Octenisept + Braunol

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Haldol

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Hallo,

ich bin derzeit als Schüler in der Notfallaufnahme. Bei der Wundbehandlung hat mich meine Praxisanleiterin darauf hingewiesen, dass Octenisept und Braunol nicht gemeinsam angewendet werden sollen wegen lila-Färbung und schlechter Abwaschbarkeit. Das hab ich dann ja auch gesehen, aber sie meinte auch, dass die antiseptische Wirkung durch die Kombination beider Mittel gemindert wird. Stimmt das? Bzw. wie kann ich das herausfinden?


Ich bin auf eure Kommentare gespannt. :eek:riginal:
 
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theresa

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Informationen gibt es in der Apotheke.
Theresa
 
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Christian Kröhl

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Informationen gibt es in der Apotheke.
Theresa
Theresa, was soll denn diese - sorry, aber - besch...eidene Antwort ?! Dann halt Dich doch besser ganz zurück, bevor Du anderen Mitgliedern mit sowas vor den Kopp haust. :uuupss:

Haldol,
mir ist nicht bekannt, daß Octenisept und Braunol ihre Wirkung gegenseitig aufheben. Ich verwende das aktuell bei einem ausgedehnten Varizella Zoster bei einem onkologischen Patienten mit fulminantem Verlauf. Dabei gehe ich davon aus, daß Du das Octenisept sachgerecht anwendest und das Braunol erst auf die trockene Fläche aufbringst - also beide Präparate nach einander anwendest.

Die Fachinfo zu beiden Präparaten geben keinen Hinweis auf einen entsprechenden Wirksamkeitsverlust. Die lilafarbene Verfärbung hingegen kann ich bestätigen. Die schlechtere Entfernung der Verfärbung jedoch nicht - eher das Gegenteil tritt ein.

Bitte Deine PA doch einmal um entsprechende Unterlagen, auf die sich ihre Aussagen stützen sollen :wink: Mir persönlich erscheint das recht dünn.

Gruß,
Christian.
 
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Ameise

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Hallo Haldol,

ich kann mich an eine Herstellerinformation zu Octenisept erinnern in der die Anwendung gemeinsam mit "jodhaltigen" Produkten mit unerwünschten Nebenwirkungen beschrieben steht - muss ich in den Unterlagen suchen. :suche:
Ansonsten hilft auch die Nachfrage beim Hersteller zum Thema. Vielleicht hat auch Deine Praxisanleiterin diese Information schriftlich erhalten - frag sie doch noch mal.

Grüße von der Ameise
 
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Ameise

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@all,

die Herstellerangaben Octenisept muss ich noch durchsehen; allerdings habe ich in einem Wundjournal folgendes gefunden:
PVP Jod Präparate sollen nicht gemeinsam mit Antiseptika genutzt werden, weil es dadurch zu Inaktivierung der Wirkstoffe (von den PVP Jod Präparaten) kommt.

Gruß Ameise
 
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Christian Kröhl

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PVP Jod Präparate sollen nicht gemeinsam mit Antiseptika genutzt werden, weil es dadurch zu Inaktivierung der Wirkstoffe (von den PVP Jod Präparaten) kommt.
In gemischter Form, also gleichzeitiger Verwendung der flüssigen Substanzen ? Gibt es in dem Artikel Hinweise, daß sich das bei aufgetrocknetem Octenisept bzw. abgetrockenetem Wundareal ebenso verhält ?

Meine o.a. Wundversorgung werde ich bis dahin auf Braunol beschränken und wäre Dir sehr dankbar, wenn Du Dich dazu zeitnah noch einmal melden könntest.

Gruß,
Christian.
 
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Ameise

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Haldol

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Also wir haben damals eine Schnittwunde vor dem Nähen mit einer "Octenisept-getränkten" Mullplatte abgedeckt und danach noch mit Braunol desinfiziert,also der Chirurg und ich. Der wusste davon auch nix, meine Anleiterin hat uns dann ja angefahren deswegen, die ist auch Wundexpertin. Ich weiß auch nicht.
 
