Innere Medizin Mundkeile

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STS

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14.07.2006
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Hiho.

Ich habe dieses Thema hier erstellt, da ich es nicht in "Pflegehilfsmittel" platzieren wollte und auch sonst kein passendes Forum fand. Falls nötig, kann es ja verschoben werden.


Nun zum Text:
Ein fast 90jähriger Patient krampfte letztens während der Grundpflege, unter den Augen eines Drittkursschülers. Ein paar Tage später nochmals während eine Schwester dabei war. Der Pat erhielt beide Male Diazepam; nach dem zweiten Krampf wurde ein Tablett mit 1 Amp Diazepam direkt ins Zimmer gestellt (an eine unzugängliche Stelle natürlich) - mit auf dem Tablett: Ein Mundkeil.

Als ich nach meinen freien Tagen wieder auf Station erschien, sah ich den Mundkeil und fragte meine Kolleginnen, wessen Idee das denn bitte gewesen sei. Denn ich habe in meiner Ausbilung gelernt: Mundkeile werden nicht mehr benutzt. Das sagten sowohl unsere Lehrer für Krankenpflegeberufe als auch unser neurologischer Dozent. Die Schwestern entgegneten, dies sei so angeordnet worden.

Nun werden einerseits weiterhin Mundkeile verkauft/gekauft und mit Sicherheit auch hier und da angewendet - da wollte ich von euch wissen, wie euer Wissensstand ist und ob ihr noch Mundkeile benutzt.

Soweit ich weiss, sind Mundkeile zwar vielleicht indiziert bei behandlungsunwilligen Patienten oder OPs, jedoch nicht bei Krampfenden. Es besteht die Gefahr der Verletzung des Gaumens, der Zähne und der eigenen Finger. Es geht insgesamt darum, dass sich Patienten durch das Krampfen selbst weniger schaden können als wir ihnen mit einem Mundkeil.


Also, was ist eure Meinung?
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Es besteht die Gefahr der Verletzung des Gaumens, der Zähne und der eigenen Finger. Es geht insgesamt darum, dass sich Patienten durch das Krampfen selbst weniger schaden können als wir ihnen mit einem Mundkeil.
Hallo,

genauso, wie du es beschreibst, ist es auch mir bekannt!:thumbsup:
Ich bin zwar in einer Altenpflegeeinrichtung, wir haben aber auch eine Bewohnerin mit gelegentlichen epileptischen Anfällen. Auch hier kommt kein Mundkeil zum Einsatz! Ehrlich gesagt, haben wir so etwas gar nicht!:wink:

Grüßle Manu
 
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cyberhex

cyberhex

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08.02.2006
8041
Du sagst es, wir haben diese Keile vor einigen Jahren entsorgt.

Wenn ich so nachdenke, was haben wir unseren Patienten alles so zugemutet. Allerdings wurde es vor vielen Jahren in den Schulen so gelehrt.
 
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Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
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Surrogat

Nun, der gemeine "Mundkeil" mag vieleicht nicht mehr das Mittel der Wahl darstellen, insbesondere da mit dem Guedel-Tubus ein leicht zu applizierendes und in jahrzehntelanger Praxis erprobtes Mittel zur Verfügung steht.
Der Einsatz desselbigen wird in Retttungsdienstschulen weiterhin gelehrt und im Rettungsdienst praktiziert.

Zahn- oder Gaumenschäden durch eingelegte Sicherungsmittel habe ich in langjähriger Praxis diesseits und jenseits der Klinikpforte sehr, sehr selten erlebt - schwere Zungenbisse, Hypoxien und Aspirationen aufgrund unzulänglicher Absaugungs- bzw. Oxygenierungsmöglichkeiten dafür umso häufiger.

Und den berühmten "Fingerbiss" ordne ich inzwischen was die Häufigkeit angeht ebenso unter der Rubrik "Unwahrscheinlich" ein, wie die Agranulozytose bei Novalgingabe (ca. 1: 1,2 Millionen).
Mit anderen Worten: Ich kenne nicht einmal jemanden, der jemanden kennt, der einmal gehört hat das jemand gesagt hat er habe jemanden getroffen dem es passiert sei....
 
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xray3279

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11.06.2006
40223
Der "Zungenbiss" ist bei einem Krampfanfall initial!!! Also bringt euer Keil gar nichts. Ist der Pat. bekannt das er häufiger hintereinander krampft, kann man einen Guedel benutzen, wird aber von den bewusstsein klaren Pat. nicht toleriert.
 
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Fachkrankenpfleger I&A
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Weiterbildung I&A, Praxisanleiter
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STS

