Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

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Tinchen47.63

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Hallo!

Ich versuche mich kurz zu fassen:
Meine Mutter ist fast 85 J. und hatte vor ein paar Wochen einen Oberschenkelhalsbruch. Sie lag stundenlang in der Küche und hatte den Ofen hat. Dass nichts Schlimmeres passiert ist lag daran, dass meine Schwester zufällig nach der Arbeit bei ihr vorbei geschaut hat. Leider hat meine Mutter den Ernst dieser Lage überhaupt nicht erkannt, denn sie hat ein Notfallarmband mit welchem sie hätte Alarm auslösen können, was sie aber nicht tat! Nicht einmal 24 Std. vorher war sie auch schon hingefallen, da war sie allerdings noch klar genug Alarm auszulösen, so dass ich von der Johanniter-Unfallhilfe nachts um 24.00 Uhr angerufen wurde, ich solle nach meiner Mutter schauen. Mein Mann und ich mussten dann zu ihr fahren, da ich sie alleine nicht hochheben kann (wiegt über 80 kg). Wie gesagt am nächsten Tag lag sie schon wieder, löste aber trotz des Ofens keinen Alarm aus!!!!

Sie kam dann ins Krankenhaus und dort wurde aber die Oberschenkelfranktur erst 3 Tage später entdeckt. Inzwischen hatte sie eine Lungenentzündung und konnte nicht operiert werden. Die OP konnte erst nach 1,5 Wochen durchgeführt werden, obwohl die Gefahr einer Thrombose bestand. Der Arzt sagte uns, dass sie wohl nicht mehr so mobil werden würde, um noch alleine in ihrer Wohnung zu leben. Auch deshalb, weil unsere Mutter inzwischen wieder einmal einen Demenzschub hatte bzw. war sie so dermaßen wirr wie noch nie zuvor! Sie sprach mit Leuten, die nicht im Raum waren, sah ständig unseren vor 3 Jahren verstorbenen Vater und bildete sich ein sie wäre in ihrer Wohnung und nicht im Krankenhaus. Ausserdem behauptete sie jeden Tag (trotz gebrochenem Bein) spazieren gewesen zu sein. Meine Schwester und ich entschieden uns deshalb, eine schöne Pflegestelle für sie zu suchen. Wir haben dann auch gleich ihre Wohnung gekündigt (besitzen eine Generalvollmacht) und fanden ein wirklich sehr schönes Wohnheim mit ganz lieben Pflegekräften.Dort lebt auch eine sehr gute Bekannte unserer Mutter, so dass wir glaubten, sie würde sich dort schnell einleben.

In der 3-wöchigen Reha war sie zwar nicht mehr ganz so wirr, aber sie hatte lt. der Schwestern dort selten Lust ihre Übungen mitzumachen, so dass sie nach der Reha im Pflegeheim im Rollstuhl ankam.

Nun ist sie fast 3 Wochen in diesem Heim und hat sich inzwischen schon wieder sehr gut erholt. Sie ist wieder relativ fit und läuft schon mit ihrem Rollator herum. Nun ist sie aber auch wieder so klar im Kopf, dass sie ständig davon redet, wann sie endlich nach Hause darf. Wir sagen ihr zwar ständig, dass ihre Wohnung gekündigt ist, aber das will sie nicht wahrhaben. Sie beschimpft uns, sagt, wir müssen die Kündigung rückgängig machen und wir hätten nicht das Recht, das ohne ihre Einwilligung zu machen! Dass wir schon angefangen haben, die Wohnung auszuräumen, verschweigen wir noch. Sie ruft täglich mehrmals bei mir und meiner Schwester an und will von uns hören, dass sie bald wieder in ihre alte Wohnung zurück kann! Dabei vertippt sie sich ständig am Telefon und ruft oft 10-12 Mal täglich bei wildfremden Leuten an, so dass sich diese schon bei uns beschwert haben!

Trotzdem haben meine Schwester und ich ein dermaßen schlechtes Gewissen, obwohl wir wissen, dass es so für sie das Beste ist! Mutti fiel zuhause die letzten Wochen ständig hin, war im März schon mal nach einem Sturz in Kurzzeitpflege und fiel noch in der gleichen Nacht, in der sie wieder zuhause war wieder hin! Sie ist aber sehr ich-bezogen und denkt, meine Schwester und ich hätten die Verpflichtung uns ständig und rund um die Uhr um sie zu kümmern! Wir hatten wirklich die letzten Jahre - seit dem Tod unseres Vaters - fast kein Privatleben mehr, vor allem ich hatte meine Mutter mind. 4 Mal die Woche nachmittags bei mir. Mein Mann hat es zwar geduldet, aber die letzten Wochen merkten wir erst, was wir meiner Mutter zuliebe an Privatleben geopfert haben.

