind es noch immer, trotz ihres Todes haben sie mich nie verlassen.
Sie sind in mir - bis zu meinem Tod
Ja sie Verfügung lag den Ärzten vor.
Mir geht es darum, dass er ja bei Bewusstsein war bei dem Gespräch. Aber sich nicht mehr artikulieren konnte. Und das empfinde ich als schlimm. Er hat bestimmt alles gehört. Ubd natürlich war es sein Wunsch dass er kein pflegefall wird. Laut seiner Verfügung.
Aber vielleicht hätte er in dem Moment noch anders entschieden und wäre lieber am Leben geblieben. Auch mit Schäden. Ich komme mir vor als hätte ich sein Todesurteil ausgesprochen.
 
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bowielein

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Bonndorf
Auch wenn die meisten Patienten nicht mehr reden können, Kopfnicken oder Zeichen mit dem Daumen geht meistens. So kann man sehr gut diejenigen noch mit einbeziehen und von den Patienten die Meinung und Wünsche einholen.
 
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Gazelle79

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Auch wenn die meisten Patienten nicht mehr reden können, Kopfnicken oder Zeichen mit dem Daumen geht meistens. So kann man sehr gut diejenigen noch mit einbeziehen und von den Patienten die Meinung und Wünsche einholen.
Nicht mal das konnte er. Ich weiss nicht ob er es anhand der Schäden nicht mehr konnte. Er konnte sich auch nicht mehr bewegen.
Vielleicht auch wegen den vielen Schmerz und Beruhigungsmitteln.
 
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weissbrk

weissbrk

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07.03.2006
Münster
Hallo Gazelle,
Erst einmal möchte ich Dir mein Beileid aussprechen zu Deinem Verlust. Es ist immer hart, einen geliebten Menschen zu verlieren.
Dann denke ich, indem Ihr bei diesem Gespräch bei Deinem Vater ward, wurde er mit einbezogen. Es ging schließlich um ihn. Ob er etwas verstanden hat oder nicht, werdet Ihr nie mit Sicherheit sagen können. Aber er hatte die Chance, zu spüren, dass er wichtig war und dass Ihr in seinem Sinne entschieden habt.
Niemand hat ein Todesurteil gefällt. Aufgrund verschiedener Dinge war seine Zeit da.
Genauso kann niemand mit absoluter Sicherheit sagen, wie sich eine Situation entwickelt, aber die Aussage, dass ein Wunder geschehen müsste und der Arzt seine Angehörigen in gleicher Situation gehen lassen würde, hätte mich vermutlich zur gleichen Entscheidung geführt - entsprechend der Patienten Verfügung keine Intensivmedizin einzusetzen.
Das wäre, was ich mir wünsche..dass meine Tochter in einem solchen Moment die Entscheidung so trifft, wie ich sie ihrer Meinung nach gewollt hätte.
Und dass sie mir noch einmal sagt und zeigt, dass ich ihr wichtig bin.
So wie ihr es getan habt.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft.
 
Qualifikation
Verwaltung
Fachgebiet
privat
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Gazelle79

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04.05.2022
Stuttgart
Hallo Gazelle,
Erst einmal möchte ich Dir mein Beileid aussprechen zu Deinem Verlust. Es ist immer hart, einen geliebten Menschen zu verlieren.
Dann denke ich, indem Ihr bei diesem Gespräch bei Deinem Vater ward, wurde er mit einbezogen. Es ging schließlich um ihn. Ob er etwas verstanden hat oder nicht, werdet Ihr nie mit Sicherheit sagen können. Aber er hatte die Chance, zu spüren, dass er wichtig war und dass Ihr in seinem Sinne entschieden habt.
Niemand hat ein Todesurteil gefällt. Aufgrund verschiedener Dinge war seine Zeit da.
Genauso kann niemand mit absoluter Sicherheit sagen, wie sich eine Situation entwickelt, aber die Aussage, dass ein Wunder geschehen müsste und der Arzt seine Angehörigen in gleicher Situation gehen lassen würde, hätte mich vermutlich zur gleichen Entscheidung geführt - entsprechend der Patienten Verfügung keine Intensivmedizin einzusetzen.
Das wäre, was ich mir wünsche..dass meine Tochter in einem solchen Moment die Entscheidung so trifft, wie ich sie ihrer Meinung nach gewollt hätte.
Und dass sie mir noch einmal sagt und zeigt, dass ich ihr wichtig bin.
So wie ihr es getan habt.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft.
Danke für deinen lieben Kommentar.

Ich konnte die Patientenverfügung gestern einsehen.
Mein Vater hatte dort beschrieben, wenn es aufgrund Hirn Schädigungen absehbar ist, dass er nicht mehr Entscheidungen treffen, Einsichten gewinnen oder mit anderen menschen in kontakt treten kann ....dass er es ablehnt, künstlich ernährt zu werden oder an die Dialyse gehängt wird, oder beatmet wird.

Das erleichtert mich etwas.
Die Ärzte haben eigebtlich schon mehr gemacht als sie sollten.
 
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