Multiple Persönlichkeiten

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André Rosellen

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07.04.2002
41469
Liebe Kollegen!

Wie geht man bei Euch auf der psychiatrischen Station mit der Diagnose "Multiple Persönlichkeit" bzw. "Dissoziative Identitätsstörung" um?

Welche Erfahrungen habt Ihr, könnt Ihr dem Konzept folgen, gibt es das überhaupt, welche Pflege- und Behandlungskonzepte wendet ihr an, welche Literatur könnt Ihr empfehlen, wie geht ihr mit den Belastungen um, die zwangsweise damit einhergehen, wenn man sich dieser Menschen annimmt und versucht, sie (in der Regel in Krisen) zu betreuen?

Erzähle auch gerne von meinen Erfahrungen, bin aber erst mal auf Eure Reaktionen gespannt. -

Also ran an die Tastatur

friedrich
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
S

Stephanie17

Hi Friedrich,

ich habe früher 4 Jahre auf eine psychiatrischen Station gearbeitet, hatte aber keinen Kontakt zu MPS Patienten, aber nun kenn ich jemand persönlich, und der Umgang ist irre kompliziert, er switsch nicht selten, und es gibt Personen die mich klar ablehnen, und andere suchen meine Nähe, das ist sehr verwirrend, der Kontakt liegt auch zur Zeit auf Eis, bin auch mal gespannt ob da hier jemand zu schreibt, also auch ein Aufruf von mir :)

Stephanie
 
P

Pfleger

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28.11.2001
34537
In der Klinik in der ich arbeite, werden regelmäßig Patientinnen, vereinzelt auch Patienten, mit MPS behandelt. Über die lange Erfahrung, die wir mit diesem Krankheitsbild haben kann ich sagen, dass Struktur für die Betroffenen eine ganz wichtige Hilfe ist. Diese Struktur sollte von allen an der Therapie und Betreuung Beteiligten unterstützt werden. D.h. klare Absprachen treffen, sich im Team nicht gegeneinander ausspielen lassen, Gespräche auch zeitlich strukturieren, auf Selbstverantwortlichkeit zurückverweisen. Selbstverletzungen z.B. werden bei uns nicht vom Pflegepersonal verbunden, sondern die Patientinnen bekommen kommentarlos Verbandsmaterial ausgehändigt. Damit soll verhindert werden, dass sich über diese Form des Entlastens von innerer Spannung Zuwendung geholt wird.
Soweit erstmal als Kurzinfo. Mehr auf Anfrage.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychosomatik
A

André Rosellen

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07.04.2002
41469
Pflege der dissoziativen Identitätsstörung

Hallo "Pfleger"


Du schreibst:
"klare Absprachen treffen, sich im Team nicht gegeneinander ausspielen lassen, Gespräche auch zeitlich strukturieren, auf Selbstverantwortlichkeit zurückverweisen. Selbstverletzungen z.B. werden bei uns nicht vom Pflegepersonal verbunden, sondern die Patientinnen bekommen kommentarlos Verbandsmaterial ausgehändigt. Damit soll verhindert werden, dass sich über diese Form des Entlastens von innerer Spannung Zuwendung geholt wird."



Das klingt irgendwie professionell aber auch distanziert und relativ unspezifisch. Die von Dir als Struktur bezeichneten Verhaltensweisen kenne ich genau so von der Betreuung von Menschen mit emotional istabiler Persönlichkeitsstörung ("Borderliner").

Wie ist es denn mit der Annahme des Krankheitskonzeptes? An welcher Theorie orientiert ihr Euch? Die Spanne reicht ja weit von "gibts garnicht" bis hin zu den kampflesbenartig formulierten Bücher der Michaela Huber (Sorry Frau Huber). Was ist Euer grundlegendes Behandlungsziel bzw. Pflegeziel und wie sind die diesbezüglichen Maßnahmen?

Und - Funktioniert es mit dem "Nicht gegeneinander ausspielen lassen"? Und scheint es allen immer sinnvoll, Gespräche strikt zu strukturieren? Wie reagiert ihr auf "Personenwechsel (switchen)"? Gibt es einen Namen, um die Betroffenen anzusprechen oder lasst ihr Euch auf mehrere Namen ein?

Last but not least - Wegen welcher Probleme kommen diese Menschen überhaupt zu Euch?

Hi Stephanie - Die Fragen lasen sich durch leichte Umformulierung auch an Dich richten, bin neugierig,

Das waren (fürs erste) meine Fragen

Danke für Eure Beiträge

friedrich
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
P

Pfleger

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28.11.2001
34537
Hallo Friedrich
Natürlich sind wir nicht so distanziert, wie das zusammengefasst klingen mag. Aber wir kennen die Situationen nur zu gut, dass unter den Patientinnen Neid entsteht, wer im Stationszimmer die längste Zeit verbracht hat, da wird dann auch tatsächlich auf die Uhr gekuckt. Von den Patientinnen! Aber wir kennen auch das Phänomen, dass Patientinnen sich gegenseitig triggern und dann zwei oder drei geswitschte (was für ein Wort, grinz) in der Ecke kauern. So gibt es bei uns Stationsregeln, die jede PatientIn unterschreiben muss. Da wird auch festgehalten, dass außerhalb der Therapie nicht über das Trauma im Detail gesprochen werden darf.

