Intensiv Parenterale Ernährung auf der Intensivstation

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t.vogt

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03.08.2005
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Ich brauche Hilfe!!!

Unser neuer Oberarzt will ein neues Ernährungsschema einführen.
Alle Infusionen und parenterale Ernährungen sollen ab sofort morgens um 6 Uhr ausgestellt werden. Bei der 8 Uhr Visite soll die Ernährung für den Tag besprochen werden. Auf dem nach Visite erstellen Verordnungsplan müssen die Stationsärzte das Infusionsprogramm bis zum nächsten Morgen 6 Uhr errechnen.

Da der Verordnungsplan häufig erst mittags erstellt wird, ist der ZVK dann stundenlang nicht befahren.

Hygienische Aspekte konnten den OA noch nicht überzeugen, denn "in anderen Kliniken wird das auch so gemacht", geschweige denn von den Umstruckturierungen des Arbeitsablaufes.

Ich will dieses Schema nicht umsetzten und werde mich mit PDL und dem ärztl Direktor treffen.

Stimmen meine hygienischen Bedenken?
Gibt es Erfahrungen mit solchen Infusionsschemata?
 
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Fachkrankenpfleger für Intensivpflege
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Intensivstation/Stationsleitung
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elena

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30.07.2005
29562
Hallo,
neben deiner hygienischen Bedenken, frage ich mich, welche Rechtfertigung es dafür gibt, dem Pat. zuträglich ist, insbesondere einem Intensivpat. über einen Zeitraum von ca. 5-6Std. ihn trocken fahren zu wollen? Desweiteren, was passiert mit den bis 6.00Uhr laufenden Infusionen? Werden die dann alle verworfen? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass in der heutigen Zeit derart Geld verworfen werden soll? Es ist doch viel sinniger, bis zur erneuten Festlegung der neuen Infusionstherapie die alte aufrechtzuerhalten. Oder ist die vorangegangene so schlecht, dass man sie morgens um 6Uhr panikartig ausstellen muß.
Gruß elena
 
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fachkrankenschwester
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Manegger

Manegger

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Hallo,
ich schließe mich Elena an,
es gibt keinen Grund für eine zeitliche Umstellung mit den Folgen eines Nahrungsund Flüssigkeitsvorbehalts.
Seine Idee mit Visite und Anpassung der Ernährung ist ja auch in Ordnung, nur sie muss auch in Euren Tagesablauf passen, davon mal abgesehen, sollte man diesbezüglich schauen, was am Tagesablauf umgeändert werden kann, so dass der Plan einer Visite und zeitgerechten Umstellung entgegen kommt.

Also mehr Miteinander als Gegeneinader.
Dein Protest in Richtung PDL ist aber sicher erstmal in Ordnung, hygienische, vor allem aber das Recht des Patienten auf eine kontinuirlich Behandlung und Ernährung, und nicht zu letzt wirtschaftliche Interessen sind zu überprüfen!

Gruß
klaus
 
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Dipl.Pflegewirt
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t.vogt

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03.08.2005
60316
vielen dank elena und klaus.

es geht hier wirklich eher um machtspielchen unseres OA. aber da ich seinen anordnungen nicht folgen will, bin ich derjenige der ihm beweisen muss warum es nicht im interesse des patienten ist wenn das infusionsprogramm um 6 uhr beendet wird und der ernährungsschenkel unbefahren bleibt. konzentrationsspitzen bestimmter nährstoffe werden jetzt zwangsläufig folgen, aber seiner meinung nach ist das ja in anderen kliniken auch so. leider finde ich weder im larsen, im wigger/knipfer, noch im intensivleitfaden geeignete kapitel die sich mit der dauer der parenteralen ernährung befassen.

wisst ihr noch einen rat??
 
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Fachkrankenpfleger für Intensivpflege
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Isis

Isis

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16.05.2005
2
Hallo,
ein Argument, welches auch einem OA einleuchten sollte: Was passiert mit einem ZVK, über den keine Infusion gegeben wird???
Ich habe mal gelernt, daß bei einem ZVK immer, wirklich immer, eine Infusion laufen muss, da sich sonst ein Thrombus an der Katheterspitze bildet, was natürlich dramatische bis tödliche Konsequenzen hat. Zwar gab und gibt es Pflegepersonal und auch Ärzte, die meinen, man könnte einen ZVK für wenige Minuten abstöpseln, wenn man vorher und nachher mit etwas Heaprin Thromboseprophylaxe betreibt, aber uns wurde beigebracht, daß sowas Unsinn und gefährlich ist, und das leuchtet mir auch ein.
Außerdem, wie meine Vorredner schon sagten: Ist das Infusionsprogramm so mies, daß es Punkt 6 Uhr panikartig beendet werden muss??? Kann man das "Trockenliegen" der schwerkranken Patienten irgendwie rechtfertigen??? Oder hat ein OA bloß gerade einen Höhenflug???
Ich drück' Dir die Daumen!!!
 
