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NJ95

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Hallo, ich habe ein paar Fragen bzw. Probleme...

Zunächst die Situation: Ich (Gesundheits- und Krankenpflegerin) habe vor 6 Monaten eine Stelle mit geringfügiger Beschäftigung angenommen, da ich als Studentin dringend etwas brauchte und mir die Stelle an sich sehr zu sagte.

10 Stunden Nachtwache im betreuten Wohnen (von 20.00 bis 6.00) mit einer Nachtpauschale von 90€ vergütet.

Beim Einstellungsgespräch wurde mir gesagt, dass von den 10 Stunden, ca. 6-7 Stunden Bereitschaftsdienst sind, es gäbe aber keinen Stundenlohn, da eben diese 90€ Nachtpauschale an alle Nachtwachen ausgezahlt würde.

Von der Arbeit selbst her deckt sich das auch, also ich arbeite ca. 3 Stunden lang und muss dann 6-7 Stunden vor Ort sein und „wachen“.

Jetzt bin ich aus der Probezeit raus und das erste Semester ist rum und habe mich mit dem Ganzen etwas mehr auseinander gesetzt und einige Fragen:
  1. Darf ein Arbeitgeber überhaupt eine Pauschale von 90€ festsetzten?

  2. Müsste ich nicht mindestens den Pflegemindestlohn von 10,55 pro Stunde verdienen?
    Da laut eines Urteils des BAG (5 AZR 716/15) Bereitschaftsdienst doch auch mit dem Mindestlohn vergütet werden muss und ich ja schließlich als Gesundheits- und Krankenpflegerin angestellt bin. Oder wird das durch die Pflegeverordnung wieder ausgehebelt?
  3. Wie reiht sich da das neue Urteil vom EuGh (C-518/15) ein, worin entschieden wurde, dass Bereitschaftszeit mit der Pflicht am Arbeitsplatz zu sein als Arbeitszeit gilt.

  4. Wie sieht dass mit gesetzlichen Nacht und Feiertags-zuschlägen aus? Das habe ich noch nie wirklich verstanden... und wir bekommen aufgrund dieser dubiosen Nacht-Pauschale keine.
Ich weiß, dass ich damit viel zu spät um die Ecke komme, aber vielleicht findet sich hier ja jemand der so nett ist und mir die ganzen Tarifsachen richtig erklären kann, damit ich eine Basis habe auf der ich vor meiner Chefin argumentieren kann.

Ich bin damit ehrlich gesagt ziemlich überfordert.

MfG NJ
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Betreutes Wohnen
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lulli00

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Ist Bereitschaftsdienst Arbeitszeit? - Arbeitsrecht 2018

Das hier ist eine recht aktuelle Aufklärung zur Bereitschaftszeit.

Ja Bereitschaftszeit wird mit Arbeitszeit gleichgesetzt. AAAAAber das die Bereitschaft nicht der Vollzeit Arbeitszeit entspricht und klassischerweise weniger Arbeitsintensiv ist kann diese Prozentual je nach Aufwand vergütet werden. Mindestens Mindestlohn ist zu bezahlen.

Wahrscheinlich sind 90 Euro für 10 Stunden zu wenig.
Mindestlohn: Osten 10,05 / Westen 10,55

Da Bereitschaftszeit aber Arbeitszeit ist hast du auch Anspruch auf Pause von min 45 Minuten. Bedeutet du kommst max. auf 9,25 Stunden Arbeitszeit. Evtl. Rechnet dein AG aber auch mit mehr Pause und rechnet sich die Nacht so auf 90 Euro Pauschal runter. Da mußt du mal genauer nachgucken.
 
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Qualifikation
Pflege
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lulli00

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§6 abs. 5 Arbeistzeitsgesetz

Nachtarbeit muß angemessen mit Freizeit ausgeglichen werden was auch per Zulage abgegolten werden kann.
Das BAG bestimmt min. 25%, bei Dauernachtwachen min. 30% als angemessen.
Nachtzuschläge: 25 Prozent Nachtzuschlag sind Pflicht | Personal | Haufe

Grundsätzlich könnte ein AG einen Pauschale anwenden wenn diese mindestens dem Mindestanspruch entspricht.

Wahrscheinlich bekommst du hier zu wenig Geld für eine 10h Schicht. Du mußt aber genau die Vertragsbestandteile durchsehen. Nicht das da noch irgendwelche Tricks drin sind. Wenn z.B. einen teil der Schicht Rufbereitschaft ausmacht.
 
Qualifikation
Pflege
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Fripi

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Eine Pause ist aber definiert als eine Zeit in der der AG keine Verfügungsgewalt hast, wenn du dort bleiben musst ist das natürlich nicht gegeben. Die Pause ist also Vergütet. Ich würde einfach mal rückwirkend für die letzten 6 Monate fordern das dir 105.50€ + 30% gezahlt werden, die differenz ausrechnen und das deinem AG schicken. Damit ist deine Forderung klar.
 
Qualifikation
GUKP
Fachgebiet
Humanitäre Hilfe
Weiterbildungen
Algesiologische Fachassistenz
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