Michaela Huber hat lange Zeit bei uns Supervision gemacht. Gerade wir in der Pflege haben sie gerade wegen ihrer Klarheit sehr geschätzt, denn allzuoft haben sich die Therapeutinnen auf Absprachen mit den Patientinnen eingelassen, die entgegen der Stationsregeln und auch gegen den gesunden Menschenverstand waren. Auch wurden oft die Grenzen unseres Settings deutlich.
Mittlerweile wird bei uns die Traumatherapie favorisiert. D.h. das Buch von L.Reddemann über Imagination steht in jedem Bücherregal.
Wir hatten vor kurzem eine lange Fortbildungsreihe (5 ganze Tage) zum Thema Traumatherapie. Innerer sicherer Ort, Tresorübung, Screentechnik sind dabei sich in der Einzeltherapie einen Platz zu schaffen. Einige TherapeutInnen haben eine Ausbildung in EMDR. Die Auswirkungen für die Pflege sind noch nicht ganz ausgearbeitet.
MPS ist, wie du ja auch schreibst, eine umstrittene Diagnose. Dieser Begriff wird bei uns auch seltener verwendet. Dafür der Begriff dissoziative Störung, der umfassender ist. Ebenso klingt auch vermehrt die Borderline Störung an. Als Verständnismodell hingegen finde ich die Idee der Beschreibung einer MPS hilfreich. Zudem kommen dann noch die Theorien der Ego-States dazu, die ich noch eher kritisch sehe.
Wir versuchen in der Pflege ganz praktisch bei einem Switsch die sog. Gastgeberpersönlichkeit wieder in den Vordergrund zu bekommen, durch gezieltes Ansprechen mit dem Namen. Kommt es zu einem Flashback, also einen Rückfall in das Traumaerleben, versuchen wir mit sehr direktiven Anweisungen, die Patientin zu reorientieren. Mit Namen ansprechen, Sicherheit bieten, Boden spüren, möglichst vom Boden weg bringen auf Stuhl, am Besten ins Stationszimmer führen, um den Sensationscharakter zu vermeiden. Erfolgt nach ca 10 Minuten keine Änderung des Zustandes, erklären wir der Patientin, dass wir uns unserer anderen Arbeit wieder zuwenden und später nochmal nach ihr schauen werden. Dies wirkt oftmals Wunder. (?)

Noch ein Wort zu den Problemen, wegen derer die Patientinnen zu uns kommen: Es gibt in unserer Abteilung einen reinen Frauenbereich, das heißt hier sind ca 55 Patientinnen mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt in unterschiedlichen Schweregraden. Sie wollen bei uns Symptomerleichterung. Die Spanne geht von mit dem eigenen Körper umgehen, ihn annehmen können, über Beziehungsfähigkeit zu einem anderen Menschen hin zu Arbeitsfähigkeit bzw. Berufsfindung. Manche kommen schon seit Jahren und es ist für uns erfreulicherweise eine Besserung wahrzunehmen, d.h. weniger Selbstverletzungstendenzen, stabilere Gefühlswelt, Wiedereingliederung in ein soziales Umfeld. Einige zeigen jedoch auch keine "Besserung". Woran auch immer das liegen mag, meist ist es der noch bestehende Täterkontakt, der eine erfolgreiche Therapie verhindert.

Da fällt mir noch ein, dass wir für unser Pflegedenken vieles aus dem transaktionsanalytischen Denken hilfreich finden.
Mehr dazu aber dann ggf. ein andermal.

Gruß
Pfleger
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychosomatik
A

André Rosellen

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07.04.2002
41469
Dissoziation und Fettnäpfchen

Hi Pfleger!

Danke für Deine ausführliche Antwort! Bin wohl mit Frau Huber leicht ins Fettnäpfchen getreten. Von Ihr war das erste Buch, dass ich über Multiple Persönlichkeien gelesen habe (Michaela Huber, Multiple Persönlichkeiten, Überlebende extremer Gewalt, Fischer-Verlag). Inhaltlich fand ich es insgesamt gut, der Ton war mir nur manchmal zu marzialisch-feminstisch. Wenn sie z.B in ihrem Vorwort betont, dass dieses Buch nichts für Voyeure sei. Ich habe es schon vor einiger Zeit gelesen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie auch selbstkritisch etwas über die Rolle der nicht-helfenden Mutter bei der Entstehung von Traumata geschriben hätte. Daher die Formulierung "Kampflesbe").

Auf meiner Station (18 Betten, davon 8 Plätze für stationäres DBT für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung) arbeiten wir auch mit Elementen von Traumatherapie wie sicherer Ort, Screening, Imaginationsübungen. Die Reddemann steht ebenfalls bei mir im Schrank, samt CD. Ein Kollege leitet eine Imaginationsgruppe auf unserer Station.

Meine Haltung zur Existenz der Multiplen Persönlichkeitsstörung - MPSoder besser "Dissoziative Identitätsstörung - DIS" kannst Du am besten auf meiner Homepage nachlesen (www.psychodoz.de).

Ich bin bisher vor allem auf Literatur zur Krankheitslehre gestoßen, pflegerische Veröffentlichungen konnte ich bisher nicht entdecken. Bücher, die ich empfehle, sind :

Cameron West, Erste Person Plural, ISBN 3-548-35985-X, 8,95€
Ist ein autobiographsher Bericht, der nicht zu agrressiv berichtet und hilft, sich in die Erlebniswelt hineinversetzen zu können.

und

Peter Fiedler, Dissoziative Störungen und Konversion, ISBN 3-621-27494-4, 39,90 €.
Ein wissenschaftlich aufgebautes Buch, dass sich fast wertfrei dem Thema nähert, beginnend mit der Theorie über das Gedächnis hin zur Entwicklung eines Krankheitsverständnisses. Sehr schön und offen werden die bekantesten Kritikpunkte behandelt und die DIS gegenüber Borderlin, Schizophrenie, posttraumatische Belastungsstörung etc. abgegrenzt. - Deutlich neutraler, wertfreier und wissenschaftlicher als Frau Huber (ich kanns einfach nicht lassen)

Menschen mit DIS kommen in der Regel zur "Krisenintervention" zu uns. Dabei geht es wenig um die Therapie der DIS sondern darum, einen äußeren sicheren Ort zu schaffen, wo sie so angenommen werden wie sie sind und wo sie es schaffen, entgegen innerer Bestrebungen keinen Täterkontakt aufzusuchen, häufig zu bestimmten Kalenderdaten.
Diese Kriseninterventionen sind in der Regel in ein therapeutisches Setting außerhalb der station eingebunden und wir sprechen unseren Anteil an der Behandlung und Pflege mit den ambulante Therapeuten ab, was sich bisher immer als wichtig erwiesen hat.