Ich sollte noch dazu sagen, dass sie Pflegestufe I hat und inkontinent ist und bisher morgens der Pflegedienst zu ihr kam. Sollte Mutti wieder nach Hause kommen (bzw. in eine neue, eigene Wohnung) würde das auch nicht mehr ausreichen. Meine Schwester und ich sind jedoch beide halbtags berufstätig.

Als sie im Krankenhaus lag, bestand gar kein Zweifel, dass sie in ein Pflegeheim muss! Es wurde uns ja von alles Seiten gesagt! Aber jetzt!! Keiner hätte gedacht, dass sie sich in ihrem Alter wieder so schnell erholt! Können wir nun so über ihren Kopf, über ihr Leben bestimmen?? Haben wir das Recht dazu?

LG
Tinchen
 
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nofretete

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Also Mutti soll im Heim bleiben, hört sich zumindest so an, redet bitte mit ihr Klartext, soweit es geht. Sie muß verstehen, dass sie nicht mehr zurück kann und ihre möbel usw. verkauft werden. Außerdem sollte euch klar sein, dass der nächste Demenzschub kommt, was ist dann? Sie könnte allein die Wohnung verlassen, weil sie meint, sie müßte euch besuchen oder irgendwas einkaufen!

Ansonsten, wenn sie wirklich wieder fit wird, und die Gründe für die vielen Stürze gefunden sind, das sollte noch abgeklärt werden, käme vielleicht betreutes Wohnen noch in Frage, aber das wäre nichts anderes, als eine altersgerechte eigene Wohnung ohne Pflege.

Und laßt euch nicht weiter ein schlechtes Gewissen einreden, das können alte Leute sehr gut, redet mal mit den Schwestern, was ihr tun könntet, hört sich jetzt hart an, aber vielleicht mal ne zeitlang keine Besuche könnte auch in Frage kommen. Aber die Schwestern können euch bestimmt helfen.
 
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weissbrk

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Tinchen, ich kann Eure Gefühle sehr gut verstehen.. aber überlegt doch mal, wie es Eurer Mutter gehen würde, wenn sie allein wäre..
Du hast einen guten Eindruck von dem Pflegeheim, sie wird gut versorgt, es wird darauf geachtet, dass sie genug trinkt und isst und ihre Medikamente nimmt. Würde das auch so gut klappen, wenn sie allein wäre?
Ich kann nofretete nur zustimmen.. aus der Sicht einer Angehörigen. Lasst Euch kein schlechtes Gewissen einreden, lasst Euch nicht unter Druck setzen und sprecht Euch mit den Fachleuten vor Ort.
Der Übergang ist bestimmt schwierig für Eure Mutter. Aber für Euch auch. Sei Dir mit Deiner Schwester einig, seid klar und eindeutig und einstimmig Eurer Mutter gegenüber.
Ich wünsch Euch alles Gute.
 
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Tinchen47.63

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Hallo, das ging ja schnell! :)

Die Stürze kommen wahrscheinlich daher, dass sie auch Parkinson hat und dadurch ihre Füße nicht richtig hebt und ein wenig seitl. krumm und nach vorne gebeugt läuft. Das wird auch in Zukunft nicht besser!
Das schlechte Gewissen habe ich hauptsächlich, weil wir so mit ihrem Hab und Gut umgehen!!! Es ist zwar lauter alter Kram, für den man nicht mal mehr was bekommt, aber sie hängt halt dran! Wir heben die persönlichen, wichtigen Sachen natürlich auf, aber das Meiste landet im Sperrmüll, wenn sie das wüßte!!! Ich darf gar nicht dran denken!!!!!
Ausserdem hat sie auch noch ein Kakerlaken-Problem in ihrer Wohnung, das haben wir jetzt entdeckt. Kommt vielleicht auch daher, dass sie oft getragene Windeln, die ihrer Meinung nach noch nicht sehr nass waren, einfach in Schränken versteckt hat, um diese dann, mit Slipeinlagen versehen, nochmals zu tragen! Ich sag ja, sie ist wirklich dort gut aufgehoben, aber sie macht uns momentan das Leben zur Hölle. Dabei redet sie doch recht klar und das macht die Sache nur noch schlimmer!!! Wenn sie wie damals im Krankenhaus sagen würde: "Ich lass mein Bein nicht operieren, ich lauf doch jetzt auch jeden Tag im Gang herum und ausserdem bin ich doch nach dem Sturz auch zuhause noch 14 Tage normal herumgelaufen, bis ihr mich ins Krankenhaus gefahren habt.." dann wäre es für uns um einiges leichter!!! Und deshalb glaubt man: So schlecht ist sie ja momentan gar nicht dran. Ist sie denn wirklich schon ein Fall für ein Pflegeheim? Muss sie denn unbedingt schon in einem Heim ein tristes Dasein führen? Betreutes Wohnen wäre auch keine Alternative, denn 1. haben diese in unserer Nähe ewig lange Wartezeiten und 2. will sie ja in ihre alte Wohnung und sonst nirgendwo hin!

