Intensiv Neuling auf Intensiv

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S

Sittichfreundin

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02.05.2008
35457
Hallo Leute !
Nach gut 20 Berufsjahren auf Allgemeinstationen habe ich mich mit knapp 45 noch auf den Intensivbereich gewagt. Schwerpunkt Kardiologie. Die Station liegt in einem Ballungsraumgebiet und aktuell sind von ca. 28 Planstellen etwa 8 nicht besetzt, also knapp 30 %. Betten werden trotzdem keine gesperrt.
Anfangs habe ich eine sehr gute Einarbeitung erhalten, allerdings bei immer wechselnden Kollegen. Es gibt ein Einarbeitungskonzept, welches über 4 Wochen geht. Bin nun gut 2 Wochen da. Nach ca. 7 Tagen mitlaufen, wo mir wirklich viel erklärt wurde, wurde die Einarbeitung allerdings unterbrochen und ich wurde sehr schnell ins kalte Wasser geworfen. Bis zu 3 Patienten alleine versorgen inkl. Aufnahme. Zwar keine Beatmungen, aber schon aufwendigere Überwachungspatienten, die teilweise instabil waren. Ich habe sehr schnell gelernt, dass ich möglichst viel wegarbeiten muss, damit ich einen Puffer habe für nicht planbare Ereignisse. Ich habe sehr viel Sorgfalt aufgewandt und viel nachgefragt, um keine Fehler zu machen und auf keinen Fall die Patienten zu gefährden. Im Prinzip habe ich bisher alles gut hinbekommen. Aber - die 3. Woche hat gerade begonnen - höre ich nur noch, dass ich zu langsam bin und schneller arbeiten muss. Niemand fragt mehr, wie ich es mache, sondern nur noch, wie lange ich brauche. Und höre ständig, dass ich viel zu lange brauche und normalerweise bis zu 4 Patienten zu versorgen habe. Einerseits soll ich soviel wie möglich wegarbeiten, damit ich Zeit für eine plötzliche Aufnahme habe. Denn urplötzlich werde ich von meinen Patienten weggerufen und muss eine Neuaufnahme abholen und versorgen. Heute wusste ich schon, dass noch eine Aufnahme kommt, die ich mitversorgen soll, Z.n. Reanimation. Deshalb habe ich morgens bei meinem Patienten (diesmal einer, aber aufwendig) soweit möglich alles komplett fertiggemacht. Dabei waren noch einige Dinge, die mich aufgehalten haben. Krankengymnastin brauchte Hilfe. Pat. musste auf die Bettpfanne. Perfusorspritze war auszuwechseln. Schluckversuch und mühsames Eingeben der Tabletten mit Joghurt - hat gedauert. Isolierpatient. Jedesmal Ein- und Auskitteln bei Betreten und Verlassen des Zimmers - hält auch auf. Dabei bin ich noch dabei, das Gelernte zu festigen, in meine Handlungsabläufe optimal einzubinden. Pat. hat viele Hautwunden, die keinen wirklich interessieren. Langer Rede kurzer Sinn - ich habe ziemlich lange gebraucht, habe das Personal-Frühstück versäumt und wurde dann von der Stationsleitung vor allen Leuten scharf angefahren, dass ich mal zusehen soll, das ich fertig werde. Auch von anderen. Man kann manche Sachen auch später machen. Klar, bin ich nicht so schnell wie die anderen. Die ganzen Routineaufgaben wie Bettplatzkontrolle usw. kann ich jetzt zwar, muss aber insgesamt in Vielem noch mehr Sicherheit erlangen. Muss oft noch nachdenken oder nachfragen, das hält auf. Auf korrekte Pflege wird nicht so viel Wert gelegt. Hauptsache schnell schnell. Eigentlich wollen Sie sehen, dass ich 3 oder 4 mal so schnell bin, dann würde ich das erwartete Pensum schaffen. Dass ich so unter Zeitdruck arbeiten muss, obwohl ich noch dabei bin, Routine zu erlangen und meine Tätigkeiten zeitlich sinnvoll zu strukturieren, macht mich ganz konfus. Ich bin froh, wenn ich alles korrekt und gut hinbekomme. Wenn ich es gut kann, dann werde ich bestimmt auch flotter. Aber so sehe ich keine Voraussetzung für eine gute Einarbeitung. Ich selbst bemühe mich um Qualtität. Wenn die Qualität in Ordnung ist und sitzt, kann ich bestimmt auch die Quantität steigern. Ich bin nicht dumm, aber es ist eine Flut von vielen Infos und die Umsetzung will geübt sein. Bin halt ein Neuling auf Intensiv, auch nicht mehr die Jüngste.
Eigentlich habe ich schon entschieden, dort wieder aufzuhören. Denn dass ich vor allen Leuten inkl. Arzt so angefahren werde, das hat mir sehr zugesetzt. Und das 2 mal. Ich trage schon den Stempel auf der Stirn "erfüllt das Pensum nicht". Ich gehe wieder auf Normalstation und mache das, was ich gut kann, dann bin ich auch schnell und kann einiges wegschaffen.
Wollte von Euch einfach mal so hören, wie bei Euch auf Intensiv eine Einarbeitung läuft. Ich weiss nicht, ob ich an mir oder dem ganzen System hier zweifeln soll. Danke Euch.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere, Stroke Unit
G