Wie Du schon schreibst, ist ein Hauptproblem die Forderung der Betroffenen nach viel Zuwendung mit alldem was daran hängt. Allerdings berichten mir auch die niedergelassenen Therapeuten, dass es darum geht, die vielen inneren Persönlichkeitszustände langfristig miteinander zu integrieren und ein umfassendes "Co-Bewusstsein" zu schaffen (alle kennen alle). Dazu gehört, dass alle Innenpersonen ihre Zeit zum Außenkontakt benötigen; allein das braucht mehr Zeit als "handelsüblich". Für mich bleibt die Frage und zurzeit auch ein täglicher "Eiertanz" wie die sinnvolle Ansprache der Betroffenen zu erfolgen hat. Einerseits will man die Dissoziation nicht dadurch fördern oder gar provozieren, indem man die Betroffenen mit vielen Namen anredet und mit Hr. bzw. Fr X zudem die Realität vertreten, andererseits geht es darum, ale Anteile anzunehmen, zu verstehen und schließlich zu integrieren, was bedeuten würde, sich zumindest für eine Zeit lang auf die verschiedenen Namen der Persönlichkeitszustände eizulassen, bis diese "integrationsbereit" sind. Dazu gehören auch sogenante Täter-Introjekte. Wenn ich mich richtig erinnere, wird die letzte Auffassung auch durch Frau Huber vertreten.

Alle Psychologen, Psychiater, Pflegekräfte und Sozialarbeiter, die ich kenne und die sich der professionellen Arbeit mit "Multiplen" widmen berichten einstimmig, dass man bei der Behandlung und Betreuung dieser Menschen mit den üblichen Settings von Nähe und Distanz sowie Zeitrahmen in der Zuwendung diesen Menschen nicht gerecht wird. Auch dazu steht -meine ich zumindest- entsprechendes im Buch von Frau Huber.

Soweit erstmal

Bin auf weitere Antworten sehr gespannt

Friedrich
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
M

Michael Hirschauer

Hallo Friedrich,

Diese Personen spielen stets psychologische Spiele. Dies zu erkennen und damit professionell umzugehen ist eine Kunst.

Psychologische Spiele sind eingefahrene Verhaltensweisen, die sich regelmäßig wiederholen und bei denen das (meist bittere) Ende vorhersagbar ist.


Jeder von uns kennt vermutlich Situationen, die sich mit schöner Regelmäßigkeit wiederholen, und bei den wir schon wissen, wie das Ende aussieht.

Innerlich denkt man dann: "Fängt das schon wieder an?" oder "was habe ich jetzt schon wieder gemacht?" oder "was ist denn mit der/dem los?"

Psychologische Spiele laufen unbewusst ab, sind also Prozesse, die nicht geplant oder gesteuert sind.

Jeder von uns spielt Spiele, die meist in der Kindheit gelernt wurden und mit deren Hilfe wir in unserer Herkunftsfamilie die notwendige Zuwendung erlangen konnten. Sie sind Folge einer Anpassung an die Umwelt (z.B. Familie) bzw. eine direkte Reaktion auf das Verhalten der anderen Familienmitglieder.

Spiele sind in der Regel in ihrer Auswirkung destruktiv, Ausnahme z.B. Flirt



In der Kindheit müssen von den Kindern immer wieder Situationen bewältigt werden, die mit hohem Stress verbunden sind. Immer wieder wird ihnen versagt, ihre Bedürfnisse und Gefühlsäußerungen auf authentische Weise zu äußern, weil ihre Bezugspersonen diese so nicht ertragen oder selbst unterdrücken, oder weil Situationen dies nicht zulassen.

Je nachdem wie belastend und prägend diese sind, fällt das Kind Entscheidungen, wie seine Einstellung sich selbst gegenüber, den anderen und dem Leben ist (Grundeinstellungen/Lebensskript).



Zugleich macht es Erfahrungen mit dem Verhalten seiner Beziehungsperson, hört von diesen Aussagen über sich und sein Verhalten und erfährt, welche Gefühle erlaubt bzw. verboten sind. Auf diesem Hintergrund fällt es Entscheidungen, die, vor allem wenn sich diese Erfahrungen immer wiederholen, sein weiteres Leben bestimmen. Dabei berücksichtigt es, dass es überleben möchte und Zuwendung und Annahme dazu braucht.

So lernt es z.B., dass es zuweilen besser ist, traurig zu sein statt wütend, oder Angst zu haben anstatt Freude zu äußern und umgekehrt (Racketgefühle).



Die Entscheidungen, in der Kindheit sinnvoll, um das wohlwollen der Erwachsenen und das (psychische und physische) Überleben zu sichern, sind im weiteren Leben häufig hinderlich, um sich der Situation und dem Lebensalter entsprechend verhalten zu können. Sie schränken die Fähigkeit zu Intimität und Autonomie ein.



Psychologische Spiele sind ein Versuch, die daraus folgenden inneren Spannungen zu lindern.

5 Charakteristika für Spiele:

  • Spiele laufen immer gleich ab (=Spielmuster bleiben bei jedem Mensch gleich)
  • Bei spiel bleibt das ER ausgeschaltet, es läuft "unbewusst" ab.
  • Am Ende eines Spieles erleben die Spieler immer ein Racketgefühl
  • Spiele bringen eine folge von verdeckten Transaktionen zwischen den Spielern mit sich.
  • Zu einem Spiel gehört in der Regel ein Augenblick der Überraschung und Verwirrung.
Die Spiel-Formel



Con + Gimmick = Response > Switch > Crossup > Payoff



1. Schritt: Con (Köder), etwas Wichtiges wird (von A) gesagt und zugleich etwas

Wichtiges bei sich, anderen oder der Wirklichkeit übersehen, verzerrt

oder ignoriert.