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Napster

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Hi @ all,

Ich habe noch nie Octenisept und Braunol parallell benutzt, getrennt hingegen oft. Entweder - oder !
Mir leuchtet auch nicht ein, welcher Effekt zu erwarten sein soll, wenn man sie nacheinander anwendet - eine Keimreduktion erwarte ich von beiden (das macht ja erst den Sinn eines Desinfektionsmittels aus !), kann mir aber nicht vorstellen, daß diese effektiver ausfällt.
Auch das Argument, mit 2 angewendeten Desinfektionsmitteln eleminiert man ein breiteres Spektrum von Erregern als mit nur einem, kann ich kaum gelten lassen, denn dann würde man stets eine Kombination aus beiden anwenden - oder aber die Pharmaindustrie würde sie bereits fertig gemischt auf den Markt bringen, mit dem Ziel einer weitestgehenden Keimarmut.

MfG
Napster
 
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lemuelreist

Hallo zusammen!
Ich finde, dass die Auskünfte, die bei Sellmer zu finden sind, eine letztlich gute Argumentationshilfe bieten. Die erste Schau auf das Material zur Kombination von Octenisept und Braunol stellt meiner Meinung nach kein obsolet dar, lediglich ist je nach Anwendungsgebiet ein cave oder eine relative Kontraindikation angezeigt.

Bis denn,
Lemuel
Willkommen auf der Downloadseite von Werner Sellmer
 
Die Jette

Die Jette

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Hallo
Also wir haben damals eine Schnittwunde vor dem Nähen mit einer "Octenisept-getränkten" Mullplatte abgedeckt und danach noch mit Braunol desinfiziert,
Seid mir nicht böse, aber dazu fällt mir nur ein: Doppelt hält besser! :thumbsup2:

LG
Jette
 
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Christian Kröhl

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Ich habe noch nie Octenisept und Braunol parallell benutzt, getrennt hingegen oft. Entweder - oder !
Mir leuchtet auch nicht ein, welcher Effekt zu erwarten sein soll, wenn man sie nacheinander anwendet - eine Keimreduktion erwarte ich von beiden (das macht ja erst den Sinn eines Desinfektionsmittels aus !), kann mir aber nicht vorstellen, daß diese effektiver ausfällt.
Der Hintergrund ist einfach erklärt, Napster.
Octenisept hat lediglich im wässrigen Zustand eine tatsächlich relevante Wirkung. Bereits abgetrocknete Gebiete bieten keinen weitergehenden Schutz vor Neuinfektionen bzw. Neuansiedlung. Braunol oder ander PVD-jod haltige Substanzen hingegen besitzen diese Wirkung auch noch Stunden nach der Auftrocknung. Nicht ohne Grund ist dieser Wirkstoff das Haut- und Flächenantiseptikum der Wahl in wohl annähernd allen bundesdeutschen Operationssälen.

Ein erwünschter Nebeneffekt bei meinem Pat., ist die partielle Austrocknung der Wundareale des Varizella Zosters und der offenen Blasen.

Und daher durchaus: ja, doppelt hält (bzw. heilt) in diesem Fall tatsächlich besser.

Gruß,
Christian.
 
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Die Jette

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Hallo Christian,
Octenisept hat lediglich im wässrigen Zustand eine tatsächlich relevante Wirkung. Bereits abgetrocknete Gebiete bieten keinen weitergehenden Schutz vor Neuinfektionen bzw. Neuansiedlung. Braunol oder ander PVD-jod haltige Substanzen hingegen besitzen diese Wirkung auch noch Stunden nach der Auftrocknung.
... woher hast Du diese Info?

Hier ein Zitat aus:
http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Lokaltherapie/Octenisept%20Vertraeglichkeit.pdf -
Seite 2 Abs.1
Bei weiterführenden Zellkulturtests konnte allerdings gezeigt werden, dass Octenidin mit
Zellen bzw. Proteinen starke Wechselwirkungen eingeht und Komplexe bildet, die unter
Erhalt der antimikrobiellen Wirksamkeit eine stark reduzierte Cytotoxizität aufweisen (Krameret al. 2006). Das ist eine ungewöhnliche, bisher nicht beschriebene Wechselwirkung einesAntiseptikums mit Zell-, Gewebe- bzw. Matrixbestandteilen.
Diese Eigenschaft wirkt sich in vivo günstig auf die Verträglichkeit aus, weil nur die oberste
Zellschicht mit dem Wirkstoff exponiert wird und dieser aus den gebildeten Komplexen in
geringen nicht zytotoxischen Konzentration wieder in die Umgebung abgegeben wird und
damit weiter bioverfügbar bleibt. Zugleich ist denkbar, dass durch die „Wundversiegelung“
die nachfolgende bakterielle Kolonisation unterbunden wird.