Gunda

Mitglied
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20.09.2010
34130
AW: Neuling auf Intensiv

Ich würde an deiner Stelle mal lieber am System zweifeln.

Warum sind 4 Wochen Einarbeitung anberaumt und nur eine Woche wird genutzt? Klar, dass da was auf der Strecke bleiben muss.
Einen Anranzer vor allen zu bekommen ist demotivierend und kränkend. Sprich den/diejenige/n mal drauf an und äußere wie du dich in dem Moment gefühlt hast. Wenn du nur ein Viertel der Einarbeitungszeit bekommen hast, ist es doch klar, dass du länger brauchst um dir den Rest selbst anzueignen.
Frag die anderen mal wie es ihnen ergangen ist. Ob sie normal eingearbeitet wurden. Sag ihnen, dass du sehr verantwortungsvoll bist und keinen Fehler machen willst. Je besser du eingearbeitet wirst desto mehr 'Nutzen' bringst du doch.


Ich denke, dass jeder mit Verantwortungsgefühl in dieser Situation genauso handeln würde wie du.


Lass dich nicht unterkriegen. Die sollten froh sein, dass sie noch jemanden in ihr Team bekommen haben.
 
Qualifikation
Krankenschwester/PDL
Fachgebiet
amb. Pflege
T

Tilidin

Aktives Mitglied
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23.04.2011
24211
AW: Neuling auf Intensiv

Ich kann nicht sagen, warum sich bei mir die Nackenhaare aufrollen,vieleicht liegt es daran, dass man bei euch auf die Handlungskompetenzenzen seiner Stammmitarbeiter so wenig Wert legt.

Bei diesen vierwöchigen Einarbeitungskonzept geht es doch nicht darum, das Du die Personen u. Räumlichkeiten, sowie haustypische Arbeits/Verfahrensweisen kennenlernst.

Ich vermute mal, das dort viele hochtechnische Geräte, von unterschiedlichen Herstellern vorhanden sind, sich mit diesen Geräten vertraut zu machen, bedarf doch schon eine Weile.

Am Ende der Einarbeitung unterschreiben doch mindestens 2 Personen dieses Konzept, sie bestätigen, das alles vermittelt wurde, das kein Bedarf mehr besteht u. Du eigentlich verantwortlich arbeiten könntes.

An Hand deiner Beschreibung kannst Du doch niemals dieses Konzept unterschreiben, denn das könnte ja rechtliche Konsequenzen haben.

Der rest der Geschichte wirkt auf mich ein wenig wie Blockade, wir lassen sie mal ein wenig auflaufen.

Ich glaube: eigentlich hast Du nur eine Möglichkeit, deine Empfindungen, Defizite u. Wünsche offen anzusprechen, möglichst mit Zeugen( Arzt)denn die anderen Wissen das Du am Schwimmen bist, da Du nicht untergehst, wird die Welle halt immer größer.( sie kennen aus ihrer Zeit noch das beschi.... Gefühl u. laben sich etwas) Wirkt auch ein wenig wie Zickentanz.
Aber wenn Du es ansprichts, dann erreichst Du auch ihre Gefühlsebene u. Du bekommst schnell ein Gefühl, ob sie dich als Kollegin haben wollen.