2. Schritt: Gimmick (Wunder Punkt) = Spielanfälligkeit von B



3. Schritt: Response = Ablauf verdeckter Transaktionen, längere Diskussion



4. Schritt: Switch (Wendung), Wechsel des Ich-Zustandes, meist offensichtlich.



5. Schritt: Crossup (Verblüffung)



6. Schritt: Payoff (Nutzeffekt), Endergebnis: Ungute Gefühle (Racketgefühle) auf

beiden Seiten.





Spiele haben manipulativen Charakter.

Sie können Minuten oder Jahre dauern.





Spielklassifikation (nach Spielgraden)



1. Grades: harmlos

2. Grades: schmerzliche Erfahrung, öffentliche Kompromittierung

3. Grades: tragisches Ende (Mord, Selbstmord, dauerhafter Schaden, Gericht)



Ein Analyseinstrument für Spiele ist das Dramadreieck von Karpmann: Retter - Opfer - Ankläger

Opfer:



Übernimmt den Part des Prügelknaben.

Obwohl immer unter Druck, ist von wirklicher Hilflosigkeit selten die Rede: nur vermeintlich findet sich hier der ewige Verlierer.



Typische Redewendungen:

- "Immer muss ich alles machen."

- "Typisch, wenn ich mal was brauch, ist keiner da."

- "Nie ist jemand für mich da."





Verfolger:



Ihm eilt der Ruf voraus, ständig an anderen herumzukritteln oder hinter ihnen herzuschnüffeln.



Typische Redewendungen:

- "Hab ich mir's doch gedacht..."

- "Immer sitzen sie hier rum, als ob es nichts besseres zu tun gäbe."

- " Das ist ja wieder mal typisch..."





Retter:



Der Retter zieht das Engagement wie ein Magnet an, obwohl er schon fast unter der Arbeit zusammenbricht.

Er findet sich oft unersetzlich.



Typische Redewendungen:

- "Bevor ich jemanden etwas lang und breit erkläre, mach ich es lieber selber."

- "Wenn ich sehe, wie jmd. sich abmüht, da muss ich einfach helfen."

- "Wenn man mich braucht, bin ich immer da."


Das Thema ist sehr komplex. Ich könnte noch Seiten schreiben. Wichtig in der Arbeit ist das Spiel zu erkennen.
Aber wie gehe ich damit um?
- ich ignoriere das Spiel,
- ich decke das Spiel auf (Konfrontation),
- ich spiele das Spiel mit, oder
- ich biete eine Alternative zum Spiel an.

Das Wichtigste ist eine gute Reflektion durch Supervision und Klarheit im Team.

Soweit erst einmal,

bis bald

Michael Hirschauer
 
A

André Rosellen

Mitglied
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07.04.2002
41469
psychologische Spiele?

Hi Michael!

Danke für Deine sehr ausführliche Antwort. Dennoch fühle ich mich dadurch (noch) eher verwirrt als bereichert. Deshalb ein paar Fragen dazu:




Was verstehst Du unter "Psychologische Spiele" genau?

Sind es eher unbewusste Mechanismen, sozusagen als tiefenpsychologisch orientiertes Verständnis dieses Verhaltens?

Oder sind es mehr oder weniger bewusst gesteuerte Prozesse zur Erlangung von Zuwendung, Aufmerksamkeit, sekundärer Krankheitsgewinn im Rahmen histrionischen Verhaltens?

Auf welchen Autor beziehst Du Dich mit Deinen fachlichen Ausführungen?





Falls Du noch auf einer Station arbeitest, zurück zu meinen Ursprungsfragen:

Welche Erfahrungen hast Du?
Kannst Du dem Konzept (und welchem überhaupt) folgen?
Gibt es das überhaupt?
Welche Pflege- und Behandlungskonzepte wendet Ihr an?
Welche Literatur kannst Du empfehlen?
Wie gehst Du mit den Belastungen um, die zwangsweise damit einhergehen, wenn man sich auf die Betreuung dieser Menschen einlässt?




Gespannt wartend auf Deine Antwort

friedrich
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
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Michael Hirschauer

Hallo Friedrich,

erst einmal herzlichen Dank für Deine Antwort. Es tut mir leid, dass ich Dich verwirrtt habe. Dies lag nicht in meiner Absicht.
Hauptberuflich arbeite ich als Fachkrankenpfleger für psychiatrische Pflege in Langenfeld auf einer forensischen Behandlungsstation mit persönlichkeitsgestörten Straftätern. Nebenberuflich bin ich als Supervisor tätig, deren Ausbildung ich mit einem Zertifikat vor zwei Jahren abgeschlossen habe.
Auf meiner Station habe ich täglich mit Patienten zu tun, die eine Multiple Persönlichkeitsstörung aufweisen. Obwohl diese mich oft an meine Grenzen bringen, finde ich die Arbeit mit ihnen als eine Herausforderung. Das Konzept der Spiele (in der Literatur von Eric Berne beschrieben) gehört in dieser Arbeit zu meinen Lieblingskonzepten. Dies ermöglicht mir in der Kommunikation mit ihnen nicht so schnell in die Fallen zu treten und eine gesunde Distanz zu ihnen zu halten und erleichtert die Reflexion immens.
In der Pflege erarbeiten wir anhand der Pflegeanamnese die verschiedenen Pflegediagnosen und erstellen individuell die Pflegemaßnahmen. Dazu zählt natürlich, dass im Team die nötige Transparenz vorhanden ist, die Rollen klar definiert sind und mit dem Patient Verträge geschlossen werden.
Obwohl die Grenzen immer wieder ausgetestet werden, Spaltungen immer wieder versucht werden, ist die Belastung nicht so groß, da eine regelmäßige Teambesprechung, Kollegiale Beratung und Supervision uns auf den Boden der Realität zurückholt.
Eine große Schwierigkeit sehe ich in unserem Berufzweig der Helfenden. Ich beobachte oft, dass Kollegen unbewusst die Rolle des Retters spielen und damit die Sachebene verlieren. Ich persönlich habe Möglichkeiten gefunden, mich kurz neben mich zu stellen und auf die Situation draufzuschauen. Aber auch dem Patient meine Gefühle (Wut, Ärger, aber auch Freude) zu äußern und die Grenzen aufzuzeigen. Ich mache den Patienten deutlich, dass ich weder der Retter noch der Verfolger bin und sie nicht das Opfer. Die Sachebene zu behalten ist bei diesem Klientel zwar schwierig, aber nicht unmöglich.
Wichtig ist, dass es mir erst einmal gut geht, sonst kann es dem Patienten nicht gut gehen. Dafür sollte immer Sorge getan werden. Eine wichtige TZI-Regel lautet: "Störungen haben Vorrang". Dies zu beherzigen und diese Störung zu benennen und auszusprechen erleichtert die Arbeit ungemein.