Was soll Mann/Frau denn nun glauben??:sick:

LG
Jette
 
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... woher hast Du diese Info?
Aus meinen Unterlagen, nur leider ohne Quellenangabe :blushing: .

Mich hat das jetzt so sehr gefuchst, daß ich bei den Herstellerfirmen Braun und Schuelke & Mayr angerufen habe, nachdem in den entsprechenden Fachinfo-Services zu dieser Fragestellung keine eindeutigen Angaben zu finden waren.

Was sich bei diesen Telefonaten jetzt heraus kristallisiert hat, ist folgendes:
  1. In den Fachinfo-Services wird bei der Kombination beider Präparate, bzw. der zeitnahen Anwendung eine lila Verfärbung erwähnt, jedoch kein Wirksamkeitsverlust - weder des einen, noch des anderen Präparates - beschrieben. Tatsächlich oxidiert jedoch der Wirkstoff von Octenisept (Octenidindihydrochlorid, Phenoxyethanol) mit dem des Braunol (Povidon-Jod, 10% frei verfügbare Jod-Ionen) und inaktiviert damit dessen antiseptische Wirkung teilweise.
  2. Die Angabe, das Octenisept lediglich in wässrigem Zustand über desinfizierende Wirkung verfügt ist nicht richtig. Im Gegensatz zu alkoholischen Desinfektionsmitteln verdunstet der wirksame Bestandteil des Octenisept nicht, sondern bildet - wie Povidon-Jod auch - einen Oberflächenfilm mit einer antiseptischen Wirksamkeit von bis zu 24 Stunden.
Ich denke das lässt wenig Fragen offen und führt für mich zu dem Schluß, daß ich meine Wundbehandlung dringend ändern muß.

Gruß,
Christian.
 
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Danke Christian,
für Deinen Einsatz:thumbs:.
Ich glaube, nun haben wir gemeinsam unser Wissen mal wieder aufgefrischt.

Danke an alle, die einem helfen,
mal hinter die Routine zu schauen.:suche:

LG
Jette
 
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deern

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Hallo,

jetzt bin ich irgendwie verwirrt. Wir arbeiten tatsächlich auch so, das eine Wunde erst mit Octanisept gereinigt wird, und dann mit Braunol versorgt wird. Jetzt wo ich das alles so lese, fällt mir auf ,das es nicht wirklich Sinn macht. Will das mal mit unserem Wundberater besprechen. Manche Dinge tut man einfach ohne über Sinn nachzudenken.
Find ich erschreckend

Gruß, Deern
 
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matras

Hallo,

die lila Färbung ist durch den Jod beziehungsweise Stärkeanteil von Poloyvidon respektive Octenidin zurückzuführen. Das heißt, dass wirksame Bestandteile der beiden Wirkstoffe eine chemische Reaktion eingehen. Was dabei entsteht ist nur eingefleischten Chemikern wirklich klar. Außerdem ist im Arzneimittelgesetz definiert, wer Arzneimittel mischen darf und wer nicht. Ob ich diese in Vitro oder in vivo mische (im Tiegel oder am Menschen) ist dabei unerheblich....

wollte mal diesen Aspekt einsteuen!

Gruß Matras
 
jackdanielsx84x

jackdanielsx84x

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Genau! :)
Das ist wie Desinfektionsmittelflaschen selbst befüllen. :) "Verboten"

Wir benutzen eignetlich kaum noch Braunol, da es ja, ohne Mischung, schon lustig färbt.
Daher Octenisept.....farblos :)

Gruß
Dennis
 
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Schatti

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Hallo,

Außerdem ist im Arzneimittelgesetz definiert, wer Arzneimittel mischen darf und wer nicht. Ob ich diese in Vitro oder in vivo mische (im Tiegel oder am Menschen) ist dabei unerheblich....

wollte mal diesen Aspekt einsteuen!
dann dürften ja nie zeitgleich zwei oder mehr Arzneimittel an einem Patienten angewandt werden.
Der Sachverhalt der sich hier aus der Diskussion ergibt ist sicherlich nicht mit dem Begriff "Herstellen" zu identifizieren, den das Arzneimittelgesetz klarstellt und entsprechenden Institutionen und Personen vorbehält.

Anders ist es ohne Frage, wenn vor Anwendung am Mensch oder Tier zwei Arzneimittel miteinander kombiniert werden - was sich letztendlich aber in vivo abspielt wird vom AMG nicht erfasst und wäre in seiner Fülle ja gar nicht formulierbar.

Gruß,
Schatti
 
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