Palliativpflege im Heim

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Ich arbeite in einem Pflegeheim, in dem vorwiegend psychisch kranke Menschen gepflegt werden, die nun auch an somatischen Erkrankungen leiden. Es kam ein Bewohner nach einem kurzen KH-Aufenthalt zurück, in der Überleitung stand nichts von palliativer Versorgung. Der Pflegedienstleiter schrieb in's Berichteblatt, dass auf grund der Aussage des Hausarztes eine palliative Pflege begonnen wird. Die Tumormarker wären extrem gestiegen. Alle Medikamente wurden ordnungsgemäß abgesetzt von den Psychiatern und dem Hausarzt. Frage: Wer ordnet eine palliative Pflege an und wie muss das juristisch einwandfrei dokumentiert werden? Es steht nirgendwo, dass der Bewohner eine maligne Erkrankung hat oder dass der Betreuer informiert worden und mit den Maßnahmen einverstanden ist. Der Bewohner selbst ist wach, kann sprechen, aber auf Grund einer seit Jahrzehnten bestehenden Schizophrenie sind die verbalen Äußerungen in Bezug auf eine Willensäußerung irrelevant.
 
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josi83

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AW: Palliativpflege im Heim

Hallo,
gewöhnlicherweise gibt das KH nicht nur eine Pflegeüberleitung heraus, sondern insbesondere einen KH- Bericht für die Weiterbehandlung. Dort sollte dann alles weitere drin stehen zur Diagnostik etc. Natürlich sollte auch die Betreuung informiert werden, wenn für den Bereich der Gesundheit eine Betreuung vorliegt. Es scheint so, als sei der HA schon über den KH- Aufenthalt etc. informiert, da er bereits Anweisungen gegeben hat. Auch er kann nur mit Zustimmung der Gesetzlichen Betreuung handeln, wenn eine Betreuung für den Bereich Gesundheit vorliegt. Es kann natürlich sein, dass alles statt gefunden hat und du an die entsprechende Dokumentation nicht herankommst, bzw. unzureichend dokumentiert wurde.
Zu deiner Frage: Willst du wissen, was juristiusch einwandfrei ist, musst du einen Juristen fragen. Ärzte empfehlen dem Patienten bei nahendem Tod durch eine unheilbare Krankheit eine palliative Versorgung mit bestimmten Maßnahmen, wie z.B. absetzen lebenserhaltender/- verlängernder Medikamente, Schmerzmanagement, anordnen von Maßnahmen/ Medikamenten, die Komplikationen vorbeugen/ behandeln. Stimmt der Patient/ Betreuer diesem zu, kann man das wie eine Anordnung des Arztes und Patienten verstehen.
Dokumentiert werden müssen neben den Stammdaten etc. wozu auch die aktuellen Diagnosen gehören, der Krankenhausaufenthalt, Gespräche und Vereinbarungen mit Ärtzen, Patienten, Betreuern etc. und deren Informationen, Wünsche und Anordnungen.
Ich weiß auch nicht, was du dir genau für Sorgen machst. Medikamentenverordnungen liegen in der Verantwortung des Arztes. Du pflegst entsprechend den Badarfen, Bedürfnissen und Wünschen des Patienten und informierst den Arzt über Veränderungen (z.B. Schmerzen, Mobilität, Ängste, Ernährungszustand). Obwohl ich auch nicht wirklich verstehe, warum auch die Medikamente des Psychaters abgesetzt worden sind.
Informiere dich doch mal bei deinen Kollegen oder der PDL, wo dieser Bericht ist und ob du interessehalber mal Einsicht haben kannst.
LG
 
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AW: Palliativpflege im Heim

Hallo Josi83, vielen Dank für die prompte Antwort. Ich habe noch so einige Schwierigkeiten mit dem Procedere des Antwortens auf Antworten....
Was mich bewegt: Es ist nicht erkennbar, dass irgendjemand den Bewohner (na ja, nicht wirklich möglich), seinen Betreuer oder das Amtsgericht gefragt hat; einen mutmaßlichen Willen kann man nicht eruieren. Wer sagt mir denn, dass der Bewohner dies alles so haben will? Es muss doch aus der Dokumentation hervor gehen, welche Schritte unternommen wurden um allen Beteiligten - besonders dem Bewohner - gerecht zu werden. Ich hatte Nachtwache, es war nicht mal meine übliche Station, und mir wurde gesagt, ich könne entscheiden, ob ich eine s. c. Infusion legen will oder nicht.
Ich werde mich mit meinen Vorgesetzten in Verbindung setzen und um generelle Klärung bitten, damit niemand mehr so sprachlos Entscheidungen treffen muss.
 
