Arbeitsrecht Neues Kürzel im Dienstplan

Munne

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Hallo!
Unsere Pflegedienstleitung hat mal eben ein neues Kürzel für den Dienstplan eingeführt, welches sie sich selbst ausgedacht hat.
Ein E für (Ersatzspieler, Einspringen) am Wochenende. Dies soll bedeuten, daß eine Person zusätzlich im Dienstplan steht, die in Krankeitsfällen einspringt. Wobei dieses "sich bereithalten" nicht bezahlt wird.
Sehe ich dies richtig, das ist doch ein verkappter Bereitschaftsdienst??
Es wurde mit den Mitarbeitern mal wieder nichts abgesprochen, sie hat wieder entschieden wie ein Fürst.
Wir haben einfach viel zu wenig Mitarbeiterinnen und diese haben auch nur sehr kleine Verträge (aus unterschiedlichen Gründen).
Es wird Mehrarbeit geleistet, die zum Teil über das Doppelte der vereinbarten Arbeitszeiten hinausgeht. Die MAV ist seit ca. 8 Wochen informiert, es bewegt sich aber nichts, momentan ist der Kollege im Urlaub.
Die Mitarbeiter gehen auf dem Zahnfleisch und sind vollkommen demotiviert.
Hat jemand noch einen guten Rat??
Gruß Munne
 
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Paddy

AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hi,

der sog. Bereitschaftsdienst ist ein Hintergrunddienst. Bereitschaftsdienst ist: Anwesendheitspflicht; Hintergrunddienst: man muss erreichbar sein. Einen Tip? Ja klar, bewerbt euch woanders, freie Auswahl, fast jede Einrichtung und Pflegedienst sucht Personal!

LG Paddy
 
SchwesterWolfgang

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

. . . nun wäre die spannende Frage: seid Ihr so knapp bemessen, weil Euer Pflegedienst zu klein und damit zu unwirtschaftlich ist (grob: unter 25 MA), oder seid Ihr ein größerer Betrieb und die knappe Bemessung dient nur der Gewinnsteigerung des Eigentümers? Als Fazit in beiden Fällen kann ich mich jedoch nur der Empfehlung von Paddy anschließen . . .
 
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thorstein

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Was bedeutet MAV? Diakonie oder Caritas? Gelten irgendwelche AVR? Was steht dort zu Bereitschaftsdiensten?
 
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Munne

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo Schwester Wolfgang!
6 Mitarbeiterinnen mit unbefristeten Verträgen , mit einem Stundenumfang von ca. 40 Std. in der Woche (hat nur die PDL), 19,25 (ihre Vertretung), dann eine Mitarbeiterin mit 18 Wochenstunden , eine mit 15, eine mit 12 und ich mit 10 Wochenstunden. Nun die befristeten, 2 mit je 15 Wochenstunden. Und da wären noch die 400 Eurokräfte, 3 Personen. Wir sind eine Diakoniestation. Der Geschäftsführer will die Verträge der Mitarbeiterinnen nicht erhöhen, obwohl diese schon seit ca. 2 Jahren erheblich mehr arbeiten als in ihren Verträgen festgelegt ist. Kürzlich waren Stellen ausgeschrieben, es sind aber keine Bewerbungen eingegangen. So viel zur Situation.
Euch Beiden danke für den Rat.
Gruß Munne
 
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Munne

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo thorstein!
MAV (Mitarbeitervertretung). Diakonie und gültig ist für die Diakoniestationen hier bei uns der BAT.
Gruß Munne
 
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Munne

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo!
Ich hatte leider noch keine Zeit nachzulesen. Aber leider bekommen die Kolleginnen, die die Rufbereitschaft jetzt machen auch keine Bezahlung nach Tarif.
Munne
 
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SchwesterWolfgang

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

. . . also ist keine Besserung in Sicht - nix wie weg . . .
 