Aber meine Schwester und ich haben uns schon vorgenommen beim Besuch am Sonntag mal mit den Schwestern zu sprechen!

LG
T.
 
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Ren-Hoeck

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Tinchen, ich kann verstehen wo euer Problem liegt. Das geht den meisten so, die sich der Einsicht in die Notwendigkeit ergeben müssen.
Zunächst ist es in bestimmten Phasen dementieller Erkrankungen tatsächlich typisch, das Erkrankte vermeintlich klar sind - aber durch falsche Aussagen recht gut über ihr kognitives Problem hinwegtäuschen können. Je höher hier die ursprüngliche Intelligenz ist, desto schwieriger ist das zu durchschauen. Also noch mal - Demente entwickeln gern eine gewisse Bauernschläue.
Aus dem Heim in eine neue eigene Wohnung würde ich abraten.

Erstens ist es nicht "Ihre" Wohnung - also das Problem, dass sie nicht zu Hause ist, besteht dann immernoch.
Zweitens, ist deiner Beschreibung zu Folge eure Mutter in einer Verfassung, die eine 24h - Betreuung (oder wenigstens Beaufsichtigung) notwendig macht.

Ein gutes Haus (und so eins habt ihr ja wohl auch gefunden) wird sich dem Problem auch annehmen, aber Patentlösungen hierfür gibt es nicht. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass sich Mutti doch irgendwann mit der Situation arrangiert. Das Hineingleiten in die nächste Phase der Demenz (wird auch unweigerlich irgendwann passieren) geht ja auch einher mit einer Verschiebung der primären Bedürfnisse.
 
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DorisL

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Tinchen ich kann Dich sehr gut verstehen. Wir hatten die Schwiegermutter erst zu Hause und dann im Pflegeheim wo wir sie nach knapp 2 Jahren wieder raus holten. Es ist dort leider immer rückwärts gegangren und nicht nur bei meiner Schwiegermutter sondern bei allen Leutchen die wir dort beobachtet haben. Selbst wenn sie in Kurzzeitpflege war, ist es immer wieder ein Schritt rückwärts und ich brauche lange auf den alten Stand zu kommen. Da ich selbst gesdundheitlich angeschlagen bin und sie nicht mehr selbst pflegen kann, haben wir eine ausländische Hilfe hier, das klappt unter meiner Kontrolle sehr gut und ist bezahlbar. Meine Schwiemu hat Pflegestufe 3, ist aber geistig klar.
Man weiß nie was das Beste ist aber das Privatleben ist immer gestört, egal ob zu Hause oder im Heim (dort kümmert man sich ja auch und wird mit allen Problemen konfontriert) aber Jeder muß für sich entscheiden was das Beste ist. Während sie im Heim war konnte ich jeweils die Nacht nach meinen Besuchen nicht schlafen, heute ist sie im Haus (wir haben 2 Wohnungen im Haus) und so ist alles besser auch wenn wir stets nah am Geschehen sind.
Ich wünsche Euch viel Kraft und alles Gute!
 
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anje7988

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AW: Mutter im Pflegeheim - schlechtes Gewissen!

Vielleicht habt ihr die Möglichkeit sie nochmal in die Wohnung zum Abschiednehmen zu bringen? Dann könnte sie auch selbst aussuchen was sie mitnehmen möchte und woran ihr Herz hängt?
 
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