Ich würde nicht zur PDL laufen, dann bekommen sie vieleicht einen Einlauf, aber deine Welle wird dann noch größer.
Wenn Du dich entschieden hast, den Kampf nicht weiter zu führen, dann ist immer noch Zeit für Botschaften nach Oben.

Nun fehlt mir ja die Erfahrung für den Intensiv-Bereich, aber manchmal haben die Pflegebereiche ja die unterschiedlichsten Umgehensweisen entwickelt, ob jetzt Intensiv-Kräfte ein eigenständiges Völkchen sind kann ich nicht beurteilen.

Aber ich schließe mich Gunda an: Lass Dich nicht kampflos unter Wasser drücken.
 
Qualifikation
Krankenpfleger,Fachpfleger Psych,PDL
Fachgebiet
Erwerbsunfähig
Weiterbildungen
Krankenpfleger
Fachpfleger für Psych.
große PDL- Ausbildung
HBR69

HBR69

Aktives Mitglied
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05.10.2000
58644
AW: Neuling auf Intensiv

Na ja, leider sieht es auf vielen ITS so aus wie bei euch. Ich habe auch schon auf so einer Station gearbeitet. Als ich vor 20 Jahren eingearbeitet wurde, haben wir noch Zeit und Geduld untereinander gehabt. Heute geht leider viel davon im täglichen "schnell weg arbeiten" unter. Wir haben bei uns zwei Monate Einarbeitungszeit für examinierte Kollegen, die schon Erfahrung im stationären Bereich haben. Ein Monat "bekommen" Fachexaminierte, die aus einer anderen Klinik kommen und nur noch die Gegebenheiten und "Spezialitäten" in unserem Haus/auf unserer Station kennenlernen müssen. Frischexaminierte haben bis zu einem Jahr "Schonzeit"! Die müssen sich erst einmal an das "Schwesterndasein" gewöhnen und dann auch noch an die Intensivpflege. Sie bekommen einen Mentor der sie ein Jahr begleitet (ich schreibe den Dienstplan so, dass die beiden möglichst immer zusammen Dienst haben) Neulinge bekommen grundsätzlich max. 2 Patienten und dann auch nicht die Schwerstkranken sondern post OP Patienten.
So wie es bei euch läuft ist es leider fast schon an der Tagesordnung. Ich kenne eine große Klinik in unserer Nähe, wo die Kollegen max. 2 Wochen "Einarbeitung" bekommen und dann mit 2 Polytraumapatienten alleine zurecht kommen müssen. Geschweige denn mit ECMO ect. Völlig fahrlässig! Wenn du da nicht mitkommst gehst du eben und der nächste wird verbraucht. Es gibt Praxisanleiter, die ihr "Amt" niedergelegt haben weil sie alle 3-4 Monate einen neuen Kollegen einarbeiten müssen.
Über die Qualität der Versorgung brauchen wir uns da überhaupt nicht mehr unterhalten! Das ist reines "friß oder stirb"!
Es wird sich rächen. Die Kollegen sind heute noch bereit bis zur Schmerzgrenze zu gehen. In Zukunft wird niemand mehr kommen!

Überlege dir ob du das mitmachen willst oder wehre dich indem du die Verantwortlichen ansprichst. Ansonsten gibt es noch andere Intensivstationen wo du dir ein genaues Bild z.B. auch der Einarbeitung bei einem Probearbeiten machen kannst!

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
L

leaving-the-moon

AW: Neuling auf Intensiv

Das Problem ist, dass jetzt gehäuft Berufsanfänger auf ITS eingestellt werden - keine oder eine schlechte Einarbeitung bekommen und nichts anderes kennen und dann nach einem Jahr glauben sie hätten es drauf.