Bis dahin - ich muss mich jetzt um meine Patienten kümmern - und bis bald

Michael
 
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21.11.2004
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Hallo Friedrich,
MDP sind wohl der spannendste, aber auch der anstrengendste Bereich in der Psychiatrie. Habe erst vor kurzem meine Ausbildung beendet, (allerdings in der Psychiatrie) werde daher nicht viel dazu schreiben können. Es gibt ein sehr interessantes Psychiatrielehrbuch von Dörner und Plog. Es heißt " Irren ist menschlich". Dieses Buch ist ist so aufgebaut, das 1.) jeder Leie es versteht und 2.) wie schwammig, bzw. fließend die Grenzen zwischen `gesund` und `krank` sein können. Ich kann es Dir nur empfehlen, kostet ca 30 euro. In diesem Buch werden eigentlich alle psychiatrischen Erkrankungen erläutert, ohne das es in Ursachen, Symptome, Therapie...usw. geteilt ist. Und zum Umgang mit diesen MDP kann ich nichts weiter hinzufügen, als schon geschrieben wurde. Persönlichkeitsstörungen können nicht geheilt werden, man kann nur versuchen (durch Psychotherapie, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Enntspannungstherapie,...) mit ihnen im Leben zurecht zu kommen (was sehr schwer ist). Was vielleicht noch spannend ist, die meisten Patienten mit MDP werden im Maßregelvollzug behandelt/verwahrt. Hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen, Gruß Maria
 
Qualifikation
Krankenschwester
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André Rosellen

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07.04.2002
41469
irren seit 1988

Liebe Maria Ca!

Das von Dir erwähnt Buch ist seit 1988 auf dem Markt und mir selbstverständlich als ein Standardwerk sehr vertraut. Allerdings steht dort nichts spezifisches über Multiple Persönlichkeitsstörung.
Auch habe ich natürlich über die Entstehung, Therapie, Prognose und Pflege von Persönlichkeitsstörungen sehr viel in meiner Fachweiterbildung 1994 - 1996 gelernt und mich - wie im Krankenpflegegesetz gefordert - fortgebildet. Zudem unterrichte ich seit 1996 in verschiedenen Einrichtungen unter anderem dieses Thema, auch in Weiterbildungsstätten.

Bücher, die ich speziell zu diesem Thema empfehlen würde sind:

Erste Person Plural
Die Geschichte meiner vielen Persönlichkeiten
Camaron West
Ullstein TB - Verlag 8,95 €
ISBN 3-548-35985-X


Dissoziative Störungen und Konversion
Trauma und Traumabehandlung
Peter Fiedler
Beltz Psychologie Verlags Union
39,90 €
ISBN 3-621-27494-4


D I S
Diagnose und Behandlung der
Dissoziativen Identitätsstörung
Frank W. Putnam
Junfermann-Verlag
39,-- €
ISBN3-87387-490-3


Psychotherapie der Dissoziativen Störungen
Luise Reddeman et al.
Thieme-Verlag
39,95 €
ISBN 3-13-130511-8


Doch auch an Dich als Berufsanfängerin in der Psychiatrie die bereits zuvor erwähneten Fragen:

Welche Erfahrungen hast Du mit dieser Erkrankung?
Kannst Du dem Konzept (und welchem überhaupt) folgen?
Gibt es das überhaupt?
Welche Pflege- und Behandlungskonzepte wendet Ihr an?
Welche Literatur kannst Du empfehlen?
Wie gehst Du mit den Belastungen um, die zwangsweise damit einhergehen, wenn man sich auf die Betreuung dieser Menschen einlässt?


Ich suche Erfahrungen von Kollegen um mir ein möglichst umfassendes Bild über die Behandlung und insbesondere die Pflege zu verschaffen.
Außerdem interessiere ich mich dafür, wie es mit dem Umgang mit der Diagnose DIS (Dissoziative Identitätsstörung = Multiple Persönlichkeitsstörung) in anderen Häusern steht und ob es die gleichen Schwierigkeiten wie bei uns in den Behandlungsteams gibt.

Du musst übrigens nicht die oben erwähnten Bücher alle kaufen und lesen; ich habe mich bemüht, das Wichtigste auf meiner Homepage zusammenzufassen, schau doch mal rein,

LG

Friedrich
 
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offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
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Liebe Kollegen!

Wie geht man bei Euch auf der psychiatrischen Station mit der Diagnose "Multiple Persönlichkeit" bzw. "Dissoziative Identitätsstörung" um?

Welche Erfahrungen habt Ihr, könnt Ihr dem Konzept folgen, gibt es das überhaupt, welche Pflege- und Behandlungskonzepte wendet ihr an, welche Literatur könnt Ihr empfehlen, wie geht ihr mit den Belastungen um, die zwangsweise damit einhergehen, wenn man sich dieser Menschen annimmt und versucht, sie (in der Regel in Krisen) zu betreuen?