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josi83

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AW: Palliativpflege im Heim

Da scheint es tatsächlich einige Kommunikationsschwierigkeiten zu geben.
Ist eine Infusion denn angeordnet? Lag es tatsächlich in deinem Ermessen darüber zu entscheiden? Wer hat dem zugestimmt, Arzt, Betreuer?
Warum sind alle Medikamente abgesetzt? Auch die vom Neurologen?

Besonders gute Übergabe/ Voraussetzungen für einen Pflegenden, der eingesprungen ist auf einer Station. Da kann ich deine Bedenken schon verstehen.
Es sollte aus der Dokumentation hervorgehen, welche Schritte der Arzt eingeleitet/ vorgeschlagen und verordnet hat. Auch wenn dieser mit dem Betreuer kommuniziert hat, dass überhaupt jemand mit diesem kommuniziert hat.
Ich glaube, da hilft nichts als fragen und eine Beschwerde über die intransparente Dokumentation.
 
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AW: Palliativpflege im Heim

Hallo Josi83! Die s. c. Infusion steht im Bedarfsblatt mit Indikation, bezieht sich auf seinen Zustand lange vor dem KH-Aufenthalt. Es hat kein Arzt in der Doku erkennbar das Wort "Palliativ..." notiert. Die Medi wurde vom HA abgesetzt, weil der Bewohner eine nicht weiter abgeklärte Schluckstörung hat, die ihn jetzt auch nur ml-weise eine orale Flüssigkeitsaufnahme erlaubt, außerdem hat er Durst, das zumindest kann er klar äüßern. Ich denke, wir beenden jetzt das Thema, weil ich wirklich den Klärungsbedarf auf Station sehe. Vielen Dank für Deinen Versuch mir zu helfen, mir ist dabei einiges klar geworden. Liebe Grüße
 
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Jana1

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AW: Palliativpflege im Heim

Hallo,
dieses Thema ist wirklich sehr interessant und ich denke das die Palliativpflege im Heim nicht immer zu gewährleistenist, weil dazu leider das Personal fehlt und die Hospitzen da sind oft keine Plätze mehr frei.
Ich habe jetzt auch so einen Fall. Die Bewohnerin hat Krebs und ihr Allgemeinzustand ist seit 2 Wochen schlechter geworden. Sie nimmt keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zu sich und kann auch nicht mehr schlucken. Das heist sie nimmt auch keine Medikamente mehr zu sich. Sie bekommt nur 250ml supc. Infusion damit sie nicht ganz austrocknet. Habe dem Arzt das erklärt, das sie alles ablehnt auch Medikamente. Er setzt die Medikamente nicht ab, er sagt wir sollen es in dem Pflegebericht dokumentieren. Wie ich das sehe, kann ich diese Aussage nicht verstehen. Diese Bewohnerin liegt wirklich im Sterben. Sicherlich steht der Artzt auch in seiner Verantwortung und darf die Medikamente nicht einfach absetzen. Wir geben sie nicht mehr und der Artzt weis auch Bescheid. Das ist alles gar nicht so einfach und jeder hat ja Verantwortung zu tragen.

Wenn Ihr ähnliche Beispiele habt, können wir uns ja austauschen.
LG Jana1:ermm:
 
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Fachgebiet
stationäre ALTENPFLEGE
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AW: Palliativpflege im Heim

Hallo Jana1! Ich arbeite auch in der stationären Altenpflege, da ergeben sich in Bezug auf palliative care wirklich zunehmend große Probleme. Wir würden in dem von Dir angesprochenen "Fall" Folgendes zu klären versuchen. 1. Kann die Dame sich dazu äußern, ob sie weiter behandelt werden möchte oder nicht? 2. Hat sie eine Patientenverfügung? 3. Hat sie Angehörige und/oder einen Betreuer? Ich war gestern auf einer Fortbildung, in der ein Palliativmediziner uns u. a. etwas über Flüssigkeitsversorgung sterbender Menschen gesagt hat: Bei Dehydratation werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet, die schmerzdämpfend und angstlösend wirken können. Natürlich gebe ich keine Rezepte, was bei dieser Dame zu tun ist, ich kann nur vermitteln, was dazu fachlich allgemein zu sagen ist. Vielleicht könnt Ihr den Patientenwillen erkunden und danach in Absprache mit allen Beteiligten mit einer palliativen Pflege beginnen. Liebe Grüße Kalorie
 
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