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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo Schwester Wolfgang!
Tja, wenn es so einfach wäre. Nicht mehr so taufrisch und leider schon gesundheitlich etwas angeschlagen!! Aber man soll ja nie aufgeben, ich versuche es ja. Ist hier leider auch eine strukturschwache Gegend (ehemaliges Zonenrandgebiet, auf westdeutscher Seite).
Gruß Munne
 
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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo,
was passiert denn mit den angehäuften Überstunden? Diese müssten ja im Rahmen von 3 Monaten wieder abgebaut werden ... Und überhaupt: Einführen von neuen Dienstzeiten (und auch Hintergrunddienste sind dienstzeiten) bedürfen der Zustimmung durch die MAV. Wenn diese es jedoch seit 8 Wochen toleriert, obwohl sie davon Kenntnis hat (und es sind ja bestimmt mehrere, nicht nur ein Kollege im Urlaub) ist von stillschweigendem Einvernehmen, also Zustimmung auszugehen. Hier hätte sofort reagiert werden müssen. Die Idee des "Einspringdienstes" ist entstanden, wenn sich ein Team darauf einigt und eine Dienstvereinbarung mit dem AG trifft, um sich so freie wochenenden zu garantieren. D.h. Das Team macht aus, wer an welchem WE "einspringt", keinesfalls kann das von der "Fürstin" bestimmt werden, denn dann muss es auch vergütet werden. Sprecht doch mal beim Geschäftsführer vor, an welche Vergütung man bei diesem neuen Dienst denn gedacht hat?
 
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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Wenn ich es richtig sehe, müßte für euch der BAT-KF gelten. (BAT im kirchlichen Dienst). http://klisiecki.de/BAT-KF.pdf
Wir Du es beschreibst, handelt es sich um Rufbereitschaft.

Im BAT-KF steht in § 8 folgendes:
§ 8 - Ausgleich für Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst
(1) Der Arbeitgeber darf Rufbereitschaft I nur anordnen, wenn erfahrungsgemäß
lediglich in Ausnahmefällen Arbeit anfällt. Für die Rufbereitschaft I wird eine
tägliche Pauschale je Entgeltgruppe gezahlt. Für eine Rufbereitschaft I von
mindestens zwölf Stunden wird für die Tage Montag bis Freitag das Zweifache,
für Samstag, Sonntag sowie für Feiertage das Vierfache des tariflichen
Stundenentgelts der jeweiligen Entgeltgruppe und Stufe (individuelles Stundenentgelt)
gezahlt. Maßgebend für die Bemessung der Pauschale nach Satz
2 ist der Tag, an dem die Rufbereitschaft I beginnt. Für Rufbereitschaften I von
weniger als zwölf Stunden werden für jede angefangene Stunde 12,5 v.H. des
individuellen Stundenentgelts nach der Entgelttabelle gezahlt. Hinsichtlich der
Arbeitsleistung wird jede einzelne Inanspruchnahme innerhalb der Rufbereitschaft
I mit einem Einsatz im Krankenhaus einschließlich der hierfür erforderlichen
Wegezeiten auf eine volle Stunde gerundet. Für alle Inanspruchnahmen
wird das Entgelt für Überstunden sowie etwaiger Zeitzuschläge bezahlt.
Für die Zeit der Rufbereitschaft I werden Zeitzuschläge nicht gezahlt.

Das bedeutet also, dass die Rufbereitschaft auf jeden Fall angemessen vergütet werden muß!
Das ergibt sich auch aus § 612 des Bürgerlichen Gesetzbuchs!

Rufbereitschaft bedeutet, dass ihr euch an einem beliebigen Ort aufhalten könnt, bei einem Anruf aber zur Arbeit kommen müßt. Dafür ist eine Vergütung in Höhe von 12,5 % eures normalen Gehalts pro Stunde zu bezahlen. Dafür gibt es keine Zeitfestlegung! Angeordnet werden kann dies nur, wenn nur im Ausnahmefall ein Einsatz in Anspruch genommen wird. Zusätzlich sind die tatsächlichen Einsatzzeiten wie Überstunden und zusätzlich Zeitzuschlägen zu bezahlen.

Es kann also nicht sein, dass die PDL sich jedes 2. Wochenende dann die Rufbereitschaft in Anspruch nähme.
Weiteres müßt ihr im Gesetzestext nachlesen (Link oben).
Ich wünsch euch alles Guten und laßt euch nichts gefallen!
 
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Munne

Munne

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AW: Neues Kürzel im Dienstplan

Hallo!
Danke Euch für Eure Antworten!!
Gruß Munne
 
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