Erzähle auch gerne von meinen Erfahrungen, bin aber erst mal auf Eure Reaktionen gespannt. -

Also ran an die Tastatur

lieber friedrich,
danke für deine rückmeldung, und die buchtips sind sehr anregend. ich lese gern und viel, natürlich auch über meinen arbeitsbereich. ich arbeite auf einer geschlossenen aufnahmestation. du weißt sicher selbst, das wir somit nicht sehr viel mit MPS arbeiten. hin und wieder kommt es natürlich vor.insbesondere die borderline-störung, die inzwischen doch als ein komplexeres krankheitsbild betrachtet wird. behandlungsschemen laufen wohl ähnlich ab wie in anderen kliniken. Die patienten werden begrenzt, möglichst gleichbleibenes Verhalten von allen teammitgliedern, keine versprechen, wunden werden eigenständig mit steristrips versorgt (spritzende wunden oder bei sehnenverletzung vom arzt). es werden bei uns auch verträge mit pat./arzt/pflegeteam abgeschlossen, z.b. bei gewalt gegen mobilar fixierung für 7,5 h u.s.w. jeder vertrag wird mit den patienten verfasst und dieser unterschreibt. wir haben in unserem klinikum eine station für trauma und psychotherapie, ich habe die erfahrung gemacht, das sich MPS auch aufgrund von traumatischen dingen (z.b.vergewaltigung) entwickeln. diese patienten werden dann dort behandelt.eine weitere positive erfahrung mit MPS ist die behandlung mit Zyprexa, allerdings war das auch ein einzelfall.
bezüglich dem umgang mit belastungen, kann ich nur sagen das wir ein gutes team sind und viel über diese dinge reden können. sollte ich doch mal merken, das es mich mehr belastet suche ich mir meinen ausgleich über sport. außerdem finde ich es völlig ok,dem pat eine rückmeldung über meine sichtweise bzw. meinung zu geben, ihm also in bestimmten situationen auch sagen, das ich denke, das er sich mit diesem verhalten seine aufmerksamkeit einfordert...

liebe grüße maria
 
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André Rosellen

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07.04.2002
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Thema Zyprexa und Borderline bei Multiplen

Liebe Maria!

Ich freue mich übe Dein Interesse und Deine Antwort. Wie gesagt, jeder Erfahrungsbericht ist wertvoll.

Zwei Hinweise:

1. Multiple Persönlichkeiten haben keine Borderline-Störung, auch wenn es Symptomüberschneidungen gibt. Der Unterschied konnte wissenschaftlich belegt werden. Sie haben im Prinzip überhaupt keine Persönlichkeitsstörung sondern eben eine schwere dissoziative Störung. Die Symptome können teilweise ähnlich sein, so dass der Unterschied allein aus der Krankenbeobachtung heraus schwer zu erkennen ist. Allerdings sind die wesentlichen psychodynamischen Prozesse sehr verschieden.

So hat ja auch nicht jeder, der Fieber hat, Grippe,
bloß weil viele, die Fieber haben unter Grippe leiden,
sondern wer Fieber hat kann auch Meningitis, Appendizitis, Pleuritis, Hepatitis u.a. haben.



2. Hochpotente Neuroleptika (Zyprexa, Solian, Seroquel, Abilify, Fluanxol, Zeldox, Haldol u. a.) zur zentralnervösen Dämpfung und antipsychotischen Behandlung sind in der Regel nicht sinnvoll bei "Multiplen".
Häufig sind die Gründe für diese Gaben in einer falschen Symptomeinschätzung zu finden.
Das Wahnnahe Erleben und das Stimmenhören sind eben nicht psychotisch (siehe auch meine Homepage www.psychodoz.de) sondern haben mit jahrelangen Traumaerfahrungen und jahrelangem dissoziieren zu tun.

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LG

Friedrich
 
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André Rosellen

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Friedrich und sein André

Hi Zusammen!

Kurze Erklärung zu meinem Namen.

Heiße André Rosellen, hatte mich aber schon vor vielen Monden hier als Friedrich (mein 2ter Vorname) angemeldet. Habe erst jetzt das tool zum ändern erwischt, daher nicht wundern, wenn ich zuvor mit "Friedrich" unterschrieben habe

(Friedrich) André Rosellen
 
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wirdum

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Re: irren seit 1988

Liebe Maria Ca!

Das von Dir erwähnt Buch ist seit 1988 auf dem Markt und mir selbstverständlich als ein Standardwerk sehr vertraut. Allerdings steht dort nichts spezifisches über Multiple Persönlichkeitsstörung.
Auch habe ich natürlich über die Entstehung, Therapie, Prognose und Pflege von Persönlichkeitsstörungen sehr viel in meiner Fachweiterbildung 1994 - 1996 gelernt und mich - wie im Krankenpflegegesetz gefordert - fortgebildet. Zudem unterrichte ich seit 1996 in verschiedenen Einrichtungen unter anderem dieses Thema, auch in Weiterbildungsstätten.

Bücher, die ich speziell zu diesem Thema empfehlen würde sind:

Erste Person Plural
Die Geschichte meiner vielen Persönlichkeiten
Camaron West
Ullstein TB - Verlag 8,95 €
ISBN 3-548-35985-X


Dissoziative Störungen und Konversion
Trauma und Traumabehandlung
Peter Fiedler
Beltz Psychologie Verlags Union
39,90 €
ISBN 3-621-27494-4


D I S
Diagnose und Behandlung der
Dissoziativen Identitätsstörung
Frank W. Putnam
Junfermann-Verlag
39,-- €
ISBN3-87387-490-3


Psychotherapie der Dissoziativen Störungen
Luise Reddeman et al.
Thieme-Verlag
39,95 €
ISBN 3-13-130511-8


Doch auch an Dich als Berufsanfängerin in der Psychiatrie die bereits zuvor erwähneten Fragen:

Welche Erfahrungen hast Du mit dieser Erkrankung?
Kannst Du dem Konzept (und welchem überhaupt) folgen?
Gibt es das überhaupt?
Welche Pflege- und Behandlungskonzepte wendet Ihr an?
Welche Literatur kannst Du empfehlen?
Wie gehst Du mit den Belastungen um, die zwangsweise damit einhergehen, wenn man sich auf die Betreuung dieser Menschen einlässt?