Ich habe 12 Jahre Intensiverfahrung und Fachweiterbildung.. mich stellt keiner an ein Patientenbett mit einer ECMO - ich hab das nämlich vor 8 Jahren lediglich mal theoretisch gemacht - lehne ich ab ohne Einarbeitung - basta. Und natürlich nimmt sich niemand für einen FB Zeit zur Einarbeitung - das ist ja auch ok.

Die Tendenz geht leider zu dem von rettungsmaus beschriebenen Vorgehen - es gibt aber auch noch Stationen auf denen es anders läuft. Intensiv ist ein spannendes Gebiet und ich möchte die Zusammenarbeit viel mehr auf Augenhöhe mit den anderen Berufsgruppen nicht mehr missen und nie wieder im Leben für 20 und Mehr Patienten zuständig sein.
Es gibt keinen Grund den Traum Intensiv gleich ganz zu begraben... dass du 45 bist ist schon mal gar kein Grund. Ich weiß ja nicht wo du herkommst, aber vielleicht gibt es in deiner Nähe ja noch andere Einrichtungen mit Intensivstation... wieso nicht dort mal ausgiebig... also mehr als ein paar Stunden hospitieren und sich den Umgang der Pflegekräfte miteinander anschauen. Diese Zeit sich zu nehmen würde ich im übrigen jedem empfehlen, der sich für eine neue Stelle interessiert. Schöngeredet ist schnell viel.
 
HBR69

HBR69

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.10.2000
58644
AW: Neuling auf Intensiv

http://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/projekte/Pflege_Thermometer_2012.pdf

So sieht es leider in der Intensivwelt von heute aus!!
Das kann man auch nicht mehr schönreden. Solange die Politiker sich weigern, konkret etwas gegen den zunehmenden Pflegemangel in der Intensivpflege zu tun, werden die Arbeitsbedingungen immer schlimmer. Damit bekommen wir natürlich auch kein Nachwuchs!

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
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firefly

Neues Mitglied
Basis-Konto
09.08.2012
59065
AW: Neuling auf Intensiv

Hallo,
zu Deinen Schwierigkeiten kann ich Dir nur sagen, daß es nicht am Alter liegt. Ich selbst habe 14 Jahre in der Anästhesie gearbeitet als FGKP und stellvertr. Leitung. Nun bin ich mit meinen 44 Jahren wieder auf der Intensiv. Spannendes Gebiet aber auch sehr aufwendig. Ich würde auch mal die Frage nach dem Einarbeitungskonzept stellen. Irgendwas hinkt ja ganz gewaltig. Bei uns auf der Station ist es allerdings auch nicht anders. Viele neue Kollegen, viel Patienten und die Einarbeitung fällt hinten runter. Bei uns gibt es aber Mentoren, die nach der Einarbeitungsphase weiterhin der dauerhafte Ansprechpartner für die neuen Mitarbeiter sind. Ich glaube, Deinen neuen Kollegen ist gar nicht bewußt, daß Du nur durch ihre Einarbeitung gut und korrekt arbeiten kannst. Wichtig ist, dass Du nicht aufhörst zu fragen. Denn damit hast Du auf jeden Fall den Trumpf in der Hand und niemand kann sagen, daß Du nicht interessiert bist. Wenn alles nicht hilft, suche das Gespräch mit der Stationsleitung und sage ihr/ihm genau, was Dich z. B. an der Form der Anraunzer (in aller Öffentlichkeit) stört. Für mich ist das eh ein NoGo. So etwas macht man in wohlwollender Atmosphäre, unter 4 Augen. Es wird Dir sicherlich auch noch passieren, dass Du Dich verstrickst. Mach Dir nix draus, ist mit Sicherheit allen so gegangen, aber das gibt ja keiner zu. Such Dir erst mal jemanden, der schon lange da ist, dir sympathisch ist und frag mal nach, wie es bei ihm/ihr war. Du wirst sehen, sind alle nicht als Fachkräfte geboren. Jeder hat da seine persönliche Hölle erlebt.
Behalte Dir Dein Interesse und versuche allem mit einer Portion Gleichmut entgegen zu treten. Zu langsam gibt es nicht. Wir sind auf den Stationen nicht zur Akkordarbeit sondern zur Pflege schwer- und schwerstkranker.
Keep your head up high.:thumbsup2:
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie
Fachgebiet
Intensivstation
H

