Allgemeinchirurgie Oberarmgips / Armschlinge ?

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H

healer13

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12.04.2006
60388
Hallo,
wie ist Eure Meinung bzw. wie wird es in Euren Häusern gehandhabt, wenn ein Patient einen Armgips bekommt; mit oder ohne Armtrageschlinge? Hierzulande scheint das ja eher unüblich zu sein. Während eines halbjährigen Praktikums in den USA habe ich in der Chir. Ambulanz ('Emergency Room') gearbeitet, dort war es Standard, allen Gipsarm-Patienten eine Schlinge zu verpassen.
Dabei muss erwähnt werden, dass in den USA Weissgips nur höchst selten verwendet wird, sondern ausschließlich Castverbände in allen bunten Farben. Und egal ob Unter- oder Oberarmverband - alle Patienten (ob jung oder alt) erhalten eine Armschlinge. Diese muss nicht selbst gebastelt werden, sondern es gibt fertige, taschenartige Schlingen für Kinder und Erwachsene, deren Gurt über die gegenüberliegende Schulter geführt wird, so dass das Gewicht nicht auf dem Hals lastet.
In Deutschland wird wohl wegen der Verklebung der Gelenkkapsel (Schulter) oder Druckschmerz im Nacken auf eine Schlinge verzichtet.
Oder gibt es noch andere Gründe? Kosten?
Warum existieren hier zwei unterschiedliche Philosopien? In den USA Schlinge schon bei Unterarmverbänden und bei uns werden Oberarmgips-Patienten, die sich selbst eine Schlinge basteln (Halstücher, Schals, etc.) nachhaltig ermahnt, keine Schlinge zu verwenden, um Schulterbeschwerden zu vermeiden.
Wie seht Ihr das? Gibt's irgendwo Publikationen zu dem Thema?
 
Qualifikation
Student
Fachgebiet
Chirurgie
S

Sven66

Neues Mitglied
Basis-Konto
11.03.2006
79183
Wenn der Unterarm gebrochen ist glaube ich persönlich nicht dass man sich beim jungen dynamischen Patienten darüber Gedanken machen muss, dass gleich morgen die Schulter steif ist.
Beim älteren Patienten der vielleicht noch eine Ohmartrose hat, wäre ich dabei aber schon ein wenig vorsichtiger...
Aber ich denke in diesem Zusammenhang dass beide Mentalitäten (die Amerikanische und unsere) grundverschieden in unterschiedliche Richtungen gehen und das wirklich sinnvolle liegt (wie so oft) irgendwo dazwischen. Vielleicht sollte man sich dann und wann über Standard 0815/23b hinwegsetzen und den eigenen Kopf benützen (Das nur am Rande, Sorry)
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Traumatologie
Bethke Axel

Bethke Axel

Mitglied
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27.02.2002
24118
Hallo,
der richtige Weg ist immer der, der sich auf die Bedürfnisse des Patienten bezieht. Sowohl eine standardmäßige Ruhigstellung wie auch aggressives Mobilisieren ist nicht immer richtig.
Zunächst sollte man dem Patienten den Schmerz nehmen und wenn das gut mit einer Schlinge oder ähnlichen Hilfsmitteln geht, dann sollte man das machen. Wenn nun ein Patient keinen Schmerz hat ( z.B. bei einer Bursitis ), was spricht gegen eine frühe Mobilisierung?
Wenn ich einen Patienten habe, der auch noch nach 2 Wochen einen starken Bewegungsschmerz hat, dann erhält er auch nach dieser Zeit seine Schlinge. Aber zusätzlich auch ein Rezept für Bewegungstherapie der Schulter.
Wie healer13 schon geschrieben hat, ist die zunehmende Bewegungseinschränkung der Schulter der Grund warum man eine schnelle Mobilisation erreichen möchte.

Warum wird das jetzt in Europa anders gemacht als in Amerika? Wie sven66 schon geschrieben hat, gibt es in Amerika eine andere Mentalität.
Auch die Therapieverfahren sind anders.
Z.B. wird eine Unterschenkelfraktur in Amerika nicht Standardmäßig operiert sondern auch sehr häufig konservativ versorgt. Warum? Eine OP kostet sehr viel mehr, als die konservative Therapie.
Wenn man jetzt sagt, dass der Patient aber sehr viel früher wieder arbeiten kann, das stimmt, ist aber in Amerika unwichtig. Wenn jemand zu lange krank ist wird er gefeuert. Also geht man auch mit einem nicht richtig verheilten Bruch zur Arbeit.
Das ist für uns garnicht vorstellbar.

Grüsse
Axel
 
Qualifikation
Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
Chirurgische Ambulanz/ Internistische Aufnahmestation
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Teammitglied
05.07.2001
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