Ich suche Erfahrungen von Kollegen um mir ein möglichst umfassendes Bild über die Behandlung und insbesondere die Pflege zu verschaffen.
Außerdem interessiere ich mich dafür, wie es mit dem Umgang mit der Diagnose DIS (Dissoziative Identitätsstörung = Multiple Persönlichkeitsstörung) in anderen Häusern steht und ob es die gleichen Schwierigkeiten wie bei uns in den Behandlungsteams gibt.

Du musst übrigens nicht die oben erwähnten Bücher alle kaufen und lesen; ich habe mich bemüht, das Wichtigste auf meiner Homepage zusammenzufassen, schau doch mal rein,

LG

Friedrich
Hallo,
lese mit viel Interesse eure Beiträge. Wir arbeiten auf unserer Station vermehrt mit PTBS - Patienten.
Mich interessiert besonders die Aufgaben und die eventuellen Fortbildung der Pflegekräfte. Bei uns basiert vieles auf privatem Engagement. U.a. habe ich selber vor Jahren eine psychotraumatologie - ausbildung und im letztem Jahr in den Niederlanden das Psycho – Edukative Training für traumatisierte erlernt.
Dieses biete ich jetzt in unserer Klinik an. Bekomme von den Patienten das Feedback das sie die informationen über körperliche Vorgänge als sehr wichtig empfinden.
Mich interesssiert ein austausch über eure praktische arbeit und über das Angebot eurer Station.mfg
 
Qualifikation
fachkrankenschwester für psychiatrie
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norden
A

André Rosellen

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07.04.2002
41469
Re: irren seit 1988

Hi Edna Wirdum!

Freue mich über Dein Interesse. Meine Ansichten über die Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS) oder besser über die Dissoziative Identitätsstörung (DIS)und über deren Pflege und Therapie hast Du natürlich schon in meinen Beiträgen gelesen. Noch ausführlichere Angaben zu Diagnostik, Pflege und Theapie findest Du auf meiner Homepage (www.psychodoz.de). Das alles hier aufzuschreiben würde den Rahmen sprengen.

Ich freue mich über die hohe Zahl der Aufrufe meines Beitrages. Wenn die Angaben der Profile nicht durch die Sicherung bei pflegedoard gelöscht wurden, bist Du seit 2000 dabei und dies ist Dein erster Beitrag - freut mich, dass er zu meinem Thema ist!
Interessiere mich natürlich für Deine Psychotraumatologie-Ausbildung und für das Psychoedukative Training für Traumatisierte. Wo kann man das lernen und welche therapeutischen Befugnisse kann man als (Fach-)Pflegeperson in Deutschland daraus ableiten? Wäre über eine Antwort seehhhrr Dankbar, gern auch als Email.

Der Schwerpunkt unserer offenen allgemeinpsychiatrischen Station ist die Behandlung von Menschen mit einer Emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (Borderline, F6.31), und zwar sowohl in Krisen als auch mit einem speziellen Therapieprogramm (DBT, siehe Homepage). Darin ist ein Großteil der Station fortgebildet.

Die Betreuung der Menschen mit einer DIS auf Station hat sch irgendwie ergeben, haben eine leichte Affinität dazu. D. h., dass wir inzwischen die Dritte bewusst in Krisen auf unserer Station begleiten. Eine spezielle Schulung haben wir nicht erhalten, zumal das Krankheitskonzept (inzwischen zu Unrecht) immer noch auch vom ICD 10 bezweifelt wird. Habe mir aber einiges angelesen, mich viel mit externen Therapeuten ausgetauscht und durch die Betreuung in Krisen auch einiges an praktischer Erfahrung gesammelt. Auf Wunsch hinterlege ich Buchtipps.

Das für diese Menschen entscheidende ist die Annahme ihrer Störung. Wenn wir dann noch in der Lage sind, ein Stück weit gezielt pflegerische therapeutisch darauf einzugehen ist das die Kür. Allein die Tatsache, dass kein Teammitglied ein überzeugter Zweifler an dem Krankheitskonzept ist hat für die Betroffenen unschätzbaren Wert und wird als sehr entlastend und hilfreich erlebt. Natürlich gibt es Kritiker und Spannungen, aber alles im Rahmen. Allein dadurch scheinen wir uns von einem Großteil anderer Behandlungsteams zu unterscheiden. Und klar ist: Wir bieten einen äußeren sicheren Ort der Akzeptanz, Verständnis und Empathie bietet. Die eigentliche Therapie findet mit den externen Einzeltherapeuten über viele Jahre statt, wir sind nur ein kleiner Baustein.

Mehr - wie gesagt - auf meiner Homepage und auf Nachfrage,

Liebe Grüße

André
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
W

wirdum

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29.11.2000
265
Re: irren seit 1988

hallo, i
ch gucke immer mal rein, bis jetzt hatte ich nicht so das richtige feeling zu diesem medium , habe es aber in anderer gelegenheit schätzen gelernt. soviel zu meinem langen ruhigem zeitraum. ausserdem vermeide ich die gross- und kleinschreibung.
ich habe die fachazsbildung zur psychiatriedachschwester 1999 beendet, dies war für mich sehr unbefriedigend, frustend. viele fragen bekam ich nicht beantwortet. war froh dass sie beendet war, ich es geschafft hatten, denn den schein wollte ich haben. heute kann ich den vorweisen und fülle ihn selbst mit arbeit aus.
die ausbildung zur psychotraumatologie konnte ich bei lutz besser folgen. die andere ausbildung habe ich in den niederlanden kennengelernt. ich habe das grosse glück die sprache zu beferrschen und in der nähe zu wohnen.

was hat mir die ausbildung gebracht?? finanziell gar nix.
aber mir selber in der arbeit ganz viel. hat mir sicherheit im umgang mit den patienten gegeben, ausserdem wirke ich als multiplikatorin in dem sinne, dass ich mein wissen an die weitergebe die es interessiert.
so hat es sich herauskristallisiert, dass bei der bezugsfrage ich die traumatisierten bekomme, dass bei unklarheiten ich gefragt werde. meine rolle im team hat sich langsam entwickelt. das bedeutet aber auch, dass ich bereit bin verantwortung zu übernehmen. das stösst auf widerstand einiger kollegen, die sich immer noch als Arztliche erfüllungsgehilfen sehen.

insgesamt macht mir meine arbeit viel spass.

du hast recht eine gewisse affinität zu der erkrankung ist schon sehr hilfreich, und kollegen, mit denen ich mich austauschen kann.

freue mich von dir zu hören edna
 
Qualifikation
fachkrankenschwester für psychiatrie
Fachgebiet
norden
A

André Rosellen

Mitglied
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Themenstarter/in
07.04.2002
41469
Hi Edna!