Homeboy

Neues Mitglied
Basis-Konto
06.09.2012
44319
AW: Neuling auf Intensiv

Guten tag...

ich als neuling möchte erstmal los werden was meine erfahrungen grade im Intensiv bereich angeht...

zuersteinmal alle die dort arbeiten sollten sich mal klar machen: das sind menschen die kurz vor der kippe stehen! wenn das jetzt mal allen einmal bewusst wird gehts weiter mit: Intensivpflege ist keine arkordarbeit die sich quantitativ durchsetzen darf! ich habe erlebt wie es auf na intensiv station zu geht und war schockiert. gut jetzt sagen viele von euch, ja gut man sollte für den job bzw den bereich schon gewisse vorraussetzungen mitbringen. das ist mir bewusst, jedoch was mir nicht bewusst ist, ist die tatsache das die leute die dort arbeiten einfach nicht klar ist unter welchen vorraussetzungen die dort sind bzw arbeiten und schon gar nicht welche verantwortung sie jeden tag tragen. es kann doch nicht sein das man als zu langsam bezeichnet wird, wenn man jemanden in großter not hilfestellungen gibt weil er darauf angewiesen ist?! entweder man stellt jemanden mehr ein oder schaut sich anders zu organisieren. ich finde es unverschämt jemanden eine anlernungzeit zu geben diese zu verkürzen und dann noch von allen seiten ein's drüber zu bekommen. sorry aber ich wäre dort schon richtig an die decke gesprungen.

ich glaube ich kann dir wohl am wenigsten helfen da ich mich zu wenig auf intensiv stationen aufhalte. ich kann dir nur eins sagen, entweder sprichst du mit den leuten von den du dich ungerecht behandelt fühlst und ziehst noch jemanden dazu um solchen problemen ein für alle mal den gar aus zu machen oder du gehst. jedoch einfach den rücktritt an zu treten ist die kleinere option. immerhin hast du dir diesen bereich mit grund ausgesucht. wenn man nichts sagt wird auch weiterhinn alles mit dir gemacht.

jedem muss auch mal klar gemacht werden das auch sie den goldenen ersten tag hatten und nicht mit der arbeit im schoß geboren wurden....

in diesen sinne nobody is perfect, and perfect is nobody.
 
Qualifikation
Exam. Altenpflege Helfer, Exam. Altenpfleger
Fachgebiet
Heim
C

chillmaster

Mitglied
Basis-Konto
17.12.2012
97261
AW: Neuling auf Intensiv

Moin erstmal. Bin gerade etwas erschrocken wenn ich das hier alles so lese. Ich bin jetzt knapp 30 Jahre alt. Habe 8 Jahre RD gemacht und dann nochmal die Ausbildung zum GKP. Bin 2011 fertig geworden und danach direkt auf unsere Hauseigene ITS mit 11 Betten gewechselt. Für mich war von vornerein klar das Normalstation nicht in Frage kommt.

Ich habe 6 Wochen einarbeitung durch 2 verschieden FKP genossen. Die ersten 4 Wochen bin ich mitgelaufen. Nach und Nach habe ich dann Patienten selbst übernommen. Ich fand die Einarbeitung super. Wurde auch in der Einarbeitung schon an Beatmungen herangeführt. Jetzt nach knapp 1,5 Jahren muss ich sagen fühle ich mich was "normale" ITS Patienten und Post-op Sachen angeht schon relativ sicher. Natürlich gibt es fast täglich Dinge bei denen Ich entweder einen Kollegen etwas fragen muss oder einfach mal im Netz nachschlage. Jedoch alles in allem war die Einarbeitung gut. Nach einem dreiviertel Jahr habe ich mit den ersten Beatmungen angefangen. Vorwiegend in den Nachtdiensten. Finde das Optimal dafür weil man sich im ND einfach meist mal Zeit für sowas nehmen kann. Ich war teilweise Stundenlang mit einem Beatmungsfachbuch neben der Evita gesessen und habe gelesen, rumgeschraubt, BGA`s gemacht um zu sehen was sich wie verändert... alles meist in Obhut eines meiner Kollegen mit FWB...

