MRSA, Tretraplegie, Bronchitis

T

tulpen

Mein Mann ist seit einem Unfall (Fenstersturz) im Mai diesen Jahres querschnittsgelähmt. Er wurde im Ausland operiert und ist seit Anfang Juni wieder hier in Deutschland. Er wurde zunächst isoliert (wegen möglicher Krankenhauskreime) und getestet. Nach drei Tagen war klar: er ist keimfrei. Drei weitere Tage später (bis dahin war er auf der Intensivstation im Einzelzimmer) wurde er auf die Station für Rückenmarkverletzte verlegt. Mir fiel auf, dass auf der Station eine größere Anzahl an Zimmern einen Hinweis hatten: Bitte vor Eintreten beim Pflegepersonal melden. Eine Information über mögliche Krankenhauskeime auf dieser Station bekam ich nicht. Zunächst lagen 3 Patienten im Zimmer, dann kam aus einem der anderen Zimmer ein weiterer Patient hinzu, bei dem man wenige Tage später Keiminfizierung (welche weiß ich nicht) in der Blase feststellte. Das "Zimmer" wurde isoliert, alle getestet, besondere Hygienemaßnahmen vorgenommen. Der infizierte Patient wurde in einem anderen Zimmer untergebracht. Nach der Testung stellte man fest: 2 Patienten keine Keime, 1 Patient MRSA in der Nase (mein Mann). Einzelzimmer und Sanierungsmaßnahmen. Mein Mann bekam zwei Tage später eine eitrige Bronchitis und leidet seit dem sehr darunter.
Meine Fragen:
Was kann ich tun (z.B. Naturheilmittel) damit in seinem geschwächten Zustand und dann auch noch mit MRSA, die Bronchitis abheilt? Er bekommt einen berstimmten Hustensaft und kann aufgrund der Lähmung nicht abhusten.
Was muß getan werden, damit er MRSA wieder los wird?
Worauf sollte ich als Angehörige achten?
Welche Fragen sollte ich den Ärzten stellen?
Was ratet ihr mir über diese Fragen hinaus?
 
S

Surrogat

Themenstarter/in
Zum Thema MRSA existieren beim Robert-Koch-Institut

RKI Informationen zu ausgewählten Erregern

umfangreiche Dateien.:thumbsup:


In der Regel bedeutet die Infektion eines Patienten mit MRSA für ihn (und sinnvollerweise auch mit einigen Abstrichen für seine Angehörigen):

- Isolationsmassnahmen

- Eingeschränkter Besucherkontakt (keine Immungeschwächten, Kinder, Schwanger, alte Menschen, etc.)

- Spezielle Sanierungsmassnahmen (2xtgl. Ganzkörperwaschung nach RKI-Schma mit zugelassener Waschlösung, Mund- und Nasenreinigung)

- Systemische Antibiotikagabe (sofern noch eines greift) erst bei Krankheitsausbruch - nicht "einfach `mal zur Sicherheit"

- Screening nach Standard


Obwohl MRSA primär für einen gesunden Menschen keine Gefahr darstellt, ist er für immungeschwächte Patienten oder Menschen in reduziertem Allgemeinzustand ein grosses Risiko.


Die deutschlandweite Situation bzgl. MRSA ist ziemlich gravierend; je nach Quelle geht man von einer Durchseuchung des allgemeinen Personals von 25 - 50% aus (Altenheime angeblich teils bei über 50% der Bewohner) woraus sich dann leicht das häufige Auftreten eines gesicherten MRSA-Falles erklären lässt. Im Vergleich zu Ländern aus dem Nordeuropäischen Raum ( Niederland, Dänemark) schneiden wir sehr, sehr schlecht ab.
Es gibt z.B. Klininken in den NL die alle! Patienten aus Deutschland bis zum Beweis des Gegenteils (negativer Test) erst einmal isolieren - die Zahlen (allgemeine Durchseuchungsrate unter 5%) geben ihnen recht, insbesondere da ein zu bekämpfender, frisch ausgebrochener MRSA-Fall sehr teuer ist.


Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands u.a.

- Aktive Verharmlosung des Keims ("der ist doch eh`nur für Kranke gefährlich") bzw. mangelnder Informationsstand durch bzw.von Fachkräfte

- Mangelhafte Informationspolitik in Richtung Angehörige...ein Grund weswegen du jetzt hier posten musst :whistling

- Sehr mangelhafte Händehygiene, insbes. auf ärztlicher Seite!("Merken Sie sich:der Arzt ist per se immer keimarm") :mad_2:

- Inkonsequente Isolationsmassnahmen bei erkanntem MRSA ("der blockiert doch ein ganzes Zimmer!")

- Sparzwang ("so ein MRSA-Screening ist viel zu teuer!")

- Schlampig durchgeführte Sanierungsmassnahmen, teils aus Zeitmangel ("Mensch, was die da wieder `rummacht - 1 Stunde zum Waschen ist doch nicht normal")

- Teils fehlende hausinterene Standards zur Prophylaxe, Screening und Behandlung (in Anlehnung an das RKI)

- Ungeplanter, inadäquater und teils völlig sinnfreier Einsatz von Antibiotika in der Vergangenheit (und teils auch weiterhin)

- Schlampige Raumhygiene durch schlecht ausgebildetes und unter zeitdruck stehendes Reinigungspersonal ("Putzen kann doch jeder")
 
weissbrk

weissbrk

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07.03.2006
Münster
Hallo Tulpen,
ich kann dir von meinen Erfahrungen als Angehörige berichten. Als erstes Mal solltest du die Ärzte und das Pflegepersonal fragen, was warum mit welchem Ziel gemacht wird. Einzelzimmer und Sanierung hört sich doch schon ganz gut an.
Bei uns wurde in versch. Häusern unterschiedlich mit dem Thema umgegangen. In einem KH durften immer höchstens 2 Personen in voller Verkleidung (Mundschutz, Kittel, Handschuhe) ohne Taschen und Überkleidung ins Zimmer, im anderen Krankenhaus wurde uns geraten, keine Kleinkinder mitzubringen, vor und nach dem Besuch die Hände sorgfältig zu desinfizieren und lieber zu klingen, statt auf dem Flur eine Schwester zu suchen. Für sämtliche Maßnahmen "am Patienten" (lagern, waschen, etc.) volle Verkleidung des Personals.
Im dritten Haus war alles egal, jeder durfte rein und raus wie er wollte und nur zum Verbandswechsel wurden Kittel und Handschuhe, aber kein Mundschutz getragen. Hier war aber "nur" ein Wund-MSRA (Druckgeschwür am Po) festgestellt worden. Als der Keim auch die Nase besiedelt hatte, gabs fürs Personal auch die volle Verkleidung.
Meine Erfahrung: Wenn man immer wieder freundich und bestimmt um Aufklärung bittet und konkrete Infos haben möchte, was man selbst tun kann, wirds auch irgendwann was! Auch ich habe viele Grundinfos hier im Pflegeboard bekommen und konnte dann auch besser "mitreden".
Ich finde, Du bist auf dem richtigen Weg, ich wünsche Dir viel Kraft!!
 
Qualifikation
Verwaltung
Fachgebiet
privat