Danke für die Infos. Freut mich zu hören, dass es auch noch andere engagierte Pflegekräfte gibt, denen es vor allem auf den Inhalt und nicht auf "quality-faking" ankommt. Ich selbst habe 1996 das Staatsexamen in der Fachpflege gemacht. Der Kurs war inhaltlich zwar nicht komplett genial aber doch informativ und horizontzerweiternd. Über Multiple oder besser: Menschen mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS), wurde genau nichts berichtet.

Der Widerstand bei den Kollegen und im Haus ist mir nur zu gut bekannt. Jedenfalls ist das Wort Fachpfleger ein probates Mittel, im Team Ablehnung zu erhalten.
Die unausgesprochene Erwartungshaltung ist, dass man am besten nicht ausspricht, das man einer ist und sich wie vor der Weiterbildung verhält. Es ist lediglich schön, es bei Führungen als Aushängeschild ("wir haben hier auch Fachpfleger!") und bei Zertifizierungen gegenüber der Kasse ("eyh, Kasse, kuckstdu hier, ham wir voll Fachpfleger, also rück Kohle raus!") benutzen zu können. Ein eigenständiges Berufsbild/Stellenbeschreibung gibts nicht.

Schade

André
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
A

André Rosellen

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07.04.2002
41469
Infos über Multiple Persönlichkeiten

Hi Edna, Hi Forenleser!

Aufgrund der häufigen Aufrufe dieses Themas möchte ich nochmal auf meine Homepage - www.psychodoz.de - verweisen. Habe dort unter dem Stichwort Multiple Persönlichkeiten aus mehreren Fachbüchern und aus meiner eigenen Erfahrung das Wichtigste relativ ausführlich niedergeschrieben.

Hinweis für die Administratoren und Moderatoren:

An meiner Homepage verdiene ich nichts, es gibt keine Werbung o. ä.; sie wurdehauptsächlich erstellt, um Krankenpflegeschulen über meine Unterrichtsinhalte zu informieren. Ferner gibt es dort einige Infos zu Borderline und eben zu Multiplen Persönlichkeiten.

Liebe Grüße

André Rosellen
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
A

Anne-Marie

Neues Mitglied
Basis-Konto
16.06.2005
50937
hallo,
ich habe mich hier damals extra wegen diesem thread angemeldet, denn ich über google fand. ich bin 32 jahre alt und habe auch in der psychiatrie gelernt. 7 jahre arbeitete ich auf der akut geschlossenen psychiatrischen intensiv. nebenbei studierte ich psychologie bis zum vordiplom. ich habe meinen beruf geliebt...bis ich selber an DIS "erkrankt" bin. ich schreibe das in anführungsstrichen, weil es ausbrach aber wohl immer da war. vorher hatte ich ein hochfunktionales leben...bis die gedächnisbarrieren bröckelten.
seit 2002 bin ich nun arbeitsunfähig und habe eine reha-und therapie-odyssee hinter mir. ich kenne beide seiten des bettes...habe behandlungen gehabt die mir eher geschadet haben aber auch großes glück gehabt. ich würde euch gerne fragen beantworten, als patientin und als krankenschwester...euch meine persönliche meinung mitteilen. denn ich glaube dass es noch viele verunsicherungen gibt. komischer weise hatte ich in der ganzen zeit meiner berufstätigkeit nur eine patientin mit dis. rückblickend denke ich dass es daran lag, dass man sich eigentlich versucht zu tarnen. was für mich auch immer als patientin schwierig war ist, dass viele borderline-patienten diese diagnose benutzen und das bild mitunter völlig verzerren. so kommt es (meiner meinung nach) nämlich dazu, dass das konzept für bps angewendet wird, in der behandlungspflege was mich in einer klinik völlig retraumatisiert hat. hilfreich waren für mich grade die gespräche wo menschen erkannten dass die knallharte halbe stunde nicht reicht. menschen ohne scheu die wirklich verstehen wollten und auch keine berührungsangst haben. (natürlich leicht gesagt, aber ich würde gerne aus meiner sicht fragen beantworten...wenn es hilft zu verstehen). mir hat immer "zurück" geholfen wenn mich jemand laut ansprach und auch wie es hier schon beschrieben wurde reorientierend gearbeitet wurde und auch!! wenn das bohei zu groß wurde, wenn man uns einfach in ruhe gelassen hat. tavor expidet wirkte und wirkt bei mir als bedarf sehr gut um sich ankündigende switche abzufangen. zyprexa half in kritischen klinikzeiten auch sehr gut hatte aber diese nebenwirkungen mit obstipation und fressattacken was mich wiederum an traumata erinnerte.
ich brauchte anfangs in kliniken einen hohen sicherheitsrahmen und viel aufmerksamkeit um mich sicher zu fühlen... dass erkannt wird wenn etwas aus der kontrolle gerät. heute nach 3 jahren bin ich soweit, dass mir die bfa eine umschulung in mediendesign genehmigt hat und ich habe meine symptome soweit wieder unter kontrolle, dass ich zurück ins leben möchte.
ich habe sehr viel über mich gelernt aber auch über meinen beruf als krankenschwester, den ich leider nicht mehr ausüben darf.
viele grüße
Anne-Marie
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
psychiatrische Notaufnahe; geschlossen
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

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