Alles in allem eine Super einarbeitung.

Es geht also auch anders ;)

Musste ich jetzt mal loswerden
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Intensivstation
Weiterbildungen
Rettungssanitäter
F

Fleschor_Max

Aktives Mitglied
Basis-Konto
08.09.2007
04275
AW: Neuling auf Intensiv

Ich hatte als Berufsanfänger ca. 3 Wochen Einarbeitung, also mitlaufen. Dann hat mein Mentor mir den ersten eigenen Beatmungspatienten gegeben. Nach 1h in der Schicht war ich eigentlich ganz zufrieden mit der Situation. Kommt der pflegerische Chef aller chirurgischen ITS und sagt: "auf Nachbarstation ist jemand krank geworden, ich würde sie gerne rüber schicken". Komme drüben an, bekomme 3 Patienten. Zwei Beatmetete und zwei mit Katecholaminen.
Ich hab mich damals noch nichtmal getraut Katecholaminperfusoren zu wechseln, weil ich als Neuling natürlich noch Schweißausbrüche bekam, wenn der Patient mit dem Kreislauf kurz wegsackte, bzw. Angst hatte zu langsam an der Spritze zu hantieren.

Dieses ins Wasser werfen ging dann so weiter. Ich hatte 1,5 wirklich schlimme Jahre, wo ich froh war wenn ich am Ende der Schicht keinen Patienten geschädigt habe.
Als ich einen Fehler machte (Insulin statt Heparin aufgezogen, weil die Ampullen genau nebeneinander auf der Anrichte stehen), der zum Glück keinen Schaden beim Patienten bedeutete, weil ich es noch früh genug erkannte, aber es war knapp davor, ging ich zum Chef und meinte: Mir ist dieser Fehler passiert, bei 3 Patienten, in zwei Zimmer, davon zwei instabil, und noch Zugänge, da kann ich nicht garantieren, dass mir sowas nicht nochmal passiert. (Gleicher Fehler war am Vortag, bei der gleichen Patienten einer erfahrenen Kollegin passiert)
Antwort war: "machen Sie sich keinen Kopf, Fehler passieren überall, so schnell stirbt hier keiner".
Auf der Station passierten immer mal Fehler, wo Pfleger und Ärzte mit jahrelanger ITS-Erfahrungen Unterzuckerungen z.B. übersehen haben, weil keiner mehr Zeit hatte auf die BGA zu schauen.

Ich hab mich da durchgekämpft. Nach 1,5Jahren hatte ich dann spürbar Routine entwickelt. Dadurch wurden viele Sachen leichter, weil schneller. Die Kombination Uniklinik, große ITS+kaltes Wasser hat dazu geführt, dass ich enorm viele Sachen lernte. Ich denke es gibt kaum Stationen wo ich mehr hätte lernen können, auch weil ich zwischen verschiedenen chirurgischen ITS gewechselt bin.
Nach 2,5Jahren war ich nach dem Stufenmodell des Kompetenzerwerbs nach Benner zumindest schon eine kompetente Pflegekraft.
Ich bin sehr dankbar dass ich mich dadurch gekämpft habe, ich hab sehr viel gelernt, auch wenn ich die Art und Weise keinem wünsche. Nach 2,5Jahren hab ich allerdings auf eine ruhigere ITS im gleichen Haus gewechselt, auch weil ich noch Energie fürs Studium brauche und ich mich nicht weiter an diesen Zuständen beteiligen wollte. Leider entwickelt sich das jetzt hier auch in die gleiche Richtung.

