Neue Anforderungen in der Altenpflege

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Bob Brewer

Bob Brewer

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01.12.2000
44287
Die Beschäftigung mit den neuen Qualitätsprüfungen in der vollstationären Pflege hat bei mir Unbehagen ausgelöst. An vielen Stellen habe ich gesehen, dass diese Paradigmenwechsel viele Fachkräfte überfordern werden. Die Probleme liegen vor allem im strukturellen Bereich: offene Stellen, Kompetenz des bestehenden Pflegepersonals, Fachkraftquote von 50%, freie Zeit für die Aufgaben, die Personalzusammensetzung und vieles mehr. Aus Verbrauchersicht ist der Ansatz der Prüfungskriterien völlig korrekt. Viele Probleme machen externen Faktoren, die nur die Träger lösen können. Die Politik hat im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, die sich im Alltag bewähren müssen.

Das beginnt bei der Ausbildung von Pflegepersonal. Die bisherige Ausbildung wird durch die generalisierte Ausbildung von Pflegepersonal ersetzt, was in vielen Altenpflegeheimen die Befürchtung aufkommen lässt, dass die höheren Gehälter in den Krankenhäusern die Auszubildenden weglocken könnten. Hinzu kommt, dass der alltäglichen Aufwand der Betreuung multimorbider Patienten eine hohe Fachkompetenz erfordert. Das könnte möglicherweise Fachkräfte abhalten, einen Arbeitsplatz in der Altenpflege zu suchen. Es steht außer Frage, dass die Qualitätskriterien eine Vielzahl von Kompetenzen erfordern. Es wird offen gesagt, dass die neue Prüfungsgrundlage einen hohen Anspruch an die Professionalität stellt. Es wird schwierig sein, nach drei Jahren Ausbildung Menschen zu finden, die diese Anforderungen erfüllen können.

Diese Anforderungen an die Professionalität werden auch noch Zeit kosten, die noch weitgehend noch für die Körperpflege, die Ernährung der Bewohner und die Dokumentation genutzt wird. Eine Lösung der 50% Fachkraftquote könnte helfen, eine bessere Delegationshierarchie nach dem Konzept des Primary Nursing aufzubauen. Aber, die Teilnahme der Pflegefachkraft an der Körperpflege und Ernährung muss reduziert, aber nicht ausgeschlossen werden. Denn die Pflegefachkraft plant und organisiert nach dem Primary Nurse-Konzept die Betreuung des Bewohners vollständig im Rahmen des Pflegeprozesses und ist die ständige Ansprechpartnerin für den Bewohner während des Aufenthaltes, aber auch für Pflegehelferinnen und Pflegehelfer. Ist der zuständige Pflegefachkraft nicht im Dienst, muss ein stellvertretender Fachkraft für den Bewohner zuständig sein. Der Stellvertreter sorgt dafür, dass der von der zuständigen Pflegefachkraft erstellte Pflegeplan strikt umgesetzt wird, sofern nicht akut notwendige Änderungen erforderlich sind. Das Problem bleibt die verfügbare Zeit.

Besonders deutlich wird dies, wenn die "große Verantwortung in der Qualitätssicherung und Qualitätsrepräsentation" erwähnt wird. Die Darstellung von Qualität bedeutet vor allem, dass man sich an eine Norm halten muss, egal was kommt. In der Vergangenheit war es manchmal notwendig, die Einhaltung der Norm bei Anwohnern, Angehörigen und Prüfbehörden zu behaupten, im Bewusstsein, dass die Mitarbeiter sie möglicherweise nicht haben sichern können. Dafür gibt es viele Gründe, aber meistens wird als Grund der Zeitmangel angegeben. Im Grunde ist es die Unfähigkeit, komplexe Sachverhalte in Eile zu bearbeiten. Mitarbeiter, die das können, sind schwer zu bekommen. In Häusern mit 90 und mehr Bewohnern kann die Pflegeleitung allein nicht alles überwachen, es sei denn, sie verbringen die meiste Zeit in den Wohnbereichen. Angesichts der Tatsache, dass das Pflegedienstmanagement viel Zeit für die Sicherung des Dienstes und andere Aufgaben hat, die es ihm nicht erlauben, dauerhaft im Wohnbereich zu bleiben, bleibt es eine Herausforderung.

Fachgespräche sind ein wichtiger Aspekt der neuen Prüfvorlage. Diese Gespräche erfordern eine praktizierte Objektivität, die viele geprüfte Fachkräfte nicht beherrschen. Die analytische Formel, „wenn dies dann das“, sitzt oft nicht bei den Fachkräften. Das Bewusstsein, dass man professionelle Aufsicht ausüben muss, überfordert viele. Vor allem junge Menschen mit dieser Qualifikation, die mit älteren Pflegehelfern arbeiten müssen, die viele Jahre in der Pflege gearbeitet haben können, brauchen Führungsqualitäten. Andernfalls brauchen sie ständige Unterstützung. Sie benötigen das Feedback von Pflegehelfern, das zuverlässig sein muss und brauchen dafür eine klare Hierarchie der Verantwortung.

Die von den Prüfbehörden geforderte Professionalität ist eine wichtige Voraussetzung. Um die vielen Aufgaben zu bewältigen, braucht man jedoch Zeit und Arbeitskraft, was in beiden Fällen knapp geworden ist. Wenn ich sehe, was gefordert ist, bin ich fest davon überzeugt, dass es eklatante Unterschiede zwischen den Häusern geben wird - was, ja, gewollt ist.
 
Qualifikation
Einrichtungsleitung, Pflegedienstleiter, TQM Qualitätsbeauftragte
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
WBL, PDL, TQM-QMB, HL
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Foxylady

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21.03.2011
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Der Stellvertreter sorgt dafür, dass der von der zuständigen Pflegefachkraft erstellte Pflegeplan strikt umgesetzt wird, sofern nicht akut notwendige Änderungen erforderlich sind. Das Problem bleibt die verfügbare Zeit.
Absolute Zustimmung zum Beitrag.
. - Ich möchte noch anfügen, dass sich bei diesen Stellvertretern in vielen Häusern oft um Zeitarbeiter oder Freiberufler handelt....
 
Qualifikation
Altenpflegerin und Autorin
Fachgebiet
freiberuflioch
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05.07.2001
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