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Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
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UlrichFürst

[...] aber seiner meinung nach ist das ja in anderen kliniken auch so. [...]
Die anderen machens auch alle falsch. Na toll :sick:
Und das ist ein "Argument" von jemandem der einen so genannten "Akademischen" Beruf ausübt? Wie wär's mit 'ner wissenschaftlichen Argumentation seinerseits, anstatt eines leerren wischiwaschi Arguments?!

Ulrich
 
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diplips

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06.08.2005
8400
Ich würde mal nach einem sinnigen Grund fragen, weshalb unbedingt um 6.00 Uhr abgestellt werden muss.
Weshalb kann man sich nicht darauf einigen, dass man zum Zeitpunkt der Diskussion, sprich zur Visite umstellt.
Immerhin war das Ernährungs- und Infusionsmanagement bis 6.00 Uhr auch in Ordnung, und mir würde kein Grund einfallen, weshalb man das akut um 6.00 Uhr ändern müsste.

Bei uns wird am Vorabend der Therapieplan für den folgenden Tag geschrieben, und wenn es da Änderungsbedarf gibt, sind wir, als PFlegefachmenschen, so spontan und flexibel, um das jederzeit zu ändern.
 
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moinblau

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11.12.2002
27246
Hallo
Vieleicht überzeugst du deien OA mit der Norwalk Studie ( Kontnuierlicher HGT um 100) den wenn du die Ernährung abstellst geht der HGT in der Regel in den Keller was zu einer deutlich schlechteren Prognose bei den Patienten führt.

Gruss Rolf
 
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Intensiv, Leitung
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t.vogt

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03.08.2005
60316
hallo rolf,
vielen dank für deinen beitrag. kannst du mir noch mehr infos von der norwalk-studie zukommen lassen....finde im internet irgendwie nicht das richtige. da wird eher der norwalk-like virus beschrieben, und sicher hat die von dir zitierte studie nichts damit zu tun.
vielen dank im vorraus
 
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Fachkrankenpfleger für Intensivpflege
Fachgebiet
Intensivstation/Stationsleitung
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benutzername

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02.01.2006
86156
Erstens
haben wir auf Intensivstation schon genug, worauf wir achten müssen. Jetzt müsst Ihr um 6:00 Uhr noch aufpassen, dass parallel zum Abschalten der Ernährung der BZ engmaschiger überwacht und ggf. die Insulindosis angepasst wird.

Zweitens:
Ist Ernährug kein Notfallmedikament.
Was schadet es, sich heute über eine Ernährungsumstellung Gedanken zu machen und diese dann morgen umzusetzen?

Gruß
 
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Gesundheits- und Krankenpflegekraft
Fachgebiet
Krankenpflege
HBR69

HBR69

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05.10.2000
58644
Hallo,

weiß zwar nicht ob es ihrgendwie hilft aber habt Ihr mal über eine frühzeitige enterale Ernährung nachgedacht?? Wir machen das schon seit Jahren und haben dadurch kaum noch parenterale Ernährungen laufen!
Gerade bei "Sepsis" ist das durchaus sinnvoll frühzeitig "umzustellen"!

Ansonsten verstehe ich auch nicht so ganz warum Euer OA so Probleme mit der "Infusionstherapie" ab 06.00 Uhr hat. :wassat: Selbst wenn das Schema geändert werden soll ist dies doch eigentlich kein Problem. Wir richten uns hauptsächlich nach der Stoffwechsellage (BZ).

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
B

bikerin

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04.01.2006
81737
bei uns werden die sachen um 16uhr umgestellt, wenn sie was umstellen!
da sind wir eh dabei die sachen neu aufzuziehen und das *schlauch*system zu erneuern
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
chir. ITS
G

gwagnitz

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08.12.2005
22767
Hallo!
Also,etwas derart Absurdes habe ich ja schon lange nicht mehr gehört!Ich renne damit wohl offene Türen ein,wie ich den vielen Antworten auf deine mail schon entnehmen kann,aber euer OA sollte wirklich einige Nachhilfestunden in Intensivmedizin nehmen!!!
Ein stundenlanges Absetzen der Ernährung ist nicht nur nachteilig für den Stoffwechsel d. Pat.,sondern auch aus hygienischer,organisatorischer und ökonomischer Sicht durch und durch unsinnig!!!
Mir fehlen weitere Worte.......
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
med. Intensivstation
K

Katarina

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06.01.2006
98530
Hallo,

ich kann mich den vorherigen Beirägen nur anschließen.
Schenk Deinem OA bitte das Buch "Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege" von Leo Latasch und Eva Knipfer 2. Auflage. Auf Seite 642 wird u.a. z.B. die sog. "Postinfusionshypoglykämie" beschrieben. Die kann bei "abrupter Absetzung" höhere Glukosemengen entstehen.
Ich denke, die Intensivpatienten haben mit ihrem Postaggressionsstoffwechsel genug Probleme.
Und außerdem kommen die Bilanzen völlig durcheinander.

Aus hygienischer Sicht bin ich einfach nur sprachlos. Hetz doch mal die Hygieneschwester auf die Situation. Da findest Du sicher Unterstützung.

Halte durch und geb nicht auf.
Gruss
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester
Fachgebiet
interdisziplinäre Intensivstation
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