Mit >4Jahren Erfahrung bin ich jetzt aber auf dem Weg zur erfahrenen Pflegekraft und kann das eher handhaben, weil ich jetzt Prioritäten setzen kann, was ich weglasse wenn ich die Zeit schlicht nicht habe, weil ich jetzt Ärzten auch klar sagen kann, wenn ich keine Zeit mehr habe, bzw. ihnen eine Auswahl gebe ("ich hab Zeit für Maßnahme X oder Y, welche ist dir wichtiger?"). Z.B. werden rundliche Patienten die gut gepolstert sind, dann tendenziell alle 4h gelagert und nur kachektische alle 2h. Und vor allem gebe ich jetzt kontra, wenn mir z.B. jemand was vom Stationsstandard zur Lagerung erzählt. Als Neuling hab ich mich noch zusammenfalten lassen, wenn ich Fächer im Zimmer nicht aufgefüllt habe. Die Kritik ist sicher in Ordnung, speziell wenn man bei der Übergabe vergisst darauf hinzuweisen, aber ich würde heutzutage auf einem angemessenen Tonfall bestehen.

Eine ITS wo viel Arbeitsbelastung herrscht und wo tendenziell noch ein größeres Team ist, kann von Teamklima her sehr ätzend werden. Wenn man solche Verbalattacken richtig einordnen kann, dann lässt man die automatisch nicht so an sich ran. Es gibt auch andere Stationen. Ich denke kleinere Teams neigen tendenziell weniger zu Grüppchenbildung und Mobbing.

Ansonsten ist ITS trotzdem ein traumhaftes Arbeitsgebiet, speziell wenn die Routine endlich da ist, wenn die Erfahrung langsam kommt, wenn man selbst derjenige ist, der Patienten rettet, der in hektischen Situationen koordiniert, wenn der junge Assistenzarzt überfordert ist. Gestern habe ich jemanden, wegen schneller Reaktion durch Erfahrung (Vorahnung was gleich passiert), nur eine halbe Minute reanimieren müssen, der heute gegessen hat und (bettflüchtig) über den Gang gelaufen ist und zwar ziemlich dement, aber sehr gut gelaunt ist.
 
Qualifikation
GuKPf, Student
Fachgebiet
innereITS
F

Fleschor_Max

Aktives Mitglied
Basis-Konto
08.09.2007
04275
AW: Neuling auf Intensiv

Ich kann den Beitrag leider nicht mehr editieren, aber noch ein Zusatz: Das Kompetenzstufenmodell von Benner ist mMn eine ideale Argumentationsgrundlage für überforderte Anfänger um sich dem zu erwehren.
Es zeigt deutlich auf, warum es völlig utopisch ist, was manchmal von Anfängern erwartet wird. Man muss viele Handlungen erst automatisieren, unbewusst ausüben können, also Routine entwickeln, um überhaupt in der Lage zu sein, einen größeren Überblick zu bekommen. Einem Anfänger kann es durchaus noch passieren, dass er beim ZVK assistiert und vergisst, dass der Katecholaminperfusor beim Patienten im Nachbarzimmer bald alle ist. Das liegt in der Natur der Sache, weil die Assistenz beim ZVK noch nicht unbewusst genug funktioniert und somit zuviel Ressourcen/Aufmerksamkeit fordert, und ist nicht der Fehler des Anfängers, und eigentlich ist es Pflicht der Station den Neuling vor seinen Fehlern zu schützen.
 
Qualifikation
GuKPf, Student
Fachgebiet
innereITS
L

leaving-the-moon

AW: Neuling auf Intensiv

Feine Beiträge Fleschor

Ich selbst habe in einem Bereich gearbeitet in dem wir m.E. verdammt gute Einarbeitung gemacht haben.
Durch mein Streunerdasein habe ich jetzt allerdings erlebt, dass dies wohl eher die Ausnahme als die Regel ist - und die Anfänger sich zunehmend durchwurschteln müssen... damit ziehen sie dann mit den Arzt-Anfängern gleich... eigentlich eine traurige Entwicklung und sicherlich zum Schaden der Patienten.
 
H

herrwenner

Mitglied
Basis-Konto
29.09.2010
70567
Hallo Sittichfreundin. Wie ist es dir inzwischen auf der ITS ergangen? Hat sich einiges eingerenkt oder hast du gewechselt? LG


Gesendet von meinem iPad mit Tapatalk HD
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger, Redakteur/Projektmanager, Lehrender
Fachgebiet
Palliativmedizin/-pflege
Weiterbildungen
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Pflegeboard.de

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05.07.2001
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