Mobbing durch Patienten

K

kellyb

Neues Mitglied
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25.07.2006
97447
Hallo !
Ich bin Krankenschwester auf einer chirurgischen Station und bitte dringendst um Hilfe!
Eine meiner Kolleginnen wurde von 3 Patientinnen, die zusammen in einem Zimmer untergebracht waren, beschuldigt, sie nicht ausreichend versorgt zu haben. Der Sohn einer dieser Patientinnen schloss sich nach einer fälschlichen und überdramatisierten Schilderung seiner Mutter kurzerhand telefonisch mit der Geschäftsleitung unseres Hauses kurz und drohte mit einer öffentlichen Beschwerde.
Daraufhin wurde diese Schwester zur Pflegedienstleitung beordert und bekam eine schriftliche Abmahnung!
Ich und die anderen Kolleginnen auf Station sind von der Unschuld der betreffenden Schwester nach ihrer glaubhaften Schilderung überzeugt und sind alle derselben Meinung - diese Pflegekraft übt ihr Amt stets mehr als sorgfältig aus und verdient weder eine ungerechtfertigte Abmahnung, noch Vorwürfe wie "geschäftsschädigendes Arbeiten" und "unfreundliches Verhalten".....diese Schwester ist einfach so lieb zu Patienten, wie es nur irgend möglich ist :blushing:
Es kam an diesem Tag noch dazu, daß der Sohn der Patientin erbost war darüber, daß eine gewisse Untersuchung am Wochenende nicht stattfand.
Ich möchte meiner Kollegin so gerne helfen, weiß aber nicht, ob und welche Rechte sie in diesem Fall als Arbeitnehmerin hat!
Was kann ich selbst unternehmen?
Kann man gegen eine solche Abmahnung Einspruch erheben?
Wer weiß Rat ???

Vielen Dank für Eure Hilfe!
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Chirurgische Station
S

Surrogat

Immer von der Warte ausgehend, das die Abmahnung völlig unbegründet und wie leider sehr häufig auf mangelhaftes Beschwerdemanagement bzw. fehlende gezielte Deeskalation zurückzuführen ist:

Rate deiner Kollegin sofort den Betriebsrat/die MAV einzuschalten um genaue rechtliche Beratung & Unterstützung zu erhalten!
Eigentlich sollte dieser nach § 102 BetrVG schon informiert sein....
Desweiteren soll sie bei jeder weiteren Vorladung/Aussprache etc. ab jetzt immer mit einem Vertreter der o.g. Stelle erscheinen, um eine Benachteiligung sicher auszuschliessen.

Lasst dieAbmahnung auf Formfehler prüfen (s.u.)

Verfasst eine schriftliche, detailierte Gegendarstellung ("nicht ausreichend versorgt???")
Benennt Zeugen für gegenteiliges Verhalten, beruft euch auf die bis dato tadelose Arbeit der Kollegin, stellt Sachverhalte des Tages wertfrei dar, benennt nicht zu verantwortende Erschwernisse wie das Fehlen von Personal bzw. Überlastung (Stichwort: Organisationsverschulden des Arbeitgebers), etc.
Benennt aktiv das fragwürdige Verhalten des Sohnes (Ausklammerung der betroffenen Schwester und Leitung im Bezug auf ein klärendes Gespräch vor dem Weg zur Geschäftsleitung)

Prüft die Akten der betroffenen Patienten und fertigt eine "geistige Memo" davon an - evtl. erhielten die Patienten bewusstseinsverändernde Mittel bzw. leiden an Erkrankungen die evtl. die Wahrnehmung der Realität/Zeitablauf beeinflussen (Senile Demenz, Exsikkose, febrile Temperaturen etc.)??
Vorsicht: Schweigepflicht!
Sollte sich hier etwas entlastendes finden, so ist diese Trumpfkarte erst nach genauer Rechtsbelehrung zu spielen, sonst geht der Schuss nach hinten los...


Danach lasst das ganze über die Schiene Stationsleitung - PDL laufen und verlangt eine sofortige Rücknahme der Abmahnung bzw. Entfernung derselben aus der Personalakte.

Scheut euch nicht vor dem Einsatz weiterer rechtlicher Mittel (Anwalt für Arbeitsrecht) - eine Abmahnung ist keine leichte Sache!

++++++

" Bei einer arbeitsrechtlichen Abmahnung gibt es die Möglichkeit, eine Stellungnahme zur Personalakte zu geben; man kann alternativ oder zusätzlich Klage auf Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte erheben, falls man die Abmahnung für unberechtigt hält. Auch wenn man gar nichts unternimmt, muss der Arbeitgeber aber bei einer späteren Kündigung im Kündigungsschutzverfahren immer noch nachweisen, dass die Abmahnung berechtigt war.

Eine Abmahnung bedarf laut Rechtsprechung zu ihrer Wirksamkeit:

Beanstandung
Der Arbeitgeber muss den konkreten Sachverhalt benennen, durch den der Arbeitnehmer gegen den Arbeitsvertrag verstoßen haben soll.

Hinweis
Der Arbeitgeber muss darauf hinweisen, dass er ein solches Fehlverhalten in Zukunft nicht dulden wird.

Ankündigung
Der Arbeitgeber muss die konkrete Maßnahme benennen, die er vornehmen wird, wenn der Arbeitnehmer nochmals das selbe oder ein ähnliches Fehlverhalten an den Tag legen wird.
Der Arbeitgeber kann in einer Abmahnung auch mehrere Fehlverhalten beanstanden. Dann müssen allerdings alle beanstandeten Pflichtverstöße zutreffend sein. Ist dies bei nur einem Vorwurf nicht der Fall, wird die Abmahnung als ganze ungültig, auch soweit sie zutreffend ist."


Hier noch ein Link zum Thema:

Abmahnung Gegendarstellung