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14.07.2006
46147
Tonisch-klonischer Anfall (Grand Mal)
Dieser Anfallstyp ist der häufigste generalisierte Anfall und kann zu jeder Tages- oder Nachtzeit auftreten. Er ist durch verschieden Phasen gekennzeichnet. Oftmals beginnt er mit einem Schrei (Initialschrei) und der Patient stürzt ohne Vorwarnung zu Boden, wenn er nicht gerade sicher sitzt oder liegt. Er verliert sofort das Bewusstsein und bleibt während des gesamten Anfalls bewusstlos. Gegen den plötzlichen Sturz der Patienten ist man meist machtlos, und es kann zu erheblichen Verletzungen kommen, häufig im Gesicht oder am Kopf. Ansonsten ist ein Grand Mal jedoch fast nie lebensbedrohlich.
In der tonischen Phase versteifen sich Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur, die Augen verdrehen sich und das Gesicht ist verzerrt. Häufig setzt die Atmung für wenige Sekunden aus und das Gesicht verfärbt sich blaurot. Es besteht jedoch nie Erstickungsgefahr! Durch den plötzlichen Kieferkrampf kann es zu Bissverletzungen von Zunge, Backe oder Lippen kommen, die jedoch ungefährlich sind und schnell verheilen. Niemals soll man einem Patienten während dem Anfall etwas in den Mund stecken, um ihn vermeintlich zu schützen! Der Patient wird dadurch viel eher gefährdet (z.B. Abbrechen von Zähnen)!
Nach der etwa 10-30 Sekunden dauernden tonischen Phase beginnt die klonische Phase mit groben Zuckungen der Arme, der Beine, des Rumpfes und des Gesichts. Sie dauert nur ein bis zwei Minuten, kann bei kleinen Kindern aber manchmal auch bis zu 10 Minuten andauern. Typischerweise ist die Frequenz (Anzahl pro Minute) der Zuckungen zu Beginn hoch und nimmt danach ab, während dafür die Stärke der Zuckungen zunimmt. Die Speichelproduktion kann gesteigert sein und aus dem Mund laufen («Der Patient hat Schaum vor dem Mund»).
Es kann zu Urin- oder Stuhlabgang kommen.
Meist atmen die Patienten nach dem Anfall (postiktal) tief durch und tauchen dann allmählich aus der Bewusstlosigkeit auf. Viele fallen danach in einen tiefen Schlaf, andere sind noch nicht voll orientiert, laufen ziellos umher oder hantieren an sich oder an Gegenständen sinnlos herum. Bei Kindern ist Erbrechen nach dem Anfall häufig. Viele Patienten berichten über stundenlange Kopfschmerzen oder manchmal schweren Muskelkater nach einem Anfall.
Ein Grand Mal dauert meist nicht länger als 2 Minuten, die postiktale Phase kann jedoch 30 Minuten und länger anhalten.
Quelle: Epileptische Anfälle
 
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Wuschi63

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28.06.2006
74850
Bis man merkt ,daß jemand krampft, ist es für den Mundkeil zu spät. Man bekommt die Zähne nicht mehr auseinander. Bei einer Fortbildung vor 4Wochen bei einem Facharzt für Psychiatrie und Neurologie lehrte er uns auch, daß Mundkeile "out" sind. Dies bestätigte mein Wissen und deshalb wurden bei uns im Pflegeheim die Mundkeile verbannt.
 
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Lacrimale

Lacrimale

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18.02.2006
55124
Hallo,
genauso wie es bereits xray erwähnt hat ist es auch.Wir haben Keile nur noch für Pflegezwecke und auch da nur 1.-2 mal im Jahr.Wir verwenden ansonsten keine Keile mehr.Der Zungenbiß ist wie bereits erwähnt immer initial und meistens daher nicht zu vermeiden.Beschädigungen von Zähnen und Gaumen sind mir nicht bekannt.
Gruß L.
 
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Fachkrankenpfleger Anästhesie
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ICU
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Manu5959

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sisternic

sisternic

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29.01.2005
85250
Hallo liebe Kollegen und Kolleginnen (aus Pflege und Rettung)..

in jedem Beitrag lese ich, dass die Mundkeile nicht mehr "up to date" sind!

Bis vor kurzem hatten wir auch keine mehr, doch dann kam dem Statiosnleiter unserer ITS der geniale Gedanke, die auf den Notfallwagen wieder draufzutun..

Könnt schreien deswegen..:motzen: :mad_2:

Werd Ihn bei nächster Gelegenheit mal fragen, warum der nun wieder drauf ist... (ähm,vielleicht,um den Notfallwagen vorm Wegrollen zu schützen ???:laughing: )..oder für was der nun gedacht war..

Einen schönen Tag noch..
Nic:eek:riginal:
 
Qualifikation
KS, Rettungssanitäterin, Desinfektorin, RAiP
Fachgebiet
Amb. Pflege, Rettungsdienst, Krankentransport
Weiterbildungen
2001 Staatsexamen zur KS
2004 RDH
2008 RS
2013 Staatl. gepr. Desinfektorin,
2014 Ausbildung zur Rettungsassistentin
zudem tätig als Hygienebeauftragte, zuständig für Lager, Verwaltung und diverse andere Tätigkeiten
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Manu5959

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19.10.2005
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ksp2002

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02.03.2006
Bad Neuenahr
Unser Mundkeil wird z.Zt als Türstopper im Stationszimmer benutzt, ich denke damit ist alles gesagt. ;-) :wink:
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Innere medizin
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Böse

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22.07.2006
82319
Servus!!!
Also das Mundkeile schon seit Jahren nicht mehr angewndet werden und sogar Kontraindiziert sind sollte klar sein.
Jedoch scheint mir die Altersverteilung auf verschiebenen Stationen ausschlaggebend zu sein-je älter desto uninteressierter an neuen Verfahren, Pflegetechniken.Hängt warscheinlich auch von den versch. Häusern ab- interne Fortbildungen sind eine gute Möglichkeit während Stationsbesprechungen fast alle Mitarbeiter zu erreichen- wird bei uns jedasmal gemacht dauert meist so 10- 15 min.
Also probierts aus!!!
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger I+A, PA, ALS Supporter
Fachgebiet
Innere ITS, Schön Klinik Starnberger See
Weiterbildungen
Wundmanagment, Notfallmanagment,
MPG
Pflegeboard.de

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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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